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Die Wahrheit · 1907-11-15 · Heft 44 (15.11.1907) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 44 (15.11.1907)
Date
1907-11-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 44. Die Wahrheit Seite 9. mittags: Talmud; von ,/27—J/29 Uhr abends: Talmud für Obergymnasiasten. Sonntag von Vz9—1i2ll Uhr vormittags: Mischna. Außerdem wird täglich — Freitag und Samstag ausgenommen — abends nach dem Gottesdienst eine Lektion Mischna vorgetragen. Wien. Der „Verein zur Bekleidung und Unterst ü tz u n g armer alter Slämter i s r a e l. Konsessio n", II., Zirkusgasse 30, veranstaltet Sonntag, den 17. November, 1j2ö Uhr nachmittags, im Saale der Börse für landwirtschaftliche Produkte, II., Taborstraße 10, ein feierliches B e k l e i d u n g s f e st mit folgendeni Programm : 1. Präludium, Herr Willi L ö w i t. 2. Festchor, kompoiriert und dem Vereine gewidmet vom Kantor mrd Chordirigenten I. L ö w i t, gesungen von Mitgliedern des Wiener Synagogenjängervereines, unter gefälliger Mitwirkung des Chordirigenten Herrn Julius H e i m a n n. Solo : Herr Oberkantor Bela G u t t m a n n. Dirigent: Chormeister Herr I. L ö w i r. 3. „Nathan der Weife." Festgedicht anläßlich des Bekleidurigsfestes, verfaßt vom Ehrcnmitgliede unseres Vereines Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Adolf Schmie dl. gesprochen von Herrn Adolf Weisse, Direktor des Deutschen Volkstheaters. 4. Begrüßung durch den Präsidenten Herrn Isidor Schwarz. 5. Festrede, gehalten von Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Dr. Moriz G ü d e m a n n. 6. Gesangsvorträge des Herrn Oberkantor Bela Guttmann. 7. Schlußchor, gesungen von Mitgliedern des Wiener Syuagogensängervereines unter gefälliger Mitwirkung des Chordirigenten Herrn Julrus H e i m a n n. Dirigent: Chormeister Herr I. Löwit. 8. Verteilung der Kleider an die armen ulten Männer. — Das Harmonium wurde von der Firma Bernhard K o h n, das Klavier von der Firma I. S a p h i e r in mnniftzenter Weise lieigestellt. Wien. Anläßlich der Erinnernngsfeier zum zehnjährigen Bestände des Humanitären Belhans-Bereines „B' ne Bri th" wurde im Vereins- Lokale, nahe dem Almemar eine Marmor-Gedenktafel mit den Namen des Gesamtvorstandes unter dem Regime des Herrn Beruh. Dbtr als Obmann in goldenen Settern angebracht. Bei der vorigen Donnerstag vorgenomiilenen Neuwahl wurde der frühere Bereins-Borstand mit Herrn Jl. S a ß n e r an der Spitze fast vollzählig wiedergewählt. Neugewählt wurden die Herren: Salo C a h a u e, CH. H. Courie r, B. K l e i n e r, L. W e i nb e r g und Jos. Weisseiler, welche die aus sie gefallene Wahl auch annahmen. Hoffentlich werden diese neuen Männer ins neue Bethans auch neues jüdisches Leben durch die altbewährte jüdische Lehre und deren praktische Betätigung zu bringen wissen. Gelegentlich dieses Berichtes möge noch zum Schlüsse die höchst erfreuliche Tatsache konstatiert werden, daß Herr Mich. Paul, der rührige Vereinsuich Synagogendiener, der auch zu den Gründern des Vereines gehört, am 15. d. M. sein zehnjähriges Jubiläum feiern könnte, da er nahezu seit Beginn und Bestand dieser religiösen Gemeinschaft bei derselben auch zuweilen als Borbeter fnngiect. Wien. (A l l g e m. Kranken- und Unterstütz u n g s- Verein, W i t w e n- und W a i s e n f o n d „M o n t e f i o r e".) Dieser Verein tritt heuer in das 25. Jahr seines Bestandes. Von einer geringen Schar mackerer Männer ins Leben gerufen, haben es die zielbewußten Leitungen verstanden, ans der kleinen Gemeinschaft einen angesehenen Verein zu entwickeln, welcher heute einen Stand von nahezu 700 Mitgliedern aufweist. Die Statistik dieses Vereines geigt Leistungen auf humanem Gebiete, welche glänzende genannt werden müssen; mit Stolz können die Mitglieder und der Vorstand auf das Wachstum des Vereines, auf die mit Erfolg gekrönten Bestrebungeil blicken. Diesen denkwürdigen Abschnitt in der Geschichte des Vereines gebührend zu feiern, hat sich der Vorstand zur Aufgabe gestellt und zwar wird die Jubiläumsfeier mit der Abhaltung eines Festgottesdienstes, Sonntag, den 24. November l. I., lj2Q Uhr abends, im Tempel der