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Die Wahrheit · 1907-08-16 · Heft 32 (16.8.1907) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 32 (16.8.1907)
Date
1907-08-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 32. Uom Zionistcnkougrrst im Haag. Sgravenhage, den 7. August 1907. Der Ziouistenikongreß, der am nächsten Mittwoch im Gebouw voor Künsten en Wetenschappen eröffnet wird, hat bereits eine große Zahl von Zionisten hierher geführt. Die Beteiligung durfte diesmal eine außerordentlich starke fein. Man rechnet auf 400 Delegierte und mehr als 1000 Plätze auf den Tribünen sind bereits bestellt worden. Abgesehen von den eigentlichen Kongreßdelegierten, kommen noch viele Zionisten als Delegierte zu den Vorkonferenzen der einzelnen Landsmannschaften, die mehrere Tage vor dem Kongresse abgehalten werden. So wird am Freitag eine Konferenz der russischen Zionisten beginnen, die bis zur Kongreßeröffnung dauern soll und an der etwa 300 Delegierte teilnehmen werden, um die speziell Rußland betreffenden zionistischen Fragen zu erörtern. Die deutsche Landsmannschaft, mit ungefähr 70 bis 80 Mitgliedern wird am Montag tagen. Einige Referate für den Kongreß werden schon jetzt angekündigt. Besonders interessant dürfte eine Eröffnungsrede Max Nord aus sein, der bekanntlich in der zionistischen Bewegung eine hervorragende Rolle spielt. Der bekannte Botaniker Professor Otto W a r bürg wird über praktische zionistische Unternehmungen in Palästina sprechen. Das Referat über eines der brennendsten jüdischen Probleme, die Auswanderung, wurde Dr. Georg Holpern übertragen. Ueber die nationale Erziehung der Juden wird der -Großrabbiner von Bulgarien, Dr. Ehrenpreis, sprechen. Neben diesen ist noch eine Anzahl anderer Referate vorgesehen. Für die Beratungen des Kongresses ist eine ganze Woche in Aussicht genommen. Eine interessante Konferenz über eine spezielle Materie wird gleichfalls noch vor dem Kongreß statlfinden: Die des hebräischen Sprachvereines ..Jvriah", dessen Zweck es ist, die hebräische Sprache als moderne Verkehrs- und Literaturfprache unter den Juden zu verbreiten und zu fördern. Verschiedene Nachrichten. Wien. Anläßlich des Allerhöchsten Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers finden Sonntag, den 18. August d. I., in den Gemeindebethäusern der isr. Kultusgemeinde Wien feierliche Gottesdienste statt, und zwar: im Stadttempel, I., Seitensterten gaffe 4, um 3/410 Uhr vormittags; im Leopoldstädtertempel, II., Tempelgasse 3, um 10 Uhr vormittags; im Ottakringertempel, XVI., Hubergafie 8, um V* 10 Uhr vormittags; im Fünfhausertempel, XV., Turnergasse 22, im Währingertempel, XVIII., Schopenhauerstraße 39. und im Floridsdorfertempel, XXI., Schindlergaffe 4, um 7 Uhr früh. Wie«. (Isr. S y n a g o g en v e rein „B eth Isra el", II., Leopoldsgaffe 29.) Anläßlich des Allerhöchsten Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers findet Sonntag, den 18. August l. I., um ^9 Uhr vormittags, in der Synagoge ein feierlicher Gottesdienst statt. Wien. Die Rabbinerfrage, die die Judenschaft des XX Gemeindebezirkes (Brigittenau) so lange Zeit in Spannung hielt, ist durch den bereits bekannten Beschluß des Kultusvorstandes nunmehr zu befriedigender Lösung gelangt, indem Herr Rabbiner Dr. Armin A b e l e s vom Weißgerbertempel im HI. Bezirke auch für die Seelsorge in der Brigittenau bestellt wurde. Freitag, den 2. d. M., hielt Dr. A b e l e s im Tempel in der Kluckygaffe seine Antrittsrede vor einem zahlreichen Auditorium, das den Ausführungen des neuen Seelsorgers mit gespannter und allgemein bestiedigter Erwartung folgte. Oberkantor B a s s e r bot im liturgischen Teil des Gottesdienstes