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Die Wahrheit · 1907-08-30 · Heft 34 (30.8.1907) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 34 (30.8.1907)
Date
1907-08-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Die Wahrheit Nr. 34. zu ungeahntem Erfolge gelaugt. Nehmen wir unsere hervorragendsten Staatsbeamten, und Sie weiden sehen, daß vom Minister des Aeußern, des Krieges, Ministerpräsidenten rc. bis zu dem Heere von Offizieren und Beamten Leute sind, die entweder noch selbst Juden sind oder deren Eltern es waren. Die Assimilation ist also ein ebenso rascher als erfolgreicher Prozeß. Auf die Zwischenrufe: „Die sind aber alle getauft! antwortete Gras Sternberg: „Ja, meine Herren, ich habe sie daran nicht hindern können! Die Antwort war schlagfertig, aber Graf Sternberg, der sich so oft seines guten Christentums rühmt, sollte sich doch fragen, ob die Juden mit einer Lösung der Judenfrage sich befreunden können, die eine — Auflösung bedeutet. Nicht viel mehr Hosinuug dürfen sich die Juden machen, daß das Rezept, das Graf Sternberg ihnen verschreibt, helfen könnte, „die Juden", sagte er. „müssen national und konservativ werden und immer im Auge behalten, daß sie ausschließlich Mittelstand bedeuten und Mittelstandspolitik, die ich predige, betreiben müssen. Wenn sie diese Politik treiben werden, wird im Lause von wenigen Jahren der Antisemitismus in das Reich der Fabel versetzt sein." Graf Sternberg vergißt wohl, daß es sehr viele gibt, die den Juden noch mehr verübeln würden, wenn sie „national" und „konservativ" würden und „ausschließlich" Mittelstandpolitik trieben. Warum verlangt Graf Sternberg nicht von allen Christen, daß sie einer politischen > Richtung huldigen? > * *! *! Von mehreren Seiten wird uns folgender Ausschnitt aus i dem Antisemilen-Moniteur zugeschickt: - Eine jüdische Stimme über d e n jüdischen Raubi m ö r d e r H e r tz k a.! (Hertzka soll gehängt werden.) j Die in Prag erscheinende „Erste Prager Lokalkorresponj denz", die von Simon Pollak herausgegeben und redigiert wird, veröffentlicht in ihrer letzten Nummer unter dem Titel „Ein Verbrecherrekord", einen sehr bemerkenswerten Artikel, der um so lesenswerter erscheint, als Simon Pollak selbst Jude ist und häufig energische Schnitte an den Eiterbeulen vornimmt, die am Körper des Judentums auftauchen und die Gesellschaft zu infizieren drohen. Der Schluß dieses Artikels ist so interessant, daß wir nicht umhin können, ihn hier wortwörtlich wiederzugeben: „Wir teilen durchaus die Ansicht der Wiener pseudojüdischen Blätter nicht, daß Herzka der Verführte ist! Für uns ist es ganz klar, daß der Geriebenere und Verkommenere, das ist Hertzka, den christlichen Komplizen verleitet hat. Der Raubmordversuch des Hertzka ist eine neue Etappe aus dem fortschreitend abschüssigen Wege, den unser modernes! Pseudojudentum nimmt. An Perversität in sexueller Beziehung leistet heute das Pseudojudentum das Unglaublichste. Ju allen anderen Kategorien des Verbrechens wandelt es, was Raffinement anbelangt, geradezu an der Spitze. Man denke nur an das gewaltige Gebiet der Verfälschung und Disqualifikation im Warenverkehre. Man erinnere sich ferner an den erst kürzlich in Wien! stattgehabten Prozeß der Notenfälscherbaude, die ihre Verbrechen! in wahrhaft erschreckender Weise geübt. Man denke ferner | an den allerutchtswürdigen Handel, den ein Teil des glaubenslosen Judentums mit wahrhaft zynischer Kaltblütigkeit treibt, wir meinen den Handel mit jüdischem und christlichem Menschensleisch und man wird sich sagen müssen, diesen Dingen ist nur mit der furchtbarsten Strenge und rücksichtslosesten Anwendung des Gesetzes, des bürgerlichen, nachdem Pseudojuda das Göttliche verlassen hat, beizukommeu. Wenn heute die pseudojüdische, bestechliche Wiener Presse, kaum daß der Täter sichergestellt ist, ihn schon zu einem ..Wahnsinnigen" stempeln will, so wird es die Aufgabe der Justiz in Oesterreich sein, dem Pseudojudenuime ein unverwischliches Brandmal aufzudrücken, indem es den verwegenen, mit allem Raffinement handelnden Verbrecher — dem Scharfrichter überliefert. Zu dem