isr. Kultnsgemeinde, II., Tempelgasse, eingeleilet; anschließend an diese Feier gibt der Vorstand um 8 Uhr abends ein Subskriptions- Bankett. Der Verein veranstaltet ferner zugunsten feiner Wohlfahrts-Einrichtungen. Sonntag, den 8. Dezember l. I., 1/23 Uhr nachmittags, eine Wohltätigkeits-Vorstellung im Deutschen Volksrheater; zur Aufführung gelangt „Der Verschwender" mit zwei Konzerteinlagen unter Mitwirkung des Frl. Elsa Bland, k. k. Hofopernsängerin und des Herrn Alfred Grünfeld, k. k. Kammervirtuose. Wien. (Israelitischer F r a u e n - W o h l t ä t i g k e i t sverein für Wieden und Margarethe»). Wie in voriger Nummer bereits mitgeteilt wurde, findet am 15. d. M., vormittags halb 11 Uhr, im Sitzungssaal, Y. Wienstraße 12, die 24. ordentliche Jahresversammlung des genannten Vereines statt, wobei nach Absolvierung der statutarischen Tagesordnung auch die Beteilung von 50 Schulkindern mit kompletten Winterkleidern durch die Vorstandsdamen dieser humanistischen Institution stattsindet. An dem Tage des 15. November a. c. sind es eigentlich 25 Jahre, seitdem diese Wohlfahrtseinrichtung durch die Damen Therese I a c o b i, Marie und Charlotte Lichtblau bei einer Festlichkeit in den Sälen „Zu den 3 Engeln" begründet wurde; der Verein hatte gleich im ersten Jahre seiner Tätigkeit einen lebhaften Zuspruch an Mitgliedern und vergrößerte sich seit 1883 wesentlich. Seit 1884, wo die erste Winter- Bekleidung stattsand, wurden zirka 1000 Kinder, Mädchen und Knaben, beteilt und zirka 50.000 Kronen an Handspenden an Wöchnerinnen aufgewendet. Die stete Harmonie unter den Vorstandsdamen, sowie der intime Verkehr mit den Mitgliedern und unter den Mitgliedern, bildet den festen Kitt des Vereines und läßt hoffen, daß dem Verein sein segensreiches Walten noch lange erhalten bleiben wird. Wien. Mittwoch, den 13. d. M., ist hier die ehemalige k. k. Hofopernsängerin, Frau Henriette B i a e ch i, eine Tochter weil. Profeffor Salomon Sulzers, gestorben. Wien. Am 10. d. M. ist in Alt-Aussee nach langem, schwerem Leiden die Witwe nacb dem unvergeßlichen Dr. Theodor H e r z l, Frau Julie Herzl geb. Naschauer, gestorben. Laut letztwilliger Verfügung wurde die Leiche zur Feuerbestattung nach Gotha überführt. Wien. Der den Lesern unseres Blattes bestbekannte Herr Nathan C h a m e i d e s hat erneu schweren Verlust erlitten. Vorige Woche ist seine einem edlen Geschlechre entstammende Mutter, Frau Rachel Leah geb. Auerbach Witwe nach dem durch talmudifches Wissen hervorragenden Gelehrten Max Süßkrnd Chamerdes, in Tysmeurce im 70. Lebensjahre gestorben. Frau Chameides, die iyre Abkunft in direkter Linie vom hohen Rabbi Löw ablerlet — am Grabsteine ihres Vaters Hirsch Auerbach ist dieser seltene Jichus besonders vermerkt — hinterläßt em ehrenvolles Andenken. Nebst dem tiefgebeugten Sohne trauert um sie eine unversorgte Tochter. H'—'Jt'JTi Wien Dienstag, den 12. d. M., ist hier der langjährige Obmann des Ungar.-Ostraer Wohltätigkeitsvereines in Wien, Herr Bernhard Reif, im 84. Lebensjahre gestorben. Sein Heimgang wird nicht nur von seinen Kindern und Enkelkindern und den zahlreichen in Wien lebenden und ihn gleich einem Familienoberhaupt vereyrenden Landsleuten tief betrauert, sondern auch von vielen, vielen hilfsbedürftigen Uug.-Ostraern schmerzlich empfunden, deren Kümmernisse und Sorgen er jederzeit durch private und Vereinsmittel zu mildern suchte. Ehre seinem Andenken! Graz. In der Nacht vom 1. auf den 2. d. M. wurde das Kassalokal der hiesigen israel. Kultnsgemeinde erbrochen, die eiserne Wertheimkasse angebohrt und wurden folgende Effekten aus derselben gestohlen: Ein V5 1860er Los. S. 19060/4; em »/, 1864er Los. S. 1722/69; ein j Sl. Rente, Nr. 384546. Der Verdacht fiel auf einen jirngen Mann, der > tagszuvor ui der Kanzlei um Almosen ansprach und augab, von Lemberg l nach Triest reisen zu wollen, um dort eine Stelle ailzntreten. Es wird hier gerichtlich nach dem der Polizei bekannten Einbrecher gefahndet. Nachdem derselbe, wie es den Anschein hat. es zunächst ans die jüdischen Amtskaffen abgesehen hat und sich dort als Bittender voritellr, so glauben wir gut zu tun, die Kultusgemeindeii vor diesem gemeingefährlichen