Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 30 (2.8.1907)
- Date
- 1907-08-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Leite 8. Die Wahrheit Nr. 30. seine Herkunst und Abstammung nicht nur nicht verleugnete, sondern sich vielmehr stolz einen Bekenner des Judentums nannte. Die Folge war: daß Amalek wieder kam und alle Hebel in Bewegung setzte, um das Judentum mit Stumpf und Stiel auszurotten. _ (Fortsetzung folgt.) Die „echten Russen" und das Indengeld. Der „Rufs. Korr", wird aus Petersburg geschrieben: Die reaktionäre Presse hat jetzt init einer rührenden Einstimmigkeit den Feldzug gegen Frankreich begonnen. Nach den Worten dieser Zeirungen befindet sich Frankreich am Vorabend eines großen Kraches. „Swet" schreibt: „Ja, für Frankreich gibt es fast keine Hoffnungen und keine anderen Anzeichen als beunruhigende". Die „Nowoje Wremja" selbst, welche ehemals ihren ganzen Vorrat an Schmeicheleien und Lobhudeleien Frankreich gegenüber ausleerte, fordert für deu Verbündeten eine eigentümliche Strafe. Sie schlägt vor, Rußland möge doch all das geborgte „Geld" sofort Frankreich zurückerstatten. (Wer lacht da?) Warum ist Frankreich plötzlich in eine solche Ungnade gefallen? Aus zwei Gründen: Erstens, weil es ohne Sanktion der Duma kein „Geld" mehr geben will, und zweitens, weil es, gestützt auf die bisherigen freundschaftliche» Beziehungen, sich erlaubte, für die inneren Angelegenheiten Rußland Ratschläge zu geben und für die Idee einer Volksvertretung sich ausgesprochen hat. Dieses Verbrechen ist so groß, daß Frankreich natürlich eine gehörige Lektion bekommen muß. Und die echt russischen Leute haben daher den Feldzug begonnen. „Frankreich ist mit der unheilbaren Seuche des Sozialismus behaftet", ergo: „solch ein Verbündeter ist für das fromme, selbstherrliche Rußland von großer Gefahr!" — Das ist vollkommen einleuchtend. Bleibt nur die Frage offen, wie die Herren Patrioten die ungeheure ruffische Schuld an Frankreich zu tilgen gedenken? Da erscheint der Jude wieder als Erlöser und Retter in der bitteren „Geldnot". — Die fanatische „Rußkoje Snamja" hat jetzt den Weg des Opportunismus beschritten. Nicht umsonst ist sie ein offizielles Organ geworden. Der ausländische Jude läßt sich doch nichtübergehen, denn „Geld" ist ja bitter nötig. Und die „Rußkoje Snamja", welche fortwährend behauptet, daß die Juden Verräter, Christen- und Zarenmörder sind, erklärt heute in gerührtem Tone, daß der beste ausländische Jude — der Berliner Mendelssohn sei; er sei eigentlich auch gar kein Jude und könne gar „nach den Statuten als Mitglied des Verbandes ausgenommen werden, nach welchen Juden unter keiner Bedingung ausgenommen werden dürfen." — „Ist es denn nicht ganz gleich, werden die patriotischen Söhne Rußlands sagen, ob man bei den Pariser, Londoner oder Berliner Juden nehmen will? Aber wir antworten unseren Lesern: nein, es ist nicht ganz gleich! Wenn es schon dazu gekommen ist, daß unser unglückliches Vaterland ausländische Anleihen schließen muß, dann ist es beffer in Berlin, als in Paris und London." — Es handelt sich darum, daß Mendelssohn überhaupt nicht das ist, was Rothschild ist: „Mendelssohn ist überhaupt kein Jude! Das gegenwärtige Haupt des berühmten Bankhauses in Berlin ist ein Urenkel des genialen Komponisten Felix Mendelssohn-Bartoldy, der bekanntlich aus Ueberzeugung und nicht aus persönlichen Rücksichten das Christentum angenommen hat. Sogar Wagner mußte sich vor dem hohen Geiste von Mendelssohn beugen. Aber nicht nur der Komponist Mendelssohn, sondern auch sein „Onkel" (!) Moses Mendelssohn erfreuten sich allgemeinen Ansehens. Und endlich: Der Berliner Geldmarkt wird an uns ungeachtet des Vorherrschen« von Juden weniger Forderungen stellen, als Paris und hauptsächlich die radikale französische Preffe." Uerfchiedenc Nachrichten. Wien. Der Präsident der Wiener israel. Kultusgemeinde, Dr. Alfred