Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 41 (25.10.1907)
- Date
- 1907-10-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seile 4. i:;: 1. Die Wahrheit Nr. 41 Das Unwichs Gebete genS die Minute — und di Gott an un i WiWgM .eriob^ d^Mhl der is Mf KMstMüM imMotteshanse wie im Theater edennLW^l ÄdeMm; stAuft ytauMnsiKeu.. den'unserer Väter. ..Warum," wird irgendwo Mn Midrasch gefragt, „ging Jerusalem zugrunde?" Die Antwort daraus lautete: „Weil sie Menschengebot gesetzt haben über Gottesgebot." Dies sinnreiche Wort wollen wir' beherzigen. Alle Apologetik nützt dem Judentum nichts, wenn sie sichtbare Fehler und Mängel zu verhüllen bestrebt ist. Wir dürfen nicht alles schön finden, weil es jüdisch ist: gestehen wir es nur, es wurde und wird viel im Judentum gesündigt, und diejenigen, welche die Hirten sein sollen, sündigen oft am meisten. Damit aber nicht gesagt werde, dies sei nur Kritik und keine ganz berechtigte, die Kritik zersetze aber nur, zerstöre und baue nicht auf, so wollen mir hier einen Vorschlag machen, wie man vielleicht manche der „brennenden Fragen", die wir vorhin bezeichneten, lösen könnte. Bernsen wir einen „Juden tag", d. h. eine Versammlung von gelehrten, gebildeten, gänzlich unabhängigen Männern des Judentums ein, die sich mit den verschiedenen Fragen befassen möge, die unleugbar zur Lösung drängen, mit sozialen Fragen und solchen des Ritus und der Liturgie, damit eine Direktive geschaffen werde für den Juden unserer Zeit. Natürlich müßten die Teilnehmer der Versammlung auch das Iridentum kennen. Wir würden Gewicht darauf legen, daß die Meisten in dieser Versammlung dem Laieustande angehören. Ihre Beratungen sollen öffentlich sein. Wir wissen, man wird über unseren Vorschlag lächeln, man wird über ihn zur Tagesorduuug übergehen, mag sein — aber man wird uns zugestehen, wer viele Erscheinungen unserer Zeit betrachtet, der wird sagen müssen: Es muß etwas geschehen, sonst wird die Fahnenflucht eine immer wildere. Vor allem aber behalten wir im Auge, nur solche Männer zu unseren Führern zu wählen, die das Judentum kennen und es mit diesem ehrlich meinen. Offenheit und Wahrheit, wir haben sie notwendig. Das Judentum sei kein Tummelplatz für ehrgeizige Streber, für müßige Existenzen, denen süßes Nichtstun als einziges Ideal vorschwebt. Und diejenigen, die berufen sind, geistliche Führer des Judentums zu sein, die sollten doch vor allem wissen, daß sie für die ganze Gemeinschaft da sind, ihr Beruf nicht allein darin besteht, nur den Mächtigen zu dienen, und daß das Volk Worte der Belehrung, der Wahrheit von ihnen erwartet. Diese Gedanken kamen mir in den Sinn, als ich, Herr Redakteur, Ihre bitteren Bemerkungen las. Machen Sie von meinen Ausführungen den Gebrauch, den sie für den besten halten. — Marcheschwan 5668. Isch.-Jeim.di. Ans der Woche. Die Gegner des Impfens, die sich zum größten Teile auch aus erbitterten Gegnern der wissenschaftlichen Forschung und des Fortschrittes überhaupt rekrutieren, haben sich zu einer großen Demonstration versammelt, die mit einem Triumphe der — Wissenschaft und ihrer Verkünder endete. So haben sich Luegers Heerscharen, deren Wortführer im Landtag und im Gemeinderat im Sinne ihres großen Meisters und Führers als ungeimpfte Gegner der voraussetzungslosen Wissenschaft gegen die Leuchten der medizinischen Wissenschaft loszogen, den Verlauf dieser Demonstration nicht vorgestellt. Sie hatten nicht geahnt, daß der Rektor der Universität, Hofrat v. Ebner, selbst erscheinen und im Namen der Wissenschaft gegen Machenschaften der Hetzer protestieren werde, die irreführend und verheerend wirken. Die mannhaften Worte, die ein Mann der Wissenschaft den traurigen Helden der Unbildung und den Kämpfern der Lichtfeindlichkeit entgegenschleuderte, werden ihre Wirkung auf jene Kreise der Bevölkerung, die noch nichr ganz im Banne im der christlichsozialen Weltanschauung stehen, nicht verfehlen. Sie werden aber auch ein Gefühl des Bedauerns darüber auslösen, daß dem vergiftenden und verheerenden Treiben der Christlichsozialetr nichk