Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 34 (30.8.1907)
- Date
- 1907-08-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3062972-3063367-3063401--05019-3071908- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Hebron 1× ep/1047559
OCR text
Seite 6. Nr. 34. Die /Wahrheit Redekunst geboten haben. Die Söhne Israels haben auch zur Wauderversammküng der Äerzte ihren „Mann" gestellt und der war: ~ Professor S ch ä ch i e r —/ ein ' ganzer Mann ] . .. . Schächter hat auch an dem Präsidiallische Platz genommen. Er hiett Unter dem Titel „Fortschritt und Konservatismus in der ärztlichen Wissenschaft, einen änderthalbstündigen, mit lautloser Stille angehörten Vortrag, in welchem er eine gediegene Charakteristik des verewigten illustren Chirurgen Professor Dr. Joseph Ko v ä. c s', welcher zu den Bernmtheiten der. Budapester kön. ung. Universität gehörte, bot. In der Person des großen Chirurgen Joseph Koväcs sieht der Vortragende jenen Kampf verkörpert, den die ärztliche Wissenschaft mit dem Fortschritt und Konservatismus zu führen hat. Als jungen Chirurgen nannte man Koväcs zu radikal, später hieß man ihn zurückgeblieben. Nicht immer ist der Fortschritt in der ärztlichen Wissenschaft das Bessere, oft ist er nur das Neuere. Man darf das große Publikum durch fortwährende nmstürzlerische Neuerungen in seinem Glauben au die Aerzte nicht erschüttern Die Wandlungen, die das antiseptische Verfahren im Laufe der Zeiten erfahren hat, beweisen am deutlichsten, wie sehr die Anschauungen über die Zweckmäßigkeit der verschiedenen Heilmethoden dem Wechsel unterworsen sind. Zum Schlüsse würdigte der Vortragende nochmals die großen Verdienste Koväcs' um die Chirurgie. Der schöne Vortrag fand den lebhaftesten Beifall des Auditoriums, und Minister Graf Apponyi überreichte Dr. Schächter die Joseph KovLcs-Medaille. D. H. Spitzer. Der VIII. Zimnstenlrongretz int Haag. Der Nachmittag des ersten Kongreßtages, wie der darauffolgende Tag (Donnerstag. 15. August) waren dem vom Generalsekretär der zionistischen Organisation, N. So ko low, erstatteten Berichte des zionistischen Zentralbureaus gewidmet. In der Generaldebatte wurde von der einen Seite die Tätigkeit des Aktionskomitees einer scharfen Kritik unterzogen. Insbesondere wurde der Mangel an Initiative und Einheitlichkeit in der Leitung, sowie das unentschlossene und schwankende Vorgehen in Bezug auf die praktische Arbeit in Palästina bedauert. Dagegen wurde von der anderen Seite gellend gemacht, daß die Leitung unter den obwaltenden Umständen mehr nicht habe tun können, und daß vor allen Dingen Pflicht der Organisation sei, dem Aktionskomitee die materielle Möglichkeit zu geben, großzügige Arbeiten zu unternehmen. Die Vertreter der „Poale Zion", das heißt der zu einer besonderen Gruppe zusammengeschlossenen zionistischen Arbeiter, verlangten, daß für die Seßhaftmachung eines gesunden Arbeiterstandes in Palästina mit allen Mitteln eingetreten werden müsse, die Arbeiterfrage sei der wichtigste Punkt für die Entwicklung Palästinas. Der Präsident des Aktionskomitees, David W o l f f s o h n, kam zum Schlüsse der Debatte in einer eindrucksvollen, von den Delegierten mit stürmischer Begeisterung aufgenommenen Rede auf die an der Leitung geübte Kritik zurück. Auch er betonte nachdrücklich, daß die Tätigkeit des Aktionskomitees von der Beschasinng größerer Mittel seitens der zionistischen Gesinnungsgenossen abhänge. Die zionistische Organisation habe auch in den letzten Jahren manches und großes geleistet. Unverkennbar sei das Aufleben des nationalen Geistes unter den Juden der ganzen Welt und auch die anderen großen jüdischen Organisationen seien unter dem Einflüsse der Volksströmung gezwungen, ihre Tätigkeit mehr nach nationalen Gesichtspunkten einzurichten. Einer sich als notwendig erweisenden Dezentralisierung der Organisation und einer Verlegung einzelner Bureaus nach einer größeren Stadt stehe er nicht im Wege. Nachdem der Revisionsausschuß die Richtigkeit der Bücher der Organisation bestätigt hatte, wurde dem Aktionskomitee schließlich das. Absolutorium erteilt, was vom Kongresse lebhaft applaudiert wurde. Freitag, den 16. August, vormittags, erstattete, von stürmischem Beifall begrüßt, der Vorsitzende der Palästinakommission, der bekannte Berliner Botaniker und Professor an der Universität, Dr. Otto