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Die Wahrheit · 1907-10-25 · Heft 41 (25.10.1907) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 41 (25.10.1907)
Date
1907-10-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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3tu. 41. ^.DwMabÄieil Seile-Z. Mißfallen. Ist esnicht auffallend,: daß ein Volk von solchem Feingefühl, wie die Griechen, keinen Sinn für /"landschaftliche Schönheit gehabt und dieser Sinn erst bei.uns, die wir hinter den - Altenso weit zurückstehen, erwacht , sein , sollte? . -Das -gibt zu denken' und läßt vermuten, daß ein gut- Teil unserer Naturfchwarmerei affektiert und anempfunden fest - - - Der Eine nennv Schiller.den herrlichen Dichter, der Ändere 'schilt fein falsches Pathos, feine schönrednerische Rhetorik: Es gibt Zeinen feststehenden Schönheitskatwn. Andere dramaturgische Gesetze verkündet Aristoteles, andere Lessing, noch andere Ibsen. Kein solcher Zwiespalt klafft im menschlichen Denken und Wollen. Dem pythagorüischen Lehrsatz haben die Jahrtausende nichts von seiner Wahrheit genommen: das Blur von laufend Achsen verdampfte nicht vergeblich an den Altären der Götter. Daß Mord und Raub böse Taten, daß Wohltätigkeit und Nächstenliebe Tugenden sind, wurde von allen Menschen aller Zeilen rückhaltlos anerkannt und unterlag nie einem Zweifel. Es herrscht ein logischer Zwang und ein moralischer, denen wir uns, wir mögen wollen oder nicht, unterwerfen müssen. Keine solche Fessel ist das zarte, ästhetische Band, an das unsere Geschmacksurteile geknüpft sind. Wir schmücken uns damit wie die Kitider, es reißt oft und dann tritt wieder anderer Flitterstaat an dessen Stelle. Wir sind am Ende unserer Betrachtungen angelangt und wäre, das Ergebnis nur noch kurz ztlsammenzufassen. Das alte heitere Hellas ist nicht mehr, aber das alte ernste Judäa kehrt auch nicht wieder. Die Menschheit lebte damals ihre Jünglingsjahre, die. sind nun einmal schön, sowohl beim Knaben von üverschäumendem Temperament, als auch beim kontemplativ veranlagten. Bei der heutigen Kunstentwicklung kann daher schon aus diesem einfachen Grunde von einer Hellenisierung ebensowenig gesprochen werden, als von einer Judaisierung. Trotzdem beweist die Lange sche Enunziation, daß die Pendelschwingung gegep Gräzia ihren weitesten Stand erreicht haben dürste, daß die Rückbewegung gegen Kanaan bevorstehe. Man kann hier noch vieles lernen und sich an Moses positiv orientieren in Hygiene und Sozialismus, und negativ, d. h. in Dingen, die zu unterlassen sind. Dazu würde der Kultus des Schönen gehören, der innerhalb gewisser Grenzen seine Berechtigung hat, nicht aber zum Fetischismus entarten soll. Heine mag diese altjüdische Auffassung geleitet haben, als er folgende Verse schrieb, die übrigens auch an das Horaz'sche Exegi moimmentum aere perennius anklingen. Waren ja die Römer im Grunde ein rauhes Kriegervolk, das die Kunst der Griechen nur. äußerlich akzeptierte: Nicht zu Düsseldorf am Rheine Will ich steh'ii auf taubem Steine Als ein Götzenbild von Erz. In den fünfundzwanzig Zeichen, Auf papier'nem Feld, dem bleichen, Schlägt mein Geist und pocht mein Herz. 8. Vineta. Uerbandstag der deutschen Inden. Die zweite Tagung des Verbandes der deutschen Inden, die am 13. d. M. in Frankfurt am Main unter dem Vorsitz des Justizrates Dr. L a ch m a n n - Berlin stattfand und von ca. 400 Vertretern aus allen Teilen Deutschlands ohne Unterschied der religiösen und politischen Schattierung besucht war, wurde namens der Regierung durch den Regiernngsrat Walter- Wiesbaden mit dem Ausdruck aufrichtiger Teilnahme seitens des verhinderten Regierungspräsidenten begrüßt. Er versicherte, daß die Wünsche und Anträge der Inden, soweit sie an die Regierung kommen werden, dort stets freundliche Aufnahme und Berücksichtigung finden würden, da man namentlich in Hefien-Naffau für diese Wünsche Sinn habe, weil hier durch das alte Gesetz die jüdischen Gemeinden in steter Berührung mit der Verwaltung ständen. Der Regierungsverlreter schloß mit beit besten Wünschen für die Verhandlungen. Namens der Stadt Frankfurt begrüßte Stadtrat Schaumanu in herzlicher Weise die Gäste; er führte aus, daß die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung der Juden für die Stadt Frankfirrt, wie seit jeher, nur nutzbringend sein könne. Der erste Redner, Geheimrat Professor Cohen- Marburg, sprach über religiöse Postnlate, die Gottesidee. Unser Verhältnis zum Staat, führte" er aus, beruht auf,• dieser^Jdes^ehysp.