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Die Wahrheit · 1907-09-13 · Heft 36 (13.9.1907) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 36 (13.9.1907)
Date
1907-09-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit dir. 36. besonderer Güte tonnten wahrscheinlich aus der ursprünglichen Papierpflauze> dem Papyrus, hergestellt werden, der unkultiviert, -aber in großen Mengen — besonders in Nord-Galiläa — zu finden ist. Wenn wir im Vorstehenden eine kurze Skizze der industriellen Möglichkeiten ans Grund der Produkte und Rohstoffe gegeben und auch flüchtig die Möglichkeiten auf Grund des Imports von ausländischen Jndustrieprodukten gestreift haben, so gehen wir nunmehr zn den auf Import von Rohmaterialien und auf Exportmöglichkeiten basierenden Industrien über. Diese viel weniger „natürlichen" Industrien sind keineswegs ohne Bedeutung und können unter Umständen sogar außerordentlich ins Gewicht fallen. Zur besseren Illustration dieser Möglichkeiten diene der Hinweis auf die egyptische Zigarettenindustrie, eine Industrie von außerordentlicher wirtschaftlicher Bedeutung für das Land, die aber doch — wenn sie nicht als Tatsache bestände, jedem Kaufmann als bis zur Absurdität grotesk Vorkommen würde. Denn nicht nur ist aus fiskalischen Gründen die Tabakkultur in ganz Egypten verboten, sodaß jedes Blatt Tabak vom Ausland gebracht werden muß, sondern auch das Zigarettenpapier, das Material für die Papp- und Blechschachteln. und selbst die Kisten kommen vom Auslande. Das Sonderbarste aber ist, daß nicht einmal einheimische egyptische, oder auch nur billige Arbeitskräfte in dieser Industrie beschäftigt werden, — es sind meist Italiener, Griechen und Juden, und der Lohn ist selbst für europäische Verhältnisse recht hoch. Wir haben hier also wohl ein klassisches Beispiel für eine „unnatürliche" Industrie und können darails entnehmet!, daß man nicht nur mit der Aufftellung, sondern auch mit der Ablehnung von Jndustrieprojekten einigermaßen vorsichtig sein sollte.- Im allgemeinen spricht gegen die industrielle Verwertung ausländischer Materialien der verhältnismäßig niedrige Eingangszoll, der für die fertigen Jndustrieprodukte proportional nicht höher ist als für die Rohmaterialien, und außerdem ist natürlich das industriell hochentwickelte Ausland in vielen Dingen dem industriell eben erst erwachenden Palästina bedeutend überlegen. Trotzdem aber werden in vielen Fällen die Trausportverhältniffe, die Arbeiterfrage, klimatische Bedingungen und manches andere die Einführung solcher Industrien begünstigen. Eine der hauptsächlichsten Industrien dieser Kategorie ist die Eisengießerei und Maschinenindustrie. Gerade die primitiven Landesverhältnisse find es wohl gewesen, die diesem Industriezweige den ersten Anstoß gegeben haben. Die speziellen Vorrichtungen für Wasserförderung, die primitiven Oel- und Mahlmühlen erforderten spezielle Maschinerien, die in dieser Einfachheit von der europäischen Mafchinenindustrie kaum hergestellt wurden. Trotz der Notwendigkeit, alles Rohmaterial vom Ausland einzuführen, hat sich diese Industrie am ehesten und am gesündesten entwickelt. Wenn die palästinensische Maschinenindustrie dem Bedarf des Landes dient, so gibt es einige weitere Industrien, die unter Verwendung importierter Materialien für den Auslandsmarkt arbeiten. Hierher gehören: die ziemlich bedeutenden Industrien von Damaskus — orientalische Möbel und Holzgegenstände mit Ornamenten aus Perlmutter, Knochen und Metall, sowie Messing- und Kupfergegenständen mit Einlege- und Ziselierarbeit — und die Perlmuiterwaren-Jndustrie von Bethlehem. Erstere basiert hauptsächlich auf dem orientalischen Stil ihrer Erzeugnisse und den billigen Arbeitskräften, während die letztere haupsächlich dem religiösen Charakter ihrer Produkte (Devotionalien) und einer rührigen Verkaufsorganisation ihren Absatz verdankt. (Fortsetzung folgt.) Das nationale Judentum. Von Dr. M. H. Friedländer. (Fortsetzung.) Eines Tageskam er in ein von Sträflingen betriebenes Hüttenwerk, welches einige Hundert solch unglücklicher Arbeiter beschäftigte. Aber welch elende Jammergestalten fand er da! Die Blässe des Todes lag auf ihren Zügen und wankenden Schrittes schlotterten