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Die Wahrheit · 1907-10-11 · Heft 39 (11.10.1907) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 39 (11.10.1907)
Date
1907-10-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seile 8. Die Wahrheit Nr. 39. daneben auch kleinere eiserne Klappmöbe! und recht hübsch gearbeitete Hämmer. Außer dem direkten Handwerksuuterricht haben die Kinder auch Kurse im Zeichnen, Rechnen. Physik rc., woneben auch das Talmudstudium einige Stunden des Tages in Anspruch nimmt. — Die Schule, der vorerst nur sehr spärliche Mittel zur Verfügung stehen, beabsichtigt, eine Fabrik kleiner Eisenwaren zu etablieren, in der die Schüler auch nach dem Verlassen der Schule Verdienst finden können. Das Institut verdient speziell die volle Sympathie derjenigen Kreise unter dm Chalukah-Spendern, die in der Einseitigkeit des Talmudstudiums der palästinensischen Schnorr-Existeuzen im besten Falle ein notwendiges Uebel sehen, und die zu einer gesünderen Fortentwicklung der orthodoxen Judenschaft des heiligen Landes die Hand bieten möchten. Schließlich sei hier noch ein ittdustrielles Unterilehmen erwähnt, das speziell vom Standpunkt gewollter industrieller Kolonisation von Interesse ist. Ende 1906 wurde in Jaffa eine Fabrik für Kleinmöbel und kleine Holzgegenstände kunstgewerblicher Art begründet. Der maßgebende Gesichtspunkt bei der Begründung war die Schaffung von Arbeitsgelegenheit für jüdische Handwerker und Berufslose. Dieser Zweck wurde soweit erfüllt, daß schon in den ersten fünf Monaten durchschnittlich an dreißig Leute beider Kategorien Beschäftigung fanden. Hierbei wurde auch die Probe auf das Exempel von der verhältnismäßigen Leichtigkeit und den geringen Kosten industrieller Kolonisation gemach t. Ungelernte Arbeiter wurden in Stand gefetzt, vom ersten Tage an bei gänzlich ungewohnter Arbeit ihr Brot zu verdienen, und das Gefamikapital des Unternehmens reicht noch bei weitem nicht an die Jnstallationskosten auch nur eines landwirtschaftlichen Kolonisten heran. — Nebenwirkungen dieser industriellen Nengründung sind auch eine unverkennbare Hebung des Sinnes für geschmackvolle Wohnungseinrichtung und das Verschwinden der Arbeitslosigkeit im jüdischen Tischlergewerbe Jaffas und Palästinas. Die Hauptschwierigkeit ist die Beschaffung tüchtiger Arbeitskräfte. Hier wie auch bei anderen Gelegenheiten hat sich gezeigt, daß wirklich fähige Handwerker ohne Sorge nach Palästina kommen können. Für eine solche planmäßige industrielle Entwicklung kommt noch eine ganze Reihe von Fabrikationen in Betracht und bereits jetzt sind mehrere solche Pläne in guter Vorbereitung. Ein Hauptwert dieser Art von Förderung jüdischer Ansiedlung liegt, wie gesagt, in der Billigkeit, der schnellen Wirksamkeit und der geschäftlichen Gesundheit des Systems. Aber gerade mit solchen Industrien wird auch der landwirtschaftlichen Kolonisation eine solidere Basis gegeben, insofern als sie in Form von Heimarbeit sowohl Kolonisten wie landwirtschaftlichen Arbeitern eine nützliche Verwendung der arbeitslosen Zeit bieten. Hiermit ist der besondere Nutzen solcher Industrien jedoch noch keinesfalls erschöpft. Die Fabrikation von Touristenartikeln, von kleinen kunstgewerblichen Arbeiten, von Perlmutterknöpfen und ähnlichen Fabrikaten, bei denen das Material (nach Volumen, Gewicht und Preis) weniger in Frage kommt als der Arbeitslohn, erlaubt uns auch in einem anderen Sinne an eine ganz neue Entwicklung der