sein Bestes, um die Weihe der Rabbiner-Installation zu erhöhen. Wien. (Jüdischer Verein „Einheit".) Dieser Verein, unter dem Präsidium der Herren S. M e i s e l s, B. Hofbauer und M. Fe Isenburg, hat nur der Gründung einer Volksrestauration, die nun bald ein Jahr besteht, einen glücklichen Wurf getan. Nahezu 100.000 Mahlzeiten von vorzüglichster Qualität wurden zu einem Preise, der auch für die kleinsten Börsen erreichbar ist (36 Heller Mittagmahl, 28 Heller Abendbrot), verabreicht und boten all jenen, die die bestehenden Etablissements nicht aufiuchen können oder wollen, Erquickung. Einen Beweis der tüchtigen Leitung lieferte der Verein in den jüngsten Tagen. Gelegentlich des hiesigen Aufenthaltes der rumänischen Emigranten betraute die „Oesterr.-israel. Allianz" den Verein mit der Verköstigung von 145 Personen. Obwohl dieser Auftrag erst Donnerstag Nachnrittag eintraf, fand die Ausspeisung Freitag Mittag, Freitag Abend und Sabbath Mittag statt, zur vollsten Zufriedenheit der Auftraggeber und der Armen, die ihre Heimat verlaßen mußten. Unsere Hausfrauen werden beurteilen können, welche Musterleistung dies seitens der Küchenverwalterin Frau K a m m bedeutet. Die Erhaltung dieses Institutes erfordert bedeutende Mittel und lenken wir die Aufmerksamkeit unserer-wohltätigen Glaubensgenossen auf dieses eminent nützliche Werk. Die Restauration befindet sich im Zentrum des Judenviertels: II., Floßgasse 7. Zuschriften, den Verein betreffend'' werden an Herrn Bernhard Hofbäuer, I., Tuchlauben 22, erbeten. Wien. Das neue, würdig ausgestattete Betlokal in der Karajangaffe (XX. Bezirk), das besonders durch den prachtvollen von Herrn Führer, gewidmeten Oraun hakodesch geziert wird, wurde am vorigen Sabbath seiner Bestimmung übergeben und zugleich trat auch Kantor P i n k a s s o w i ts ch seine gottesdienstlichen Funktionen an, für die er allseitige Anerkennung erntete. Die offizielle Einweihung des Bethauses fandaber erst am Sonntag-Abend bei >ehr zahlreicher Beteiligung seitens der Mitglieder und Gönner dieses humanitär-religiösen Vereines statt, nur war bedauerlicherweise Herr Rabbiner Dr. Bach durch Unwohlsein verhindert,, dem solennen Akte die rechte Weihe zu geben, und so mußte Religionslehrer L ö w - V o g l in letzter Stunde für ihn eintreten. In seiner schwungvollen Begrüßungsansprache hieß Herr Obmann Heinrich G a s s n e r sämtliche Festgäste herzlichst willkommen, besonders begrüßte er die einzelnen Deputationen und Vertreter der verschiedenen Vereine, so den Kultusvorsteher Herrn Ad. Schrämet, Obmann des Bethauses „Am Volkert" und dessen Mitvorsteher Wilhelm Ban dl er, ferner die Vertretung des Brigittenauer Tempels, die Herren Jakob K o h n. Dr. Roth, Jakob' G o l d n e r, P r e ß b u r g e r, ebenso den Obmann des Vereines „Tomech- Ewjonim", Herrn Polizeileiter T a u b e r, Oberkantor M. S chorr, die Vorstände der Bethausvereine „Mechisch-Jeschua", „Mikdasch-Meat" und der Rembrandt-Synagoge rc. Zunächst sprach er dem himmlischen Vater Dank und Preis aus für seinen Schutz und Beistand, dann dankte er allen, die zum Gelingen des guten Werkes beigetragen hatten, so dem verehrlichen Baukomitee und dem eifrigen Förderer des Ganzen, Herrn Jur.