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Die Wahrheit · 1907-09-13 · Heft 36 (13.9.1907) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 36 (13.9.1907)
Date
1907-09-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Nr. 36. Die Wahrheit Seite 9. Wenn jedoch die modernen Zionisten glauben, daß diese Krankheit nur dann radikal geheilt werden könnte, wenn man die Jugend für das „nationale Judentum^ durch Gründung nationaler Vereine, durch Abhaltung nationaler Vorträge, wie durch Veranstaltung der sogenannten „Makkabäerfeste" begeistern würde, so täuschen sie sich gewaltig. Ein nationales Judentum, dem das Feuer der r e l i g i ö 's e n Begeisterung fehlt, gleicht einem Körper ohne Seele. (Schluß folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Wie bereits in diesem Blatte gemeldet wurde, sind am ersten Tage des heurigen Rosch-Haschouo-Festes 25 Jahre verflossen, seitdem Herr Oberkantor Alois Kulka die Muffaffniiktionen bei den von der Wiener Kultusgemeinde an den hohen Festtagen im Mnsikvereinssaale veranstalteten Gottesdiensten in ausgezeichneter Weise versieht. Aus diesem Anlasse wurde der Jubilar vom assistierenden Kantor Roth wein als „Rewii" hoch aufgernfen und Rabbiner Dr. Ka m in ka richtete an ihn eine schwungvolle Ansprache, in welcher er dessen langjährige, vielfach anerkannte Tätigkeit an heiliger Stätte rühmend hervorhob, woraus dann der Jubilar dem Vorstande und den versammelten Andächtigen einen selbstverfaßten Mischeberach machte. Nach Schluß des Gottesdienstes, den Herr Kulka mit jngendfcischer Stimme zum Entzücken der Zuhörerschaft zelebrierte, harrte seiner im Foyer eine Ehrung seitens des Chorpersonales, welcher Aushitsskantor Kaiser als Aeltester des Personales trefflichen Ausdruck gab. Der Jubilar wurde auch vom Vorstände und vielen. Andächtigen wärmstens beglückwünscht und kamen ihm außerdein noch zahlreiche Sympathiekundgebungen zu. Wien. (Die Einweihung der Synagoge im XIX. Bezirk.) Im Beisein zahlreicher Festgäste wurde Donnerstag, den 5. d. M. die im XTX. Bezirke, Dollinergasse, neuerbaute Synagoge feierlich eingeweiht. Das Gotteshaus, nach den Plänen des Architekten Julius Wohlmut im modernen Barockstil erbaut, macht einen sehr sympathischen Eindruck, der uoch durch eine, die Baulichkeit umgebende Gartenanlage erhöht wird. Durch eine Vorhalle, in welcher auf zwei marmornen Votivtafeln die Namen der Gründer und Förderer des Gotteshauses verewigt sind, gelangt man in den eigentlichen Syuagogenranm, der im Parterre 170 Männersitze, sowie die Plätze für die Funktionäre, und auf der Frauengalerie 106 Sitze faßt. Oberhalb der Bundeslade befindet sich eine Galerie für das Chorpersonal. Die Feier wurde mit dem Einzuge der Thorarollen eingeleitet, worauf Kantor Landau, der über eine schöne Teuorstimme verfügt, mit dem Chor einen Sulzer'schen „Ma towu“ sang, wobei die treffliche Akustik des Hauses zur Geltung kam. Der Obmann des Tempelvereines, Herr Julius Lederer, begrüßte die erschienenen Festgäste und brachte dem Kultusvorstande den Dank des Vereines für die moralische und materielle Unterstützung zum Ausdrucke. Nach der Erwiderung des Präsidenten Dr. Alfred Stern erfolgte das Anzünden des „Ewigen Lichtes" durch Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n, worauf unter Leitung des Dirigenten Port der Festpsalm 111 von weiland Salomon S u l z e r zur Aufführung gelangte und die Thorarollen ausgehoben und zweimal durch den nun geweihten Raum getragen wurden. Die Weiherede hielt Rabbiner Dr. F e u ch t w a n g. der seinen Ausführungen einen Text aus der dieswöchentlichen Sidra: „Ihr stehet heute alle vor dem Ewigen", zugrunde legte. Mit dem Kaisergebet, verrichtet von dem greisen Rabbiner Dr. S ch m i e d l, und dem Absingen der Volkshymne vor der geöffneten Bundeslade schloß die Zeremonie, welcher außer den Genannten beiwohnten: Reichsratsabgeordneter Dr. Mahler, Ober-Landesgerichtsrat Dr. L a u f e n st e i n, der Vizepräsident der israelitischen Kultusgemeinde Landesschulrat Dr. Gustav K o h n mit den Vorstandsmitgliedern