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Die Wahrheit · 1907-11-22 · Heft 45 (22.11.1907) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 45 (22.11.1907)
Date
1907-11-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 45. Die Wahrheit reite 3. GR. Klebinder, Ortsschulrat Sekretär Fuchs. Der Kultusvorstaud war vertreten durch die Vizepräsidenten Dr. Gustav K o h n und Baurat Ritter v. G o l d s ch m i d t. die Kultusvorstände Dr. Spitzer, kaiserl. Rat Kauders, Tr. L ö w i, Ad. Schramek, kaiserl. Rat I. Sekretär Dr. Lieben und Tempelvorsteher Karl Lemberg er. Die Humanitären Vereine repräsentierien „Moutefiore", Obmann W e i n w u r m. „Selbstbilfe" Herr F e l d b a u e r, „Nächstenliebe" Herr Roienblatt, der Frauenverein war durch das Vorstandsmitglied Frau Dr. W i n t e r n i tz, „Kinderschuh" durch Frau Z e r n e r vertreten. Außer dem Festredner Herrn Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n waren anwesend die Rabbiner Dr..A b e l e s, Dr. Bach, Dr. David, Dr. Feuchtwaug mit ihren Gattinen, ferner Herr Regierungsrat Dr. Schlag, die leitenden Kreise der landwirtschaftlichen Börse, kaiserl. Rat Weil. Generalsekretär Dr. H o r o w i tz, Börserat Breit n er rc., ferner die Oberkantoren Jakob Bauer und Bela G n tm a it» samt Frau. Nach einem von Willy L ö w i t auf dem Harmonium zur Geltung gebrachten Präludium dirigierte Herr Kantor L ö w i t den von ihm komponierten Festchoral, dessen Soli der Oberkautor Guttmann mit den Sängern des Synagogenverbandes mit hinreißender Wirkung vortrug. Zum Vortrag des herrlichen, von dem durch Krankheit verhinderten Rabbiner Dr. S ch m i e d l verfaßten Festprologs — Weihegedichtes „Nathan der Weise" — betrat von herzlichem Applaus begrüßt, Herr Direktor Adolf W e i s s e die Estrade, und entfesselte mit seiner Rezitation einen Sturm von Beifall, der dem ehrwürdigen Autor sowohl als auch dem künstlerischen Interpreten galt. Der-nimmermüde Präsident Isidor S ch w a r z kennzeichnete hierauf! in glänzenden Ausjührungen die Ziele und Bestrebungen des Vereines und seine Rede klang in eine von der Versammlung jubelnd aufgenommene Huldigung für den iviedergenesenen Kaiser aus. Oberrabbiner Dr. Güdemann, der zum erstenmale in diesem Vereine die Festrede hielt, zeigte sich wie schon oft als glänzender Gelegenheitsredner und als er in geistvoller Weise auf die Räume hinweisend, den gegenwärtig von den leitenden politischen Kreisen betriebenen Handel und Schacher in den Bereich seiner Betrachtungen zog, da erdröhnte frenetischer Beifall, in dem sich der gerechte Zoll der Bewunderung des großen Auditoriums kundgab, ' Nach den trefflichen Reden der Herren R. v. G o l d s ch m i d t, s BezirkS-Obmann-Stellvertreter Jerzabek, Regierungsrat Dr. Sch la g,! saug Oberkantor G u t t.m a n u, brillant in Ton und Bortrag, zwei Lieder! und mit einem Schlußchoral der Sängerschar. schloß die in allen Teilen j glänzend gelungene Feier. Bei dem am abend abgehaltenen Bankette wurden dem unermüdlichen Präsidenten, Herrn Isidor Schwarz, herzliche Ovationen bereitet und demselben,, da er an dem gleichen Tage sein silberne» Hochzeitsfest mit seiner Gattin, geb.Schn ürmach er begieng, ein fotografisches Tableau! des derzeitigen Vorstandes überreicht. Wien. lB a r - M i z w a h.) Samstag, den 16. d. M. hat hier I im Ottakringer Tempel die Bar-Mizwah des Gymnasiasten Lothar Lerne r,! Söhn des Med. Laryngologen, Dr. Simon L erner und Frau Dr. Johanna L e r ii e r. geb. Kapaun