Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 38 (4.10.1907)
- Date
- 1907-10-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38. Die Wahrheit Seile 9. Präsident, unterstützt von den Herren Dr. Iochelmann, L i p e tz, Lev und Pap er in, dasselbe leiten wird. Außer diesen fünf Mitgliedern des Zentralkomitees wurden in die Leitung gewählt: Advokat Ja ssin o w s k i. die Herren F i n k e l st e i n, I a tz k a n, I o s s e l e f f und H i l l e l Z e i t l i n aus W a r s ch a u, die Herren Schwiro und T r o p p ans Baku, Dr. Stein aus E l i s a b e t g r a d, Dr. G o l d b e r g aus Weletz, Dr. D o r f m a n n und die Advokaten R a b i n o v i ch und Gerstein ans Odessa. Manchester. Das ständige Komitee der British „I t o"- Federation hat die Einladung der M au ch e st e r-L r g anis ati o n, den nächsten Delegiertentag Sonntag, den 8. Dezember 1907, abzuhalten, akzeptiert. B u r m a. Mr. R. D. D a n i e l l s aus Rangoon begründete hier eine „Jto"-Ortsaruppe. Verschiedene Nachrichten. Wien. Freitag-Abend, den 4. d. M., Predigt im Stadttempel. Wien. (Israelitische K u l t u s g e m e i n d e.) Die Einschreibungen der Mittelschüler zum Unterrichte an der Sprach- und Bibelschule, I., Seitenstettengasse 4, finden Sonntag, den 6. Oktober 1907, von 10—11 Uhr vormittags. I., Seitenstettengasse 4, 4. Stock, statt. — Die' Einschreibungen für den Unterricht an der Bibel- und Talmudschule der israel. Kultusgemeinde Wien, II., Tempelgasse 3, finden Montag, den 7. Oktober 1907 und Dienstag, den 8. Oktober 1907, jedesmal von 5—6 Uhr nachmittags, im obgenannten Schnllokale statt. — Die Einschreibungen zum Unterrichte in der Bibelschule. II., Rembrandtstraße 34, finden am Sonntag, den 6. Oktober 1907. von 10—12 Uhr vormittags und Mittwoch, den 9. Oktober 1907, von 2—4 Uhr nachmittags, im Schullokale daselbst statt. Einschreibung und Unterricht erfolgen unentgeltlich. Wien. (Jüdisches M u s e n m.) Die Sammlungen der Gesellschaft für jüdische Altertümer, II., Praterstraße 23, werden Samstag, 5. Oktober d. I., 11 U h r vormittags, eröffnet. Dieselben bleiben mährend der ganzen Saison an jedem Sainstag und Sonntag von 11 — 1 Uhr für den allgemeinen Besuch geöffnet. Wien. Anläßlich des 65. Geburtstages Sr. Majestät des Sultans Abdul Hamid fand Dienstag, den 24. September, 1/u12Uhr vormittags, im türk.-israel. Tempel ein Festgottesdienst statt, an welchem der türkische Botschafter Mahmud dt o d i m Pascha mit dem Botschaftsrat M ust a p h a Ass im Beh, den Botschaftssekretären Munir Snrnya Bey, Fnad Bey Simavy und T e f r i k B e y, Militürattachee .Kapitän A b d i R e u f Bey, Handelsattachee B o n d t> Bey, der Ehrenpräsident der griechisch-orientalischen Gemeinde G. A. K a i m z o g l u, der Präsident Generalkonsul Georges C h i l a i d i t i, Knltusvorsteher Dr. Markus Spitzer, Polizeibezirksleiter Regierungsrat K e n d e, kais. Rat Dr. Lieben, Oberkantor Singer und viele Gemeindemitglieder und Gäste teilnahmen. Im Vestibüle erwartete der Präsident der türk. Geineinde, Herr Licco A d u t t, mit den Vorstandsmitgliedern den Botschafter und seinen Stab und geleitete die Herren unter Örgelklaug in den festlich beleuchteten Tempel, wo Oberkantor Bauer mit Chor-, Orgel- und Harfenbegleitung den prachtvollen Festgottesdienst.abhielt und Rabbiner Papo die Festrede hielt. Mit der Sultanshymne, die der Chor unter Leitung des Dirigenten Löw it sang, schloß die schöne Feier, nach deren Beendigung der Botschafter im Zeremoniensaale die Glückwünsche für den Sultan entgegennahm. Wien. Durch die Erbauung und kurz vor den hohen Festtagen erfolgte Einweihung des Gotteshauses in Döbling wurde der langgehegte Wunsch der jüdischen Bevölkerung des XIX. Bezirkes nach einem regelmäßigen, würdigen Gottesdienste erfüllt, und die erhebende Andacht, mit welcher der Gottesdienst an den verflossenen Festen abgehalten wurde, bewies, daß der Vorstand des Döblinger Tempelvereines auch iu der Wahl seiner Funktionäre gut beraten war. Herr Kantor Landau bewährte sich als