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Die Wahrheit · 1907-10-18 · Heft 40 (18.10.1907) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 40 (18.10.1907)
Date
1907-10-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Leite 8. Die Wahrheit Nr. 40. Schule und Haus müssen in der Erziehung der Kinder harmonisch Zusammenwirken. Ein Neujude, der nichts vom religionsgesetzlichen Judentum wissen will, sollte nicht gezwungen werden, sein Kind in den Religionsunterricht zu schicken. Der Gegensatz zwischen Schule und Haus, der das Gewissen eines Kindes nur beschwert, sein Gemüt verdüstert, es unter allen Umständen in der einen oder anderen Weise zum Heuchler macht, sollte vermieden werden. Dies wäre besser für die sittliche Erziehung der Kinder und auch — für die Würde der Religion selbst, die um so leichter in die Herzen der Menschen Eingang'findet, je weniger diese, auch in den Kinderjahren, hierzu gezwungen -werden. Wer trotz irreligiöser Ellern und Umgebung in reiferen Jahren sein Herz für Religion empfänglich findet, kann in wenigen Monaten bequem alles nachholen was er auf der Schulbank in einem Jahrzehnte zwangsweise kaum hätte erlernen können. Verschiedene Nachrichten. Wie«. Freitag, den 18. Oktober 1907. abends, Predigt im Stadttempel und im Tempel, XV., Turnergasse 22. Wie«. Se. Majestät der Sultan hat dem Rabbiner der türkischisraelitischen Gemeinde in Wien, Herrn Michael P a p o, und dem Oberkantor, Herrn Jakob Bauer, den Medschidje-Orden verliehen. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Sonntag, den 20. d. M., um 9 Uhr vormittags findet eine Exkursion nach dem k. k. Postsparkafiengebände, ferner nach der niederösterr. Handels- und Gewerbckammer, I., Biberstraße, statt. Zusammenkunft zu dieser hochinterefianten Exkursion im „Cafe Edison", I., Franz Josefs-Kai 13. Die P. T. Mitglieder werden ersucht, das Vereinsabzeichen anzulegen. Donnerstag, den 24. d. M., um 1/s8 Uhr abends, findet im Saale des „Hotel de France", I., Schottenring 3, ein D i s k u s s i o n s a b e n d statt. Tagesordnung: „Die Krise im Baugewerbe" und die Mittel zur Behebung derselben. Die Diskussion wird von Herrn Stadtbaumeister und Bezirksrat Edmund Melcher eingeleitet. Wir machen die Herren Architekten, Baumeister. Bauunternehmer und Baugewerbetreibende auf die Wichtigkeit der Tagesordnung aufmerksam. Der Präsident: B r o d. Der Schriftführer: i. V. Binder. Wie«. Samstag, den 26. d. M., veranstaltet das KaiserFranz Joses-Ferienheim im Kursalon (Stadtpark) ein H e r b stu n d W e i n l e s e s est. Beginn 5 Uhr nachmittags. Entree K 1.—. Karten sind im Vereinslokale des Ferienheim, IX., Türkenstraße 17 und an der Kafie (Kursalon) erhältlich. Wie«. (Verein „A d a ß I i s r o e l sS ch i f f s y n a g o g efi. Wir beehren uns bekannt zu geben, daß der Unterricht an unserer Privat-Religionsschule für Knaben und Mädchen, Sonntag, 13. Oktober, begonnen hat. Der Unterricht findet im Lokale der Talmud Thora-Schule, H., Malzgasse 16, statt. Einschreibung: Sonntag von 8—12 Uhr vormittags und Mittwoch von 2—4 Uhr nachmittags. Der Vorstand. Wien. Am 4. Oktober ist Herr Ignaz W a r k a n y, der nach längerem Leiden im 67. Lebensjahre verschieden ist, zu Grabe getragen worden. Der Verblichene, in Duna Szerdahely geboren, war ein Neffe des dortigen seligen Dajen Reb Josef C z a b a und hat einige Jahre beim Ksaw Sofer gelernt. Später wurde er Geschäftsmann und führte in Oedenburg ein großes Frucht- und Mehlgeschäst im eigenen Hause. Er war auch einige Jahre Vorsteher der dortigen Orthodoxen-Gemeinde und besonders dadurch bekannt und berühmt, daß er durch volle 25 Jahre als Lol Mdrs Bai TfiUo fungierte. Auch in Wien war er wegen seines bescheidenen, friedfertigen Wesens sehr geachtet und geschätzt. Er hinterläßt drei verheiratete Söhne und vier verheiratete Töchter, die alle ein streng religiöses Haus führen. An der Bahre sprach der Herr Rabbiner Schenk