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Die Wahrheit · 1907-08-30 · Heft 34 (30.8.1907) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 34 (30.8.1907)
Date
1907-08-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 34. Die Wahrheit Seite 7. und:. Hm zu diesem Zwecke einen Beirat ' von drei 'Sachverständigen zur! Seite stellt. ' : ' Mo ntag, den 197 August. Ihren Höhepunkt erreichten die Debatten in der Sitzung am Montag, in der die Palästinafragen zur Diskussion standen. In einer den ganzen Tag ausfüllenden Aussprache kämen die Gegensätze, die mit Bezug auf die praktische Arbeit der zionistischen Organisation in Palästina einerseits und ihrem Charakter als politische Bewegung andererseits seit Jahren innerhalb der Bewegung bestehen, zu einem teilweise hochdramänschen Ausdruck. Beide Seiten schickten ihre besten Vertreter vor. Den Beginn machte der Referent des Palästina-Ausschusses, Böhm, der die Anträge des Ausschusses in längerer Rede begründete. Danach soll innerhalb der Leitung ein besonderes Palästinaressort geschaffen werden, dem ein in Palästina besindliches, aus besoldeten Beamten bestehendes Palüstinaamt unterstellt werden soll. 25% sämtlicher Einnahmen der Organisation sollen diesem Palästinaressort zur Verfügung gestellt werden. Das Palästinaressort und das Direktorium der jüdischen Kolonialbank sollen beauftragt werden, umgehend ein Institut für ländlichen und städtischen Bodenkredit in Palästina zu schaffen. Ein weiterer Antrag beauftragt das Palästinaressort, die Frage der Siedelungsgenossenschaft in Palästina zu studieren und den palästinensischen Bildungsanstalten seine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden und zu trachten, für deren Zwecke einen besonderen Fond zu schaffen. Die Debatte war vorläusig eine prinzipielle, die einzelnen Anträge sollen morgen in der Spezialdebatte zur Erörterung gelangen. Der erste Diskussionsredner, Mr. Co wen aus London, betonte mit Nachdruck den politischen Charakter der Bewegung, die nicht zu einer Wohltätigkeitsgesellschaft für praktische Kleinarbeit in Palästina hinabsinken dürfe. Wir dürfen die Einwanderung nach Palästina nicht ermuntern, solange wir nicht die öffentlich rechtlichen Sicherheiten haben, deren Erlangung der eigentliche Zweck unserer Bewegung ist. Dagegen müssen wir mit Nachdruck für die kulturelle Hebung der schon in Palästina befindlichen Volksgenossen Sorge tragen. Das einseitige Betonen der praktischen Arbeit und die Intoleranz der Anhänger dieser Richtung hat uns vorzügliche Kräfte aus dem Zionismus hinausgetrieben, und wir sollten uns lieber bemühen, sie wieder für uns zu gewinnen, statt sie durch unsere Einseitigkeit für ewige Zeiten von uns zu trennen. Davis Tri elf ch, Jaffa vertrat in eindrucksvoller Rede den Standpunkt, daß praktische Arbeit iü Palästina die Vorbedingung der Erlangung politischer Rechte sei. Gegenüber der Behauptung der Gegenseite, daß die sogenannten praktischen Zionisten von der politischen Arbeit des Zionismus nicht viel wissen wollten, vertrat er die Meinung, daß gerade von der anderen Seite die politischen Möglichkeiten nicht genügend erkannt rutd ausgenutzt worden wären. Greenberg, London, bezeichnte sich als den ersten Zionisten, der für praktische Arbeit in Palästina eingetreten sei. Allerdings müsse diese Arbeit möglichst praktisch sein und dürfe nicht in fanatischen Unternehmungen ausarten. Das Mißtrauen der „praktischen Zionisten" mache der Leitung eine politische Arbeit fast unmöglich. Der letzte Redner der Vormittagssitzung, Rev. Ga st er, erklärte, daß ein prinzipieller Gegensatz zwischen praktischen! und politischem Zionismus weder bestehe noch zu bestehen brauche. In der Nachmittagssitznng hielt Oberrabbiner Dr. Ehrenpreis, Sofia, ein Referat über Fragen der nationalen Erziehung in der Diaspora. Er verlangte, daß insbesondere die jüdischen Lehrer mehr national beeinflußt würden, um die Erziehung der Jugend in diesem Sinne zu leiten. Hierauf wurde zur Wahl von neun Generalrednern für die Palästinadebatte geschritten. Der erste Generalredner, j Scheinkin, Jaffa, verlangte im Namen der palästinensischen Zionisten und Juden eine lebhafte Anteilnahme des Zionismus * an der jüdischen Erschließung Palästinas. Aber unsere Arbeiten * müssen wirklich praktische sein und dürfen nicht vom grünen