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Die Wahrheit · 1907-09-06 · Heft 35 (6.9.1907) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 35 (6.9.1907)
Date
1907-09-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 35. Die Wahrheil Seite 7. noch Tschuschima und Mnkden. Die moderne Bewaffnung ohne den modernen Menschen verbürgt nicht den Sieg. In solcher Entwicklung offenbart sich die unerbittliche historische Notwendigkeit, die untrennbare Verknüpfung echter, humaner Kulturideale mit den realistischen Vorbedingungen für staatliches Gedeihen und staatliche Größe. Die Entwicklung verläuft ganz gewiß nicht gradlinig und ganz gewiß nickst ständig aussteigend. Sie vollzieht sich in verschiedenen Staaten auch in verschiedenem Tempo, und wer mit eigenen Augen die Schrecken russischer Pogrome beobachten konnte, und wer die Vorurteile gegen das Judentum am eigenen Leibe in Deutschland empfunden hat, der wird gegen einen seichten Optimismus gewappnet sein. Die Erziehung der Menschheit ist eine quäl- und greuelvolle, und doch zeigt der Rückblick den Fortschritt. Und die aufwärts gehende Entwicklung wird um so siegreicher einsetzen, je größer die Zahl derer, die an sie glauben, und je einsichtsvoller ihre Energie ist, um für sie die Wege zu ebnen. Das Ziel kann nicht sein, jede Gegensätzlichkeit abzuschleifen und zu einer charakterlosen Uniformität zu gelangen. Ist dem so, dann bleibt gewiß damit zu rechnen, daß das Aufeinandersloßen von Eigenart auf Eigenart im Staatsleben und im Privatleben auch weiter Reibungen erzeugen wird. Auch zwischen Protestanten und Katholiken, zwischen Orthodoxie und Atheismus, zwischen den sozialen Schichten, zwischen verschiedenen Nationalitäten innerhalb derselben Staatsgrenzen und über die Staatsgrenzen hinüber — vom Judentum ganz abgesehen — herrscht nickst eitel Harmonie. Diese Reibungen sind an sich kein Unglück; sie sind sogar die Voraussetzungen jeder gesunden Fortentwicklung. Nur darauf kommt es an, daß solche Reibungen sich in Formen vollziehen, die die allgemeine Kultur und die nationale Kultur und Größe der einzelnen Staaten fördern, statt daß das Austrageu der Gegensätze den Verfall einleitet und die Barbarei Aller steigert. Dem modernen Staat aber wird die größte Förderung zuteil durch Beseitigung erschlaffender Privilegien und durch Stählung der gesamten Volkskraft im freien Wettbewerb. Freier Wettbewerb bedeutet: Rechtsgleichheit aller Bürger. DerwilsenschaftlicheAntisemitismns. (Fortsetzung.) Die Statistik ist das Element, in dem unser Autor schwelgt Er zerrt viele Zahlen und Tabellen herbei, um zu beweisen, daß die Juden in viel höherem Maße die Mine lu n d Hochschulen besuchen, als Protestanten und Katholiken. Selbstredend wird als Grund der Reichtum der jüdischen Eltern angegeben. Daß sie aber im hohen Maße opferfreudig sind und sich oft Entbehrungen auserlegen, um nur ihren Kindern eine gute Erziehung angedeihen zu lassen, das wird verschwiegen. Tatsache ist, daß die jüdischen jungen Leute oft unter den größten Entbehrungen studieren. Die hervorragendsten Gelehrten und Schriftsteller jüdischer Konfession in Deutschland sind aus armen, manchmal ärmsten Kreisen hervorgegangen. Die Moral der antisemitischen Untersuchung wird so zusammengesaßt: Wissen ist Macht, also liegt in der Aneignung von Bildung und Wissenschaft seitens der Juden eine Gefahr für Staat und Volk. Der Verfasser schreibt: „Infolge der großen Anteilnahme am Hochschulstudium ist der Jude heute bereits in beängstigender Weise der Vermittler der Güter geworden, welche die Wissenschaft zum Wohle des Volkes aufgefveichert und erforscht hat. Unter dieser starken jüdischen Interpretation der Errungenschaften der Wissenschaft hat aber die ch r i st l i ch e Weltanschauung in bedauerlicher Weise zu leiden. Das Judentum hat längst seinen Weg auch in die Kreise der Hochschulprofessoren selbst gefunden. Einzelne Disziplinen, wie die rechts- und staatswissenschaftliche Fakultät, insbesondere aber die medizinisch-naturwissenschaftliche Fakultät, sind an manchen Universitäten sehr stark mit jüdischen Professoren und namentlich Privatdozenten besetzt. Für das Christentum mit seiner hohen Ethik und Sittenreinheit, seiner Kraft und Wahrheit ist da freilich kein Platz mehr." Ja, aus welchem Planeten lebt dann unser Autor? Weiß er nicht, wie wenig ordentliche Professoren jüdischen Glaubens es in Deutschland gibt? Und wenn sie als außerordentliche Professoren