Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 41 (25.10.1907)
- Date
- 1907-10-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 8. Nr. 41. Die Wahrdeu - -> eingetroffeu waren, über Samstag hier in Hotels untergebracht und verpflegt wurden. Montag, den 21. d. M. abends traf mit dem Personenzuge 7 Uhr 54 Min. die vierte Gruppe, 180 Personen umfassend, von welchen jedoch ein Teil an der rechtzeitigen Abreise von ihrer Heimat verhindert war, hier ein. Sie war bis Wien vom Vertreter der Hilfsorganisationen in Bukarest Herrn Js. Astruc begleitet und wurde am Bahnhof vom Sekretär der „Jsr. Allianz"' Herrn Dr. Kaminka und Herrn Emil Jelinek erwartet. Durch die rechtzeitig getroffenen Vorkehrungen gelang es unter Zuhilfenahme mehrerer Diener die Gruppe in den bereitstebenden Omnibussen noch am selben Abend zur Westbahn zu befördern und über Basel mit den für sämtliche Emigranten bereits ausgeferiigten Schiffskarten nach Kanada zu expedieren. Tie Emigranten wurden in ausgiebiger Weise mit Speisevorräten für die lange Bahnfahrt versehen. Vom Führer der vorletzten Gruppe erhielt die „Jsr. Allianz ' namens sämtlicher Auswanderer ein Dankschreiben für die umfassende Fürsorge, welche ihnen während des Aufenthaltes in Wien gewährt wurde. Verschiedene Nachrichten. Wie«. Freitag-Abend, den 25. Oktober 1907, Predigt des Herrn Rabbiner Dr. David im Leopoldstädter Tempel. Rabbiner Dr. M. Rosen mann als Novum auf diesem Gebiete an der' Talmud-Thora-Schule in Floridsdorf ein Fortbildungskurs für Gymnasiafte n eröffner. Infolge des starken Andranges mußte im heurigen Schuljahre eine zweite Abteilung kreiert werden. Tatsächlich wird die Fortbildungsschule von mehr als der Hälfte nuferer Mittelschüler besucht, ein gewiß sehr erfreuliches Zeichen. Im verflossenen Jahre wurde das Buch I o s u a durchgenommen, für dieses Jahr sind geplant: für die I. Abteilung I o s n a und für die II. Abteilung Richter. Neben diesen Fortbildungskursen bestehen noch zwei Gruppen für die Volksnnd Bürgerschüler, die sehr fleißig besucht werden. Der Unterricht wird unter der Leitung des Herrn Rabbiners Dr. M. Rosenmann vom Herrn Religionslehrer Jonas Eibenschützerteilt. Wien. Herr Josef G i b l i ch m a n n, Oberkantor am Fugbach- Tempel, hat sich mit Fräulein Anna Perlberger verlobt. Wien. Dienstag, den 22. d. M., wurde der Kondukteur der städtischen Straßenbahnen, Moriz Glaser, ein Nikolsbnrger, zu Grabe getragen. Ans diesem Anlasse stellte die Währinger Betriebsleitung zwei Sonderwagen zur Verfügung, um der dienstfreien Mannschaft Gelegenheit zu bieten, ihrem verstorbenen Kollegen die letzte Ehre zu erweisen. Eine starke Abordnung derselben in voller Uniform, geführt von vier Beamten und Kranzträgern, erschien auch in der Zeremonienhalle, woselbst Rabbiner Dr. Feuchtwang, dem Ersuchen der jüdischen Kondukteure freundlichst entgegenkommend, am Sarge den Nachruf hielt. Die tiefe Ergriffenheit aller Anwesenden, zum großen Teil waren es Andersgläubige, bewies, wie er es verstand, in dieser Trauerversammlung den richtigen Ton zu treffen- Den liturgischen Teil der Trauerzeremonie versah der Chewramann S p r i n g e r in erhebender Weise. Der Verblichene, welcher im 51. Lebensjahre von einem schweren Leiden dahingerafft wurde, hinterläßt eine trauernde Witwe. 