Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1907-11-15 · Heft 44 (15.11.1907) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 44 (15.11.1907)
Date
1907-11-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3062972-3063367-3063411--05142-3072041
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

% lYlti* Yftlulflt . entsprechend, in denen sie unzweideutig vertreten sind, mit deren j Namen, 1. Jischtabaoh, 2. Mögen avaus, 3. Aclonoj moloch, Der starke nationale Einschlag, den das moderne Judenj und nimmt sie zum Kennzeichen der wirklich alten und originellen tum durch den Zionismus erhallen hat, hat in weiteren Laien-! Melodien. kreisen das Interesse für den jüdischen Traditionsgesang bedeutend! Daran reiht sich eine interessante Forschung nach der Enterhöht und da erscheint es uns zeitgemäß, aus die ausgezeichnete! stehung jener Skalen, welche ergibt, daß die Mögen awaus- Arbeit hinzuweisen, die Oberkantor Singer-Wien vor mehr i Skale der Ordnung ihrer Intervallen nach mit der äolischen als zwei Jahrzehnten zur Klärung der Frage des traditionellen j Tonart übereinstimmt, die aus den Tönen a, h, c, d, e, f, g, a Synagogengesanges in diesem Blatte veröffentlicht hat und die j besteht, wobei es natürlich nicht aus die Tonhöhe, sondern nur später auch als Broschüre im Buchhandel erschienen ist*) In ‘ aus die Jntervallenverhältnisse ankomml. Ein Vergleich der so umsaffeuder und streng wissenschaftlicher Weise ist diese Frage j Steiger mit den Tonreihen der mohammedanisch-arabischen Musik vorher nirgends behandelt lvorden, und welche Bedeutung der j ergibt die genaue Uebereinstimmung der Adonoj moloch-Sfala Singer'schen Arbeit in musikgelehrten Kreisen beigelegt wurde. > mit der Skala Uschak (C, D-E, F, G, A-B, C) und der dafür sprach die einmütig beifällige Beurteilung derselben seitens! Mögen awaus mit der Skala Newa (C, D-Es, F, G-As, hervorragender Musiker, unter denen einer, H. Eichborn, in! b, C). Das Resultat ist, daß die genannten beiden Skalen sehr der „Wiener musikalischen Zeitung" folgendes schrieb:! alt, aber durchaus zweifelhaften Ursprunges sind. (Schluß folgt.) Das ist eine kleine, aber bedeutungsvolle und hoch inter-! - essante Schrift, die man allen Freunden ernster Musikforschung ans Herz legen muß. Indische Mnftk. In einer im allgemeinen klaren und anmutenden Sprache j Vor einem sehr zahlreichen Auditorium hielt im Verein erörtert der Verfasser, ein gewiegter Praktikus des jüdischen! für jüdische Geschichte und Literatur zu Dresden, Herr Ober- Kultusgesanges, den Ursprung und Charakter der alten Melodien. j kantor Zwi aus Elberfeld einen fesselnden Vortrag über Ursprung nach denen die Liturgie des israelitischen Gottesdienstes gesungen! und Entwicklung der jüdischen Musik (mit Erläuterungen am wird und die unter dem Namen „Steiger" in ungefähr derselben z Klavier.) Herr Zivi, der sich bereils erfolgreich in den Dienst Weise wie die Kirchentonarlen, auf denen die römisch-katholische j der Wissenschaft gestellt hat, um das bis jetzt dunkel gewesene Liturgie, der Gregorianische Gesang beruht, begriffen werden.! Gebiet der Synagogen-Musik zu erforschen, hat in einem Vor- Die Arbeit Singers ermangelt, obwohl sie durchaus j trage über die Musik im jüdischen Alrertume nachgewiesen, daß gemeinverständlich gehalten, keineswegs mit gelehrtem Beiwerk! jüdisch-traditionelle Melodien aus der vorchristlichen Zeit nicht ausstaffiert und in skrupulösen Untersuchungen aufgegaugen ist, > bestehen. (?) Es erschien somit natürlich, daß die Frage nach dem was auch ihrer Kürze wegen schon sich ausschließt, in keiner! Ursprung der wirklich vorhandenen Shnagogen-Melodien aus- Weise der Tiefe und Gründlichkeit, welche durch die große Wichj tauchte und Herr Zivi bat in anschaulicher und fesselnder Weise tigkeit des behandelten Gegenstandes, seinen Zusammenhang mit j sie beantwortet. Ausgehend von der Musik des klassischen Alterernsten Zielen der Musikhistorie und seine» praktischen Zweck j tums zur Zeit der babylonischen Gefangenschaft, zeigte der für die Reinerhaltung und Veredelung des ältesten der europüi-; Redner, wie