er aus Oppeln, stattgefunden. Rabbiner Dr. j Bach hielt zunächst an den Firmling eine schwungvolle Ansprache, in j welcher er ihm ans Herz legte, für immerdar ein treues und hingebendes! Mitglied seiner Glaubensgenossenschaft zu bleiben. Der Barmizwah trug ' dann das Maftir und die Haftorah mit Verve und Wohlklang ganz unj gezwungen vor zur Freude und Genugtuung seiner Eltern und aller anwesenden Andächtigen. Bei dieser Gelegenheit soll auch nicht unerwähnt bleiben, daß der Ottakringer Tempel an Herrn I. Kantor Mathias einen ausgezeichneten und selten stimmbegabten Funktionär besitzt, der wirklich geeignet ist, die Frequenz dieses Gotteshauses außerordentlich zu heben. Die Gäste, welche aus verschiedenen Städten Oberschlesiens herkamen, um an der Bar-Mizwah teil zuuehmen, hatten förmlich nicht aufgehört den kunstvollen Vortrag und den schönen Gesang des Herrn Mathias zu loben und zu bewundern. Ch. N. R. Wien-Flori-sdors. Wir werden um Aufnahme folgender Zuschrift ersucht: An eine geehrte Redaktion „Die Wahrheit", Wien. Unser Rabbiner Dr. Rosenmann hat für die Talniud-Tbora-Schule in Floridsdorf augenscheinlich auf Grund der Notiz, die in Ihrem geschätzten Blatte erschienen ist, eine Spende aus Budapest anonym erhalten. Sie würden uns zu Danke verpflichten, wenn Sie folgende Zeilen in der nächsten Nummer bringen würden: „Die Talmud-Thora-Leitung in Floridsdorf sagt hiemitDank dem anonymen edlen Spender aus Budapest, der an Herrn Rabbiner Dr. Rosenmann einen Beitrag für unseren Fond hat zukommen lasten. Mit vorzüglicher Hochachtung für die Talmud-Thora-Leitung: Dr. I. Ruß, dz. Schriftführer." Krumau. Sonntag, den 1. Dezember, findet in Dresden die Trauung des Fräulein Lilly Spiro, Tochter des Fabrikanten und Kultusvorstehers Herrn Ludwig Spiro in Krumau, mir Herrn Rechtsanwalt Dr. Heinrich N e u m a n n aus Berlin statt. Die Familie Spiro genießt wegen ihres vielfach betätigten humanitären Sinnes und ihrer opferwilligen Leistungen für das öffentliche Wohl und die Entwicklung der Kultusgemeinde mit vollem Rechte allgemeine Verehrung in den weitesten Kreisen und es ist nur natürlich, daß sich dem Brautpaare allseitige Sympathien zuwendeu. Monor. Für die hiesige Kultusgemeinde wurde Herr M. B a l o g h, welcher in Wien sowohl in der Rembrandtals auch in der Fugbachsynagoge mehrere Jahre amtiert hat, zum Oberkantor gewählt und erfreut sich durch seinen schönen Bortrag und sein fachmännisches Talent allseitiger Beliebtheit. Poderfam Vorigen Monat ist Herr Rabbiner Rudolf R y chn o w s k y im 56. Lebensjahre gestorben, der in Poderfam 25 Jahre wirkte und ob seines bescheidenen, liebenswürdigen Wesens allseits beliebt und hochgeschätzt war. Bon seinen Kindern ist der eine Professor, der andere Schriftsteller. Rychnowsky beteiligte sich auch an der Herausgabe der „Mitteilungen" des isr. Lehrervereines in Prag. Er ruhe sanft! Kattowitz Die „Kattowitzer Zeitung" berichtet^ Der jüdische Volksabend, den die hiesige zionistische Ortsgruppe am Lonntag Abend im Saale des Hotel Kaiserhof anläßlich des Oberschlesischen Zionistentages veranstaltete, nahm unter starker Beteiligung der einheinriicheri jüdischen Bürgerschaft und zahlreicher Gäste aus den verschiedeusteu Orten Oberschlesiens und Russisch-Poleu» einen glänzenden Verlauf. Eingcleitet ivurds der Abend, durch begrüßende Worte des Herrn Dipl.