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Die Wahrheit · 1907-11-15 · Heft 44 (15.11.1907) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 44 (15.11.1907)
Date
1907-11-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 44. tiefsinniger Religiosität und mutiger Glaubensbegeisterung. hat der Verblichene trotz der Last seiner ausgebreiteten Berufspflichten mit seltener Hingebung sich in den Dienst gemeinnütziger Bestrebungen gestellt. Er war langjähriger Präses der Chewra Kadiscka, Beirat des Kultusvorstandes, Präses der israel. Schulkommission und Repräsentant der hiesigen Stadtgemeinde. Kein Wunder, daß der Hintritt des ausgezeichneten Menschen und Jehudi aufrichtige Trauer geweckt hat und in einer imposanten Beteiligung an der hier am 31. v. M. stattgehabten Beerdigung zu ergreifendem Ausdruck gelangte. Se. Ehrw. Herr Bezerksrabbiner Marmor st e i n schilderte in vortrefflicher, tiefempfundener Rede die Verdienste und Vorzüge des Verblichenen. Die Rede verfehlte nicht bei allen Anwesenden, ohne Unterschied der Konfession, nachhaltigen Eindruck zu machen. Lugos. Am 10. d. M., fand in Brody die Trauung unseres Kantors, Herrn Josef H e l l m a n n, mit Frl. Fanny Mirecky statt. Budapest. Täglich erscheinen Deputationen, um dem im Amtslokale der Pester Chewra-Kadischa amtierenden Präsidenten Julius Winterberg zu seiner neuen Würde zu beglückwünschen. So kam letzten Dienstag die Abordnung der Talmudisten unter Führung des Rabbiners Hermann R o s e n b e r g, welcher eine gediegene Ansprache an den Präsidenten richtete, welcher dieser bestens dankend aufs wärmste erwiderte. Berlin. (Deutsches Bureau der Alliance Jsraslite Universelle.) Das Zentral-Komitee der Alliance Jsraölite Universelle hat in einer seiner jüngsten Sitzungen beschlossen, eine Studienkominission nach Abessinien zu entsenden zur Erforschung der wirtschaftlichen, sittlichen und gesellschaftlichen Lage der Falaschas in den verschiedenen Provinzen, wo das Vorkommen von solchen durch frühere Forschung festgestellt worden ist. Mit der Leitung der Expedition ist Herr Nahum beauftragt, Professor am Rabbinersemiuar in Konstantinopel, der in der Schule für lebende oricntaliscbe Sprachen und im Rabbinerseminar von Paris seine Ausbildung erhalten hat. Unter den Begleitern des Herrn Nahum wird sich auch ein israelitischer Arzt befinden. Hamburg. (H a m b u r g - A m e r i k a - L i n i e.) Die nächsten Abfahrten von Post- und Passagierdampfern finden stattNach N e wyork: Die Postdampfer: Patricia 10./11., Kaiserin Auguste Victoria 14./11., President Lincoln 16./11., Blücher 21./11., Graf Waldersee 23./11., Amerika 28./11., Pennsylvania 30./11., President Grant 7./12., Kaiserin Auguste Victoria 11./12., Pretoria 14./12. Nach Boston: Die Postdampfer: Badenia 9./11., Bosnia 19./II., Rapallo 30./11. Nach Baltimore: Die Postdampfer: Badenia 9./11., Bosnia 19./11., Rapallo 30./11. Nach Philadelphia: Die Postdanipfer: Barcelona 9./11., Pallanza 12./11-, Andalusia 27./11. Nach Neworleans: Postdampfer Tronto 28./11. Nach W estindien: Die Postdampfer: Cheruskia8./11., Sardinia 9./11., Constantia 16./11. Nach Mexiko: Die Postdampfer: Kronprinzessin Cecilie 14./11., Syria 18./11. Nach O st a s i e n: Die Postdampser: Spezia 10./11.. Habsburg 10./11., Ambria 15./11., Sikiang 18./11., Saxonia 20./11., Sambia 30./11. Literatur. Althof Paul (Alice Gnrschner). Das verlorene Wort. Roman. 