sie einher. Auf die Frage des Staatsrates: warum die Leute alle so verfallen aussehen? erfolgte vom Hüttendirektor: die Antwort: das rühre davon her, weil sie, von Zeit zu Zeit einander ablösen, durch die Kraft ihrer Lungen die Glut'des Feuers im Schmelzofen anfachen müßten! —/Der Staatsrat schlug ent-- setzt über solche Künde die Hände zusammen und rief: Um des Himmelswiüen! Kennen Sie denn den einfachen Mechanismus eines Blasebalges nicht?" „Ein Blasebalg — was ist das?" — antwortete der Direktor. „Ich habe alljährlich so und so viele Tausende Zentnet: Metalls an die Regierung abzuliefern, und da gilt es, die Leute zum strengsten Frohndienste auzuhalten. Aber es wäre mir selbst im höchsten Grade willkommen, wenn ich durch Ihre gütigen Angaben eine Einrichtung kennen lernen würde, welche die aufreibende Plage meiner Arbeiter zu ersetzen vermöchte." Hierauf erklärte der Staatsrat die Konstruktion und die Verwendung des Blasebalges, und versprach auch, demnächst mehrere derselben dem Hüttenbergwerke zuzuschicken. Erfreut von dem sichtlich frohen Eindruck, den dies Versprechen ans bie Sträflinge machte, setzte er seine Reise fort. In die Hauptstadt des Reiches zurückgekehrt, erstattete er Bericht über den Erfolg seiner Sendung. Nach einem Jahre ging er auf Befehl seiner' Fürstin abermals auf Reisen, lint sich von dein Vollzüge der Verbesserungen. in der Lage der Sträflinge durch den Augenschein zu überzeugen. Nicht überall sah er die getroffenen Maßregeln verwirklicht, und er mußte hin und wieder den strengsten Tadel aussprechen. In die Nähe jenes Hüttenwerkes gekommen, gab er sich den angenehmsten Erwartungen hin und glaubte dort die vollste Befriedigung zu finden. Aber zu seinem höchsten Erstaunen traf er auch hier die alten Uebelstände an. Es sah wo möglich noch schlimmer aus, wie bei seinem ersten Besuche. „Warum haben Sie meinem Befehle keine Folge geleistet?" fuhr der Staatsrat den ihn empfangenden Direktor an. „Wo sind die Blasebälge? Wozu setzen Sie die armen Arbeiter noch immer der alten Qual und Plage aus?" Lächelnd erwiderte der Direktor: „Herr, ich bin frei von jedem Vorwurfe! Ich habe mich genau nach Ihren Angaben bei Aufstellung und Verwendung der seinerzeit richtig empfangenen Blasebälge verhalten; allein es war alles vergebens. Die erloschene Glut blieb erloschen; da half kein Blasen, kein Schüren!" „Ja! wenn Sie die Glut ersterben lassen," sprach der Staatsrat, „dann freilich nützt kein Blasebalg mehr; die tote Glut bleibt tot!"- Meine Herren! Das ist mein Gleichnis. Hören Sie noch die kurze Anwendung: Unsere heilige Religion stellt die erhabensten Forderungen an uns, ihre Bekenner. Unsere Väter erfüllten ihre religiösen Pflichten mit Begeisterung, sie brachten die größten Opfer für dieselben, denn die heiligen Flammen der Glaubenstreue loderten in ihren Herzen. Diese Glut wurde reichlich genährt durch die hundert und hundert Satzungen und Bräuche, welche sie mit frommem Sinn erfüllten. Sie wollen jetzt einen großen Teil dieser religiösen Äußerlichkeiten abgeschafft wissen; Sie möchten dem Judentume neue, leichtere und gefälligere Formen geben. Ich hätte nichts dagegen. Allein beachten Sie Eines wohl, damit es Ihnen nicht ergehe wie dem Direktor jenes Hüttenwerkes: Lassen Sie, während Sie die neuen Einrichtungen treffen, die heilige Glut des Glaubens im Herzen der Jugend nicht erkalten, nicht ersterben! Denn ist einmal die Flamme jüdischer Glaubensinnigkeil erloschen, dann bleibt das kommende Geschlecht kalt und unempfänglich für seine Aufgaben. Beachten Sie das Eine wohl, meine Herren! Lassen Sie nur das „Hislahawos", die zündende Begeisterung für die Religion unserer Väter im Herzen der Kinder nicht e r st e r b e n, lassen. Sie nur den "Funken nicht ausgehen, sonst nützt alles Blasen nicht! (Rahmer. Wochenschrift, 10. Jahrg., 448.) Auch die Glut, die einmal erloschen ist, kann durch die modernen Blasebälge nicht mehr wachgerufen werden. "Was Wunder also, daß so viele der Söhne Israels in unserer Zeit dem Glauben der Väter abtrünnig und oft die größten Feinde des Judentums werden. * •,r5s?s'fi*wsar?sb*sagsü»m,ii(j.r3»3^aEjnw^*ju«i w-«* -• -***

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