Tische ans geleitet werden. Es ist unbedingt notwendig, daß unsere Führer und. die wohlhabenden Zionisten sich materiell an der Aufschließung Palästinas beteiligen, sonst kann das Volk kein Vertrauen zu ihnen haben. Reichsratsabgeordneter Dr. Mahler sprach namens der mehr politischen Richtung. Wir dürfen die Ideen des großen Herzl, daß die Judenfrage nur politisch zu lösen ist, nicht aufgeben. Es gibt keinen Gegensatz zwischen praktischer Arbeit und politischem Zionismus, wenn die Arbeit wirklich praktisch und der Zionismus wirklich politisch ist. Reichsratsadgeordneter Dr. Stand: Der praktische Zionismus ist das Mittel und der politische der Zweck. Wir werdep zum politischen Zionismus nur kommen, wenn wir das Mittel des praktischen Zionismus anwenden. Praktischer Zionismus ist das primäre, der politische das sekundäre. Ich bin für die Unterstützung der Palästinakommission in jeder Hinsicht. Unsere Bank soll nicht die letzte in London, sondern die erste in Jaffa sein. Ohne praktische Arbeit wird die Bewegung zurückgehen. Dr. Mozkin: Niemals hat der politische Zionismus versprochen, daß er sein Ziel in den nächsten Tagen erreichen könne. Wir dürfen die große Idee des politischen Zionismus, die allein das Neue und Gewaltige unserer Bewegung darstellt, nicht aufgeben, weil wir ungeduldig werden. Wir dürfen unsere realen Machtfaktoren, Nationalfond und Bank, nicht aus den Händen geben, um praktische Arbeit zu treiben, weil wir uns damit des einzigen Faktors begeben, der uns reale Bedeutung gibt. Solange wir die gesetzlichen Garantien nicht haben, solange dürfen wir nicht an die Verwirklichung des Zionismus schreiten. Dr. Marmorek, Paris: Wir sind in Gefahr, in die kleinliche Ghettopolitik zurückzufallen, aus der uns Herzl herausgerissen hat. Wir müssen große Politik treiben, aber es scheint, daß wir noch nicht verstehen Politiker zu seiu. Wenn die praktischen Zionisten ihre Arbeit zu einer politischen erklären, verschiffen sie ihre Ware unter einer falschen Flagge. Die Macht des Geldes muß uns zur Verfügung gestellt werden, die ganze jüdische Nation muß hinter uns stehen. Darum dürfen wir nicht diejenigen von uns treiben, die nicht mit uns einer Meinung sind. Die einzige Rettung des Judentums ist der politische Zionismus. Dr. W e i z m a n n, Manchester: Allerdings, w?nn das jüdische Volk will, werden wir den Charter haben. Solange das jüdische Volk aber nicht will, müssen wir seinen Willen wachrufen, und das werden wir nicht erreichen, wenn wir ihnen nur sagen, wir können den Charter erlangen. Auch die Machthaber der politischen Welt werden unsere Resolutionen solange nur sympathisch aufnehmen, als sie nicht sehen werden, daß wir imstande sind, Palästina zu besitzen. Der politische Zionismus muß eine Synthese zwischen praktischer Arbeit in Palästina und ' den Bemühungen darstellen, die Judenfrage zu einer internationalen zu machen. Die mit großem Ernst geführte Debatte wurde vom Kongresse mit lebhafter Anteilnahme verfolgt. Dienstag, den 20. August. Am Dienstag vormittag wurde die Spezialdebatte über die Palästinafrage fortgesetzt. Nach eingehender Diskussion wurde beschlossen, daß innerhalb des engeren Aktionskomitees ein besonderer Palästina-Ressort gebildet werde, dem 25% aller Einnahmen der Organisation von vornherein zufließen sollen. Die Frage der Siedlungsgenossenschaft in Palästina und der Gründung eines Bankinstitutes für langfristige Kredite auf ländlichen und städtischen Boden wurde dem engeren Aktionskomitee zur Berücksichtigung überwiesen. Des ferneren wurde eine Resolution angenommen, die es dem engeren Aktionskomitee zur Pflicht macht, der natlonalen Erziehung der Juden in der Diaspora seine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Im Zusammenhang mit den Bestrebungen, der jüdischen Kultur ein Zentrum im Zionismus zu schaffen, wurde beschlossen, die hebräische Sprache zur offij ziellen Sprache der Organisation zu erklären, allerdings mit der durch die tatsächlichen Verhältnisse bedingten Einschränkung, daß ' vorläufig auch andere Sprachen neben der hebräischen verwendet * werden sollten. Hierbei verdient hervorgehoben zu werden, daß die Tagungen der Sonderorganisationen für die geistigen Aufgaben der Zionisten der „Jbriah" und des „Sinai", von denen

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