8°. Stuttgart. I. G. Cotta Nachf. 1907. 3 Mk., geb. in Leinw. 4 Mk. Bettelheim Anton. Berthold Auerbach. Stuttgart. I. G. Cotta Nachf. 1908. 6 Mk. Bibliothek, r e l i g i o n s w i s s e n s ch a f t l i ch e, des Judentums. Herausg. v. Dr. I. Goldschmidt. 8°. Frankfurt a. M. I. Kauffmann. 2. n. 3. Heft. Goldschmidt, Rabb. Dr. I. Das Wesen des Judentums. Nach Bibel, Talmud, Tradition und religiöser Praxis kritisch dargestellt. 1907. 2 Mk. B o s s u e t W. Die Hauptprobleme der Gnosis. Göttingen. Bandenhoek & Rupprecht. ca. 10 Akk. David I. I. Gesammelte Werke. Herausg. von Ernst Heilborn, und Erich Schmidt. In sechs Bänden. R. Piper & Co. München. Pro Baud geb. 6 Mk. H a r t m a n n Moritz. Gesammelte Werke. Bd. 1. u. 2. Moritz Hartmanns Leben und Werke. Von Dr. Otto Wikncr. Prag. I. G. Calvesche k. k. Hofu. Uiiiversitätsbnchh. lJosef Koch). 1906—1907. (Bibliothek deutscher Schriftsteller aus Böhmeu. 18, 19.) 12 Mk. H a r t m a n n Moritz. Der Krieg um den Wald. Mit Einleitung und Anmerkungen von W. v. Wurzbach. Leipzig. Max Hesie. 1907. (Max Hesies Volksbücherei, 174—175.) geb. 80 Pfg. Hauser Otto. Spinoza. Roman. Stuttgart. Adolf Bonz & Comp. 1907. 4 Mk. 20 Pfg. Jpajipt, Prof. Dr. Paul. Biblische Liebeslieder. Das sogenannte Hohelied Salomos unter steter Berücksichtigung Goethes und Herders, im Versmaße der Urschrift verdeutscht und erklärt. 8°. Leipzig. I. C. Hinrichs Verlag. 1907. 4 Mk. 50 Pfg., geb. in Leinw. 5 Mk. 50 Pf. Heine Heinrich. Romanzero. Textrevision. Einleitung und Erläuterungen von R. M. Meyer. Berlin. S. Fischer, geb. 3 Mk. H e r r m a n n Johannes. Ezcchielstudien. Leipzig. I. C. Hinrichs Verlag. 4 Mk. Kittel Rud. Studien zur hebräischen Archäologie und Religionsgeschichte. Leipzig. I. C. Hinrichs Verlag. 4 Mk. Kompert Leopold. Aus dem Ghetto. Sechs Erzählungen. Leipzig. Max Hesse. 1907. (Max Hesses Volksbücherei, 395—398.) geb. 1 Mk. 20 Pfg. K o m p e r t Leopold. Böhmische Juden. Drei Erzählungen. Leipzig. Max Hesse. 1907. (Max Hesies Volksbücherei, 401—404.) geb. 1 Mk. 20 Pfg. Reiner Dr. I. Moses und sein Werk. Berlin. H. Seemanns Nachf. 1907. 1 Mk.. geb. 2 Mk. Eingehende Besprechung vorstehender Werke Vorbehalten. WersöhnLe Aeinde. Bon Babette Fried. (Fortsetzung.) Und so sind die Menschen, so widerspruchsvoll ist ihre Natnr beschaffenl Die Bewohner des Städtchens standen Wiederaus demselben Platze, um den Einzug des Feindes zu bewundern, wie gestern, wo sie teilnahmsvoll den fliehenden Vaterlands- Verteidigern nachgeblickt hatten. Das Zwecklose einer Verfolgung der versprengten Truppen einsehend, hatte der Feind beschlossen, in dem freundlichen Städtchen einen Rasttag 511 halten, um den ermüdeten Soldaten Gelegenheit zu geben, ihre Kräfte wieder zu gewinnen. Wo nur ein Kämmerlein frei war, wurden die fremden Soldaten untergebracht, während man in die besseren Häuser die Offiziere mit ihren Burschen einquartierte. In das Haus des Vorstehers Herrmanu hatte man den Regimentsdoktor mit seiner Bedienung