von der „Talmud Thora-Schul" und ein Sohn des Verblichenen, Herr Jakob W a r k a n y, und beide hoben sein talmudisches Wissen und seine wahrhafte Frömmigkeit hervor. “'S'jT'j'fi Wie«. In der am 6. Oktober d. I. stattgefundenen Ausschußsitzung des Josefstädter Tempelvereines wurde durch einstimmigen Beschluß der bisherige Kautorstellvertreter Herr Josef Grab an Stelle des nach Kopenhagen als Oberkantor berufenen Herrn Leo Edelmann zum zweiten Kantor bestellt. Wie«. Die bei der jüdisch-akademischen Verbindung „U n i t a s" stattgesundenen Chargenwahlen haben folgendes Ergebnis gehabt: cand. med. Max Platschek x, cand. ing. Ludwig Meilich XX, cand. iur. Arthur Sternfeld XXX. Innsbruck. Samstag, den 12. d. M., hat im Maximiliansaale eine von den Herren Karl Bauer und Wilhelm Adler einberufene jüdische Versammlung stattgesunden, bei der ein sehr reichhaltiges Programm zur Beratung gelangte. Nachdem Herr Hugo Schwarz den Vorsitz übernommen hatte, erstattete Herr Karl Bauer ein ausführliches Referat über das Turnwesen und regte die Gründung eines jüdischen Turnvereines an, welches einstimmig und beisälligst ausgenommen und beschloffen wurde. An der Debatte beteiligten sich der Vorsitzende, ferner Rabbiner S a g h e r und die Herren Steiner, Popper, Fuchs und Frau Anna Bauer, wobei die ersteren betonten, daß der Verein im Sinne der jüdisch-nationalen Bewegung geleitet werden sollte. In die Leitung wurden die Herren W. Adler, Karl Bauer, Steiner, Fuchs, Marx, Kaldor und Schindler gewählt. Möge der Verein die in ihn gesetzten Hoffnungen erfüllen. Budapest. Wenn auch verspätet, bringen wir die erschütternde Trauerkunde, daß am Vortage des Sukkotfestes in Baden bei Wien Herr Ludwig E p p i n g e r im kräftigsten Mannesalter von 45 Jahren infolg Blutvergiftung gestorben ist.' Durch das Ableben dieses vortrefflichen Mannes wurde nicht nur eine große, weitverzweigte, hochangesehene und hochgeehrte Familie in die tiefste Trauer versenkt, sondern auch die gesamte Kaufmannschaft der Manufakturbranche Oesterreich-Ungarns schmerzlich berührt. Denn E p p i n g e r war öffentlicher Gesellschafter der altrenommierten Großhandlungsfirma Lazar Eppinger L Söhne und feit dem vor vier Jahren erfolgten Austritt des Begründers und Seniorchefs dieser Firma, des greisen, hochbetagten Herrn Lazar Eppinger war dessen ältester Sohn, der seligentschlafene Ludwig, sozusagen dessen Stellvertreter geworden, und unter seiner bewährten fachkundigen Leitung ist das blühende Unternehmen zu noch größerer Entfaltung gekommen und hat einen ungeheuren Ansschwung genommen. Ludwig Eppinger war ein moderner Kaufmann, der sich nebst Fachkenntnissen auch eine nicht gewöhnliche Bildung angeeignet hatte. Er war eine außergewöhnliche Arbeitskraft, unermüdlich tätig und besaß weltmännische Manieren. Besonders hervorzuheben ist die Feinheit seines Empfindens und sein rigoroser Charakter, wodurch er der jüngeren Kaufmannswelt voranleuchtete und geradezu ihr als Vorbild diente. Fürwahr dieser in so vielfacher Beziehung verdienstvolle Mann ist es wert, daß man itm ihn trauere!. . . Was sterblich war an Ludwig Eppinger hat man nach Budapest gebracht und daselbst zur ewigen Ruhe bestattet. Sein hochbetagter Vater, der 84jäbrige Herr Lazar Eppinger, mußte vorher davon verständigt werden, daß sein heißgeliebter Ludwig ihn für immer verlassen hat, und Oberrabbiner Dr. Samuel K o h n sollte sich dieser traurigen Mission unterziehen. Er tat dies — um das Fest nicht zu stören — am ersten Halbfeiertage. Dr. K o h n begab sich in die Wohnung Eppingers und sagte dem beklagenswerten Greise: „Ein furchtbares Seelenleiden ist über Sie gekommen, da heißt es eben stark werden" und teilte ihm das Entsetzliche schonend mit. Der fromme, gottergebene und wahrhaft gottesfürchtige Greis, eine Patriarchengestalt, war von dem großen Unglücke, das Gott über ihn gebracht, förmlich niedergeschmettert, hatte sich aber so viel