Marburg. Bericht über die Tätigkeit der Palästinakommission. Zwar sei es der Kommission unmöglich gewesen, ihre Aufgabe in dem Umfange dnrchzuführen, wie es ihr Wunsch gewesen sei und wie es im Interesse der zionistischen Bewegung und der Erschließung Palästinas hätte verlangt werden können, mit Rücksicht aber auf. die steigende Anteilnahme nicht, nur der Zionisten, sondern der Juden aller Welt an der Durchdringung Palästinas mit jüdischen Kräften, habe sie es doch unternommen, verschiedene größere Arbeiten in Angriff, zu nehmen, die, wenn sie zu einem guten Ende, geführt werden,, für die Entwicklung des Landes von . größter Bedeutung. werden dürften.,, Nach Anführung der einzelnen Aktionen verlangt der Bericht zum Schluffe eine Neuorganisation der Palästinaarbeit, dadurch, daß innerhalb der Leitung der zionistischen Organisation ein besonderes Palästinaressort gebildet wird. Der überaus instruktive und interessante Bericht wurde vom Kongreß mit jubelndem nicht enden wollenden Beifall ausgenommen. Zur Vereinfachung der Debatte wurde ein großer Palästina-Ausschuß gebildet, der für die am Sonntag beginnende Spezialdebatte die Resolutionen ausarbeiten soll. Der Vorsitzende des Direktoriums des jüdischen Nationalfonds, Herr Dr. Bodenheimer, erstattete hierauf seinen Bericht, in dem er zunächst die Grundlagen der neuen Organisation des jüdischen Nationalfonds auseinandersetzte und die Prinzipien darlegte, nach denen die Verwaltung des Fonds erfolgen wird. Der Fond, der bekanntlich ans kleinen und kleinsten Sammlungen in der ganzen Welt gebildet wird, verfügt zur Zeit über ein Vermögen von zirka eineinviertel Millionen Francs in bar und zirka eine halbe Million Francs in Landbesitz. Freitag nachmittag war für die Beratung des Palästina- Ausschusses reserviert. Sonntag, den 18. August. In der Vormittagssitzung am Sonntag verhandelte mau über die Bankinstitute der zionistischen Bewegung. Der Präsident der jüdischen Kolonialbank, Dr. N. Katz en e lso h n, gab einen kurzen Ueberblick über die Entwicklung dieser Bank und ihres Tochterinstitutes, der Anglo-Palestine-Company in Jaffa, Jerusalem, Beiluth und Hebron. Er betonte die andauernd günstige Entwicklung dieser Institute und ermähnte insbesondere den großen Einfluß, dessen sich die zionistische Bank in Palästina erfreue. Durch Gründung von Darlehensgenossenschaften, durch die Gewährung billiger Kredite an Bau- und Prodnktivgenoffenschaften hat die A. P. C. sehr viel zur Stärkung des jüdischen Elements in Palästina beigetragen und sich daselbst zu einem der ersten jüdischen Faktoren entwickelt. Der Redner besprach sodann die in zionistischen Kreisen viel erörterte Frage der Abänderung der Statuten der jüdischen Kolonialbank. Bei der Gründung der Kolonialbank hat man als ihren eigentlichen Zweck die kolonisatorische Tätigkeit in irgend einem Teile der Erde bestimmt. Dieser Passus hat jedoch von Anfang an Widerspruch in weiteren zionistischen Kreisen hervorgerufen, die als Zweck der jüdischen Kolonialbank lediglich kolonisatorische Tätigkeit in Palästina und Nachbarländern festgesetzt haben wollten. Nachdem von verschiedenen Kongressen entsprechende Resolutionen gefaßt worden waren, hat man im verflossenen Jahre einen' solchen Antrag auf Abänderung der Statuten beim englischen Gericht eingebracht. Dagegen, haben nun die Territorialisten, die bekanntlich im Gegensatz zum Zionismus, der die Schaffung einer jüdischen Heimstätte in Palästina erstrebt, eine Heimat für das jüdische Volk in irgend einem Lande der Welt erlangen wollen, Widerspruch erhoben und in dem eingeleiteten Prozeßverfahren ist die Entscheidung vorläufig vertagt worden. Es entstand jetzt die Frage, ob angesichts dieser Opposition und der großen Kosten, die mit dem eventuellen Verlust dieses Prozesses verbunden sein könnten, die Abänderung noch weiter erstrebt werden soll. Die Frage marin zionistischen Kreisen leidenschaftlich erörtert worden und auch auf dem Kongresse kam es bei der Verhandlung dieser Angelegenheit zu" stürmischen Szenen. Man machte dem Direktor der Bank zum Vorwurfe, daß sie die Aktion nicht mit der erforderlichen Energie unternommen hätten. Nach heftigen Debatten gelangte schließlich ein Antrag zur Annahme, demzufolge der Kongreß dem Aktionskomitee empfiehlt, die Durchführung der Abänderung nach Möglichkeit anzustreben,