Individuum hierdurch warnen zu müssen. Marienbad. Am 2. November 1907 starb in 'Wien Herr II. II. I)r. Moritz Lang, praktischer Arzt in Marieubad. Seine zahllosen Freunde trauern mit der riefgebeugten Familie. Ein charaktervoller, ein wobltüriger'Mensch, ein menschenfreundlicher Arzt war er sein Lebelang. In seinen letzten Jahreu hat ein tückisches Leiden ihn schwer heimgesucht. bis der Tod ihn von seinen Leiden erlöste. Dr. Lang gehörte längere Zeit dem Stadtverordnereukollegium der Kurstadt Marieubad an und war stets ein unentwegter Kämpfer für das fortschrittliche und freiheitliche Prinzip. Das Vertrauen seiner isr. Glaubensgenossen berief ihn in zwei Wahlperioden an die Spitze der isr. Kultnsgemeinde des Weltknrortes Marieubad als Vorsteher, deren Zierde er stets mar. Ein frommer überzeugungstreuer Jude ist Dr. Lang, der überdies über ein namhaftes jüdisches Wissen verfügte, sein Lebenlang gewesen. Taufende von armen Kranken hat er in seiner langjährigen Praxis unentgeltlich behandelt, ihnen nicht nur ärztliche Hilfe angedeihen lassen, sondern oft auch I in der Stille materiell sie noch unterstützt. Und die Wohltätigkeit in der Stille war es, welche Dr. Lang so sehr pflegte. Er wollte keinen Dank, ihm war die Befriedigung, geholfen zu haben, der süßeste Lohn; auch wenn es galt, gefährdete Existenzen zu schützen, gab er schnell und viel, nur sollte darüber nicht gesprochen werden. Seine Staudesgeuosfen betrauern in ihm den kenntnisreichen, charaktervollen, braven Kollegen, der die Standesehre stets sehr hoch hielt. Die irdischen Ueberreste des teuren Verblichenen wurden am 3. November 1907 nach Marienbad überführt und dort auf dem isr. Friedhöfe zur ewigen Ruhe bestattet. An dem Leichenbegängnisse beteiligten sich eine Abordnung des Stadtrates Marienbad unter Führung des amtierenden Stadtrates Herrn Josef Hammerschmied (Glocke) und zahlreiche Stadtverordnete, Altbürgermeifter Herr Dr. Nadler, das Aerztekollegium der Kurstadt, eine starke Abordnung des isr. Humanitütsvereines „U n i o n B n a i B r i r h" in Pilsen, dessen Mitglied der Verblichene war, der gesamte Vorstand der isr. Kultusgemeinde Marienbad. eine Deputation der Bezirkskcankenkassa rc. und zahlreiche Trauernde ohne Unterschied der Konfession. Einfach, wie er im Leben war, so sollte auch sein Leichenbegängnis sein. Bor seinem Tode hatte er noch den Wunsch ansgedrückt, daß an seinem Grabe keine Rede gehalten werden möge, welchem Wunsche auch entsprochen wurde. So ruhe er nun m Frieden! Allzufrüh ist er dahingeschieden, sein Andenken bleibt ein gesegnetes! Troppau. Sonntag, den 10. d. M. starb der hiesige Rabbiner Herr Dr. Abraham Blüh im Alter von 76 Jahren. Der Verblichene ist in Leipnik geboren und war ein Schwiegersohn des Seminardirektors, Herrn Prof. Bloch, in Budapest. Dr. Blüh war unter den ersten Absolventen des Breslauer Rabbiner-Seminars. Er wirkte in Bernt, Deutschland, als Rabbiner und versah in seltener Pflichttreue das hiesige Rabbinat durch 28 Jahre. Im Juli d. I. trat der Verblichene in den Ruhestand, versah aber noch die Funktionen bis der neu engagierte Nachfolger, Herr Dr. Fried mann das Amt übernahm. Am Samstag, den 9. d. M.. wurde Herr Rabbiner Dr. Friedmann in sein neues Amt eingeführt und Sonntag, den 10. d. M. starb unser ehrwürdiger Rabbiner, betrauert von der ganzen Gemeinde. Das Leichenbegängnis fand unter sehr großer Beteiligung am Dienstag, den 12. d. M., vom Tempel aus statt. Nachdem Herr Oberkantor Fingermann in ergreifender Weise das Adonoj mo odom deutsch und hebräisch mir Chor und Orgel vorgetrageu, hielt Rabbiner Dr. Friedmann, der Nachfolger, eine tiefempfundene, ergreifende Rede, die alle Herzen ergriff. Sodann sprach Rabbiner Dr. S p i z a aus Ostrau ergreifende Worte. Auf dem Friedhof sprach der Schwiegersohn des Verblichenen. Dr. G o l d b e r g aus Wien, Abschiedsworte tiefster Ergriffenheit. n'rx'iTi Szenicz In der Vollkraft der Jahre, im Alter von kaum 48 Jahreu, ist Herr Großgrundbesitzer Philipp G r ü n f e l d am 26. v. M. in Abbazia nach kurzem Leiden verschieden. Ein Mann von feinsinniger Gemütstiefe,

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