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Die Wahrheit · 1907-08-30 · Heft 34 (30.8.1907) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 34 (30.8.1907)
Date
1907-08-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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M. 34. Die Wahrheil Seite 5. Der geniale Leopold Low allein widmete unserem wichtigen Gegenstände eine ausführliche Monographie (Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, 1884, p. 97 ff.)*), in welcher er — mehr durch eine zeitgenössische religiöse Strömung, die in der Vergangenheit einen Rückhalt suchte, als durch streng wissenschaftliche Argumente geleitet — zu dem allerdings sonderbaren Resultate gelangte, die Synagoge sei die Fortsetzung des in Jeremias XXXIX, 8 erwähnten Volkshauses am ma, in welchem die Propheten ihre Ansprachen an das.Volk zu halten pstegten, und könne demgemäß nicht bloß aus einen vorexilischen, sondern sogar vorsalomonischen Ursprung zurückblicken. Versuchen wir zunächst behufs Präzisierung unserer Frage die zwischen dem einstigen „Tempel" und der jetzigen „Synagoge" vorhandenen Differenzpunkte sestzustellen. 1. Unter „Hechal", Tempel, auch „Mikdafch", Heiligtum, verstand man eilizig und allein das in Jerusalem auf dem Berge Moriah sich erhebende Gotteshaus. Dieses wurde als an diesen von Gott selbst erwählten Ort gebunden erachtet (Psalmen 0 XXXII, 14, vgl. Maimonides, Jad Chasakah, Hilchot Bethabchirah 3) und galt — nach der Tradition — mit dem Augenblick seiner Errichtung als die einzig legale Kultstätte für ganz Israel (Sebachim 111b: anb rrn «bi maan nc«3 nbsnmb i«a ’-iivn), so daß der von Onias in der egyptischen Stadt Heliopolis zum Dienste Adonais errichtete Tempel, sowohl eine Weissagung des Propheten Jesaias zu seinen Gunsten zu sprechen schien (Jesaias XIX, 19), mißliebig angesehen und schließlich von hervorragenden Lehrern als ein götzendienerischer erklärt wurde (Menachot 109 a, vgl. Jeruschalmi Sanhedrin I, 1). 2. Die Bauart des Tempels und die Aufstellung der wichtigsten Tempelgeräte waren an feststehende Normen gebunden (vgl. Middot II. und Maimonides 1. c.), 3. Für den Tempeldienst war nur der Stamm Levi bestimmt und jedes unbefugte Eingreifen eines Laien war mit der Todesstrafe bedroht (Numeri 1, 51; Sabbat 31a: a-ipn *u-n btriV' -jbö *rn bl? ib^s« mb “iö«3 bi? m iopa rrb ia« iran). 4. Den Mittelpunkt und den Hauptbestandteil des Gottesdienstes im Tempel bildeten bekanntlich nur die Opfer in ihren verschiedenen Arten. 5. Die Hoffnung auf die Wiederherstellung dieses verschwundenen Tempels auf dem Berge Moriah ist mit der Messiasidee aufs innigste verknüpft und kommt in den täglichen Gebeten (Schemone Esreh, Tischgebet) sowie in den für die Festtage bestimmten mannigfach zum Ausdrucke. Alle diese fünf Momente: das lokale, normative, hierarchische, sakrifikale und eschatologische fehlen bei der Synagoge! 1. Weder bezüglich des Ortes, noch der Zahl unterliegt die Synagoge irgend einer Beschränkung. 2. Die Bauordnung der Synagoge ist im Gegensätze zum Tempel gleichfalls dem freien Ermessen überlassen; es wird bloß der Wunsch geäußert, daß die Synagoge auf einer Anhöhe errichtet werde, um alle Baulichkeiten des Ortes zu überragen (Tosefta Megillah III., editio Zuckermandel, p. 227); ein Desiderium, das bekanntlich selten erfüllt werden kann; außerdem gilt als Grundsatz, daß in der Synagoge das Gebet ostwärts zu erfolgen habe (Berachot 30 a). 3. Der Gottesdienst der Synagoge wird — außer Birchat Kohanim — von jedem Laien versehen und 4. besteht bekanntlich nur aus Gebeten und dem Thoravorlefen. 5. Irgend eine eschatologische Anschauung ist mit der Synagoge nicht verknüpft. Alle diese fünf Differenzpunkte, wie wir sie als zwischen „Tempel" und „Synagoge" bestehend, festgestellt haben, lassen sich aber auf einen einzigen, auf den Kardinalpunkt des Opfers zurückführen. Denn einzig und allein von dem Opfer, das nur auf dem bon Gott gewählten Orte (Tempelberg) dargebracht werden durfte (Deuteronomium XU., 13, 14)**), waren die anderen *) In L. Löws gesammelten Schriften, Bd. 17.. p. 1—71. **) Selbst Elias' Opserdarbringung auf dem Karmel wird vom Talmud (Jebamot 90 d) als gesetzwidrig bezeichnet und mit der temporären Notwendigkeit entschuldigt, mina» rnxö baa nnx bl? mal? ib 1V1« ib'L« ,il?V »ab ban ba-ian nna lrrbx i»a. Momente, so namentlich auch das des Priestertums abhängig so daß mit