'Wien. Die Körperschaften und Vereine, an deren Spitze oder in deren Vorstand sich Herr Baurat Theodor Rltter von G o l d s ch m i d t befindet, haben beschlosien, den siebzigsten Geburtstag ihres verdienstvollen Mitgliedes am Montag, den 28. Oktober 1907, zu feiern. Zu diesem Behufs werden sich die Gesamtvorstände der erwähnten Körperschaften an den» genannten Tage, um 1/u6 Uhr abends, im großen Saale des „Jüdischen Museums", II., Praterstraße Nr. 23, I. Stock, einfinden, um dem Gefeierten Adreffen zu überreichen, oder an ihn Ansprachen zu halten. An demselben Tage findet um ^8 Uhr abends präzise, im großen Saale des Restaurant Tonello, II., Lilienbrunngasse 2 (an der Marienbrücke), ein gemeinsames Festmahl statt. Wien. Regierungsrat Dr. Julius Schlag, ein Mann, der als Eisenbahnjurist einen weit über die Grenzen unseres Vaterlandes reichenden Ruf besitzt, trotzdem aber seines Glaubens wegen nicht die ihm gebührende Würdigung und Verwendung im Staatsdienst gesimden, und als treuer Jude allen Verlockungen, durch Glaubenswechscl seine vielfach gehemmte Carriere zu beschleunigen, mutig widerstanden hat, vollendete am 21. d. M. das 60. Lebensjahr. Die Wiener Tagesblätter widmeten bei diesem Anlässe dem beruflichen Wirken des als Gelehrten und Menschen gleich ausgezeichneten Mannes eingehende Betrachtungen und so schrieb unter anderen die „Neue Fr. Presse" Folgendes: Der Chef des Archivs im Eisenbahnministeriuul Dr. Julius Schlag vollendet heute das 60. Lebensjahr, und seine zahlreichen Freunde und Verehrer werden diesen Anlaß mit Vergnügen benütze», um ihm ihre Sympathie auszudrücken. Dr. Julius Schlag ist Jurist mit ganzer Seele. Praktisch hat er sein reiches Wissen und Können zuerst im Rechtsbureau der ehemaligen Karl Ludwigsbahn und später im Rechtsbureau der Staatsbahnen zur Anwendung gebracht. Aber den weiten Kreis seiner Freunde hat er sich durch die ungewöhnliche Fähigkeit erworben, junge Leute, die sich der Rechtswissenschaft widmen, zum juristischen Denken zu erziehen, ihnen Freude an der juristischen Arbeit einzuflößen und sie über die kritischen Jahre des Studiums und der Prüfungen durch Anspannung der geistigen Kräfte sicher hinwegzubringen. Als juristischer Lehrer ist Dr. Julius Schlag geradezu eine Spezialität, und es wäre zu wünschen, daß er seine Methode, diese systematisch ausgebildete und scharfsinnig benützte juristische Pädagogik, in wissenschaftlicher Darstellung veröffentliche. Die zahlreichen Schüler, die er herangebildet hat, befinden sich zum Teile bereits in angesehenen Lebensstellungen. Biele Eltern, die dem Talente und dem Eifer des Regierungsrates Dr. Schlag die Sicherung der Zukunft ihrer Söhne verdanken, werden des Jubilars mit warmer Anerkennung gedenken. Wien. (Unterrichtskurse der Toynbee-Halle.) Die nnentgeltlichen Unterrichtskurse für Englische Sprache finden in der Religionsschulc der israel. Kultusgemeinde, I., Seitenstertengasse 2, wie folgt statt: Für Anfänger Mittwoch und Samstag von */,8—V,9 Uhr abends (Beginn am 26. d. M.); für Fortgeschrittene Montag und Donnerstag von */,9—*/,10 Uhr abends (Beginn ani 26. d. M.). Weitere Anmeldungen für diese Kurse können nicht mehr entgegengenommen werden. — Der Beginn der anderen Kurse wird in der nächsten Nummer des Blattes verlautbart. Wien. Der Frauen-Wohltätigkeitsverein im VIII. Bezirke der Stadr Wien, verbunden mit dem Ersten Wiener Rekonvaleszentenheim „Philanthropia" veranstaltet Mittwoch, den 6. November, um 4 Uhr nachmittags, unter dem Protektorate Ihrer Exzellenz der Frau Gräfin Anastasia Kielmanusegg-Lebedoff, im Elablissemenr „k. k. Volksgarten" einen Großen Tee-Ab end. Musik der Kapelle C. W. Drescher mit Gefangsvorträg en. Wien. (Talmud-Thora-Schule in Wien-Floridsd o r f.) Mit Beginn des Schuljahres 1906/7 wurde von unserem Herrn Wien. Dieser Tage fand, wie das „Neue Wiener Tagblatt" berichtete, die feierliche Verteilung der Diplome und Medaillen für die österr. Aussteller auf der Londoner Ausstellung