Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 37 (20.9.1907)
- Date
- 1907-09-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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'Jk. 37. Die Wahrheit Seite 7. imstande sein, wenn sie auch lvollten? Ein solches Geschenk der I Mächte an die Juden wäre mehr eine Verlegenheit als eine 1 Wohltat. Wir verlangen, daß es den Juden imverwehrt bleibe, sich in Palästina niederzulassen, dort Grund und Boden zu erwerben, Ackerbau und Handel zu treiben,- aber die endgiltige Entscheidung über Zion, Jerusalem und Palästina wollen wir dem Zeitpunkt überlassen, den die Propheten „acharis hajomim“ „Ende der Zeiten" nennen. Treu und unerschütterlich müssen die Juden in ihrem Glauben a u s h a r r e n. wie das Geschlecht der Makkabäer, nicht verzagen, nicht verzweifeln, wenn auch das Meer der Geschichte tost und tobt, hervorragen müssen sie durch Recht und Gerechtigkeit, Menschenliebe und Brüderlichkeit, Friedfertigkeit und Versöhnlichkeit, religiöse Duldung und Vorurteillosigkeit; in den letzten Tagen des Monates Kislew aber wollen wir nicht ein Makkabäerfest mit Sporrengeklirre und kriegerischen Nationalliedern feiern, sondern ein Weihefeft, wie unsere Väter seit Jahrtausenden, begleitet von Psalmen, in denen wir bekennen: „Gott mit mir, ich fürchte niemand", oder mit Bismarck zu reden, „Der Jude fürchtet niemand außer Gott" und unter dem prophetischen Rufe: „Nicht durch Heeresmacht und nicht durch irdische Gewalt, sondern durch den reinen Gottesgeist", oder mit anderen Worten: „Nicht durch das Schwert der Makkabäer, sondern durch den Gott der Geschichte". („Nzt.", 31. Jahrg., Nr. 51.) ,_ Verschiedene Nachrichten. Wien. Am Erew Jomkippur ist Professor Ignaz Brüll, der feinfühlige vornehme Künstler und gefeierte Komponist des „Goldenen Kreuz" im 61. Lebensjahre gestorben. Sein Hinscheiden wird nicht nur in der Kunstwelt, sondern auch ganz besonders in der Wiener jüdischen Gemeinde tief betrauert, denn dieser edle, gute Mensch hat sein warmfühlendes jüdisches Herz bei vielen Anlässen bekundet und jüdische Künstler und jüdische Bestrebungen vielfach gefördert. Sein Leichenbegängnis fand Donnerstag, den 19. d. M., 10 Uhr vormittags, unter ungewöhnlich zahlreicher Beteiligung statt. In seiner feltenen Bescheidenheit hat sich der Verblichene jeden Pomp beim Leichenbegängnisse, sowie Chorgesang und Tranerpredigt letztwillig verbeten; aber wenn er auch saug- und klanglos zu Grabe getragen wurde, so tönte doch ans dem wehmütigen Gedenken der vielen Hunderte, die seinem Sarge folgten, ein stilles Lied von dem braven und edlen Manne, der als Künstler und Mensch den höchsten Idealen nachstrebte und durch sein Wirken und Schaffen den Rnhm seines Namens für ewige Zeiten gesichert hat. Er ruhe in Frieden! n'Z'Ä'J'n Wien. Bom Vorstande des „Jüdischen Schulvereines im IX. Bezirke" werden wir um Veröffentlichung nachstehenden Au fruf e s.ersucht: Der „Jüdische Schulverein für den IX. Bezirk" (IX./1, Grüne Torgasse Nr. 19a), unter dem Ehrenpräsidium des Herrn Dr. Gustav Kohn, Vizepräsidenten der isr. Kultusgemeinde, tritt m das siebente Jahr seines Bestandes. Im abgelaufenen Jahre hatten wir eine Frequenz von achtzig Schülern ans dem IX. Bezirk, während wir im vorhergehenden Jahre nur 28 Schüler ans demselben Bezirke hatten. Wir haben die ärmsten Kinder, soweit es tunlich war, mit Winterkleidern versorgt, eine Freibibliothek und ein Lesezimmer für Erwachsene geboten. Wir beabsichtigen, auf vielseitiges Verlangen, wenn es die Vereinsmittel erlauben, zum Beginn des Schuljahres Sprach- und Stcnographieknrse (für Unbemittelte unentgeltlich) zu eröffnen. Unsere Tätigkeit, besonders die vorzüglichen Resultate des Unterrichtes, erfreut sich allgemeiner Anerkennung, und hat sich unsere Schule zu einem Bedürfnisse des IX. Bezirkes heransgebildet. Um unseren