Max Frank, Em. H o f f m a n n, Hofrat Dr. Rappaport und Dr. Markus S p i tz e r, der erste Sekretär der Kultusgemeiude kais. Rat Dr. Theodor Lieben und Sekretär Dr. Emil Adler, die Bethausvorsteher Karl Lemberg er, Wasservogel und kais. Rat Jgn. Wilhelm, der.Präsident der türkisch-israelitischen Gemeinde Licco A d n t t, die Rabbiner Dr. Bauer und David, Oberkantor Bauer. I. Kantor M a t y a s, I. Kantor S i l b e r m a n n, Religionsschul-Juspektor Prof.Dr.L a n g f e l d e r. Kommerzialrat Alexander Engel von I a n o s y, Direktor Heller vom Blindeninstitut, Vorstandsmitglieder benachbarter Tempelvereine rc. Wien. (Kindergärtnerinnen - Bildungsanstalt.) Die Aufnahmsprüfungen für den 40. Jahreskurs der mit dem Oeffentlichkeirsrechte versehenen Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen im II. Bezirke, Schiffamtsgasse 15, sowie für den mit dieser Anstalt verbundenen Bonuenkurs, finden am 16. September gegen vorherige Anmeldung statt. Am 15. Oktober beginnt an dieser Anstalt auch der bereits angekündigte Vortragszyklus für Frauen und Mütter, welcher Vorträge über die Erziehung kleiner Kinder und praktische Anweisungen über deren häusliche Beschäftigung umfaßt. (Anmeldungen bis Ende September.) Wien. Vorigen Donnerstag fand in Beisein des Kultusvorstehers Adolf S ch r a m e k, des Sekretärs Dr. Adler, des Obmannes der Talmud-Thora M. Bondh u. A. die Einweihung der neuen Vereinssynagoge in feierlichster Weise statt. Nach dem von Kantor Dukes vorgetragenen Minchagebet und der äußerst gelungenen Rezitation des Psalm 30 durch Oberkantor W i t t m a n n und seinen Synagogenchor, entzündete Vereins-Maggid Herr Schenk das Xer Tomid und hielt auch eine Festrede. Mit dem Kaifergebete und der Absinguug der Volkshymne schloß die schöne, erhebende Feierlichkeit. Wien. Sonntag, den 15. September, 11/2 Uhr nachmittags, findet im Leopoldstädter Tempel die Trauung des Herrn Heinrich Engel. Beamter der Wiener Kultusgemeinde, mit Fräulein Irene B e r m a n n statt. Troppau. Herr Rabbiner Dr. F. F r i e d m a n n, bisher in Ung.-Ostra (Mähren), ist von der Repräsentanz unserer Kultusgemeinde einstimmig als Rabbiner gewählt worden und wird am 1. November seine hiesige Stellung antreteu. Berlin. Von zuverlässiger Seite wird der „Allg. Ztg. des Judentums" berichret» daß demnächst eine vollständige Neuregelung der K u l t u s o r g a u i s a t i o n in Elsaß vorgenommeu werden soll. Namentlich sollen genaue Bestimmungen getroffen werden über das Verhältnis der Konsistorien zu den Rabbinern. Lehrern, Kantoren und den Gemeinden. Es wäre im höchsten Grade wünschenswert, daß die Konsistorien zu diesem Zwecke auch die Meinung der hervorragendsten Gemeindevorsteher, Rabbiner, Lehrer und Kantoren befragten, damit ein wirklich brauchbares und nützliches Werk geschaffen werde. Auch sollte, wie das seinerzeit in Altdeutschland geschah, der Entwurf der Oeffentlichkeit unterbreitet werden. Stuttgart. Ein längst gefühltes Bedürfnis auf dem Gebiete des höheren Schulwesens in Württemberg hat endlich die ersehnte Befriedigung gefunden. Eine gesetzliche Verpflichtung zum Besuch des Religionsunterrichtes ihres Glaubens hat nämlich bisher, in sonderbarem Unterschied von den Angehörigen der anderen kirchlichen Bekenntnisse, für die israelitischen Schüler an den höheren Schulen in Württemberg nicht bestanden. Gelegenheit dazu war vielfach geboten; sie wurde auch in weitem Umfange benutzt, und die Schulleitungen wurden angeregt, diesen Unterricht durch Schaffung und Erleichterung der äußeren Bedingungen von Zeit und Ort und durch moralische Einwirkung auf die Schüler zu unterstützen. Trotzdem hat der Mangel an ausgesprochener Verpflichtung und der damit verbundenen festen Ordnung manchen Anlaß zur Unregelmäßigkeit, Launenhaftigkeit und Willkür gegeben, die nicht bloß für die mit dem Unterricht beauftragten Lehrer, sondern auch sür die Schulleiter vermöge ihrer unklaren Zwischenstellung nicht selten Unlust und Widerwärtigkeit mit sich brachten. Eine vom Ministerium des Kirchen- und Schulwesens