ersten Antomilraubmörder ..jüdischer" Konfession muß sich der erste pseudojüdische Justisizierte hinzugesellen! Da darf es keinen Pardon imd keine Gnade geben." An dieses Zitat knüpft das Antisemitenblatt folgende Bemerkungen : „So weit Simon Pollak. Wir würden seine Worte vollinhaltlich unterschreiben, nur das wiederholt angeweudete Wort „Pseudo"-Judentum erscheint uns weniger stichhältig, denn unserer Erfahrung nach ist das gesamte Judentum solidarisch und wenn es darmiter auch weiße Raben gibt, so bestätigen diese Ausnahmen doch nur die Regel." Man braucht wohl keinem vernünftigen Inden zu sagen, daß die Ausführungen des „Juden Simon Pollak" wenn nichts anderes, so doch mindestens pathologisch sind. Das hindert natürlich die Annsemitenblätler nicht Kapital daraus zu schlagen. Was bei den Juden Wahnsinn, das ist bei den Antisemiten — Methode. _ Der Ursprung der Synagoge und ihre allmähliche Entwicklung.) Unter obigem Titel erscheint dieser Tage eine überaus interessante Abhandlung des Herrn Rabbiners Dr. M. Rosenmann-Wien und durch die Freundlichkeit des Autors und Verlegers sind wir in der angenehmen Lage, noch vor dem Erscheinen das einleitende Kapitel dieser Studie wiederzugeben : Die Frage nach Zeit, Ort und Art der Entstehung der Synagoge, ohne welche Kultställe das jetzige Judentum undenkbar wäre, ist merkwürdigerweise bisher trotz ihrer hohen Bedeutung verhältnismäßig selten aufgeworfen und auch da zumeist nur flüchtig und nicht erschöpsettd genug erörtert worden. Zunz.**) der bahnbrechende Forscher auf dem Gebiete der synagogalen Poesie, hat dem Ursprünge der Synagoge selbst nur geringe Aufmerksamkeit zugewendet und ihn — ohne nähere Begründung — in das seleuzidische Zeitalter, also etwa 200 v. d. chr. Zeit verwiesen (Gottesdienstliche Vorträge, 1. Aufl., p. 2). Jost glaubt, daß „das Synagogenwesen von den auswärtigen Inden ausgegaugen sei", erklärt aber, dies nicht genau ermitteln zu können (Geschichte des isr. Volkes, I., p. 450 und Geschichte des Judentums und seiner Sekten, I., p. 23). Herzfeld, der sich etwas eingehender mit der Materie befaßt (Geschichte Israels, I., p. 25), sowie Graetz (Geschichte der Israeliten, 2., II., letzte Aufl., p. 20), ferner Humburge r (Realencyclopädie des Judentums, II., vox Synagoge) und Strack (Hauck Herzogs Realencyclopädie für protestantische Theologie und Kirche, II. Ausl., vox Synagoge) begnügen sich mir der Vermutung, daß das babylonische Exil Geburtsstätte und Geburtsort der Synagoge gewesen sei. In gleicher Weise und gleichem Sinne äußert sich Bacher (Königsbergers Jeschurun, 1903, p. 400): „Die Anfänge der Synagoge als Institution des Judentums sind in vollständiges Dunkel gehüllt" — „Aller Wahrscheinlichkeit nach sind die Keime der nachmaligen Institution der Synagoge im babylonischen Exil zu suchen."***) .hl en an schwankt zwischen letzter Annahme (Historie du peuple d’Israel, III., t. VI., e. 2) und der Hypothese, die Synagoge sei in den hellenistischen Städten nach dem Vorbilde der griechischen Eranen und Thiaseu entstanden. (Das IV. t. VIII. e. 3). S ch ü r e r (Geschichte des jüdischen Volkes zur Zeit Jesu Christi, II. B., 3. Aufl., p. 429) meint mit W e l l h a u s en (Isr. und jüdische Geschichte, 1894, p. 107), „man dürfe die Entstehung der Synagoge vielleicht in die Zeit Esras oder in die des Exils verlegen." Stade (Geschichte des Volkes Israel) nimmt zur Frage überhaupt keine Stellung. *) Eine historisch-kritische Studie von Dr. M. Rose n in a n n, Rabbiner und Prediger der israelitischen Knltusgeineinde in Wien. Berlag M e y e r L M K l l e r, Berlin NW. 7, Prinz Louis Ferdinaudstraße 2,1907. Zu beziehe» durch die Buchhandlung R. L ö w i t, Wien, I., Rotheurhurlnstraße 22. **J Die vorangehende spärliche Literatur über unseren Gegenstand ist bei L. L ö w in der Mouatichrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, 1884, p. 97 ff. zu finden. ***) Ebenso in Singers Jewish Eneyclopedia, vox Synagogue; „The synagogue as a permanent Institution originated probably in the period of the Babylonian captivity.“

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