Verein erhalten und ausbauen zu können, benötigen wir dringend größere Mittel und richten wir die höfliche Bitte an alle unsere wohltätigen Glaubensgenossen, durch Beitritt als Mitglieder oder durch eine Spende den Verein zu fördern. Bei Gelegenheit der hohen Feiertage geben wir uns der angenehmen Hoffnung hin, daß dieser Appell zum Wohle unserer gemeinnützigen Bestrebungen von günstigem Erfolge sein wird. Wien. Sonntag, den 22. September, 12 Uhr mittags, findet im Tempel in der Seitenstettengasse die Trauung des Fräulein Helene Schick, Tochter des k. k. Kommerzialrates und Direktor-Stellvertreters der Unionbank Herrn Berthold Schick, mit Herrn Friedrich S e l i g m a n n, Sohn des Obmannes des Tempelvereines im X. Bezirk, Herrn Karl Seligm a n n. statt. Wien. Die türkische Gemeinde in Wien hat neuerdings durch den Tod des Herrn Jsak Semo einen herben Verlust erlitten. Der Verblichene war in der ganzen Gemeinde hochverehrt und geachtet. Er war ent vornehmer Charakter, ein gebildeter, bescheidener Mann und besaß ein warmfühlendes echt jüdisches Herz und einen ausgeprägten Wohltätigkeitssinn. Jsak Semo genoß auch in der Kaufmannswelt einen geachteten und klangvollen Namen, und die große Teilnahme an seinem Leichenbegängnisse dokumentierte seine große Beliebtheit. Es hatten sich bei demselben der Gesamtvorstand der Gemeinde mit dem Präses Lico Adutt und dem Präses der Chewra Kadifcha, Lico Rufs o, eingefunden. Der Dahingeschiedene erreichte ein Alter von 77 Jahren und hinterläßt nebst einer trauernden Witwe einen einzigen Sühn und zwei Töchter. Die Funktionen versahen Rabbiner Papo und Oberküntor Bauer. Als Kranzspenden für den seligen Herrn Jsak Semo wurden für die Vereine der türkifchsephardischen Gemeinde gewidmet: Bon Herrn Spiridion N. Niamiaras X 50.—, von Frau Klara Semo X 60.—, von Familie Bauer- L a » g r a f X 100.—, von Herrn Richard Bauer X 30 —, von Herrn Heinrich Semo X 20.—, von Heskia Levi X 20.—, von Anonym X 6.—. rrrrrn Berlin. Am 4. d. M. fand unter dem Vorsitz des Herrn Julius Simon eine Sitzung des geschäftsführenden Ausfchuffes des Hilfsvereines der deutschen Juden statt. Dr. Paul Nathan gab einen Bericht über den Stand des Hilfswerkes für die Opfer der Judenverfolgungen in Rumänien und Marokko. Weitere Mittel für diese Zwecke werden für eventuelle Erfordernisse bereitgestellt. Die Hilfsaktion für die russischen Juden erfordert nach wie vor dauernd erhebliche Aufwendungen. In dieser Sitzung wurde die Subvention für die Auswandererherberge in Königsberg i. Pr., die unter Verwaltung des dortigen Schutzkomitees steht, erhöht; die Subventionen für das Hilfskomitee für jüdische Auswanderer in Basel und für den jüdischen Hilfsverein in Berlin, die sich beide die Fürsorge für Auswanderer angelegen sein laffen, wurden erneuert: dem jüdischen Volksverein wurde außerdem ein einmaliger Beitrag von 200 Mark gewährt. Die jüdische Studentenkasse Esrath Achim in Zürich, die besonders infolge der noch immer tieftraurigen wirtschaftlichen Lage des Zarenreiches durch russische Studenten sehr stark in Anspruch genommen wird, erhielt wie im Vorjahre 300 Franken. Für Galizien, ivoselbst der Hilfsverein der deutschen Juden in engster Verbindung mir der befreundeten Großloge für Deutschland und in Kooperation mit dem Wiener Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien vorgeht, wurden Bewilligungen vollzogen, die den Ausbau des Hifswerks speziell auf dem Gebiet der Jugendfürsorge weiterführen. Es wurden Mittel zur Begründung von Kindergärten in Tarnow und Kolomea bewilligt, wo ein besonderes Bedürfnis nach diesen segensreichen Instituten besteht, die sich auch in Galizien aufs beste bewähren, und wo tatkräftige und hingebungsvolle Persönlichkeiten die Initiative zur Durchführung dieses schönen humanitären Werkes ergriffen haben. Es wurde ferner dem jüdischen Zweigkomitee für die internationale Bekämpfung des Mädchenhandels zur weiteren Verfolgung seiner Zwecke zur Begründung von speziellen Komitees in Galizien, die dem Mädchenhandel im Lande selbst energisch entgegenwirken sollen, ein Betrag von 800 Mark zur Verfügung gestellt. Eine hebräische Schule in Rzeszow. die im kleinen Rahmen Nützliches leistet, erhielt eine Zuwendung von 200 Kronen. Für Schüler der Lehranstalt des Herrn Rabbiner Dr. Jung in Ungar.