statt und wurde der' renommierten Firma Rudolf G o l d st e i n, Wien, II., Taborstraße 54, für ihre ausgestellten Pracht-Sy n agogen- Ornate das Diplom und die Medaille in feierlicher Weise überreicht. Der genannten Firma,, die in letzter Zeit zahlreiche Aufträge für hohe jüdische Funktionäre ausgeführt hat, wurden zu wiederholten Malen bei Ablieferung Worte belobender Anerkennung zuteil. Wien. Mittwoch, den 23. d. M., ist nach langem schweren Leiden im Alter von 62 Jahren der Einzelprokurist des Wiener Hauses S. Mv. Rothschild, Kommerzialrat Philipp S t i e d r y, gestorben. Stiedry; begann seine kaufmännische Laufbahn bei der Wiener Firma Boschan, von der er im Jahre 1890 in das Haus Rothschild übertrat. Er war zunächst auf industriellem Gebiete als Beamter bei dem Witkowitzer Eisenwerke tätig. Später kam er in das Bankhaus nach Wien, in dem er sukzessive bis zu der ersten Stellung eines Einzelprokuristen vorrückte. Der Verstorbene erfreute sich infolge seiner vortrefflichen Charaktereigenschaften allgemeiner Wertschätzung. Er besaß das Komtur-Kreuz des Franz Josefs-Ordens und war Verwaltungsrat des Giro- und Kassenvereins, der Buschtiehrader Bahn und der Finmaner Petroleumraffinerie. Stiedry hinterläßt eine Witwe, einen Sohn Dr. Fritz Stiedry, der sich dem Studium der Musik gewidmet hat, und eine Tochter. Das Leichenbegängnis findet Freitag, den 25. b.- M., statt. Baden. Der um die hiesige Kultusgemeinde und deren Institutionen hochverdiente Herr Anton Schneider feierte am 20. Oktober seinen 60. Geburtstag, aus welchem Anlasse ihm mannigfache Ovationen bereitet wurden. Infolge seiner Tätigkeit auf kulturellem und humanitäreni Gebiete verdient es erwähnt zu werden, daß Herr Anton Schneider vor' mehr als 34 Jahren die Chemra-Kadischa in Baden begründete nnd seit dieser Zeit ununterbrochen als Vorsteher fungiert. Er ist der Mitbegründer der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, in der,er viele Jahre an erster Stelle war und die meisten inneren Einrichtungen der Gemeinde seine Arbeiten sind. Er ist auch Mitbegründer und Beirat des hiesigen Frauen- Wohltätigkeitsvereines, sowie Vorstandsmitglied des Vereines zur Bekleidung und Unterstützung armer alter Männer in Wien. Ober-Hollabrunn. Infolge Berufung des Statthaltereirates bezw. k. k. Bezirkshauptmannes von Ober-Hollabrunn, Herrn Eduard Freiherrn v. H o h e n b r u ck, in das Ministerium des Innern, verabschiedete sich derselbe Samstag, den 19. d. M., bei allen offiziellen Persönlichkeiten, worunter auch der hiesige Kultusvorsteher Herr Max W a l l i s ch wie auch der Kantor und Religionslehrer Herr Sigmund I e l l i n e k dieser hohen Ehre teilhaftig wurden. Samstag 1li6 Uhr abends verließ dieser allgemein verehrte liberale Beamte unsere Stadt, aus welchem Anlasse sämtliche Beamte, darunter auch der Herr Kultusvorsteher und Religionslehrer demselben das Abschiedsgeleite zum Bahnhofe gaben. "W.t. Znnim Sonntag, den 20. d. M., fand hier in Anwesenheit zahlreicher Hochzeitsgäste die Trauung des Herrn Otto Barth, Sohn des Herrn Ma^ Barth, mit Frl. Jda Skull, Tochter des Herrn Dr. S k a l l, statt. Der Vater des Bräutigams ist ein langjähriges, verdienstvolles Vorstandsmitglied der hiesigen Kultusgemeinde, weshalb auch der Gesamtvorstand, mit dem Kultusvorsteher, Herrn Rudolf Wo tzilkc^ an der Spitze, erschienen ist. Den Trauungsakt vollzog Rabbiner Dr. Kahan, der in der üblichen Traurede die mannigfachen Verdienste und die große Beliebtheit der Eltern des Brautpaares hervorhob. Die kantorale Funktion versah in ausgezeichneter Weife Kantor Handgriff, dem Chor und Orgel äußerst exakt assistierten.