talentierter, stimmbegabter Scheliach Zibbur, der das traditionelle Chasonuth und den modernen Tempelgesang in gleicher Weise beherrscht, und Herr Rabbiner Dr. Frankfurter verstand es, mit seinen vortrefflichen Predigten die Weihe und Andacht des Gottesdienstes zu fördern. Beiden Funktionären wurde allgemeine Anerkennung zu Teil. Wien. (Pa l ä sti u ar e ise.) Die vom Reisebureau „Tabor", F. A. G r a b e w s k i & Co. in Jerusalem, veranstaltete Vergnügungsreise nach Palästina beginnt am 15. Oktober 1907 ab Budapest. Das Reiseprogramm ist sehr reichhaltig und die Preise sind verhältnismäßig sehr niedrig bemessen. Der in drei Sprachen herausgegebene Prospekt des Reisebureaus „Tabor" enthält nähere Angabe über die Reise. In ihm sind auch Anerkennungsschreiben von Vereinen und Privatpersonen enthalten. Die Reiseroute ist sorgfältig gewählt und lautet: Budapest, Belgrad, Sofia. Adrianopel oder Bukarest-Constanza-Konstantinopel, Dardanellen, Smyrna, Rhodos, Cypern, Beyrut, Libanon, Damaskus, Liberias, Kolonieen, Haiffa, Rabulus, Jerusalem, Jericho. Hebron, Mizpah, Kolonien in Judäa. Port- Said, Cairo, Alexandrien, Athen, Budapest. Die Preise stellen sich wie folgt: für die 1. Klasse X 950, für die H. Klasse K 790 und für die HI. Klasse K 600. In diesen Preisen sind die Kosten für die Fahrt, Hotels, Verpflegung, Ausflüge, Entrees und sonstige Reisespesen mitinbegriffen. Anmeldungen wolle man an den Reisemarschall Herrn A. Grajewski, Budapest, Hotel Royal, richten. Wien. (I s r. Volksschule Talmud-Thora.) Die fünfklassige mit dem Oeffentlichkeitsrechte ausgestattete Volksschule Talmud- Thora bezieht mit dem beginnenden Schuljahr ihr neues Haus, welches den strengsten Anforderungen der Schulhygiene entsprechend eingerichtet ist. Die Einschreibungen fanden am 26., 27. und 29. September, im Schulgebäude, II., Malzgasse 16, statt. Wien. Die Feier des 70. Geburtstages des Baurates Theodor Ritter v. G o l d s ch m i d t, Gememderat und Vizepräsidenten der israel. Kultusgemeinde, mußte wegen Abwesenheit vieler Freunde des Jubilars im Juli verschoben werden. Sie findet am Montag den 28. d. statt. Im Saale des jüdischen Museums wird die Ueberreichung der Adressen an den Jubilar erfolgen und abends eine gesellige Zusammenkunft stattfinden. Wien. Sonntag, den 22. September fand im Stadttempel die Trauung des Herrn Friedrich S e l i g m a n n, Sohn des Obmannes des Tempelvereines im X. Bezirk, Herrn Carl S e l i g m a n n. mit Fräulein Helene Schick, Tochter des Direktors der Unionbank. Herrn Bertyold Schick, statt. Das im herrlichen Blumenschmuck prangende Gotteshaus war in allen Räumen von distinguierten Hochzeitsgüsten besetzt und man bemerkte unter den Anwesenden den I. Vizepräsidenten der Wiener Kultusgemeinde, Herrn Landesschulrat Dr. Gustav K o h n mit mehreren Kultusvorstehern, den gesamten Vorstand des Tempelvereines im X. Bezirk, sowie viele hervorragende Persönlichkeiten der Wiener Gesellschaft. Die kanrorale Funkcion versah Oberkantor Singer mir Chor-, Orgel- und Harfeubegleitung und den Trauungsakt vollzog Herr Rabbiner Dr. M a n d l vom X. Bezirk. Wien. Der k. k. n.-ö. Landesschulrat hat au Stelle des verstorbenen Direktors Adolf Bauer den bekannten Pädagogen B. Planer als Direktor des Lehr- und Erziehnngslnstitutes Bauer vorm. „Simon", I., Hoher Markt 3. bestellt. Wien. Donnerstag, den 3. Oktober l. I., präzise */,8 Uhr abends, fand im Sontercainlokal des Cafe „Macienbrücke", I.. Rotenturmstraße 31, ein von der jüdisch-akademischen Ferialverbindung „Zephyr a" veranstalteter Vortragsabend für Studierende statt, bei welchem Tr. Narhan Birnbaum (Mathias Acher) und Dr. Hermann K a d i s ch über „Jugend und Judentum" referierten. Wien. (Ein vermißter s p ani o l is ch e r Großkaufm a n n.) Die spaniolische Kolonie.in Wien befinde: sich in tiefer Bestürzung über ein Unglück, welches eines seiner besten Mitglieder betroffen hat. Seit Sonntag, den 15. September abends, wird der hier wohlgekannte und allgemein hochgeschützte 63jährige Großkaufmaun Semaja Dan A l b u ch a r y vermißt. Gegen l!