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Die Wahrheit · 1907-09-20 · Heft 37 (20.9.1907) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 37 (20.9.1907)
Date
1907-09-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 37. Die Wahrheit Leite b. . Nunmehr liegt es an den Wiener israelitischen Wohltätigkeits- und Hnmanitätsinstitntionen, welcher speziellen Aufgabe immer sie sich widmen mögen, gleichviel ob ihre Tätigkeit der offenen Armenpflege angehört oder in geschlossenen Anstalten sich vollzieht, im notorisch gemeinsamen Interesse beizutragen, daß die Zentralstelle aus dem Stadium der Vorbereitung heraustrete und zur lebendigen Wirklichkeit sich gestalte. Das Gelingen des Unternehmens erfordert, daß keine Korporation, kein Verein, keine Anstalt, die ihre Obsorge in irgend einer Form jüdischen Armen zuwendet, sich ausschließe. Möge sich die Hoffnung, daß die große Wiener jüdische Gemeinde in der zeitgemäßen Neuorganisation ihrer Armenpflege anderen jüdischen Gemeinden, in welchen, wie in Deutschland, derartige Einrichtungen bereits nutzbringend wirksam sind, nicht znrückstehen werde, als begründet erweisen und erfüllen! Dr. L. S. Die Industrien Palästinas. . Von Davis Trietsch, Jaffa. (Fortsetzung.) Zu derselben Kategorie von Industrien sind auch die Knpferarbeiten und manche Zweige der Weberei zu rechnen, die beide meist ans den inländischen Markt zngeschnitten sind, in einigen Spezialitäten aber auch für den Export arbeiten. Zu erwähnen ist auch, daß die Tabak- und Zigarettenindustrie sehr wohl für Palästina in Betracht kommen kann, obwohl diese gegenwärtig als Regierungsmonopol ansgenützt werden und für private Unternehmen erst nach Erlangung von Konzessionen in Betracht kommen können. Kenner der einschlägigen Verhältnisse versichern, daß die Erteilung solcher Konzessionen ganz möglich und nur eine Frage der Bedingungen sein würde, vorausgesetzt, daß ein geeignetes Konsortium die Sache in die Hand nähme. Auf alle Fälle hätte eine solche Industrie in Palästina, einem Tabak produzierenden Lande, sowohl in dieser Hinsicht als auch bezüglich der billigeren Arbeitslöhne, der egyptischen Industrie gegenüber einiges voraus, da hier nur ein Teil des Tabakes (ungemischt soll sich der palästinensische Tabak nicht eignen) zu importieren wäre und auch das nur aus anderen türkischen Provinzen (bei minimalem Zoll). Was aber inbezug auf Egypten von der Verpackung der Zigaretten gesagt worden ist, würde freilich auch für Palästina gelten. Von sonstigen E m b a l l a g e - I n d n st r i e n ist auch die ziemlich beträchtliche Kistenfabrikalion für Orangentransport und die Herstellung von Weinfässern zu erwähnen. Die M o n t a n i n d u st r i e ist noch sehr wenig entwickelt. Zurzeit werden nur die Asphaltgruben von Hasbeya — und auch diese nur sehr unregelmäßig °— ansgebeutet. Sonst ist alles noch im Projektstadium, und die Erlangung von Konzessionen ist auf diesem Gebiete im allgemeinen nicht leicht. Allenfalls sind in dieser Beziehung die Baumaterialien und ähnliches zu erwähnen. Bausteine verschiedener Art und guter Qualität werden im Lande bearbeitet und dienen meist dem Inlandsbedarf, könnten aber auch exportiert werden. Letzteres gilt auch von Kalk und könnte auch von Gips*) gelten. Die Errichtung von Zemeutfabriken im Lande scheint auch nur eine Frage der Zeit zu sein und könnte dem Lande vielfachen Nutzen bringen. Guter Ton wird an manchen Stellen des Landes gesunden, vorläufig aber nur für ziemlich primitive Töpferwaren verwendet. Glas von geringster Qualität wird in Hebron erzeugt, und zwar meist unter Verwendung europäischen Bruchglases. Es werden hauptsächlich primitive Flaschen und die charakteristischen gläsernen Armbänder der Fellachenweiber produziert, doch wäre es leicht — und dabei keineswegs kostspielig — diese Industrie für kunstgewerbliche Erzeugnisse auszubauen. *) Bei Limaffol (Cypern) wurde Anfang 1906 eine Gipsfabrik mit einem Kapital von £ 5000 gegründet, die 60—70 Leute beschäftigt. Das scheint zu zeigen, daß auch diese Industrie im Verhältnis zu dem angewandten Kapital ziemlich viel Arbeiter