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Die Wahrheit · 1907-09-20 · Heft 37 (20.9.1907) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 37 (20.9.1907)
Date
1907-09-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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akrcheit Redaktion ». Sldministialion:! Wien, HZ, Nvvaragasse 27. Telephon Nr. der Druckerei I5S»L. '>u Irrat r Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. rlbonncmeulSn. Juserltonrbetröge und in Wie» zahlbar > und klagbar.! nabhängige Aeitschnft für jüörsche Inierejfen^ Erscheint jeden Kreitng. IHotto: „Das LlSAvI Ooti.es ist Wahrheit!“ Verngspireis-: j; Ganzjährig ... ff. 14.— j!j Halbjährig ... ff. 7.— J i jj Für Cttltnsbecnilte:! '»„nzjahrig ... ff. >».—! Für Ausland:!j Ganzjährig . . . 6 Mark! '! 6 Rubel oder 16 $c«. | ilt. 37 Wien, 20 September 1007. Inhalt: Aus der Woche. — Zur Gründung der Zentralstelle für das Armenwesen in Wien. — Die Industrien Palästinas. — Literarische Gesellschasr „Sinai," — Das nationale Judentum. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Heimwehs — Unser Religionsunterricht. Die geehrten Kerren Abonnenten werden um j umgehende Erneuerung des Abonnements durch Kin- I sendung des Abonnewentsbetrages für das am j 1. Hktover beginnende IV. Huartat ersuchtdamit! die regelmäßige Expedition des Utattes keine! Unterbrechung erleide. Ans der Woche. Björnstjerne Björnson, der große, greise skandinavische! Dichter hat eine geharnischte Streitschrift gegen den internatioj nalen Friedenskongreß gerichtet, welcher in München tagte. Der! Dichter stellt sich auf den Kriegsfuß gegen die Friedenskongresse, i nicht weil er ihre Ziele und Bestrebungen nicht billigte, sondern j im Gegenteil, weil er gewisse Friedensapostel, die in ihrem! eigenen Lande für die Verfolgung und Unterdrückung von j Menschen sind, für Tartüffe hält, wemr sie ihre Stimme j gegen den blutigen Menschenmord in anderen Staaten und in! anderen Ländern erheben. Björnson hat seinen allgemeinen Be-! trachtungen auch eine besondere persönliche Spitze gegeben, indem! er direkt den Grafen Apponyi apostrophirr, der wegeir seiner! slavenfeindlichen Haltung in Ungarn vielfache Erbitterung und! Klagen erregt, die bis an das Ohr Björnsons drangen. Aber j die grimmige, erbarmrrngslose Satire des menschenfreundlichen! Dichters hat eine noch tiefere Begründung, wenn man sich vor j Augen hält, daß der Haager Friedenskongreß dem C z a r e n! seine Existenz verdankt, also jenem Monarchen, in dessen Reich die grausam-mörderische B e r-; folgung der Juden jeden Tag neue Opferverlangt ...! i Wenn der Zar die „Kriegsmoral ausrotten will", die i eigentlich nichts anderes ist als die Prvklamirung der brutalen,! rohen Gewalt und wenn er durch den Haager Friedenskongreß! das Ziel der Friedenskongresse fördern möchte, so hätte er wahr-! hastig, bevor er sich mitleidig um das Schicksal fremder Völker, j und Nationen kümmert, Anlaß genug, vor der eigenen Türe zu i kehren. Zur Verteidigung des Krieges, den heute noch, wie in! früheren Zeiten, viele für eine beklagenswerte aber unabweisbare j Notwendigkeit erachten, wird manches vorgebracht, was, wenn! auch nicht überzeugend wirkt, so doch den Krieg in milderem j Lichte erscheinen läßt. Was kann man aber, wenn man auch die ' Rüstkammer des Judenhasses plündert, Vorbringen, um die satanische Anwendung der Kriegsmittel gegen unschuldige Menschen im eigenen Lande zu rechtfertigen, deren einziges Verbrechen in ihrer Religion besteht? Die Pogroms, die in Rußland unter dem Schutze und der Patronanz der Behörden und des Militärs von einem vertierten Mob, angeblich zur höheren Ehre Väterchens, unausgesetzt veranstaltet werden dürfen, sind schmachvoller und beschämender für d i e M e n s ch h e i t alswelcher Krieg immer. * * Björnson, der edle Dichter, hat Recht, von der Tarlüsterie gewisser Friedensapostel zu sprechen. Wenn die Empörung gegen die Greuel des Krieges bei allen Mitgliedern der Friedenskongresse eine ebenso ehrliche wäre, als sie laut betont wurde, dann würde ganz Europa von einem lauten Schrei der Erbitterung und des Entsetzens gegen die russischen Machthaber widerhallen, welche über Millionen unglücklicher Juden im eigenen Lande alle Schrecken des Kriegszustandes verhängten. Die Barbarei Rußlands findet ihren besten Schutz in der Tartüfferie Europas, denn die Verachtung, die der blutige russische Regierungs-Terrorismus erwecken sollte, hätte auch die Kraft, ihm ein Ende zu machen. Der jetzige- König von Serbien wurde von allen regierenden Häuptern in Europa so lange boykottirt, bis er die Mörder seines Vorgängers auf dem Königsthrone, die Mörder, die ihm und seiner Dynastie den Weg ebneten — beiseite schob. Vor dem Zaren, der die Anstifter der Pogroms und ihre hohen Beschützer ungehindert ihr Mörderwerk betreiben läßt, beugen sich verehrungsvoll alle Kronenträger. Vielleicht wird in späteren Tagen ein Dichter wie Björnson auch über diese Erscheinung die Wahrheit verkünden. . . * * * Wir haben kürzlich schon an dieser Stelle daraus hingewiesen, daß die christlichsozialen Parteihäupter mit Fug und Recht auch die glücklicherweise nur aus geringen Dimensionen beschränkte Blättern-Epidemie aus ihr Erfolg-Konto setzen könnten. Der schlechte Jmpfzustand der Bevölkerung in Wien ist ausschließlich daraus zurückzuführen, daß in Oesterreich, im Gegensatz zu den meisten fortgeschrittenen Staaten in Eliropa, kein gesetzlicher Impfzwang herrscht. Die Jmpsgegner, welche sich gerade bei den Freunden und Patronen der derzeitigen christlichsozialen Gemeinderatsmajorität besonderen Schutzes erfreuen, konnten mit ihrer wissenschaftsfeindlichen Tätigkeit nach Belieben die Bevölkerung betören und irreführen. Man hat noch nicht die beispiellosen Hetzreden vergessen, welche von den jetzt regierenden kommunalen Machthaben unter dem SchutzederJmmun i t ä t gegen die medizinischen Größen und Leuchten der Wissenschaft überhaupt gehalten wurden. Der Ausspruch Dr. Luegers,

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