-Jngenieurs Hecke r. dem gemeinsamer Gesang eines jüdisch-nationalen Liedes folgte. Musikalische und rezitatorische Darbietungen jüdischer Kunst reihten sich in buntem Wechsel aneinander. Einen hervorragenden Anteil an dem Erfolge des Abends gebührt Herrn Oberkantor Singer, der sich als, Sänger, Komponist und Pianist vornehm künstlerisch beteiligte. Er sang zunächst Lieder von Bruch und Raff und eine von ihm selbst (nach Worten von Leo Rafaels i stimmungsvoll und charakteristisch komponierte Hymne „Ein Hauch weht durch die Lande". Im weiteren Verlaus des Programmes spielte er — in Stil und Technik glänzend — eine Phantasie über die Melodie „Eli Zion". Seine Darbietungeu wurden mit stürmischem, sich immer erneuerndem und steigendem Beifall belohnt. — Fräulein H e l l w i g vom Stadtthearer sang Lieder von Goldmark und Moczkowsky musikalisch und ausdrucksvoll, erntete lebhaften Beifall und mußre sich zu einer Zugabe verstehen. Paris, 19. November. Die verwitwete Baronin Julie Rothschild ist in der verflossenen Nacht ans ihrem Schlöffe Pregny bei Genf im Alter von 77 Jahren gestorben. Baronin Julie Rothschild war das älteste Kind des im Jahre 1874 verstorbenen Chefs des Wiener Bankhauses S. M. v. Rotbschild, Anselm Salomon Freiherrn von Rothschild. Sie wurde am 2. September 1830 geboren und vermählte sich am 16. Oktober 1850 mit Adolf Freiherrn v. Rothschild, einem der Söhne des vreußischen Kommerzialrates Karl Mayer Freiherrn v. Rothschild, des Chefs des Frankfurter Hauses Rothschild. Adolf Freiherr v. Rothschild ist bereits am 7. Februar 1900 in Paris gestorben. Seine Witwe lebte seit Jahren auf ihrem Schlosse Pregny am Genserfee. das von herrlichen Parkanlagen umgeben ist. Kaiserin Elisabeth hatte stets, so oft sie in Genf sich aufhielt. Baronin Rothschild in Pregny besucht und war auch wenige Tage vor ihrem Tode dort. Baronin Julie Rothschild hat drei jüngere Schwestern, Baronin Mathilde Rothschild in Frankfurt am Main. Baronin Louise Franchetti in Turin und Baronesse Alice Rothschild in London. Ihr Bruder Nathaniel Rothschild ist ihr im Jahre 1905 im Tode vorangegangen. Baron Albert Rothschild ist auf die Nachricht vom Tode seiner Schwester heute morgens sofort nach Genf abgereist. Feuilleton. Dersöhnte Aeinde. Bon Babette Fried. (Fortsetzung.) Im gleichen Einerlei verging den Bewohnern des Herrmann'schen Hauses Tag um Tag, ohne daß eine Nachricht von dem vermißten und als tot beweinten Sohne des Hauses eingelangt wäre. In Prag waren die preußischen Truppen eingezogen und in Mähren wurden eifrig Friedensunterhandlungeu gepflogen. Hie und da verirrte sich ein Zeitungsblatt in das entlegene Städtchen, aber bei der strengen Zensur, die in dieser unruhigen Zeit geübt wurde, erfuhr man auch nichts Rechtes. Die beiden Freundinnen saßen allabendlich nach getanem Tageswerk in dem kleinen Stübchen, das sie gemeinschaftlich bewohnten und unterhielten sich von den kleinen Erlebnissen des Tages. Rosa war allmählich etwas heiterer geworden; die Hoffnung. den geliebten Bruder wiederkommen zu sehen, hatte sie immer noch nicht aufgegeben. Fest glaubte sie daran, daß, so lange ihr Bildnis nicht wiederkam, so lange lebe er. In den Gesprächen der beiden Mädchen spielte der ..Doktor", wie sie ihn kurzweg nannten, so lange sie unter sich waren, keine unbedeutende Rolle. Rosa geriet immer in Feuer, wenn sie von ihm sprach oder sprechen hörte, so daß einmal Anna, scherzend mit dem Finger drohend, ausrief: „Rosa, Rosa, mir scheint, daß Du den preußischen Doktor am Ende gerne hast."

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