jüdischen Kolonisation im Lande zu denken. — Manche Kolonien und manche Stadtgemeinden litten und leiden noch an ihrer geringen Zahl, die es ihnen schwer (und oft unmöglich) macht, die unentbehrlichen jüdischen Einrichtungen religiöser, sanitärer und erziehlicher Art zu unterhalten. Eine geeignete „Strategie der industriellen Kolonisation" wäre im Stande, alle solche Schwierigkeiten ohne die geringsten oder mit ganz minimalen Opfern zu beseitigen, und unter solchen Umständen könnte auch an die Schaffung neuer Ansiedelungspunkte im Lande unter unvergleichlich besseren Aussichten als je vorher geschritten werden. Präsident des „Emigrations-Regnlierungs-Departement" der „Jto", und Mr. Clenrent S a l a m a n, der Ehrensekretär des Departements, anr Freitag, den 27. September, nach Bremen, um im Vereine mit Dr. Bernhard Kahn und Dr. R o s e n a k, als Vertreter des „Hilfsvereines der deutschen Inden", mit dein Generaldirektor des „Norddeutschen Lloyd", Herrn Wiegand, über die Arrangements zu beraten, welche durch diesen zunehmenden jüdischen Verkehr in den Bremer Wohnhäusern der Kompagnie, sowie aus deren Schiffe notwendig wurden. Herr Wiegand empfing die Herren aufs freundlichste und führte sie nach eingehendster' Besprechung der Lage in die Unterkunftshäuser, woselbst er persönlich alle Details einer sorgfältigen Revision unterzog und seine Bereitwilligkeit erklärte. jeden vorgebrachten Wunsch promptest zu erfüllen. Schließlich wurde, um den Bedürfnissen der jüdischen Emigranten zu entsprechen, eine Vereinbarung getroffen, nach welcher der „Norddeutsche Lloyd" verpflichtet ist. sich mit dem „Hilfsverein der deutschen Juden", in seiner doppelten Eigenschaft als „Hilfsvereiu" und als Vertreter des „Emigrationskomitees", zwecks Durchführung der nachfolgenden Bedingungen ins Einvernehmen zu setzen. Die Bedingungen anr Schiffe betreffend: 1. Verpflichtet sich der Lloyd, eine autorisierte Person kostenfrei an Bord zu führen, welche die Aufgabe hat, die Interessen der jüdischen Galveston-Emigranten zu vertreten und nach deren Komfort zu sehen. 2. Richtet der Lloyd es so ein, daß die jüdischen Galveston-Emigranten sobald als möglich separate und reservierte Plätze am oberen Teile des Zwischendecks erhalten und gemeinschaftlich ihre Mahlzeiten einnehmen. 3. Die Kompagnie verpflichtet sich, ehemöglichst eine rituelle, unter rabbinischer Oberaufsicht stehende Küche zu errichten und zur Bequemlichkeit der Galveston-Passagiere für bessere Ladeeinrichtungen zu sorgen. 4. Die Kompagnie verpflichtet sich, den Kapitänen und den anderen Führern aufs schärfste einzuprägen, unbedingt darauf zu sehen, daß die jüdischen Passagiere bestens behandelt werden, weiters die erstereu von Zeit zu Zeit an diese ihre Pflicht zu erinnern. Die Bedingungen t lt B r e m e n betreffend: 1. Die Gesellschaft verpflichtet sich, ein besonderes Emigrantenwohnhans (Stadt Warschau") zu errichten, zum ausschließlichen Gebrauch der Juden (ausgenommen gewisse unvorhergesehene Fälle). Dasselbe hat eine Bethalle und ein Lesezimmer zu enthalten, auch sind die Verhältnisse der Schlafzimmer zu verbessern, daß das Ventilierungssystem und die sonstigen sanitären Einrichtungen den modernsten Anforderungen entsprechen. 