-Brod (Galizier und Russen) wurden 600 Kronen Stipendien gewährt. Ein großer Teil der Tagesordnung, die sich auf Bewilligungen für Lehranstalten und andere Institute im Orient, insbesondere in Palästina bezieht, wurde zurückgestellt bis zur Rückkehr des Herrn Dr. Nathan von einer Reise, die er nach dem Orient, Bulgarien, die europäische Türkei Kleinasien, Syrien, Palästina zum Studium der wirtschaftlichen Verhältnisse dieser Länder und der Lage der dortigen Juden und ihrer Ansichten für die Zukunft unternimmt. Frankfurt a. M. Am 7., 8. und 9. Oktober d. I. findet hierselbst die zweite D e l e g i e r t e n - B e r s a m m l u n g des „Jüdischen Frauenbundes" statt. Die Berattingen sind sämtlich öffentliche und Gäste herzlich erwünscht. Auf der Tagesordnung stehen u. a. nachfolgende interessante Themata: Zur Sittlichkeitsfrage (Referentin Fräulein Bertha P a p p e n h e i m-Frankfurt a. M.), Stellenvermittlung (Frau B. Leiser und Frau G l a ß-Breslan), Jüdische Vereins-Organisationen (Frau H. M a Y-Berlin), Mädchenhandel (Frl. Sidonie Werner- Hamburq). Erziehung der Töchter (Frau Henriette F ü r t h-Franksurta.M.). Sofia. Anläßlich des 20jährigen Regierungsjubiläums des Fürsten Ferdinand, die vor kurzem unter Teilnahme der ganzen Bevölkerung begangen wurde, wurde bei der offiziellen Grattilationsconr als Vertreter der Inden auch der Großrabbiner von Bulgarien, Dr. Ehrenpreis, empfangen, der an den Fürsten folgende Ansprache richtete: „Ich bin glücklich, anläßlich des heutigen Festtages Eurer Königl. Hoheit im Namen der bulgarischen Jndenschaft uud im eigenen Namen den Ausdruck unserer treuen Ergebenheit und unsere warmen Wünsche für das Glück uud das lange Leben Ew. Königl. Hoheit und der ganzen Dynastie zu übermitteln. Die jüdische Bevölkerung des Fürstentums, welche an den Freuden und Leiden dieses Landes stets aufrichtigen Anteil nimmt, sieht in der Person Eurer Königl. Hoheit einen Vater, welcher alle Söhne dieses Landes ohne Unterschied der Religion und Nationalität mit gleicher Liebe umfaßt. An diesem für ganz Bulgarien bedeutungsvollen Tage schließt sich die jüdische Bevölkerung des Fürstentums von ganzem Herzen den warmen Gebeten des ganzen bulgarischen Volkes mit dem Ausrufe an: -n-n -in *£2 rm:» =]'cm "jba bv Era' Seine königl. Hoheit der Fürst antwortete Folgendes: „Ich danke Ihnen herzlichst, Herr Großrabbmer, für Ihre rührenden Worte, mit denen Sie mir die Glückwünsche der jüdischen Bevölkerung des Fürstentums anläßlich des heutigen Festes unterbreiten, welche Wünsche mich tief bewegen. Ich beauftrage Sie. Herr Großrabbiner, der Dolmetsch meiner Gefühle bei der jüdischen Bevölkerung Bulgariens zu sein und den bulgarischen Inden den Ausdruck meiner Sympathien und meines besonderen Wohlwollens für sie zu überbrmgen, sowie meine aufrichtige Erkenntlichkeit für Ihre Anteilnahme an dem heutigen Feste und für Ihre treuen Gefühle mir gegenüber und meine heißen Wünsche für eine gedeihliche und fortschreitende Entwicklung des bulgarischen Judentums." Bei diesen Worten drückte der Fürst dem Großrabbiner freundlich die Hand, worauf auch der Thronfolger Prinz B o r r i s und Prinz K i r i l die Glückwünsche des Großrabbiners huldvollst entgegennahmen. Hamburg. lHamburg-Amerika-Linie.) Die nächsten Abfahrten von Post- und Paffagierdampfern finden statt: Nach N e w- York: Die Postdampfer: Schnellpostdampfer Deutschland 12./9., die Post-