Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 34 (30.8.1907)
- Date
- 1907-08-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 34. verschlimmernde, so daß das Hilfswerk nicht zum Abschluß gelangen kann. Die rumänische Regierung führt einen Vernichtungskrieg gerade gegen die ärmsten, ohnehin mit der bittersten Not kämpfenden Juden, und das System fortwährender Ausweisungen aus Dörfern und Erwerbsenrziehungen bedeutet faktisch ein stilles, unblutiges M a s s a c r e, das von den rumänischen Behörden in Verhöhnung des Berliner Vertrages an den Juden verübt wird. Als einzige Hilfe für einen großen Teil der Juden der nördlichen Moldau betrachtet Herr Dr. Kaminka die Auswanderung. — In der letzten Sitzung der Zentrale in Jaffy mußten leider die Unterstützungen, die ohnehin nur wie ein Tropfen auf einen heißen Stein sind, gekürzt werden, da von England der in der Wiener Konferenz präliminierte Beitrag nicht eingegangen und der rumänische Fond erschöpft ist. Dem Bezirk Jassy hat die Wiener Allianz fernere 50.000 Frcs., dem Bezirk Botosani 90.000 Frcs., außerdem hat die Allianz für vertriebene Familien vorläufig 10.000 Frcs. überwiesen. Wien. Donnerstag, den 5. September, l;s6 Uhr abends, findet die Einwelhllilgsseier des renovierten Bethauses „Talmud Tora h", II., Malzgasie 16, statt. Die kantoralen Funktionen wird Herr Oberkantor Wittmann von der „Schiffschui" versehen. Wien. Der Direktor des isr. Taubstummen-Jnstitutes, Dr. Moriz Brunner, der die Anstalt in trefflicher Weise durch 22 Jahre leitet und der sich durch zahlreiche wissenschaftliche und sachschriststellcrische' Arbeiten um die Entwicklung des Taubstummen-Bildungswesens äußerst verdient gemacht hat, wurde durch die Verleihung des Titels kaiserlicher Rat ausgezeichnet. Wien. Der Uuterrichtsminister hat den Amanuensis an der Universitäts-Bibliothek in Wien, Herrn Dr. Michael H o l z m a n n, ad personam zum Skriptor daselbst ernannt. In dieser außertonrlichen Beförderung ist woyl eine Anerkennung für die außerordentliche und unermüdliche literarische Tätigkeit und die vielfachen Verdienste zu suchen, die sich Dr. Holzmann auf dem Gebiete der Bibliographie erworben hat. Dr. Holzmann ist der Verfasser der Lexika der Anonymen und Pseudonymen, bie als Nachschlagebücher von unschätzbarem Werte sind und in keiner Bibliothek fehlen dürfen. Wien. Sonntag, den 25. d. M., hat sich Frl. Fanny Beckmann, Tochter des Vorstandsmitgliedes des Vereines „Montefiore", Herrn Ignatz Beckmann, mit Herrn Rudolf Raubitschek, Mühlenvertreter, verlobt. Baden. Sonntag, den 1. September l. I.. um 3/*l Uhr nachmittags, findet in Baden die Trauung des Herrn Julius R o s e n f e l d, Beamter der isr. Kultusgemeinde in Wien, mit Frl. Clara Hermann statt. Gänserndorf. (NeueKultusg emeinde.) In der neukreierten Kultusgemeinde in Gänserndorf wurden am 11. August gewählt: Zum Kultusvorfteher Herr Med.-Dr. Max Baß, wohnhaft in Gänserndorf; zum Kultusvorsteher-Stellvertreter Herr Samuel P i s k aus Marchegg, zu Beiräten die Herren Leopold F l e i s ch m a n n und Ignaz Drill. Vor der Wahl fand die feierliche Enthüllung einet Marmortafel statt, welche die Mitglieder des gewesenen Minjanvereines dem langjährigen Obmanne und Begründer der Kultusgemeinde, Herrn Samuel Schiller, zum Zeichen ihrer Dankbarkeit gestiftet haben. Prag. Im Smichower Tempel fand der feierliche Gottesdienst aus Anlaß des Allerhöchsten Geburtsfestes bereits am Samstag Vormittag statt. Herr Oberkantor Otto G o l d b a u m leitete in vorzüglicher Weise den musikalischen Teil. Die geistreiche, großzügige, von einem poetischen Hauche durchwehte Festrede unseres hochverehrten Herrn Rabbiners. Dozenten Dr. Herzog, löste im überfüllten Gotteshause zündende Begeisterung aus. Nach einem vom Herrn Oberkantor sehr schön vorgettagenen Solo und vom verstärkten Chore gesungener Hymne schloß die überaus würdige, einen ttesen Eindruck übende Feier mit einem vom Herrn Rabbiner eigens ans diesem Anlaffe