neuestens erlaffene Verfügung bestimmt nun vom Beginn des nächsten Schuljahres an die Einführung des obligatorischen Unterrichtes iu der israelitischere Religion für die im volksschnlpflichtigen Alter stehenden israelitischen Schüler der Oberklassen. Für den Unterricht im Hebräischen ist dabei die Möglichkeit der Dispensation auch auf der unteren Stufe vorgesehen. Die näheren Voraussetzungen und Einschränkungen in der Durchführung der neuen Ordnung können hier übergangen werden. Hervorgehobeu muß werden, daß die Kosten ausschließlich von den jüdischen Gemeinden zu tragen sind, daß aber vie Voraussetzung ausgesprochen wird, die unentgeltliche Ueberlassung von Schulräumen und deren unentgeltliche Heizung und Beleuchtung werde kaum irgendwo auf Widerstand stoßen. Die erstere Voraussetzung schmeckt angesichts des vielfach herrschenden Raummangels in den höheren Schulen etwas nach dem grünen Tische. Nachdem einmal in Württemberg das höhere Schulwesen nicht nach den Grundsätzen des religionslosen, sondern des simultanen Unterrichts geordner ist, kann eine der Parität sich wenigstens allmählich annähernde Behandlung der israelitischen Kirchengenossen nur als ein Fortschritt in der Richtung der staatsbürgerlichen Rechtsgleichheit angesehen werden, und man kann sich höchstens darüber wundern, daß die Verwirklichung dieser Forderung so langer Zeit bedurft hat. und daß sie nun immer noch nicht in vollem Umfange erreicht ist. Florenz. Auch in Italien drohen durch die geplante Einführung strengerer Sonntagsruhe-Gesetze für die den Sabbar beobachtenden Glaubensgenossen die gleichen Schwierigkeiten, welche jetzt in Deutschland so nachdrückliche Abwehr-Maßnahmen notwendig machen. Mit bewährter Umsicht hat darum Herr Oberrabbiuer Dr. Margulies -Florenz in einer eingehend begründeten Denkschrift die Aufmerksamkeit der Staarsregierung auf die seelische Bedrängnis und materielle Schädigung gelenkt, in welche „die jüdischen Gewerbetreibenden geraten, die in Befolgung der Satzungen ihrer Religion den Sabbat als Ruhetag beobachten und durch das neue Gesetz, welches die Sonntagsruhe vorschreibt, gezwungen sein würden, in jeder Woche zwei Ruhetage zu halten." Herr Dr. Margulies bitter deshalb, daß in den Ausführungs-Bestimmungen des Gesetzes diejenigen jüdischen Geschäfts-Inhaber und ihre Angestellten, welche den Nachweis erbringen, oaß sie am Sabbat feiern, von der Sonntagsruhe befreit werden mögen, wie dies auch in England und Belgien der Fall sei. Diese Rücksichtnahme werde — so schließt die Denkschrift — sicherlich „als eine Forderung der Gewissensfreiheit anerkannt werden, welche in Italien von jeher in so ausgedehntem Maße hochgehalreu wird." Es darf in der Tat gehofft werden, daß diese Rücksichtnahme geübt werden wird. In einer, wie man annehmen kann, offiziösen Auslassung eines Regierungsblattes heißr es: „Dieses Verlangen der Israeliten ist in der Theorie zweifellos gerechtfertigt (iudubiamente giusta), aber man erkennt sogleich, daß die praktische Durchführung Schwierigkeiten bereitet. Die Klaffe der Gewerbetreibenden wird nicht leicht davon überzeugt werden können, daß einige von ihnen ihre Geschäfte am Sonntag offenhalten dürfen und unvermeidlich ihnen eine Konkurrenz machen, deren Konsequenz sich „a priori“ nicht übersehen lassen. Indessen gleichviel: das Ersuchen wird seitens des Arbeits-Ministeriums, in ernste Erwägung zu ziehen sein." Hamburg. iH a m b u r g - A m e r i k a - L i n i e.) Die nächsten Abfahrten von Post- und Passagierdampsern finden statt: Nach N e wyork: Die Postdampfer: Oceana 4./9., Amerika 5./9, Pennshlvania 7./9., Batavia 10./9., Schnellpostdampfer Deutschland 12./9 , die Postdampfer : President Grant 14./9., Kaiserin Auguste Victoria 19./9., Pretoria 21./9., Blücher 26./9., Patricia 28./9., Amerika 3./10. Nach B o st o n: Die Postdampfer: Badenia lS.jd., Bosnia 21./9. Nach Baltimore: Die Badenia 13./9.. Bosnia 21./9. Nach Philadelphia: Die Postdampfer: Pontos 7./9., Barcelona 17./9., Pisa 27./9.

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