beschäftigen kann. — Die cyperische Fabrik bezieht ihr Rohmaterials aus einer Entfernung von 3—5 km und verwendet als Brennmaterial Dorngestrüpp und (zu V3) Kohlen. Die Brenndauer ist 8—10 Stunden: die Tagesleistung 40 Tonnen Gips. Fast das ganze Produkt geht nach Egypten. D ie b esteh end en Ind nstrien im Lande. Im Vorhergehenden über die industriellen Möglichkeiten in Palästina haben wir naturgemäß auch aus die bestehenden Industrien im Lande hinzuweisen gehabt, sodaß eine kurze Zusammenfassung — wenigstens bei den nichtjüdischen Industrien — an dieser Stelle genügen wird. M ontanindustrie und Verwertung von Min/- r a l i e n: Die Asphaltgruben in Hasbeya. Verschiedene Kalkbrennereien im Lande. Steinbrüche. Zahlreiche primitive Töpfereien. Landwirtschaftliche I n d u st r i e n: Zahlreiche Mühlenanlagen. Weinsabrikation (seitens der deutschen Kolonisten — über die jüdische siehe weiter unten). Gemüse- und andere Konserven (Dibs, Tomatenpnrse). Getrocknete Gemüse und Früchte (Feigen und Datteln, Rosinen, Aprikosenteig rc.). Meierei-Industrie (Butter und Käse), meist in christlichen Händen. Bereitung von Oel und Seifensiedereien. Seidenraupenzucht. Textil- und L e d e r i n d n st r i e n: Woll-, Baumwoll- und Seidenspinnerei und Weberei. Färberei (speziell Blausärberei). Fabrikation von Abayes (arabische Mäntel) und Kesfiyes (eine Art Schleiertuch, das zum Schutz gegen die Sonne über den Kops oder über den Hut fallend, getragen wird). Gerberei und Ledersärberei. Schuhsabrikation. Herstellung von Wasserschlünchen (aus ganzen Tiersellen). Verschiedene Industrien: Glasindustrie (in Hebron). Perlmutterwaren-Jndustrie (Bethlehem — meist religiösen Charakters). Olivenholz-Jndustrie (Jerusalemer Christen, über die jüdische Industrie siehe weiter unten). In jüdischen Händen befinden sich die nachstehenden Unternehmungen: Von Montan- und Minera lind ustrien nur die S te in h au er ei. Schon seit längerer Zeit waren Inden in diesem Gewerbe beschäftigt' (speziell yemenitische Juden in dem ..Abrahams Weinbergs genannten englisch-christlichen Institut bei Jerusalem, aber erst neuerdings wurde seitens der Kunstgewerbeschule „Bezalel" (Jerusalem) eine Anzahl von Arbeitern in diesem Berufe ausgebildet, und alle Anzeichen sprechen dafür, daß in kurzer Zeit jüdische Arbeitskräfte in weit höherem Maße als bisher bei der gerade in Jerusalem ziemlich beträchtlichen jüdischen Bautätigkeit Verdienst finden werden. (Forts, folgt.) Literarische Gesellschaft „Sinai". Am 19. August hat im Haag die konstituierende Versamiillung der literarischen Gesellschaft „Sinai" zur Förderung des hebräischen Schrifttums stattgefundcn, die sehr zahlreich besucht war. Das Zentralkomitee des „Sinai" konnte mit Genugtuung darauf Hinweisen, daß dieses gemeinnützige Jnstitutut viele Freunde und Gönner gefunden hat. Neben einer namhaften Spende in der Höhe von 10.000 Mark, die Herr S. Hurwitz, Mitglied des Zentralkomitees in Berlin, dem eisernen Fvnd zugewiesen hat, sind noch andere ansehnliche Beiträge eingelaufen, durch welche die Gesellschaft in den Stand gesetzt worden ist, schon jetzt ein bedeutendes Werk ins Leben zu rufen. Mil dem 1. Oktober beginnt das Erscheinen der hebräischen Quarralschrift „Heatid", dessen erstes Heft (15 Bogen in Großoktao stark) jetzt im Druck vorbereitet wird. Diese ernste Zeitschrifc will sich der wissenschaftlichen und ernst-publizistischen Behandlung aller Probleme des Judentums und des jüdischen Volkes widmen. Die bedeutendsten jüdischen Gelehrten und Schriftsteller, alle, welche über Juden und Judentum in gediegener Form etwas zu sagen haben, werden als Mitarbeiter des „Heatid" herangezogen werden. Die jüdischen Denker und Forscher, welche nicht hebräisch schreiben, werden Gelegenheit erhalten, ihre Geistesprodukte durch gute Uebersetzungen zu veröffentlichen. Die Zeitschrift „Heatid", die in Berlin erscheint, wird das Organ der Gesellschaft „Sinai" sein, die ebenfalls ihren Sitz in der deutschen Hauptstadt hat. Von da aus sollen alle Kräfte im jüdischen Volke zur Pflege der

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