verfaßten Gebete. Jungbunzlau. (Berichtigung.) Der in der „Wahrheit", Nr. 31, vom 9. August d. I., in meinem Artikel erwähnte Ort meines Freundes Oberlehrer B. Kraus ist nicht Freudentbal, sondern Friede! in Schlesien. Benedikt Singer. Komotau. Herr Max F r i e d l, bisher in Klosterneuburg, ist hier einstimmig zum Oberkantor und Religionslehrer gewählt worden und hat bereits seine Funktionen angetreten. Brünn. (Eine Kultusgemeinde als Millionenerbin.) Der im vorigen Jahre m Wien verstorbene Elkan S. Steiner hat die israel. Kultusgemeinde E i b e n s ch ü tz zur Errichtung einer Kultus-, Humanitäts- und Unterrichtsstiftung zur Universalerbin seines bedeutenden Vermögens eingesetzt. Diese Stiftung dürfte nach Errichtung größerer Legate mehr als eine Million Kronen betragen. Jglau (Zuerkennung einer Ehren Medaille.) .Dem Kantor der isr. Kultusgemeinde in Jglau, Herrn Karl Brunner, wurde die Ehrenmedaille für 40jährige treue Dienste zuerkannt, die ihm durch den hiesigen Bürgermeister V. Jnderka überreicht wurde. Kaschau. Die Kaffaer israel. Gemeinde wählte den Hilfsrabbiner Mark Eckstein definitiv zum Rabbiner. Gaya (Generalversammlung des Verbandes der Rabbiner Mährens und Schlesiens.) Am 21. August l. I. fand in Mähr.-Ostrau die diesjährige Generalversammlung des mährischschlesischen Rabbinerverbandes statt. Der Vorsitzende, Rabb. Dr. Freimann (Holleschau), eröffnete die Versammlung mit einem dreimaligen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und teilte den kaiserlichen Dank mit, der aus eine Loyalitätskundgebung des Verbandes anläßlich der letzten Anwesenheit Sr. Majestät in Mähren dnrch die Allerhöchste Kabinettskanzlei erfolgt ist. Der Obmann-Stellvertreter der Kultusgemeinde, Herr Friedländer, begrüßte die Versammlung mit herzlichen Worten und teilte mit, daß Herr Dr. Beer die Gemeinde bei den Beratungen der Rabbiner vertreten werde. Begrüßungsschreiben waren u. A. eingelaufen vom Vorstände der Brünner Kultnsgemeinde, vom Landesrabbinate und vom böhmischen Rabbuierverbande. Dr. F r e i m a n n erstattete sodann den Tättgkeitsbericht, der Zeugnis für die Rührigkeit des Verbandes ablegte und sein energisches Eintreten für Kollegen, die seiner Intervention bedürftig waren, bekundete. Nachdem Herr Dr. Taube r (Prerau) den Kassabericht erstattet hatte, referierte Rabb. Dr. R e a ch (Gaya) über Pensionsangelegenheiten. Er unterzog unter lebhaften Beifallskundgebungen der Versammelten die momentane soziale Lage der Kultusbeamten einer ebenso scharfen wie treffenden Kritik, und an der Hand von vergleichenden Tabellen und statistischen Zusammenstellungen die Haltlosigkeit des jetzt herrschenden Zustandes, sogar gegenüber den Bestimmungen des Privatbeamtengesetzes, dieser geringsten unter allen Alters- und Invaliditäts- Versorgungen. derer, die geistige Arbeit leisten müssen, nach. Der Verband beschloß über Wunsch des Referenten die Einsetzung einer Kommission, welcher die Herren Rabb. Dr. Freimann. Dr. Ö p p e n h e i m, Dr. R e a ch und Dr. Tauber angehören, die die nötigen Schritte vorzubereiten hat. welche zur Sanierung dieses Uebelstandes zu unternehmen sind. Auch dürfte an die Gemeinden das Ersuchen gestellt werden, ihren Beamten Teuerungszulagen zu gewähren, da allenthalben Klagen über die Unerschwinglichkeit der Lebensmittelpreise laut wurden, welche namentlich die Kultusbeamten hart treffen, die mit so geringen fixen Gehältern zu rechnen haben. Rabbiner Dr. S p i r a erstattete sodann ein gediegenes Referat über Dr. Güdemanns treffliches Buch „Jüdische A P o l og e t i k", an welches sich eine lebhafte und sehr anregende Diskussion schloß. Als Ort der nächsten Generalversammlung wurde Brünn in Aussicht genommen. Sehr angenehm berührte die Liebenswürdigkeit des Vorstandes der Kultusgemeinde Mähr.