Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 43 (8.11.1907)
- Date
- 1907-11-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 43. Die Wahrheit L>eite 5. Verfassung, daß qualifizierte junge Leute nicht wegen ihrer Konfession zurückgewiesen werden. * * * Ein glänzendes Beispiel hoher Offizierstugenden bei einem jüdischen Offizier liefert der kürzlich in St. Louis verstorbene Kommandant Simon Cook, einer der besten Marineoffiziere Amerikas, der sich namentlich im spanisch-amerikanischen Krieg ans den Philippinen auszeichnete. Er galt als einer der tüchtigsten und schneidigsten Offiziere, unter dessen Kommando die militärische Disziplin eine geradezu mustergültige war. Seinen ersten Dienst im Kriege leistete er auf der „Wheelmg", später auf der „Princeton". Cook nahm auch teil auf der „Princeton" an der Demonstration der amerikanischen Flotte vor England und Deutschland in Samoa. Vor mehreren Jahren erhielt er das Kommando der „Snpply". Der im besten Mannesalter jetzt Dahingeschiedene war Mitglied der Beacon-Loge. Die Beerdigung fand auf dem Mount Sinai-Friedhof unter großen militärischen Ehren statt. An der Beisetzung nahm u. a. auch Oberst Evans teil. Die ergreifende Grabrede hielt Rabbiner Sleitz. Kommandant Cook ist als aktiver höherer Marineoffizier der amerikanischen Flotte gestorben. Auch sein Werden und Wirken straft die verläumderische antisemitische Behauptung Lügen, daß Juden sich nicht zu Offizieren eignen. Erklärung. Vom Bureau der deutschen Konserenzgemeinschaft der Alliance Jsraelile Universelle werden wir um Aufnahme folgender Erklärung ersucht: In einer Publikation, die als „Neueste Geschichte des jüdischen Volkes" firmiert, hat Herr Professor Dr. Martin Philippson die Alliance I s r a 6 l i t e Universelle zum Gegenstand einer Darstellung gemacht, die im Interesse des Judentums und der geschichtlichen Wahrheit nicht unwidersprochen bleiben darf. Herr Professor Philippsohn sagt: „Als Zeichen der Zusammengehörigkeit aller Inden" „trat 1860 die Alliance Jsraelite Universelle ins Leben." „Ihre Stiftung hatte von vornherein die Besorgnisse zahl-" „reicher Glaubensgenossen erregt. Man meinte, sie werde" „machtlos bleiben, ihren Hauptzweck, die Emanzipation der" „Israeliten in denjenigen Ländern, wo sie solche noch nicht" „besaßen, zu erreichen, werde aber im Gegenteil durch die" „Meinung von einer förmlichen Verschwörnng der Juden" „zur Erlangung der Weltherrschaft großen Schaden anrichten." „Diese Befürchtung hat sich in vollem Maße bewahrheitet;" „man darf sagen, nichts hat den Juden in vielen Ländern" „solchen Abbruch in der öffentlichen Meinung getan, wie" „die irrigen, aber unvermeidlichen Folgerungen, die aus der" „Jnternationalität der Alliance gezogen und von Uebel-" „wollenden gehässig ausgebeutet wurden." Der Zweck, den die Alliance Jsraelite Universelle bei ihrer Stiftung verfolgt hat, ist in nachstehenden Satzungsbestimmungen niedergelegt: 1. „Ueberall für die Gleichstellung und den moralischen" „Fortschritt der Juden zu wirken;" 2. „Denen, die in ihrer Eigenschaft als Juden leiden," „eine wirksame Hilfe angedeihen zu lassen;" 3. „Jeder Schrift, welche geeignet ist, diese Resultate" „herbeizuführen, Unterstützung zu gewähren." Als die Alliance Jsraelite Universelle begründet wurde, sind diese Satzungsbestimmungen in der weiten Welt unserer Glaubensgemeinschaft mit heller Freude ausgenommen worden. Alle Kundgebungen aus jener Zeit bezeugen jubelnde Zustimmung. Von einer Besorgnis war nie und nirgends ein Hauch zu spüren. Die von Herrn Philippson vorgetragene Vorstellung von einer „förmlichen Verschwörung der Juden zur Erlangung der Weltherrschaft" stammt ungefähr wörtlich aus der Feder des Redakteurs Gödsche, dessen Name (Pseudonym: John Retcliffe) durch seine Romane und durch seine Zeugenschaft in dem Prozeß Waldeck — nach des Gerichtspräsidenten Taddel Ausdruck „ein Bubenstück, ersonnen, einen Mann zu verderben" — bekannt geworden ist. In einem dieser Romane ist eine angeblich aus einem jüdischen Friedhof in Osteuropa gehaltene Rabbinerrede erwähnt, die das Streben