Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 45 (22.11.1907)
- Date
- 1907-11-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wahrheil Nr. 46. Leite 8. freiwilliger Armut als Brillenschleifer und eiusamer Denker. Und so findet er darin seinen Frieden. Seine bescheidene Gestalt selbst erwächst zu der eines Messias, mir der jener eben damals aufgetretene gauklerische syrische „Messias" Sabbathäi Zewi in seltsamen Gegensatz tritt. Wie von Zewi hallt der Roman auch von anderen historischen Namen jener großen Zeit wider: der berühmte Rabbi Morreira, der edle Rabbi Manasse den Israel, aus Rcmbrandrs Radierungen bekannt, Rembrandt selbst, Christian Huygens, Jan de Witt, Leibnitz, sie alle treten in den Gesichtskreis, mit scharfen Strichen gezeichuct. Aber nirgends spürt man den kalten Hauch der Historie, alles ist warmes Leben. Der Roman vereint die leuchtenden Farben deS „Reigens der schönen Frauen" mit der riesen Innerlichkeit „Lucidors des Unglücklichen" und dem menschenfreundlichen Humor von „1848". Und vor allem ist er das Werk eines echten Dichters, der trotz verschiedener Abstammung und Konfession im vollen Gegensätze zu dem vor einem halben Jahrhunderte erschienenen und gleichbetitelten Romane Berthold Auerbachs mit feinem ganz modern empfundeneir Titelhelden ein wahrhaft kulturhistorisches Buch mit liebevoller Tendenz und trefflichster Milieuschilderung schuf. Erich B e r o n s k i. H ü b l Dr. A., Stistsbibliothekar und Profeffor am k. k. Schottengymuasium, Geschichte des Unterrichtes im Stifte Schotten in Wie«, herausgegeben anläßlich der Zentenarfeier des k. k. Schottengyuiuasiums. XI und 385 Seiten Großoktav. Preis K 7*50. Wien 1907. Karl Fromme. Anläßlich der Zentenarfeier des k. k. Schottengymiiasiums in Wien am 4. November 1907 unternahm es der Verfasser, die vielfältigen Arten des Unterrichtes, die' im Benediktinerstifte Schotten seit seiner Gründung im Jahre 1158 gepflegt wurden, in einem feffelndcn Buche darzustellen, in welcheoi ein großer Ausschnitt österreichischer Schulgeschichte geboten wird, und zwar mir steter Rücksicht auf die allgemeinen typischen Erscheinungen. so daß auch der Fachmann die Arbeit in die Hand nehmen wird, zumal im Anhänge abgedruckte Aktenstücke den Text unterstützen. Aus den reichen Ziffern des Hüblschen Buches verdient die Tabelle, welche das Rellgionsbekeuntnis der Besucher des Schotteilgymnasiums ausweist, Beachtung. An dieser von katholischen Geistlichen, zwar immer im milden Geiste St. Benedikts, geleiteten Anstalt, an welcher im Durchschnitte alljährlich. 300 Schüler unterrichtet werden, studierten in den Jahren von 1867—1907 666 mosaische Schüler, und zwar in keiueni Jahre weniger als 20. in einzelnen dieser Jahre ober 71, 57. 54, 46. 38 u. s>. w., also 12-20 Prozent, Wenn du Zahl von 1884 ab, nicht mehr 20 erreichte, so erklärt sich dies damit, daß eine Ministerialverorduung den Schulerhalter zwingt, weun mehr als 19 Schüler einer Konfession augehören, für einen besonderen Religiouslehrer dieser Konfession auf eigene Kosten zu sorgen. Die Zahl der evangelischen Schüler erreichte häufig die zulässige Höchstzahl 19 und bewegt sich sonst zwischen 12 und 18. Für die ehemaligen Schottenschüler dürste von besonderem Jnteresie das Verzeichnis der' Abiturienten seit 1850 mit Angabe ihrer Lebensstellung sein. Oskar T a l b o t. „Pnvsch"-Kal«»dLr 1908- Der im Verlage der Hofbuchhandlung M. Perles soeben erschienene und von C. S ch ö n w a l d herausgegebene „Puusch"-Kalender tritt nunmehr in den 39. Jahrgang feines Bestehens. Derselbe bietet eine Fülle humoristische Aufsätze und ist mir über 70 heitere» Illustrationen ans gestattet. Julius Stetten heim, Karl Costa, Julius Bauer, Alexander Engel. Heinrich Penn, Moriz Band, Ed. N a s ch s u. A. haben sich mir trefflichen Beiträgen eingestellt. Es ist daher für jeden Freund amüsanter Lektüre die Anschaffung dieses Jahrbuches, welches zum geringen Preis von 80 Hellern durch alle Buchhandlungen zu beziehen ist, bestens zu empfihleu. Uerschiedeue Nachrichten. Wie». Freitag - Abend, den 22. November 1907, Predigt im Leopoldstädtcr Tempel. Wie». Der