Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1907-11-08 · Heft 43 (8.11.1907) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 43 (8.11.1907)
Date
1907-11-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3063367-3063410--05124-3072022
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Die Wahrheit Nr. 43. Seite 6. Jewish Association sich gebildet. Das ist in dem ersten Bericht der Anglo Jewish Association 1870/1872 ausführlich dargelegt und in der Firma der Gesellschaft sür jeden gekennzeichnet. Die Anglo Jewish Association hat nie aufgehört, ihre Mittel den Werken der Alliance Jsraelite Universelle zu widmen, namentlich der Schulerhalinng, obwohl nur in zwei von den durch das Geld der Anglo Jewish Association mit erhaltenen Schulen überhaupt englischer Sprachunterricht erteilt wird. Auf eine Anfrage, die wir nach London gerichtet haben, ist uns von der Leitung der Anglo Jewish Association unter dem 13. Oktober d. I. erwidert worden: „The Anglo Jewish Association was fonndet to“ „help the Alliance in its kour of need at the time of“ „the Franco-German war. It was also tkongkt that“ „more money would be obtained in England if there“ „were a separate Association in clear connexion“ „kowever with the Alliance. —“ „There has never been an „Abfall“, and our“ „relations have always been clear and friendly. Indeed“ „muck of our money goes in grants made to Alliance“ „sekools.“ (Die Anglo Jewish Association wurde gegründet, um der Alliance in einer Stunde der Not beizustehen, in der Zeit des französisch-deutschen Krieges. Man hat auch geglaubt, daß in England mehr Geld für eine besondere Vereinigung zu erlangen wäre, die gleichwohl in deutlichem Zusammenhang mit der Alliance stünde. — Niemals hat es einen „Abfall" gegeben, und unsere Bestrebungen sind immer ungetrübt und freundschaftlich gewesen. Tatsächlich wird ein großer Teil unseres Geldes als Zubuße für die Allianceschulen verwendet.) Auch bezüglich der Israelitischen Allianz zu Wien ist die Darstellung des Herrn Philippson unzutreffend. Die Israelitische Allianz zu Wien hat sich 1873 gebildet, einfach, weil das österreichische Staatsgesetz die Bildung vom Komitees einer Gesellschaft verbietet, deren Zentralsitz sich außerhalb Oesterreichs befindet. Dieser gesetzlichen Vorschrift mußte natürlich Folge gegeben werden. In Ungarn gilt das eben erwähnte österreichische Staatsgesetz nicht, hier bestehen die alten Alliance-Komitees fort. Dies findet beweiskräftige Bestätigung durch nachstehendes Schreiben, das der Vorstand der Israelitischen Allianz zu Wien unter dem 20. Oktober auf unsere Anfrage an uns gerichtet hat: „Sehr geehrte Herren!" „Wir danken Ihnen sehr für die freundliche Mit-" „teilung des aus die Alliance bezüglichen Passus im Buche" „des Herrn Professor Philippson, den auch wir mit" „g r o ß e m B e f r e m d e n und m i t B e d a u e r n über" „die tendenziöse Darstellung gelesen haben." „Wir können gleich der Anglo-Jewish Association nur" „bestätigen, daß von einer Loslösung oder gar von einem" „Abfall von der Pariser Organisation bei der Gründung" „der unsrigen nicht die Rede sein konnte, daß es sich viel-" „mehr neben d e r R ü ck s i ch 1 a u f d i e S t a a t s g e s e tz e" „darum handelte, größere Mittel für allgemeine jüdische Hilfs-" „zwecke in unserem Lande aufznbringen, als es für ein" „Komitee eines auswärts domizilierten Vereins möglich ge-" „wesen wäre. Während der 35 Jahre unseres Bestehens" „haben wir uns in permanenten Kontakte und im herzlichsten" „Einvernehmen mit dem Pariser Zentralkomitee befunden," „dessen Mitglied unser Präsident ist, und sind bei allen" „großen Hilfswerken für verfolgte Glaubensgenossen mit" „Paris Hand in Hand gegangen." „Ganz absurd erscheint uns die Andeu-" „tung des Verfassers, daß der „französische" „Charakter der Allliance als nachteilig für" „deren erziehliche Tätigkeit im Osten an ge-" „sehen und mit ein Motiv für unsere angeb-" „liche Los lösung gewesen wäre." Herr Professor Philippson läßt sich dann weiter vernehmen: „Diese (die Alliance) hat in einzelnen Fällen viel" „Gutes geleistet, oft den Armen und