nach Weltherrschaft enthüllt habe. Die verlogenste Presse hat in den achtziger Jahren dieses fanatische Phantasieerzeugnis sruktifiziert. Wir dürfen wohl behaupten, daß die „öffentliche Meinung", aus die Herr Philippson sich beruft und in der nach seiner Versicherung die „irrigen aber unvermeidlichen" Folgerungen aus der Jnternationalität der Alliance gezogen und „von Uebelwollenden gehässig ausgebeutet" worden sind, die öffentliche Meinung der skrupellosesten Antisemiten gewesen ist. Herr Professor Philippson fährt fort: „Man warf der Alliance ferner ihren französischen" „Namen, ihr ausschließlich französisches Domizil und ihre" „nicht minder ausschließlich französische Zentralleitnng vor." „Auch das mit Recht. Die Führer der Alliance haben ihr" „den französischen Charakter gewahrt und solchen auch dem" „einzig fruchtbaren Felde ihrer Tätigkeit, den Unierrichts--" „anstalten im Osten, nicht zu deren Vorteil ausgeprägt. Es" „war deshalb nicht zu verwundern, daß sich 1871 die eng-" „tischen Inden in der „Anglo Jewish Assoziation", 1873 die" „österreichischen in der „Israelitischen Allianz zu Wien" von" „der Alliance Universelle losiösten." In einem Athem leitet Herr Philippson der Alliance gegenüber einmal aus ihrer angeblichen Jnternationalität und dann ans ihrem angeblichen französischen Charakter einen Vorwurf her. Denn jetzt spricht er nicht die „irrigen, aber unvermeidlichen Folgerungen" anderen nach, sondern macht sie sich ganz zu eigen, indem er von dem Vorwurf des französischen Namens und der ausschließlich französischen Zentralleitung der Alliance sagt, daß man „auch ihn mit Recht erhoben habe". Der zweite Vorwurf aber ist ebenso grundlos wie der erste. Das Zentral-Komitee der Alliance ist nicht ausschließlich französisch und ist es nie gewesen. Herr Philippson, der seit Jahren der Alliance Jsraelite Universelle augehört, weiß aus den ihm regelmäßig zugesteüten und jedenfalls zugäugigen Jahresberichten der Alliance Jsraolite Universelle, daß gegenwärtig von den 67 Mitgliedern des Zentral-Komitees (darnnler zwei Ehrenmitglieder) nur 26 (darunter ein Ehrenmitglied) Franzosen, 41 Nichtfranzosen, unter diesen 23 in Deutschland lebende Deutsche sind. Von einer „ausschließlich französischen Zentralleitung" kann man unter solchen Umständen nicht sprechen. Von den übrigen 18 nichtfranzösischen Mitgliedern des Zentral-Komirees sind außerdem so viele von Geburt Deutsche, daß alles in allem der deutsche Teil des Zentral-Komitees mindestens ebenso zahlreich ist wie der französische. Ebenso ist es unzutreffend, daß die Führer der Alliance den französischen Charakter „auch dem einzig fruchtbaren Felde ihrer Tätigkeit, den Uuterrichtsanstalten im Osten, ausgeprägt" haben. Es ist richtig, daß in den Allianceschulen des Ostens der französische Sprachunterricht vorzugsweise — gegenüber dem Unterricht in irgend einer anderen europäischen Sprache — gepflegt wird. Aber im Orient ist bis aus den heutigen Tag französisch d i e Kultursprache, es ist in der Türkei die zweite Staats spräche; die Kenntnis allein des Französischen ist für den Orientalen im Leben von praktischem Wert und gewährt ihm eine nutzbare Ueberlegenheit im wirtschaftlichen Fortkommen. Wo die Verhältnisse nur einigermaßen anders liegen, wird namentlich deutscher Sprachunterricht ausgiebig erteilt. Herr Philippson meint, es sei nicht zu verwundern, daß sich 1871 die englischen Juden in der Anglo- Jewish-Association, 1873 die österreichischen in der Israelitischen Allianz zu Wien von der Alliance Universelle loslösten." — Nein, hier ist etwas ganz anderes verwunderlich: daß nämlich für falsche Folgerungen irrige Mitteilungen als Ursache angeführt werden! Die „Anglo Jewish Association in connection with the Alliance Isr ae 1 it e Univ ers el 1 ett, wie der volle und richtige Name von Anbeginn und bis heute lautet, ist 1871 entstanden aus der Besorgnis, den Krieg von 1870/71 möchte den Fortgang des segensreichen Werkes der Alliance Jsraelite Universelle stören. Um dieser Möglichkeit zu begegnen, um das Werk der Alliance aufrecht zu erhalten, hat die Anglo