>ß Uhr des erwähnten Abends entfernte er sich aus seiner Wohnung, III., Obere Weißgärberftraße 13, ohne daß er bis zur Stunde zurückgekehrt wäre, und der Umstand, daß man nngeführ eine halbe Stunde später auf der Kronprinz Rndolfsbrücke nn Prater dessen Schirm und Brieftasche gefunden har, läßt vermuten, daß der Kaufmann, der seit Monaten an einer hochgradigen Arterienverkalkung sehr schwer litt, in den Wellen der Donau Erlösung suchte. Bestätigt sich diese Annahme, dann hätte ein inhaltreiches Leben geendet. Hohe Begabung, hervorragende Nächstenliebe und Gottesfurcht zeichneten den Mann aus, der allen Widerwärtigkeiten des Lebens trotzend, sich bis znm Gipfel des Glückes und der Befriedigung durchgerungen hat. Doch gerade der Lebensabend sollte dem Bedauernswerten nicht in verdienter Ruhe und in Frieden beschieden sein. Das Alter dämpfte seine Lebensfreude und lähmte seine eiserne Energie, die ihm über so manche gefährliche Klippe hinweggeholsen, bis diese tückische Krankheit ihm auch den letzten Hoffnungsschimmer raubte. Vergebens nahm er Zuflucht zu inbrünstigem Geber, suchte er Rettung im heiligen Worte der Schrift. Weder Kurorte noch Heilanstalten brachten ihm die ersehnte Linderung seines furchtbaren Leidens, das ihn gerade in letzter Zeit außerordentlich heftig ergriff. Es ist wahrscheinlich, daß Herr A l b a ch a r y aus der Straße plötzlich einen Anfall bekam, der leider zu dem Unglücke führte. Noch eine halbe Stunde vor Verübung der schrecklichen Tat befand er sich in Gesellschaft und nichts ließ vermuten, daß er einen solch verzweifelten Entschluß fassen würde. Für den bevorstehenden Jomkippur traf er sogar noch Anordnungen und schmiedete Pläne für die Zukunft. Von dem Vermißten fehlt bis jetzt jede Spur. Obwohl sich bei deu Hinterbliebenen bereits zweimal ein Mann meldete, der Herrn A l b a ch a r y in den Prater-Auen gesehen haben will, blieben die dorrselbst sofort unternommenen wiederholten Streifungen erfolglos. Die Angehörigen des ans so tragische Weise Dahingegangenen haben bereits alle Hoffnung ausgegeben, ihr Familienoberhaupt noch lebend zu finden. Doch ist auch die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß der Greis das Opfer eines Verbrechens ist, zumal er sich noch bis ungefähr einer Stunde vor Auffindung der erwähnten Effekten in Gesellschaft befand und nicht das leiseste Anzeichen daraus schließen ließ, daß Herr A l b a ch a r y sich mit Selbstmordgedanken trage. Eine solche Absicht war ihm umso weniger zuzumuten, als eine zu große Anhänglichkeit und Liebe ihn mit seiner Familie verband und er peinlichst alles vermied, was der letzteren hätte Kummer bereiten können. Tatsächlich hinterließ er auch keinerlei Aufzeichnungen, durch welche er seine Angehörigen von seinem fürchterlichen Entschluß hätte in Kenntnis gesetzt. Dagegen telephonierte er gegen 3/48 Uhr, man möge ihn in 1ii—3U Stunde zuhause erwarten. Wien. Samstag, den 21. September, fand im Tempel des elften Bezirkes beini Mussafgottesdienste die Barmizwahfeier des jüngsten Sohnes G u st a v. des Kultusvorstehers und Obmannes des Simmeringer Tempelvereines Herrn kais. Rat Sigmund K a u d e r s, statt. Aus diesem Anlasse hatte sich' ein zahlreiches Publikum, sowie viele illustre Gäste aus den anderen Bezirken Wiens im Gotteshause eingefunden, welche deutlich die allgemeine Beliebtheit und Wertschätzung manifestierten, deren sich Herr kais. Rat K a u d e r s infolge seines humanitären von echt jüdischem Geiste geleiteten gemeinnützigen Wirkens in der jüdischen Bevölkerung Wiens erstellt. Auch an diesem Freudentage bekundete er seinen regen Gemeinsinn, indem er 600 Kronen an verschiedene jüdische humanitäre Anstalten, sowie eine prachtvolle weiße Altardecke für das Gotteshaus spendete. Anwesend waren n. a.: der Vizepräsident der isr. Kultusgemeinde Landesschulrat Dr. Gustav K o h n, Professor Fuchs, Religionsprofessor Dr. Weiß, Weingroßhändler Ernst Wolf, ferner der gesamte Vorstand des Simme»