Bedrängten Unter-" „stützung geschafft. Sie hat im Osten Elementarschulen be-" „gründet, die indessen nicht so viel Nutzen gewirkt haben," „wie man wohl hätte erwarten dürfen; und zwar aus drei" „Gründen: einmal, weil die Leiter der Alliance zuerst selten," „später nie nach dem Orient gingen und das Werk lediglich" „Mietlingen anvertrauten, denen es zumeist entweder an" „Verständnis oder an Eifer oder an selbstloser Hingabe an" „ihre Aufgabe fehlte. Zweitens, weil der Charakter der" „Schulen ein allzu abendländischer und zumal französischer" „ist. ohne Anpassung an die besonderen Zustände und An-" „forderungen des Orients. Drittens, weil sie ohne Fort-" „bildungsschulen blieben und so die Kinder im bildungs-" „fähigsten Alter entließen und dem alten orientalischen" „Schlendrian überlieferten, dem sie unrettbar wieder ver-" „fielen." Die drei Gründe, die Herr Philippson dafür anführt, daß die Elementarschulen der Alliance im Osten angeblich „nicht soviel Nutzen gewirkt haben, wie man wohl hätte erwarten dürfen", beweisen nur Unvertrautheit mit dem Schnlwerk der Alliance im Osten. Die Leiter der Alliance Jsraslite Universelle haben jederzeit Wert darauf gelegt, ihr Schulwerk, das 142 Schulen in drei Erdteilen umfaßt, unter steter fachmännischer Inspektion zu halten. Sie wissen eben, daß allgemeine Bildung, sei sie noch so groß, nicht imstande isi, die Fachkenntnis zu ersetzen. — Herr Philippson nennt die von der Leitung der Alliance Jsraelite Universelle nach langer Erprobung eingesetzten Inspektoren mit der herabwürdigenden Bezeichnung „Mietlinge". Will Herr Professor Philippson vielleicht die Rabbiner als „Mietlinge" ihrer Gemeinden, die Gymnasiallehrer als „Mietlinge" des Staates oder der Kommunen ansprechen? Nein, diese alle sind die verehrten und angesehenen Vertrauensmänner der Gemeinden, des Staates, der Städte. Und so sind die Männer, die Herr Philippson als „Mietlinge" herabwürdigt, unsere erprobten und angesehenen Vertrauensmänner, die ihres schweren Amtes mit reifem Verständnis, mit unübertrefflichem Eifer und mit vorbildlicher Hingabe walten! Wenn Herr Philippson den Charakter der Allianceschnlen im Orient „allzu abendländisch und zumal französisch" findet, so übersieht er: Die Orientschulen der Alliance sind Schulen sui generis, sie sind ihren besonderen Bedürfnissen, die eigenartiger Natur sind, angepaßt, sie sind genau das, was Herr Philippson sagt, daß sie sein sollen, und was er bloß nicht gesehen hat. Herr Philippson beklagt den Mangel an Fortbildungsschulen. Das Fortbildungsschulwesen ist im Morgenland wirklich noch nicht systematisch durchzuführen. Einen gewissen Ersatz schaffen wir in den Ergänzungskursen (classes supplementaires), die wir in verschiedenen Städten, wie Konstantinopel, Salonichi, Smyrna, Tunis, Tanger, Bagdad, Alexandrien, Kairo, den oberen Klassen angegliedert haben. Wenn im übrigen unsere Jungen im Orient unsere Schulen früh verlassen, so geschieht es nicht um des „Schlendrians" willen, sondern aus bitterer Not, weil sie für Brod zu sorgen haben. Herr Professor Philippson beendet seine Ausführungen folgendermaßen: „Im Dezember 1872 beschloß eine Versammlung in" „Berlin die Begründung einer besonderen „Israelitischen" „Allianz in Deutschland". Allein das Zentralkomitee der" „Alliance in Paris wies diesen Plan durchaus zurück, der" „auch nie verwirklicht worden ist. Leider ließ das Pariser" „Zentralkomitee sich durch solche Vorgänge und auch durch" „den Abfall der Engländer und Oesterreicher nicht bestimmen," „die speziell französische Färbung der Alliance und den" „Despotismus des Pariser Zentralkomitees irgendwie zu" „modifizieren. Dadurch verlor sich in Deutschland das Inter-" „esse für sie um so mehr, je schärfer die nationalen Gegen-" „sätze zwischen beiden Ländern sich unglücklicherweise ge-" „stalteten." Charakteristisch ist schon der erste Satz, daß „eine" Versammlung — deren nähere Bezeichnung vollständig fehlt — im Dezember 1872 die Begründung einer besonderen „Israelitischen Allianz in Deutschland" beschlossen habe. Wer hat denn „be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.