-Dr. Ernst Müller, wie auch der wohlwollenden Teilnahme der Bezirkskommissionen des II. und XX. Bezirkes, zumeist aber der Mnnifizenz. der löblichen isr. Kultusgemeinderepräsenranz und schließlich Herrn Oberkantor B a s s e r für die gütige Mitwirkung bei dem weihevollen Festakte. Nachdem letzterer den Psalm 30 mit dem gesamten Tempelchore vorgetragen hatte, wurde das Xer-Iouiiä durch den Festredner feierlichst entzündet. An die Festrede schloß sich die eindrucksvolle Rezitation des Kaisergebetes in würdiger Weise und mit Absingung der Bolkshymne endete diese schöne, erhebende Feier. Wien. (Kaiser F r a n I o s e f s - F e r i e n h e i m.) In den letzten Tagen fand der zweite Serienwechsel der Kolonien Tischnowitz, Petrau und Jodbad Darkau statt. Die heimgekehrien Kolonisten wiesen glänzende Erholungserfolge auf, die auch in bedeutenden Gewichtszunahmen Ausdruck fanden. Die Zahl der diesjährigen Schützlinge des Vereines beläuft sich auf nahezu 600. Während seines nun 15jährigen Bestandes hat das „Kaiser Franz Josefs-Ferienheim" insgesamt 6670 Kinder in Heilbäder, Kurorte und Ferienkolonien entsendet. Der Sitz des Vereines' befindet sich: IX., Türkenstraße 17. Wien. Herr Abraham Broch, der Evidenzhaltungsdirektor und Vorstand des Tnangulierungs- und Kalkulbnreaux im Finanzministerium, wurde schon vor acht Jahren zum Hofrat ernannt und erhielt den Orden der eisernen Krone. Jetzt, aus Anlaß der von ihm erbetenen Uebernahme in den dauernden Rnyestand, erhielt er vom Kaiser das Komthurkreuz des Franz Josefs-Ordens, die höchste Auszeichnung, die einem Zivilisten zuteil wird. Herr Hofrat Abraham Broch steht seit 40 Jahren im Staatsdienste, hat .von der Pike auf gedient und durch sein ruhmvolles Wirken sich bis zur höchsten Stelle aufgeschwungen. Er ist ein bescheidener, edler Mensch, voll Güte und Wohlwollen, und bei allen Anlässen wohltätig. Er ist ein geborener Proßnitzer und Präsident des Vereines der Proßnitzer, und hat viel Gutes für seine Landsleute erwirkt. Er hält treu zum jüdischen Glauben in allen Lagen seines Lebens. Zum Beweise diene, daß er seinen alttestamentarischen Namen beibehalten hat (Abraham). Wien. Der k. k. Gerichtsadjnnkt Herr Dr. Bettelheim, Sohn des Herrn Gottlieb Bettelheim, Präsidenten des Bethausvereines im IX. Bezirk, wurde zum k. k. Gerichtssekretär befördert. . Wien. Der Männergesaugverein „Liederkranz" (London) hat den Vorstand des Wiener kaufmännischen Gesangvereines. Herrn kaiserl. Rat Wilhelm P o l l a k, zum Ehrenmitglied ernannt. Wien. Sonntag, den 18. August, findet im Tempel zu Ung.-Brod (Mähren) die Trauung des Herrn Leopold Schäfer, Oberoffizial der Wiener Kultusgemeinde, mit Fräulein Irma I e l l i n e k statt. Klattan. Die israelitische, mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehene hiesige Volksschule wurde im verstoffenen Schuljahre von 70 Zöglingen besucht. An der Anstalt wirkten fünf Lehrkräfte, und zwar die Herren A. Baum, M. Berka. Dr. S. Bret, N. Grünwald, und die Jndustriallehrerin Frl. F. Popper. Die Lehrmittelsammlung und die Schülerbibliothek wurden auch im heurigen Jahre bedeutend vermehrt. Das nächste Schuljahr beginnt am 2. September. Während desselben wird Herr Berka als Klassenlehrer in der Unter-, Herr Baum als solcher in der Oberklasse fungieren. Für die Unterbringung von Kostzöglingen wird bestens Sorge getragen. Inspiziert wurde die Anstalt im verflossenen Schuljahre von dem k. k. Bezirksschulinspektor Professor H. Marek, von dem Kultusvorsteher JUDr. I. Fleischer und von dem Ortsschulaufseher JUDr. I. Steiner. Die Resultate der Inspektion waren durchwegs sehr günstig. Tyrnau. Der hiesige Oberkantor Herr Abraham K a tz wurde im Laufe des Sommers zum Oberkantor nach Amsterdam berufen. — Auf dessen Stelle wurde pro 1. August l. I. Herr Osias K o p stück, ein Schüler des berühmten Kantors Birnbaum in Czenstochau, zum Oberkantor gewählt und hat sich derselbe bereits durch seinen Vortrag die Spmpathien der Gemeinde erworben. Szenicz. Noch sind wir tief erschüttert von dem Ableben des verdienstvollen Mitgliedes unserer Gemeinde, des Herrn Lazar Mayer und

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