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Die Wahrheit · 1907-09-06 · Heft 35 (6.9.1907) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 35 (6.9.1907)
Date
1907-09-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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»lebnftiou li. Ndministraliou: Wien, 11/, Novaragasse *27. XrleiiQvu Nr. bfr Diuck-rr! 15302. ünfevate Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. AbouileinciitSu. JnierlioilSi! betröge sind in Lllien zahlbar jj und klagbar. j nakhängige Aeiischrist für Mische IritereAen^ Erscheint jeden Kreitng. Uoilo: „Das Liefet (lottes ist Wahrheit!“ jj Ker>ltzspyel»: || ji Äauzjöyrig ... ff. 14.— || | Halbjährig ... ff. 7 — i! I Für Cultusbeunite: ji II;i j ^»iizjöhrlg . . ff. u» j j Für Ausland:!i I Äaiizjävrig ... 8 Mart j! tt Rubel oder 16 FcS.!l Ur. 35. Wien, 6. September m}7. Inhalt: Aus der Woche. — Das Gebet eines vorurteilsfreien christlichen Seelsorgers. — Marokko. — Die Industrien Palästinas. — Die Lösung der Jndenfrage. — Der wissenschaftliche Antisemitismus. — Verschiedene Nachrichten. — lieber das Modulatorische beim kantoralen Vortrag. — Feuilleton: Heimweh. Den geschätzten Lesern, Mitarbeitern und Freunden unseres Blattes entbieten wir znm Jahreswechsel die herzlichsten Glückwünsche. naifc nfcTim na*na Die Redaktion. Ans dev Woche. Zur Hilsner-Affaire erhalten wir nachstehende Betrachtungen, die der Einsender mit der Bitte begleitet, wir mögen seine einleitenden Worte — zum Schlüsse bringen. Wir willfahren dem bescheidenen Wunsche und beginnen mit der Frage des Autors: „Warum sich über derartiges erhitzen? Wer nimmt solchen Unsinn noch Ernst? Diesen Einwand höre ich im Voraus gegen das, was ich hier zu sagen habe und zuletzt heißt es noch: Glauben Sie denn, daß durch ein öffentliches Wort dem Elend abgeholfen wird? Ja, das glaube ich. Wer könnte sonst im Dienste der Wahrheit ausharren." * * v,; „.. . Aber warum schweigen die tausend und tausend Wissenden? Ist es nicht Sünde, eine Untat geschehen zu lassen und nicht Zeugnis dagegen abzulegen? Sämtliche christliche Theologen, vom Popen im Kaukasus, vpm Professor Beyschlag in Halle bis zum Papst in R o m, wisse n, m ü s s e n w i s s e n, daß z u k e i n e r Z e i t und in keinem Land dieser Beschuldigung gegen die Juden auch nur ein Atom von Wahrheit zu Grunde lag." -i- * „. .. Mit wessen Blut waren etwa die Osterkuchen gebacken, die Jesus als Jude beim Abendmahle brach und unter die Jünger verteilte?" * * : „. .. Alle Geistlichen wissen, daß es den Juden verboten ist, Blut eines Tieres zu genießen; sie wissen, daß eine Vertilgungswut durch die Welt rasen müßte, wenn der genannte religiöse Kannibalismus irgendwo stattfände; sie wissen das, und warum legt niemand ein öffentliches Wort der Verwahrung ein?" * * „Warum müssen wir Juden das Wort ergreifen? Haben denn christliche Theologen keine Pflicht gegen eine unschuldig angeklagte, fremde Konfession und k e i n e P s l i ch t, d e r s i t t l i ch e n Verwahrlosung christlicher Ankläger zu steuern? Verlangt nicht die Religion der Liebe, daß man seine Nebenmenschen vor Ungerechtigkeit schütze?" * * •J* „Es ist eine der bittersten Erfahrungen, daß Ungeheuer im Reiche des Gedankens tausendmal getötet immer wieder auserstehen. Aber so oft sie sich erheben, und sei es im entlegensten Winkel der Erde, muß aufs Neue mit der Waffe der Wahrheit gekämpft werden." Diese Betrachtungen schrieb vor 30 Jahren — Bertbold Auerbach und er veröffentlichte sie in einer deutschen Wochen^ schrift, die kaum von jemandem mehr in die Hand genommen wird. Aber glaubt man nicht, Auerbach habe den Fall Hilsner behandelt? Es ist immer dieselbe Lüge, aber bei dieser nun schier 30 Jahre alten Lüge handelte es sich um einen Fall in Rußland. In Kutais (Rußland) wurde im Jahre 1878 vor dem Kreisgerichte eine Verhandlung gegen sieben Juden durchgeführt, die unter der Anklage standen, ein Chriftenkind getötet und dessen Blut zu Osterkuchen verwendet zu haben. Die Angellagten wurden — freigesprochen; vielleicht ist das der einzige Unterschied zwischen Kutais und — Polna. * Von mehreren Seiten werden wir aus ein in der „Zeit" erschienenes Feuilleton: „Der kranke Bürgermeister" aufmerksam gemacht. In den Schreiben, die uns zukamen, sind die schärfsten Ausdrücke enthalten, um die Gesinnung zu rügen, aus welcher in dem erwähnten Feuilleton die Charakteristik des Bürgermeisters Lueger zu entspringen scheint. Es mag ja sein, daß der Autor des „kranken Bürgermeisters" mehr an den „Kranken" als an den „Bürgermeister" dachte, als er seinen Hymnus dichtete. Aber ein liberales Blatt sollte, wenn es auch anerkennenswerte Humanität und Schonung für einen kranken Gegner bekunden will, doch nicht vergessen, daß es seine Ausgabe nicht sein kann, sich in eine Lobes-Konkurrenz mit dem „Deutschen Volksblatt" oder mit der „Deutschen Zeitung" einzulassen. Das ist aber noch lange nicht das Schlimmste. Am bedenklichsten scheint uns der Versuch, den Parteiführer Lueger in ein Licht zu rücken, welches mit der Wahrheit unvereinbar ist. Alan lese z. B. die folgenden Stellen: „... Deshalb schweigt überall die Gesinnung, wenn Hoffnungen und Wünsche zu dem Siechen flattern. Deshalb wagt sich keine Parteiwut an dies Krankenlager. Wie sie ja auch in ihm einduselte... Er bedurfte ihrer, um hinauf zu kommen.

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