2. Der Lloyd zuerkennt dem Komitee das Recht, alle Einrichtungen des Wohnhauses zu überwachen, und verpflichtet sich, alles aufzubieten, um den Wünschen des Komitees bezüglich der Unterbringung und Einschiffung der Emigranten zu entsprechen, wie überhaupt deren religiöse Sitten und Gebräuche zu respektieren und. auf diese Art ein Verhältnis zu schaffen, welches den jüdischen, wie auch den Humanitären Anforderungen entspricht. Ans der territorialistifche» Bewegung. London. Zufolge der zunehmenden jüdischen Auswanderung nach Galveston und mit Rücksicht auf die Wahrscheinlichkeit einer großen Entwicklung iu nächster Zukunft, begaben sich Mr. Israel Z a n g w i l l, Verschiedene Nachrichten. Wien. In einer in den Räumen unserer Wiener jüdischen Gemeindebibliothek unter Vorsitz des Herrn Rabbiner Dr. S ch m i e d l, am 7. d. M.. abgehaltenen Konferenz, in der — einschließlich die Herren Rabbiner und Kultusvorsteher — diverse hervorragende Persönlichkeiten der Wiener jüdischen Gesellschaft vertreten waren, wurde im Interesse unstrer Heranwachsenden jüdischen Jugend einstimmig der Beschluß gefaßt, einen Zentralverein zur Gründung von jüdischen Volks- und Jugendbibliotheken (Volkslesehallen)' ins Leben zu rufen, welchem Vereine auch die Förderung der Herausgabe neuer jüdischer Literaturwerke — insbesondere für unsere Jugend — zu obliegen! hätte. Allgemein erkannte man es als dringendes Bedürfnis an, unserer I Jngend eine fesselnde, warm und e ch t j ü d i s ch e m G e i st e gej schriebene Literatur in die Hand zu geben und durch sie auch auf das i Familienhaus belehrend und veredelnd einznwirken. Bon Wien aus könne; dann später der Verein seine Tätigkeit auch'auf die Provinz ausdehnen.! Ein siebengliedriges Komitee, bestehend aus den Herren: Rabbiner! Dr. S ch m i e d l, Dr. B. Münz, Professor A n t s ch e r l. Kustos Dr. i Frankfurter, Direktor S. Heller, Inspektor Professor K a n i tz, | Hof- und Gerichtsadvokat Dr. K n ö p f m a ch e r, wurde sofort mit den! Vorarbeiten für das Jnslebentreten dieses Vereines betraut und man setzr * schon jetzt die schönsten Hoffnungen auf das Wirken und die Erfolge desselben. Wien. (Unterrichtskurse der Toynbee-Halle.) Die Einschreibungen für die unentgeltlichen Unterrichtskurse der jüdischen Toynbee-Halle (deutsche Sprache und Literatur, Englisch für Anfänger und Vorgeschrittene, Stenographie für Anfänger und Vorgeschrittene) finden Donnerstag, den 17. Oktober d. I., von 7—8 Uhr abends, in der Religionsschule der isr. Kultnsgemeinde, I., Seitenstettengasse 2, II. Stock, statt. Einschreibegebühr K 1.— pro Kurs. Wien. Am verflossenen Hoschanoh-raboh hielt der Vorstand des Humanitären Vereines „T o m e ch E w j o n i m" eine besondere Sitzung ab, um dem langjährigen Obmann, Herrn Oberkantor M. S ch o r r, für seine verdienstvolle, selbstlose Tätigkeit um die Hebung des Vereines das bereits ausgefertigte Ehrendiplom zu überreichen. Die diesbezügliche Mitteilung be§ Obmannstellvertreters Sigmund Figdor wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Sodann wurde das prachtvoll ausgestattete und sinnvoll gehaltene Schriftstück vom Schriftführer, Herrn Arnold Rosenfeld, vorgelesen und hierauf dem Obmann überreicht. Derselbe dankte tief gerührt für die ihm zuteil gewordene Ehrung und versicherte gleichzeitig, daß er dem Verein auch fürderhin seine Tätigkeit in vollstem Maße zuwenden werde. Zum Schluffe sprach noch Bereinsrevisor Herr Wolf Pappen heim über die humane Tendenz des Vereines, über den Aufschwung desselben unter der jetzigen Leitung und gab dem Wunsche Ausdruck, daß das so segensreiche Institut auch fernerhin sich entwickle und

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