sie mit Hilfe der altgriechischen Notenschrift eine scheu Kulte bedingt wird. Sie ist durch die Ausartungen hervor-! griechisch-musikalische Tradition (Oklavenmusik) entwickelte. Auf gerufen, denen die jüdische Tempelmusik, in welcher ehedem trotz i i{,r haben dann Bischof Ambrosius von Mailand und Papst der Verschiedenheit der Riten (Minhag, Polen und Aschkenas)! Gregor ihre Kirchentonart aufgebaut. Ter Schwerpunkt der eine streng einheitliche Form obwaltete, durch die Umwandlung i ambrosischen Tätigkeit liege im Respousorium der Psalmodie, des Gottesdienstes in den Reformgemeinden verfallen mußte, da! den frei ans dem'Stegreif hervorquellenden Ergüssen religiöser hierbei ohne einheitliche Grundgedanken vorgegaugen wurde.! Begeisterung, die wir heute noch im jüdischen und im katholischen Singer hat sich die Aufgabe gestellt, in die Fußstapfen seines j Gottesdienste wiederfinden, während mit dem gregorianischen wohlverdienten Vorgängers S u l z e r tretend, die Reinheit und , Kirchengesang die eigentliche Melodie zur Herrschaft gelangt sei. die durch moderne Zutaten und Berschnörkelungen geschmackloser; Unter dem Einfluß dieser melodischen Musik habe sich im Laufe Kantoren vielfach verballhornte Schönheit der alten traditionellen! der Zeit eine ganz neue Poesie gebildet, welche in Deutschland Steiger nach Kräften herzustellen und im Kultus wenigstens der i durch die Minnesänger und Meistersünger, in Frankreich durch größeren Gemeinden zur Geltung zu bringen.! die Troubadours und in England durch die Minstrals gepflegt Er hat zu diesem Zwecke gründliche Untersuchungen über j worden sei. In diese Zeit falle die erste sichere Kunde von festdas Prinzip angestellt, welches den altjüdischen Synagogenweisen; stehenden Synagogen-Melodien. (?) Diese Gesänge seien ganz im zugrunde liegt, und ist hiedurch auf eine merkwürdige Analogie! Geiste der Musik ihrer Jahrhunderte verfaßt, und es sei unschwer geführt worden, welche zwischen den Kirchentonarten des Gre- > gU erkennen, daß jeweils beide nebeneinander und miteinander gorianischen Antiphonarium und den Skalen besteht, die er mit! entstanden seien. Herr Zivi behandelte daun des weiteren die unzweifelhafter Deutlichkeit aus einer Anzahl alter Steiger > Entwicklung der Synagogen-Musik in ihrem Verhältnis zum heraus konstruiert. Nach einer sehr klaren Uebersicht des Wesens j Prinzip des cantus planus und kam zu dem Resultate, daß der Kirchentonarten und deren allmähliger Ausbildung zu unserem! die jüdische wie die nichtjüdische Musik ein gleichzeitiges Produkt jetzigen System der Bur- und Moll-Skalen bezeichnet er mit j derselben Jahrhunderte sei. (?) Redner ging dann auf das Zeit- Recht das Vorhandensein von Intervallen, welche den modernen > alter der großen vierstimmigen Messen (Palestrina und Joh. Tonarten widersprechen, als einen Prüfstein für das höhere! Seb. Bach) über. Damals habe man auch in den Synagogen Alter der Tonsätze, darin sie Vorkommen, und befindet sich auf angefangen, eine Mehrstimmigkeit des Gesanges einzuführen, und Grund dieser Erkenntnis in der Lage, im Synagogengesange aus den unter dem Namen Meschorarim bekannten Terzett Modernes von Altüberliefertem scheiden zu können. Die von Sänger und Baß sei allmählich der moderne Synagogen-Chor Singer herausgefundenen Synagogentöne sind nun: 1. C-Bes,; entstanden. Um die Ausgestaltung seines Gottesdienstes durch E-F, G, As, B, C. 2. C, ^B-Es, F, G-As, B, C. 3. 0, B, j neue Gesangsweisen habe sich der Meister der Synagogen- E-F, G, A-B, C. Diese Skalen bezeichnet er, den Steigern! Musik, der verstorbene Oberkantor der Wiener Gemeinde, Proy Die Tonarten des traditionellen Synagogengesanges. («Steiger) i Streifzug durch das Gesamtqebiet des Kantorates in seinen chaltins zu den Kirchentonarten und den Tonarten der vorchristlichen ~ a dod^ Erläutert und durch Notenbeispiele erklärt von Josef Singer, derschledenen Schattlernngen schloß Herr Zlvl seinen interessanten tor der israelitischen Kultusgemeinde in Wien. Vortrag. _ i fessor Salomon Sulzer, sehr verdient gemacht. Mit einem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.