vorwöchentliche Konzertabend der Toynbee-Halle, der Samstag, den 16. d. M., stattfand, wurde von der Musikpädagogin Frau Profeffor Stock arrangiert und brachte den Mitwirkeuden reichen Beifall. Frl. Spolansky, eine sehr begabte jugendliche Pianistin, Herr Reth i, der auf der Geige reiches Können bewies, und Herr Kantor Heller teilten sich in die Ehren des Abends. — Am ersten Tage Chanuka werden in der Toyubee-Halle anläßlich der Festjause 300 arnie Schulkinder der Brigittenau mit Kleidern und Spielsachen beschenkt. Es ergeht die Bitte an die Besitzenden, Spenden von derartigen Gegenständen an den Vorstand gelangen zu lasten und auf diese Weise zur Freude der Kleinen deizutragen. Wie». (Jüdisches M u s e u m.) Hier sind für kurze Zeit neu aufgestellt worden, die künstlerisch ausgesührten, mit prächtigen Enveloppen ausgestattetcn Adressen, welche Herrn Baurat Theodor v. Goldschmidt anläßlich der Feier seines 70. Geburtstages voii zahlreichen Korporationen überreicht worden sind. Sonntag, 24. November 1907, ^12 Uhr vormittags, wird einem vielfach geäußerten Wunsche entsprechend, eine Führung durch das „Jüdische Museum" stattfinden, wobei von sachkundiger Seite die wichtigsten Objekte beschrieben und erklärt werden sollen. Das Mitseum ist stets Samstag und Sonntag, von 11 bis 1 Uhr, für den allgeuieinen Besuch geöffnet, am ersteren Tage unentgeltlich, am letzteren Tage gegen Entree von 20 Heller. Wie». Der Verband der israel. Religionslehrer in den österreichischen Mittelschulen hielt am 16. d. M., unter dem Vorsitze seines Obmannes, Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. F e u ch t w a n g eine Ausschußsiitznng ab. Tagesordnung: Vorbesprechung für die G e n e ra l-V e r s a m m l u n g. Dieselbe wird am 30. und 31. Dezember a. c., in der Religionsschule der israelitischen Kultusgemeinde (I., Seitenstettengaffe 2, II. Stock.» abgehalten werden. Beginn: Montag, den 30. Dezember um 10 Uhr mit folgender Tagesordnung: 1. Erstattung des Rechenschaftsberichtes über die abgelaufene Fnnktionsperiode. 2. Kassabericht. 3. Wahl des Obmannes und des Schriftführers. 4. Wahl des Ausschusses. 5. Wahl der Revisoren. 6. Vortrag des Herrn Prof. Tr. A. Weiß: Hebräisch in der Mittelschule. Wien. Der Verein „B e t h a m i d r a s ch Talmud Thora" veranstaltet in seinem neuen stattlichen Heim jüdisch-wissenschaftliche Vorträge für junge Leute. Den ersten Vortrag hält Sonntag, den 24. d. M., 6—7 Uhr abends, II., Malzgasse 16. Herr Professor Antscherl über „Das Zeitalter des HasmonäerS Mattathias". Wie». (V e r e i n. z u r Hebung der Gewerbe.) Am 1. Dezember d. I. findet im Festsaale des Niederösterr. Geivcrbevereines, I-, Efchenbachgaffe Nr. 11, präzise 7 Uhr abends, eine Plenarversammlung des Vereines mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht des Präsidenten. 2. Vortrag des Herrn Josef Beck aus dem Zyklus: Orientreise nach Egppteu, Palästina, Syrien und Griechenland. Am 1. Dezember d. I.: I. Egypten, mit Vorführung von auf den Reisen des .Vortragenden von ihm selbst aufgenommenen ca. 120 Skioptikonbildern. Tmnen nnd Gäste willkommen. Wien. (I s r. F r a n e n - W o h l t ä t i g k e i t s - B e r e i n f ü r den IV. u n b V. Bezirk.) Unter großer Bereiligung der Mitglieder und geladenen Gäste fand unter Vorsitz der Vereinspräsidentin Fruit Amalie T r e b i t s ch, am 15. ds. vormittags, im Sitzungssaal, V., Wienstraße 12. die 24. ordentliche Jahresversammlung statt. Als Schrislsührermnetr fungierten die Damen Eugcnie Walter. Alice Fischer und Riza Krishaber; als Verifikatoren die Herreil Adolf Hoffman u nnd Sigmund W i eine r. Nachdem das Bureau konstituiert war, erhob sich die Präsideutiu und begrüßte die Anwesenden und speziell die Verrreterin des Jsr. Hort Frau Barany, sodann hielt sie emen innigen Nachruf dem verstorbenen Herrn S i m o », Gemahl der Frau Sara Simon, Herrn Po l l a t s ch ek. Vater der Frau Irma Drach und Herrn Heinrich Spitzer; die Trauerworte wurden stehend von der Versammlung vernommen. Hierauf wurde dem Beirar kaiserlichen Rat Lichtblau das Wort erteilt, welcher den Jahresbericht — der gedruckt vorlag — erläuterte, indem er bemerkte, daß zwei Hauptziffern und zwar Spenden und Gaben 1907, welche nominell im Bericht aufgeführt sind, in die Bilanz noch nicht einbezogen sind, und daß diese erst mit 31. Dezember d. I., in die ueue Bilanz eingestellt werden, ferner daß der Fond von 20.000 K, welcher bei der Oesterr.