oder gar als Privatdozenten Jahrzehnte hindurch wirken, so ist das sicherlich ein Beweis von Idealismus. Aber — bei den Inden wird eben alles zur Gefahr, sie sind sogar, wie der Verfasser meint, für den Darwinismus verantwortlich. Es scheine, daß die Juden Naturwissenschaften und Rechts- und Staatswissenschaften aus talmudischen und kabbalistischen Quellen studieren, sonst wäre es kaum zu begreifen, daß diese Disziplinen bei den Juden anders als bei den Christen wären. Es werde noch so weit kommen, daß auch Mathematik und Astronomie durch die jüdischen Professoren vergiftet werden. Unser Psychologe dringt bis in die innersten Falten der jüdischen Seele ein und er entdeckt da immer neue Eigenschaften. Er schreibt: „Das Prinzip der schrankenlosen individualistischen Wirtschaftsentwicklung, der Grundsatz: laisser faire, laisser aller, die Theoreme der Freihandels, die Negation des christlichen Solidaritätsprinzipes im Wirtschaftsleben, fanden im Judentum energische und fanatische Verteidiger. So lange die Wirtschaftsmoral des politischen Liberalismus diesen Grundsätzen huldigte, waren die Juden seine warmen Freunde, darum heute die Abkehr des Judentums vom Liberalismus, nachdem er sein Programm verändert, nachdem die wirtschaftlichen und sozialen Anschauungen des Volkes anders geworden sind." Daß der Freihandel die Negation des christlichen Prinzipes ist. haben wir bisher wirklich nicht gewußt. Wir haben sogar immer die freihündlerischen Engländer für gute Christen gehalten. Daß die Inden dem Liberalismus untreu geworden sind, haben wir bisher auch nicht gewußt. Ja, der Liberalismus war ihnen nicht mehr schrankenlos frei in der wirtschaftlichen Entwicklung. Warum aber viele Juden sich zur Sozialdemokratie bekennen, die doch der Antiopde der freien Wirtschaftsentwicklung ist, das leuchtet uns noch immer nicht ein. Dabei ist es derselbe Verfasser, der die Behauptung aufstellt, daß die Sozialdemokratie überall jüdisch ist. Ob dieser Widerspruch in der jüdischen Seele oder im Gehirn des Verfassers ruht, das können wir nicht sagen. Auch die K r i m i n a l st a t i st i k wird breit aufgerollt uni) aus den amtlichen Ergebnissen in Holland. Oesterreich und Deutschland wird bewiesen, daß die Juden in einigen Delikten prozentual stärker beteiligt sind als die Christen. Woher diese Erscheinung? Der Verfasser antwortet einfach: „Moralische Minderwertigkeit der jüdischen Rasse." Wie oft ist dieses Kapitel schon in Büchern und Aufsätzen behandelt worden! Wie oft ist diese Behauptung acl absurdum geführt worden! Alles umsonst, für gewisse Schriftsteller gibt es nur heilige Zahlen und — antisemitische Gefühle. Es ist im XX. Jahrhundert schon wirklich Zeit, daß man aufhört, bei der Kriminalität Konfession und Abstammung mit in Betracht zu ziehen. Es ist geradezu unbegreiflich, daß eine moderne Kriminalstatistik noch eine besondere Rubrik für die Religion führt. Soziale Verhältnisse, Milieu und Erziehung sind wohl sehr wertvoll für die Beurteilung des Verbrechens und seiner Quellen, das religiöse Bekenntnis aber ist hier ebenso nebensächlich, wie die Gestalt der Nase und die Farbe des Haares. Man braucht nur diejenigen Delikte etwas näher anzusehen, in denen die Inden stärker vertreten finb, um gleich die Erklärung dafür zu finden. Es sind nämlich fast durchweg Delikte, die mit dem Geschäftsleben mittel- oder unmittelbar z u s a m m e n h ä n g e n. Die Juden treiben mehr Handel, kommen daher natürlich eher in die Lage, Bankerotte zu machen, Zeugnisse vor Gericht abzulegen und Meineide zu leisten, als die Arbeiterklasse oder die Bauern aus dem Lande. Es ist hier keine Zauberei, es geht alles mit natürlichen Dingen zu, wie es andererseits ebenso begreiflich ist, daß die Juden bei den Delikten. Raub, Mord, Totschlag, Erpressung u. s. w. schwächer beteiligt sind, weil sie weniger trinken, mehr in der Familie leben und weniger verrohen. Die sittlichen T u g e n d e n und Untugenden haben nichts mit d e r R a s s e und nichts mit der Religion zu tun, sondern sind in der Hauptsache von den sozialen Verhältnissen durch Genera- > tionen an erzogen. Das ist von anständigen Christen 1 tausendmal bereits betont worden, unter anderen auch von Wind th o r st. Unser katholischer Nationalökonom aber weiß von allem dem nichts. Wenn er ehrlich sein wollte, dürfte er auch die j Tatsachen nicht verschweigen, daß alle diese Verbrechen, die in

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