Stern, beging am 31. Juli d. I., das seltene Jubiläum seines 50jährigen Doktorjubiläums. Die zahlreichen Freunde des Dr. Alfred Stern haben aus diesem Anlaffe dem Jubilar ihre Gratulationen übermittelt. Eine besondere Ehrung wurde dem Jubilar dadurch bereitet, daß das Profefforenkollegium der staats- und rechtswiffenschastlichen Fakultät der Wiener Universität den Beschluß gefaßt hat. Dr. Alfred Stern mit Rücksicht auf seine vielen Verdienste das Doktordiplom zu erneuern. Das künstlerisch ausgestattete, in eiuer schönen Enveloppe ruhende Ehrendiplom wurde mit einem Glückwunschschreiben des Rektors Profeffor Dr. Meyer-Lübke und des Dekans Hofrates Professor Dr. Bernatzik an den in Baden bei Wien sich aufhaltenden Jubilar abgesandt. Für den Vorstand der israel. Kultusgemeinde gratulierten Landesschulrat Dr. Gustav K o h n und Oberfinanzrat Dr. Benjamin R a p p a p o r t, für das Rabbinatskollegium Oberrabbiner Dr. Moritz Güdemann und Dr. S ch m i e d l, für den Beamtenkörper kaiserlicher Rat Dr. Theodor Lieben, sowie eiue große Anzahl von Kultusgemeinden aus dem ganzen Reiche und viele Wohltätigkeitsanstalten, Namens des Journalisten- und Schriftstellervereines „Concordia" deffen langjähriges Mitglied Dr. Stern ist, depeschierte der Präsident Edgar v. S p i e g l. Ferner liefen zahlreiche Gratulationen aus politischen, Künstler-, Schriftsteller- und dramatischen Kreisen ein. Weiters gratulierten die Universitätsprofefforen Hofrat Dr. O s e r, Dr. P o l l a k, die Bauräte Stiaßny und Marmorek. Biele Gratulationen kamen auch aus den Kreisen der Advokaten und politischen Parteifreunde Sterns, welche das Wirken des Jubilars im Gemeinderate und als Kämpfer für Wahrheit und Recht hervorhoben und ihn als Helfer der Unterdrückten und Förderer aller humanitären Bestrebungen feierten. Auch aus der Geschäftswelt liefen zahlreiche Gratnlationen ein. unter anderen von. den kaiserlichen Räten Weil, Sachs und Sauberg. Wien Herr Dr. Arnold Frankfurter, Prediger des XIII. Bezirkes (Hietzing), wurde vom Vorstande des Tempelvereines des XIX. Bezirkes (Döbling) zum Prediger für den XIX. Bezirk gewählt. Wien. Der ehemalige Präsident der Floridsdorfer Kultusgemeinde. Herr ruack. Dr. I. König, derzeit Vorstandsmitglied der Wiener Kultusgemeinde, feierte am 27. Juli mit seiner Gattin Julie geborenen Reiß, in Siffek, dem Heimatsorte der letzteren, das Fest der silbernen Hochzeit. Wien. (M in ist e rp r ä s i d en t Fr e i h e r r v. B e ck und die Jude n.) Der Obmann des jüdischen Klubs im Abgeordnetenhause. Reichsrats-Abgeordneter Dr. S t r a u ch e r, hatte im Ministerzimmer des Abgeordnetenhauses eine Konferenz mit dem Ministerpräsidenten Baron Beck, welcher den Wunsch ausgesprochen hatte, mit dem jüdischen Klub, „trotz seiner numerischen Schwäche", in Fühlung zu treten und sich über seine Tendenzen zu orientieren. Dr. Srraucher erklärte, daß der Klub aus die vom Ministerpräsidenten angekündigte Politik der uneingeschränkten Rechtsgleichheit' besonderes Gewicht lege und in erster Linie die vollkommene Gleichberechtigung und Anerkennung staatsbürgerlicher Gleichwertigkeit der Juden fordere. Der jüdische Klub werde gegen Prätericrungen und Zurücksetzungen jüdischer Stellenbewerber im Staatsdienste, sowie gegen alle Verunglimpfungen der Juden energisch Front machen. Die Juden haben sich in den letzten Jahren ans ihr eigenes Volkstum zurückgezogen, und die Regierung würde sich, wenn die Wahlen in Galizien frei wären, überzeugen, daß die Juden des Ostens nur Jüdischnationale wählen würden. Die Verdächtigungen der zionistischen Bewegung wegen ihrer angeblichen Staatsfeiudlichkeit beruhen auf Unkenntnis ihres Wesens. Die politische Partei der Zionisten ist gut österreichisch und staatstreu. Die Judennot im Osten Europas mache eine gesicherte Heimstätte notwendig und hervorragende nichtjüdische Staatsmänner