Seelenstärke bewahrt, daß er mit tränenfeuchten Augen und mir bebenden Lippen voll Ergebung gesprochen: „Gelobt sei der gerechte Richter! Er hat mir den herrlichen Sohn gegeben, ihn nun wieder genommen, gepriesen sei Gott für und für! .. . In der Zeremonienhalle des Kerepescher Gräberfeldes fand im Beisein eines überaus großen und distinguierten Publikums die imposante Leichenfeier Eppingers statt. Kantor Licht mit dem Tempelchorpersonale besorgten die Trauerzeremonien, dann hielt Oberrabbiner Dr. K o h n einen tiefergreifenden Nachruf. Ausgehend von dem Worte: „Das Band ist zerrissen, der Bund ist gelöst", schilderte er den Heimgegangenen I als Sohn, Gatten, Vater, Bruder und Verwandten, als Mann seines Bel rufes und als guten, edlen Menschen. — Als der Sarg in das Grab gesenkt | wurde, stürzte die Witwe mit dem Aufschrei: „Mein Ludwig, mein Alles!" bewußtlos zu Boden und mußte durch die Angehörigen in ihre Wohnung gebracht werden, wo sie sich allmählich erholte. D. H. S p i tz e r. Budapest. Am Schemini Azeres-Feste wurde im großen Tempel in der Tabakgasse der jugendliche Friedrich Lazarus, Sohn des Oberkantors Professor Adolf Lazarus, als Barmizwah vor die Thora gerufen. Er war Maftir und entzückte die Anwesenden durch sein glockenhelles, klangvolles, angenehm klingendes Organ, sowie durch seine sehr verständliche Aussprache und seine richtige Betonung. Nach der Verlesung der Haftörah hielt Rabbiner Dr. Julius Fischer eine passende Ansprache an den Barmizwah. Professor Lazarus machte dann seinem Sohne tiefbewegt einen Mischeberach. — Einen ganz besonderen Mischeberach, den Professor Lazarus verfaßte, machte er der Frau Jacob Fürst de Maroth, geb. Krausz de M e g y e r für die Spende eines weißen Vorhanges vor dem heiligen Schrein, welcher für die hohen Festtage bestimmt ift: Die hochherzige Dame hat noch weitere prachtvolle Spenden zur Ausschmückuug des herrlichen Gotteshauses in Aussicht gestellt. — Nach der Tempelfeier fand große Gratulation im Hause des Oberkantors statt. Es kam der Gemeindevorstand, der Tempelvorstand, das Rabbinat, der Professorenkörper der Landes-Rabbinerschule, der Lehrkörper der israel. Gemeinde, die Gemeindebeamten, die Damen des israel. Frauenvereines und viele hervorragende Gemeindemitglieder. Auch Geschenke in großer Zahl wurden dem jungen Lazarus überreicht. Budapest. Der Nestor der hauptstädtischen Schlossermeister, sowie der erste jüdische Schlossermeister Ungarns, L e o p o l d F e i w e l, ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Er hat unter der Aegide des isr. Handwerksvereines das Meisterrecht erworben und gehörte dem Ungarisch-israelitischen Handwerks- und Ackerbauverein als Mitglied an, in dessen Ausschuß er 60 Jahre lang höchst verdienstlich wirkte. Feiwel war der Erfinder ungemein praktischer Schulbänke, die in den städtischen Schulen eingeführt und patentirt wurden. Dies begründete auch seinen Wohlstand. Seine Ehe blieb kinderlos und da er Witwer gewesen, ist er — sozusagen — fick selber abgestorben. Feiwel war ein tüchtiger Handwerker und sehr wohltättg. Bei der grandiösen Leichenfeier hielten Trauerreden: im Trauerhausc Oberrabbiner Dr. Samuel Kohn und auf dem Gottesacker Rabbiner Dr. Simon H e v e s i. Die Zöglinge des Handwerksvereines sprachen am Grabe das Kaddischgebet. Ö. 31. S. Holics. Bor kurzem ist hier Herr Abraham B u ch w a l d im Alter von 65 Jahren verschieden. Das Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung und es zeigte sich, welch hohe, noch über den Tod hinausreichende Achtung und Verehrung der Verblichene allenthalben genoß. Nachdem Oberkantor Abrahamsohn die üblichen Gesänge mit seinem Chore vorgetragen hatte, widmete Bezirksrabbinei M a r m o r st e i n aus Szenicz, der unfern greisen Oberrabbiner P o l l a ck substituierte, dem Heimgegangenen einen seine Verdienste und Vorzüge würdigenden Nachruf.

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