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Die Wahrheit · 1907-09-13 · Heft 36 (13.9.1907) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 36 (13.9.1907)
Date
1907-09-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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aßrfteit Redaktion u. Sldmmisti atioli: Wien, 11^ Nvvaragasse 27. Telepvoil Nr. bev Diiick-r-i 15302. 3 nitrat!.' Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. SidoiliicinculSu. JuieillouSbetrage n»d in Wie» zahlbar und klagbar. nabhängtge Keiifchrift für Mische Interessen^ ” Erscheint jeden Krei 1ag. Uotio: „Das Lie^el Oottes ist Wahrheit!“ jj ^erngsvneis: Ätnizjtivrig . . . Jl. 14.—;l Haldiährig . . Jt. 7.— II _ 1 Für Quttu^beumte: i ^»uzjavrig ... St. >».— i j Für VlHsluiiö:! »i»„,ljiährig ... s Mark i 6 Rnvet oder 1« FcS. Nr. 36. Wien, 13. September 1867. Inhalt: Aus der Woche. — Neue Pogrome in Rußland. — Unser Religionsunterricht. — Der wissenschaftliche Antisemitismus. — Die Industrien Palästinas. — Das nationale Judentum. — Verschiedene Nachrichten. Ans der Woche. Man hat die sensationelle Rede, die Kaiser Wilhelm kürzlich in Münster hielt, vielfach als eine Kundgebung für das religiöse Gefühl, ohne dogmatische Einschränkungen, deuten wollen. Diesen Versuchen standen allerdings manche Momente in der Rede des Kaisers im Wege, denn die wiederholte Betonung der „göttlichen Persönlichkeit des Erlösers" schien denn doch im Widerspruch mit dem Bestreben, das reine religiöse Gefühl zu stärken, wie es sich ohne konfessionelle Unterschiede und Einschränkungen auch manifestiert. Diese Deutungsversuche waren, das muß zugegeben werden, besonders durch den Umstand geboten, daß in dem großen Reiche Wilhelm II. nicht bloß orthodoxe Katholiken und rechtgläubige Protestanten leben, die für Kaiser und Vaterland ihr Leben zu opfern bereit sind, ohne gerade alle seine religiösen Ueberzeugungen zu teilen. Den erwähnten, von allgemein patriotischem Standpunkte aus sehr erklärlichen Kommentaren der Kaiserrede tritt aber das offizielle Blatt des Kaisers, die „Nord. Allg. Zeitg." mit aller nicht wünschenswerten Schärfe und Entschiedenheit entgegen. Der Kaiser will nicht mißverstanden werden. Das genannte offiziöse Blatt schreibt: „Die hochbedeutsame Kundgebung Sr. Majestät des Kaisers, die den feierlichen Abschluß des Aufenthalts Sr. Majestät in Westfalen bildete, hat weithin im Volke einen Widerhall gefunden, als dessen vollwertiger Ausdruck die an die Kaiserliche Ansprache geknüpften Betrachtungen der Presse schwerlich gellen können. Keine dieser Betrachtungen erreicht auch nur annähernd die Höhe des Standortes, von dem aus der Kaiser in die stüchtigen Erscheinungen des Tages Einblick gehalten und sie auf ihren bleibenden Lebenswert geprüft hat. Insbesondere gehen die öffentlichen Erörterungen fast durchweg an dem Kern der Kundgebung vorüber, ohne auch nur den Versuch zu machen, ihn zu erfassen und zu würdigen. Wer aber, durch keinerlei parteipolitische Trübungen befangen, den vollen Gehalt der Rede auf sich wirken läßt, wird leicht erkennen, daß ihr Kern in der Mahnung zu suchen ist, daß jedermann, wer es auch sei, sich seines Verhältnisses zur göttlichen Persönlichkeit des Erlösers stets und auf allen Wegen bewußt sein möge, daß das Vorbild Jesu in die Gestaltung unseres irdischen Daseins, sowie in die Beziehungen von Mensch zu Mensch als lebendige Kraft ein greifen möge. An dem Maßstabe dieser hohen Auffassung gemessen, verschwinden die meisten Betrachtungen der l Blätter in ihrer parteipolitischen Beengung in Kleinlichkeiten und | Nichtigkeiten, wenn sie nicht gar das abstoßende Bestreben I verraten, das leuchtende Gold der Worte des Kaisers in minder-! wertige Scheidemünze umzuprägen, wie sie den Bedürfnissen i einer vom Tage für den Tag lebenden Politik des parteibe-! flissenen Eigennutzes leider nun einmal zu entsprechen scheint." j Kaiser Wilhelm erinnert bei jeder Gelegenheit seine Unter- { tanen in schwungvollen pathetischen Reden an seine großen i Ahnen. Diesmal werden es aber die Anderen sein, die ihn an j das Wort eines Hohenzollern erinnern, der, wie die Geschichte j bezeugt, Gelegenheit hatte, nicht nur durch schöne Reden und j Betrachtungen den Ruhm und die Größe seines Landes zu ver-! mehren. Friedrich der Große hatte sein religiöses Bekenntnis in j den wenigen Worten zum Ausdruck gebracht: „In meinen! Staaten kann jeder nach seiner Faeon selig werden." j Wir erhalten folgende Zuschrift: Die überaus interepante j und leider auch überaus aktuelle Reminiszenz Ihres Blattes,! die mit dem großen Namen Berthold Auerbachs verknüpft j ist, hat gewiß auch in manchem Leser nachdrücklich die Frage > angeregt: warum schweigt der Papst zu der greulichen Ritualmord-Beschuldigung, die gegen die Juden erhoben wird, da er doch wissen muß, daß sie auf Lüge und Verläumdung beruht? Nun, ich habe nicht den Beruf, den Papst gegen diese Frage in Schutz zu nehmen, aber darauf möchte ich aufmerksam machen, daß erstens Päpste in früheren Zeiten wiederholt in der schärfsten Weise das Ritualmordmärchen brandmarkten und zweitens, daß die Päpste in unserer Zeit oft Gründe hatten, a u s p o l i t i s ch e n Gründen manches nicht vom religiösen Standpunkte aus zu verdammen, was sie gerade vom Standpunkte der Religion aus sicher als Frevel und Sünde erkannten. Erlauben Sie, daß ich zum Beweise hiefür die Stellung des jetzigen Papstes gegenüber dem Duell hervorhebe. Es kann doch keinen Schatten eines Zweifels geben, daß der Papst im Sinne und nach den Lehren des Evangeliums das Duell unter Umständen als einen Mord oder zumindest als einen Mordversuch erachtet. Nun lese man den Brief, den der Staatssekretär Merry del Val im Namen des Papstes an den Präsidenten der spanischen Antiduelliga, Baron d'A l b i, gerichtet hat: Hochverehrter Herr: Durch Ihr wertes Schreiben vom 28. v. M. habe ich die ebenso wichtige als trostreiche Kunde erhalten von dem Kampfe, den Sie unternommen, damit aus der menschlichen Gesellschaft die z i v i l i s a t i o n s w i d r i g e Schmach des Duells verschwinde. Und, mehr noch, habe ich aus diesem Schreiben Nachricht erhalten von dem hochverdienst-

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