-ung. Bank in 4*2°/o Rente erliegt, für ein Asyl gedacht ist und für laufende Wohltätigkeitsakte nicht verwendet werden darf. Der Verein hat in den letzten zwei Jahren wieder neue Förderer und Wohltäter gefunden, welche den Verein so Mlterstützen, daß er sein Ausgabenbudget bestreitet — es sei hiermit allen Förderern der innigste Dank für ihre Großherzigkeit gesagt. Schließlich bat er alle Anwesenden, unentwegt an der Seite des Vorstandes hilfreich einzugreifen — gilt es ja der größten Not beizuspringen. Für die Revisoren erstattete Herr S. W i e s n e r den Bericht und ersuchte dieser dem Gesamtvorstande die Decharge zu erteilen — was einhellig geschah. Die Statutenänderungen wurden gleichfalls angenommen und hierauf — da im Sinne der neuen Statuten noch nicht gewählt wurde — der bisherige Vorstand Frau Amalie T r e b i t s ch zur Präsidentin, Frau Emma Bamberger zur Vizepräsrdentin, Frau Eugenie Walter zur Schriftführerin, Frau Karoline H o f m a n n zur Kontrollorin und die Damen B a ch r a ch Ella. B l aß k o p f Anna, D r a.ch Irma, Fischer Alice, Kr i s h a b e r Riza, Simon Sara, Schlesinger Sofie. Spitz Rosa, Taußig Rasa, Weiß Emma und käiserl. Rat Adolf Lichtblau als Beirat wieder gewählt. Eine Interpellation wegen eines Balles oder Kränzchen wurde dahin beantwortet, daß auch für 1908 kein« derartige Festlichkeit gedacht ist, da die Spender lieber für den wohltätigen Zweck ihr Scherflein beitragen. als 70—80°/g der Spenden in unnützen Ausgaben, verloren 511 sehen. Nachdem die Präsidentin mitteilt, daß die Tagesordnung erschöpft und allen herzlich für ihr Erscheinen gedankt hatte; bat sie die Damen sich nun an der Beteilung der Winterkleider für 25 Mädchen und 25 Knaben zu beteiligen, was unter lautem Beifall sofort, geschah. Hierauf begann die Beteilung der 50 anwesenden Kinder, welche durchschnittlich vom Fuß bis zum Kopf mit guten und praktischen Winterkleidern ausgestattet wurden. Wie». (Humanitärer Geselligkeits-Verein „Die Sz en i cz er in Wien".) Sonntag, den 24. November 1907, 10 Uhr vormittags, findet im Vereinslokake, Cafe Maendel, II., Praterstraße 33, I. Stock, die X. ordentliche General-Versammlung mit folgender' Tages- Ordnung statt. 1. Rechenschaftsbericht. 2. Kassabericht. 3. Erteilung des Absolutoriums. 4. Antrag auf Auflösung des Vereines. 5. Festsetzung des Jahresbeitrages pro 1908. 6. Neuwahl des Vorstandes. Wien. (Das B e. k l e i d u tt g s f e st des Vereines zur Bekleidung armer alter M Ln n e r.) Sonntag, den 17. d. M., versamncelte sich nun zum zehntenmale in .den weiten Räumen der „Landwirtschaftlichen Börse" ein überaus zahlreiches, glanzendes Auditorium, durchaus Freunde nnd Förderer der Humanitären Bestrebungen dieses eminent wohltätigen Vereines, bei dessen Festen die Kunst, die Rhetorik und gesangliche Darbietung sich gemeinsam dem philanthropischen Dienste unterstellen, und den Veranstaltungen dieser sich immer erweiternden Vereinigung ein großzügiges Gepräge verleihen. Im harmonischen Zusammenwirken aller Faktoren und der Vereinsleitung, des Präsidenten Isidor Schwarz, und der Herren Karl Fuchs, H o f in a n n, Planer, T h e u m a n n, gewinnt dieser Verband immer größere Bedeutung und Würdigung, deren äußere. Beweise durch die Anwesenheit illustrer Persönlichkeiten erbracht wurde. Auch bei dieser am 17. November a. c. abgehaltenen Bekleidnngsseier von mehr als hundert armer Greise erschienen Abordnungen und Vertreter aller Humanitären Vereine und offizielle Persönlichkeiten, sowie die leitenden Kreise der Börse, die ihre Räume in dankenswerter Weise wie alljährlich dem Vereine kostenfrei zur Verfügung stellten, nnd zahlreiche Damen. Die Vertretung des zweiten Bezirkes entsendete die Herren Bezirksobmannstellvertreter Jerzabek, Bezirksräte H e ß, M e n s ch, O t t o, Obmann der Bezirkssektion Dr. Josef Wintern i tz,