üitchJst-üher Hon, int’, LaMtaA/Mon berufener Seite, mit gleicher SchärfiWM ElWhieMheit Mtgegengetreten iwuK.Wt Beschämung mich-mMsicWarDerinDÄ, daß auf die Anßriffe^die^ Llwger^uud KottMteitMlt Läudtag^gegeu die hervorragendsten MänNtztz der Wissenschaft erhobHMonÖStatthalter und vom damaligen Rektor magnificus gar nicht, oder höchstens mit ein paar zaghaften schüchternen Phrasen geantwortet wurde. Es hätte manches nicht kommen müssen, wenn die Männernder Wissenschaft und der Bildung^ für das Güte so beherzt'und turügiert eingetreten wärenwie die Gegner für das Schlechte. Es wäre manches vermieden worden, wenn früher schon ein Rektor magnificus im Landtage so gesprochen hätte, wie der gegenwärtige in einer — Versammlung der unter Luegers Patronanz tagenden Jmpfgegner. Die Immunität der Christlichsozialen ist allzusehr von ihren — Gegnern bestärkt worden. * * V •!* ( Ein charakteristisches und wertvolles Moment im Kampfe gegen die Dunkelmänner ist es, daß einmal in einer Frage des Fortschrittes Professoren nnd Studenten einigen Sinnes auftraten. Und darum ist es auch ein erfreuliches Zeichen, dem auch ein gewisser politischer und kulturhistorischer Reiz anhaftet, daß die Dankrede, die ein Mediziner im Namen der Studenten an den Hofrat Professor Ebner hielt, ein Studiosus med. Koh u hielt. Aber auch die Rede des jungen Mediziners selbst, die von einer glühenden Begeisterung für Wissenschaft und Fortschritt, von Liebe und Hingebung für die idealen Ziele der Studentenschaft zeugt ist wert, verzeichnet zu werden. Sie lautete: „Eure Magnifizenz, hochgeehrter Herr Rektor! Der stürmische Beifall, mit dem Eure Magnifizeuz von den Studenten jetzt begrüßt wurden, ist nur der bescheidene Ausdruck des innigen Dankes, den wir Eurer Magnifizenz für das mannhafte Auftreten in der gestrigen Jmpfgeguer-Versammlung abstatten müssen. Mit jugendlicher Begeisterung haben Eure Magnifizenz als oberster Hüter der freien Wissenschaft sich mit den Studenten solidarisch erklärt und wenn Eure Magnifizenz bis nun voll den Jüngern der medizinischen Wissenschaft verehrt wurden, so schlagen Eurer Magnifizenz seit gestern, einem historischen Tage unserer Alma mater, tausende junger Herzen in aufrichtiger Liebe eutgegeu. Wir blickeu zu Eurer Magnifizenz, als dem leuchtenden Vorbilde treuester Pfiichterfüllung im Dienste der Wissenschaft, auf und lernen so unseren ernsten Pflichten Nachkommen, aber auch unsere Rechte wahren. Mit jugendlichem Elan gingen Eure Magnifizenz uns gestern voran und wir wollen stets treu folgen so bewährter Führung! Euch, Kommilitonen, bitte tch unserer Dankbarkeit und Liebe für unseren Rektor Ausdruck zu geben, indem Ihr anstimmt das Vivat academia, vivant professores.“ * * * Solche Reden, von einem Studenten' Namens Theodor Kohn gehalten, gereichen nicht nur der studierenden Jugend Wiens zur Ehre, sondern auch dem Judentum, dem dieser Jüngling nicht nur dem Namen nach, sondern offenbar auch mit dem Herzen angehört. . * Eine Tramwayszene, die schon einmal auch den Richter beschäftigte, gab abermals den Tagesblättern — auch den antisemitischen — Gelegenheit, die Gerichtssaalrubrik zu bereichern. Im Nachfolgenden sei die Affaire in Kürze nach der Darstellung im „Deutschen Bolksblatt" mitgeteilt: Eine Tramwayszene war jüngst beim Bezirksgerichte Josefstadt das Substrat einer Ehrenbeleidigungsklage, die der Privatbeamte Otto Brauer gegen den Privaten Alfred v. Winnicke angestrengt hatte. Der Kläger hatte am 22. Juni auf der Rückfahrt vom Heurigen in der Elektrischen eine ihm unbekannte hübsche Dame, die Jngenieurstochter Olga B., arg behelligt nnd von ihr ln zudringlicher Weise eine Rose, die sie in der Hand hielt, verlangt. Als die Dame auf die Ansprache Brauers nicht l reagierte, nahm dieser aus seiner Brieftasche eine Zehnkronennote; heraus und hielt sie der Dame mit den Worten: „W a s k o st^s?" hin. Mehrere Personen, die Zeugen dieser Szene waren, stellten Brauer zur Rede, darunter auch Herr Alfred v. Winnicke, der nach Inhalt der vorliegenden Klage beim Anssteigen dem Kläger fiEumsi