dem durch die Tempelzerstörung bewirkten Ausschalten des Opfers auch die Begleitumstände desselben in Wegfall kommen mußten. Die Frage nach dem Ursprünge der Synagoge hat demgemäß präziser zu lauten: Wann, wo und wie ist die opferlose Kultstätte des Judentums entstanden? Ans Ungarn. In meinem vorwöchentlichen Bericht über die Geburtstagfeier des Königs erwähnte ich, daß Oberrabbiner königl. Rar Dr. Samuel Ko hn an dem vom ungarischen Ministerpräsidenten gegebenen offiziellen Galadiner teilgenommen hat. Das war jedoch nicht der Fall. Meine Profetie hat sich nicht bewährt und auch die Logik hielt diesmal nicht Stand. Es ist usuell, daß die Spitzen der Seelsorge aller Konfessionen zum Galadiner, das zu Ehren des Königs gegeben wird, ex offo eingeladen werden, und Dr. Kohn hat schon seit Jahrzehnten an des Königs Geburtstag an solchen Galadiners an der Seite feiner andersgläubigen Amtskollegen platzgenommen. Heuer waren erschienen der serbische Bischof B o g d a n o v i t s, der evangelische Bischof Scholz, die katholischen Geistlichen: Prälat Nemes, die Aeble Kanter und Melles und Dechant Bogrevits, endlich der Ofner reform. Seelsorger Hajpal und der unitarische Prediger Jozan. Dr. Kohn fehlte, warum? Abgesehen davon, daß Dr. Kohn schon mehr als vierzig Jahre sein geistliches Amt in patriotischer Weise bekleidet und keiner der Genannten auf eine solange Tätigkeit hinzuweisen vermag, ist Dr. Kohn der erste, welcher den Juden der ungarischen Hauptstadt das Wort unseres Gottes in hochvollendeter Landessprache verkündete, ist er der erste, welcher die in der vaterländischen Sprache gehaltenen Reden durch den Druck veröffentlichte und so dieselben jedermann zugänglich gemacht hat. Aber auch die ungarische Literatur hat er bereichert und sich um dieselbe sehr verdient gemacht. Wir verweisen bloß auf sein berühmtes Werk: „A Szombatosak", das auch in deutscher Sprache unter dem Titel: „Die Sabbatarier" durch aller Herren Länder gewandert ist. Auch des Königs Majestät hat die Verdienste Dr. Kohns gewürdigt, indem Allerhöchstderselbe ihn erst vor kurzem den königl. Ratstitel verliehen hatte. Und doch? . . . Ich frage zum zweiten Male, warum? Das ..Neue Pester Journal" soll die Antwort darauf erteilen. Dieses Blatt schreibt: „Das Diner des Ministerpräsidenten. Wie alljährlich» gab der Ministerpräsident auch diesmal am Geburtstage des Königs ein Festviner, zu dem die Spitzen der Behörden, der kulturellen Institutionen, die Vertreter der einzelnen Konfessionen rc. geladen waren. Die Liste der Geladenen pflegt so ziemlich dieselbe zu sein, dag heißt die Funktionäre und Dignitäre sind dieselben, die Namen wechseln, wie ja auch derjenige des Festgebers nicht immer der nämliche ist. Allgemein ist nur ausgefallen, daß in der heurigen Liste der Geladenen zwei Funktionäre samt den dazugehörigen Namen fehlten: Der Präsident des Journalistenvereines Franz Herczeg und der Pester Oberrabbiner Dr. Samuel Kohn. Wir unsererseits legen der Sache keine Bedeutung bei und wir hätten der Unterlassung, obgleich sie symptomatisch genug ist, keine Erwähnung getan. Aber es ist uns in dieser Angelegenheit eine Reihe von mehr-nlinder entrüsteten Schreiben zugekommen, und schon aus Höflichkeit müssen wir von diesen Notiz nehmen. Eine Absichtlichkeit seitens des Herrn W e k e r l e, dieses unentwegten Vorkämpfers des Liberalismus, ist nicht anzunehmen: minima non curat praetor — er hat keine Zeit sich mit solchen Kleinigkeiten, wie es die Zusammenstellung einer Liste der zu Ladenden ist, abzugeben. Diese sicherlich mühevolle „Arbeit" scheint abwechselnd immer von einem anderen Ministerium besorgt zu werden, und heuer mag wohl die Reihe am Ministerium a latere gewesen sein . . ." Noch erlaube ich mir die Bemerkung, daß Pest allein — ich meine bloß die hauptstädtischen Bezirke IV bis IX — mehr Juden hat, als es in ganz Ungarn Unitarier gibt. * * * Am letzten Sonntag tagte die XXXIV. Wanderversammlung der ungarischen Aerzte und Naturforscher in Pozfony, der alten Krönungsstadt Ungarns. Sie wurde im Spiegelfaale des Primatialpalais vom ung. Kultus- und Unterrichtsminister Grafen Albert A p p o n y i feierlichst eröffnet. Allen bei der Eröffnungsfeier Anwesenden wird der Genuß unvergeßlich bleiben, den ihnen die besten Redner Ungarns: Graf A P P o n y i und Universitätsdozent Dr. Max Schächter durch ihre brillante

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