-Östrau, der es sich nicht nehmen ließ, für kleine Erfrischungen für die in den Räumen seines Sitzungssaales tagenden Gäste in zuvorkommender Weise Sorge zu tragen. Budapest. Der König hat für den Bau des israel. orthodoxen Tempels in Miko 100 Kronen aus seiner Privatschatulle gespendet. — Se. Majestät hat dem ungarischen Staatsangehörigen und königlich schwedischen Honorarkonsul in Budapest, Arthur A l t s ch u l, die Annahme des ihm verliehenen Titels und Ranges eines königlich schwedischen Honorar-Generalkonsuls bewilligt 'und dem bezüglichen Bestallungsdiplom das allerhöchste Exequatur erteilt. Budapest. Die von weil. Ignaz Ritter v. Wechselmann und seiner Frau, geborene Sophie Neuschloß, gegründete und von dev Pester israel. Kultusgemeinde geleitete Blindenunterrichts- und Erziehungsanstalt wird in den Herbstmonaten eröffnet. Der Vorstand der Gemeinde hat mit der Leitung der Anstalt eine aus sieben Mitgliedern bestehende Kommission betraut, an deren Spitze Louis Baum garten steht. Die Kommission hat in ihrer jüngst abgehaltenen Sitzung beschlossen, daß die Anstalt ihre Tätigkeit mit einer Abteilung beginne, in welche fünfzehn 8—10jährige blinde Kinder ohne Unterschied der Konfession Aufnahme finden sollen. Die Zöglinge werden in der Anstalt unentgeltlich verpflegt und unterrichtet und haben nur Wäsche mitzubringen. Die Aufnahmsgesuche sind an die Kommission der Anstalt (VII., Sip-utcza 12) zu richten und bis 20. September einzureichen. Budapest. Nicht nur die Israeliten, auch die Protestanten haben ihren Tischo-be-aw und das dürste Vielen unbekannt, für Alle aber von Interesse sein. Der zehnte Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfeste, ungefähr um die Zeit, in welcher Israel seinen Nationaltrauertag begeht und die Zerstörung seines Heiligtums beweint, ist in der evangelischen Kirche der Erinnerung an die im Jahre 70 nach der bürgerlichen Zeitrechnung d. i. 3830 Jahre nach der Welterschaffung erfolgten Zerstörung der Stadt Jerusalem gewidmet und wird — trotz des Sonntags — als Bußtag gefeiert und in den Kirchen werden an diesem Tage Büßpredigten gehalten. Palanka. Die hiesige israelitische Gemeinde hat am 11. d. M. den auch literarisch hervorragend tätigen Rabbiner Dr. Benno Fischer mit großer Majorität zum Rabbiner gewählt. Fiume. Anläßlich des allerhöchsten Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers fand am 18. August d. I., 11 Uhr vormittags, in unserem neuen Prachttempel ein Gottesdienst mit Orgel statt. Herr Oberrabbiner Dr. Frank hielt eine patriotisch begeisternde Festrede und Herr Oberkantor S. R o s e n b a u m hob durch brillanten Vortrag der Festgesänge die Weihe des Festgottesdienstes. Kiew. („Nathan der Weise" nicht mehr „zeitgemäß".) Vor kurzem sollte hier Lessings „Nathan der Weise" zur Aufführung gelangen. In letzter Stunde mußte aber von der Aufführung abgesehen werden, weil die dortige Theyterzensur dieses Stück — nicht mehr zeitgemäß gefunden hat. Wenn man Rußlands offizielle geistige Hüter näher betrachtet, darf es allerdings nicht Wunder nehmen, daß sie die erhabene Toleranz des Lessing-Werkes nicht begreifen und ihr entgegentreten, wo sie können. Noch lächerlicher als das Verbot wirkt allerdings die Begründung: „Nicht mehr zeitgemäß!" Die Herren Zensoren meinten wahrscheinlich: „Noch nicht zeitgemäß!" Hamburg. Die Hamburg-Amerika Linie meldet: Nordamerika: D. A l b a n o, 24. August 4 Uhr nachm, in Neworleyns. D. Alexandria, 24 August 7 Uhr morgens von Baltimore nach Hamburg. D. Blücher, von Newyork kommend, 25. August 12 Uhr 25 Min. mittags ans der Elbe. D. B o s n i a, 24. August 9 Uhr morgens von Newyork nach Hamburg. D. Hamburg, von Newyork nach Genua, 25. August 2 Uhr nachm, in Neapel. D. H i s p a n i a, von Newport News kommend, 25. August 10 Uhr morgens Prawle Point passiert. D. N o r d st j e r n e n, nach Montreal, 24. Angust 6 Uhr 30 Min. morgens Cuxhaven passiert. D. P r e s i d e n t L i n c o l n, nach Newyork, 25. August 2 Uhr 30 Min. nachm, von Boulogne. D. T r o n t o, 25. August 6 Uhr morgens von Neworleans über Newport News nach Hamburg. m<S?füti-ViZ3BaUiM*Alb*K~rirr‘ > '»..