anerkennen die Berechtigung und Zweckmäßigkeit des Zionismus. Ministerpräsident Baron Beck betonte wiederholt, daß er die Gleichberechtigung der Inden anerkenne und durchführen wolle. Er selbst sei konservativ und gut christlich und könne aus diesem Grunde kein Feind der Juden sein. Er werde auch fernerhin mit dem jüdischen Klub Beziehungen pflegen und trachten, über die Wünsche und Beschwerden desselben stets informiert zu sein. Wien. Die Vereinsleitung des Bethaus- und Unterst ü tz u n g s v e r e i n e s „Bene B’rith“ erlaubt sich sowohl deu Herren Mitgliedern als auch den sonstigen Bethausbesuchern bekanntzugeben, daß die Uebersiedlung in das neue Vereinslokal, XX., K a r a j a n g a s s e Nr. 20. am 1. August a. c. stattgefunden hat. Wien. Am 25. Juli fand unter reger Beteiligung die Beerdigung der verstorbenen Witwe Frau Amalie Weiß am Zentralfriedhofe statt. Sie war eine edle, verdienstvolle Frau und insbesonders ihren.Kindern eine zärtliche, hingebungsvolle Mutter. In Würdigung ihrer Verdienste widmete ihr der Bruder, Herr Religionslehrer Daniel S k n t e z k y. im Zeremoniensaal, in Anwesenheit von Vertretern der Chewra Kadischa. einen warmen, tiefempfundenen Nachruf. Meran. Durch Verfügung des kgl. württembergischen Ministeriums des Kirchen- und Schulwesens vom 17. Juli d. I. ist das Rabbinat Göppingen dem Rabbiner Dr. T ä n z e r in Meran übertragen worden. Csakvür. (Komitat Fejsr.) Aufrichtige Teilnahme gab sich bei sämtlichen Bewohnern unserer Großgemeinde kund, als ihnen die Trauerknnde wurde, daß ihr geliebter und verehrter „Benczi bäosi“ nicht mehr den Lebenden angehört. Benczi bäcsi war der angesehene hiesige Kaufmann Benedikt Beer. Seniorchef der bestrenommierten Firma Benedikt Beer & Sohn, den Groß und Klein, Vornehm und Gering, kannte, 'liebte und schätzte. Und das mit vollstem Rechte, denn Beer war geradezu ein vorbildlicher Mustermensch. Schlicht und einfach, gut und bieder, treu und ehrlich, offen und gerade war er in all seinem Tun. Er hatte so viel Geistes- und Herzensbildung, daß er weder auf Rang und Stand, noch auf Narionalität und Konfession sah. sondern in jedermann einzig und allein den Menschen achtete und als Bruder behandelte. Die in Csakvar erbgesessene Familie Beer ist in den Annalen unserer Großgemeinde verewigt, sie zählte von jeher zu ihren verdienstreichsten Bürgern. Der Großvater unseres Benedikt war schon vor 120 Jahren Pächter der gräflichen Herrschaft Eszterhazp und sein Sohn und Enkel blieben dies in ununterbrochener Reihenfolge bis auf den heutigen Tag. Das Geschäftshaus wurde vor 1848 vom Vater des Heimgegangenen gegründet und kann auf einen mehr als sechzigjährigen ehrenvollen Bestand Hinweisen. Benedikt B e e r besitzt das Geschäft bereits seit einem halben Jahrhundert und hat vor einem Jahrzehnt seinen Sohn Sigmund, der schon früher sein bewährter Mitarbeiter war, als Teilhaber in die Firma ausgenommen. Bei der Leichenfeier B e e r s war m und um das Trauerhaus eine mehrhundertköpfige Trauergemeinde versammelt. Vom Turme der Feuerwehr flatterte die Trauerfahne und zum Zeichen der Trauer waren während der Trauerzeremonie sämtliche Geschäfte Csakvars geschlossen. Unter den Anwesenden bemerkten wir sämtliche Honoratioren der Großgemeinde, so den evangelischen Pfarrer Bsla K ö v e s y, den reformierten Pfarrer Michael Dezsi, den Leibarzt Sr. Exzellenz des Grafen Eszterhazy med. Dr. Josef Grosser, den kön. ung. Postverwalter Bsla Pakai, den Ortsrichter Josef B u j a n, den Gemeindenotär Alexander S z a b 6, den Oberkommandanten der Ortsfeuerwehr Josef G old s ch m i e d, den Apotheker Szölösi, den pens. Postmeister Sigmund St epp in ge r, den Präsidenten der hiesigen Jsraelitengemeinde. Jakob Stärk, die Vorsteher der hiesigen Chewra Kadischa Franz B r n st und.Adolf Redl, den Privatier Markus Prager, den Vorsteher der Mosonyer Judengemeinde Jakob