untergebracht. Auf den ersten Blick beim Betreten der Wohnung fand dieser heraus, daß er sich in einem jüdischen Hause befinde, und stellte sich der ihn empfangenden Rosa als Glaubensgenosse, als Dr. Ludwig Goldenkron aus Breslau, vor. Den Hausherrn bekam er nicht zu sehen. Derselbe hätte den Anblick eines der Feinde, eines der Mörder seines einzigen Sohnes, nicht ertragen. Der Gemütszustand des unglücklichen Vaters erforderte es, daß er vor jeder möglichen Aufregung verhütet werde. Rosa mußte den Vater mit der Kränklichkeit entschuldigen. Dem unwillkommenen Gaste wurde das einstige, behaglich eingerichtete Zimmer Karls eingeränmt, und mit der dem Sieger zukommenden Aufmerksamkeit enlgegengekommen. Es war für Rosa wohl sehr unangenehm, in ihrer verlassenen' Stellung einem Offizier gegenüber, die Dame des Hauses vorstellen zu müssen; jedoch, da es Kriegszeit war, und dieser Zustand voraussichtlich nur einen Tag dauern würde, so nahm sie auch dies auf sich. Nachmittags versammelte sich die im Städtchen untergebrachte Mannschaft mit Sack und Pack vor dem Rathaus, wo das Hauptquartier war, um den Tagesbefehl anzuhören und zu erfahren, wann sie sich marschbereit zu machen habe. Wer beschreibt deren freudiges Erstaunen, als zur allgemeinen Kenntnis gebracht wurde, daß ein mehrtägiger Waffenstillstand geschlossen sei, daß der 8tätu8 quo eingehalten werden müßte, und das Regiment bis auf weitere Ordre in dem Städtchen zu verbleiben hätte. Diese Verfügung wurde mit allgemeinem Jubel begrüßt. So froh alle Beteiligten auch über die Aussicht wareu. nach diesen anstrengenden Märschen einige Tage vollständiger Ruhe pflegen zu können, ja bald vielleicht als Sieger in die teure Heimat znrückzukehren. Niemand war glücklicher darüber, als Dr. Goldenkron. Heimgekehrt sagte er zu seiner schönen Wirtin: „Zu meinem Bedauern muß ich Ihnen noch längere Zeit mit meiner Ihnen gewiß unbequemen Gegenwart zur Last fallen. Jedoch, mein Fräulein, ein Waffenstillstand ist zur endlichen Friedensschließung unumgänglich, denn wie Schiller richtig sagt: Wenn der Krieg im Kriege nicht aufhören sollte, wo käme denn der Friede her?" Rosa war bei diesen Worten bis in die Lippen erblaßt. Dem siegreichen Feinde durfte sie nicht unhöflich begegnen, so gerne sie ihn auch abziehen gesehen hätte. Sie zwang sich daher zu den Worten, die sie fast tonlos hervorbrachte: „Sie werden uns auch weiter ein geehrter Gast bleiben." „Wirklich," rief er freudig aus, „und auch ein lieber?" „Unser Haus ist keine Stätte für liebe Gäste," erwiderte Rosa. „Schweres Leid ist über unsere Familie hereingebrochen und hat meinen armen Papa unfähig gemacht, seine Pflichten als Hausherr dem Gaste gegenüber zu erfüllen. Sie müssen schon, gerne oder ungerne, mit meiner Gesellschaft fürlieb nehmen." „Die Hefte, die ich mir wünschen kann," antwortete der Doktor mit artiger Verbeugung. Noch an demselben Abend nahm Rosa ihre Buseufreundin Anna, die Tochter des Rabbiners, zu sich, angeblich, um eine Unterstützung bei der durch die Einquartierung vermehrte Haus- und Küchenarbeit zu haben, eigentlich aber als eine Art von Ehrendame. (Fortsetzung folgt.)

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