-die; Sorg», .für,Kultur. ujtd Wissenschaft. ,, , ' : V . Der zweite Redner, Professor P h'i l i p p s ö b nBerlin, sprach über Staatsinte'reffe und Jndenpolitik vi>m historischen Standpunkt. Rechtsanwalt Dr. L o eb - Mainzvom politischen aus.. . . ' ' •. Hierauf wurden -folgeyde Re s t i »n e^..durch Rechtsanwalt Dr, C o h n - Dessau,, begründet und. ohne Hehatte einstimmig angenommen: Die HanptMrfämmlnng des Verbandes der Deutschen Juden erklärt: 1. 'Die durch Reichsgesetz und--Berfässnng - gewährleistete' Gleichberechtigung. der^ deutschen ^Sraätsastgehörinen.-jüdischen, Glaubens wird sowohl ini-.Heere wiebei.'der Besetzungöffentlicher Aemter fortdauernd verletzt. Der Verband wiederholt, seine Forderung endlicher Durchführung der Gleichberechtigung im Reich und in den Einzelstaaten. Er fordert dies auch im Interesse des Staates selbst, dessen Daseinsberechtigung und wesentlichste Aufgabe in dem L-chutz und der Aufrechterhaltung von Recht und Gesetz besteht. Der Verband erhebt Widerivruch dagegen, daß durch Gewährung staatlicher Vorteile eine Belohnung des Glaubenswechiels erfolgt. 2. Der Verband erblickt eine Kränkung auch der deutschen Juden in der Ausweisung von Ausländern nur wegen ihres Bekenntnisses zum Judentum und in der fast ansnahiiislosen Nichtgewährnng der inländischen Staatsangehörigkeit an Ausländer jüdischen Glaubens. 3. Der Verband fordert, daß, entsprechend den Grundsätzen des modernen Staatsrechtes, der Staat, soweit er den Religionsgemeinichaften Berücksichtigung und Förderung gewährt, diese der jüdischen Religionsgemeinschaft in gleichem Maße wie den christlichen zuteil werden lasse. Im Anschluß an die Hauprversamnilung hat der Ausschuß des Verbandes der Deutschen Juden in Frankfurt beschlossen: 1. Es ist darauf hinzuwirken, daß an öffentlichen oder von einer jüdischen Gemeinde oder Körperschaft unterhaltenen oder unterstützten Schulen allmählich die Erteilung jüdischen Religionsunterrichtes durch andere Personen als Rabbiner oder solche Personen, welche entweder akademisch gebildet sind oder die Volksschnllehrervrüfung und in letzteren beiden Fällen außerdem eine Religionslehrerprüfung bestanden haben, aufhört. Schonende Nebergangsbestimmungen im Interesse der schon angestellten Personen sind jedoch geboten. 2. Der preußischen Regierung ist für die Uebergangszeit zu empfehlen, für die Verteilung des zur Unterstützung des jüdischen Religionsniiterrichtes in den Staatshaushaltsetar einzustellenden Fonds die Richtschnur festznlegen, daß a.) für die Erteilung eines Religionsunterrichtes durch Personen der zu 1 erwähnten Art höhere Zuschüsse mit Rücksicht auf die hierdurch encstehenden höheren Aufwendungen zu gewähren sind, als für die Erteilung solchen Religionsunterrichtes durch andere Personen, b) kein Zuschuß für die Erteilung des Religionsunterrichtes durch andere als die zu 1 erwähnten Personen in denjenigen Fällen zu gewähren ist. in denen ohne übermäßige Belastung der Gemeinde die Uebertragnng des Unterrichtes an eine am Ort vorhandene und geeignete Person der zu 1 erwähnten Art oder an einen den Erfordernissen zu 1 entsprechenden Wanderlehrer ausführbar ist. 3. Der geschäftsführende Ausschuß wird beauftragt, namens des Verbandes die Anträge zu 1 und 2 deui preußischen Unterrichtsminister zu unterbreiten und sie zu begründen. 4. Der Ausschuß des Verbandes der Deutschen Juden erachtet für dringend erwünscht, daß in Zukunft die dem Verband der Deutschen Juden angeschlossenen Körperschaften und Vereine, und soweit dies erreichbar, auch die ihm nicht angeschlossenen Körperschaften und Vereine, bevor sie mit einem auf Erlaß von Gesetzen oder allgemeinen Verwaltungs- Vorschriften zielenden Antrag an die Staatsbehörden herantreten, diese ihre Absicht dem Ausschuß des Verbandes der Deutschen Juden Mitteilen und ihm Gelegenheit geben, auf etwa entgegenstehende Bedenken aufmerksam zu machen. Pie rumänische Emigration. Vom Sekretariate der „Israel. Allianz zu Wien" wird uns folgender Bericht zur Verfügung gestellt: Infolge der Exzesse gegen die Juden und besonders infolge der grausamen polizeilichen Maßregelll und der Ausweisungen aus Dörfern, wodurch viele Hunderte jüdischer Familien um Erwerb und Existenz gebracht wurden, hat sich während der letzten Monate die Emigration aus Rumänien wieder bedeutend verstärkt. Sie wird wie in früheren Jahren in großen Gruppen über Wien in der Weise geleitet, daß Listen der Emigranten vom Komitee in Bukarest der „Jsr. Allianz" im voraus eingesandt werden, so daß Vorkehrungen für den Empfang, die Verpflegung in Wien und die Weiterbeförderung nach überseeischen Ländern getroffen werden können. Nachdem bereits vor den verflossenen Feiertagen zwei große Gruppen rumänischer Emigranten nach Kanada befördert worden waren, weilte in Wien Anfang dieses Monates die dritte Gruppe, 132 Personen, Männer, Frauen und Kinder umfassend, welche, da sie an einem Freitag

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