Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1907-08-02 · Heft 30 (2.8.1907) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 30 (2.8.1907)
Date
1907-08-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3063367-3063397--04974-3071859
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 30, Die Wahrheit Seite 7. c) auf die Verpflichtung, daß jeder Geselle die Aufgabe erhalte, zwei bis drei bei Meistern plazierte Lehrlinge zu beaufsich tigeit und Bericht hierüber zu erstatten. 3. Der G e w e r b e v e r e i n der Meister und Genierbetreib enden. (Versnmmlnngssaal. Experten-Sitzungsränme, Bibliothek, Erholungsorte rc.) 4. Abteilung der Baron Hirsch-Stiftung, die imverzinsliche Darlehen an Gewerbetreibende und Kaufleute rc. gewährt. Endlich 5. Der Wiener Kreditn u b Vorschußverein, her vor einem Jahre in Wirksamkeit getreten, zur Beschaffung von Darlehen an Handwerker, Gewerbetreibende, Fabrikanten rc. Diese Zentralisation aller gewerbetreibenden Faktoren durch Schaffung eines Gewerbeheims würde wesentlich beitragen, einen leistungsfähigen und gebildeten Handwerker- und Gewerbestand zu schaffen. ‘ Wenn sich nun überzeugte, opferwillige, von Glücksgütern reichlich gesegnete Männer finden sollten, die dieses denkbar schönste soziale Werk zum Wohle der arbeitenden Bevölkerung zu schaffen sich erbieten, dann wäre der Moment hiefür der geeignetste, um das 60 jährige Regierungsjubilänm unseres Kaisers weihevoll zu begehen. Sollten jedoch die für die Erbauung und Erhaltung des vorgezeichneten Gewerbehauses erforderlichen Mittel nicht aufzubringen sein, dann soll das Projekt sich für dieses Jahr nur beschränken a) auf Schaffung von Werkstätten für das bestehende Lehrlingsheim; b) auf die Gründung einer Vorschule für Knaben aus den Provinzen, die sich dem Handwerke widmen. Unser gütiger Monarch, der als erhabenes Muster und Veispiel, als der rührigste und erste Arbeiter des großen Vaterlandes seinen Untertanen voranleuchtet, der anläßlich seines 60 jährigen Regierungsjubilänms nichts anderes von uns wünscht, als die Errichtung sozialer, wirtschaftlicher und wohltätiger Einrichtungen und Institutionen, er wird gewiß jenen Männern seine kaiserliche Huld nicht versagen, welche sich an die Spitze eines Komitees für die Errichtung dieses M n st e r - G e w e r b e h e i m s stellen werden. Das nationale Indentmn. Von Dr. M. H. Friedländer. (Fortsetzung.) Nicht immer aber war Israel eingedenk der Worte, die seine Ahnen am Sinai mit wahrer religiöser Begeisterung gesprochen: „Alles, was der Herr gesagt, wollen iutr tun und beherzigen." Es hat gar oft Zeiten gegeben, wo ein großer Teil des israelitischen Volkes durch äußere Einflüsse und mamtigfache Leitverhältnisse sich bestimmen und verleiten ließ, dem Glauben der Väter abtrünnig zu werden. Diese Zeiten aber wären für das Judentum verhängnisvoll geworden, so es nicht durch gewaltige Stürme, die Gott der Herr erregt, an seine wahre Mission erinnert worden wäre. Israel gleicht dem Propheten Jona. Dieser erhielt den göttlichen Auftrags nach der großen volkreichen Stadt Niniveh zu gehen, um deren Bewohner, die von der Bahn der Tugend und der Sittlichkeit abgewichen, zu ermahnen, zu belehren, ihre Laster und Fehler schonungslos zu geißeln. Jona aber war nicht frei von Menschenfurcht und wollte es nicht wagen, den Bewohnern Ninivehs eine Strafpredigt zu halten. In seiner Verzweiflung sah er sich gezwungen, die Flucht zu ergreifen, indem er glaubte, sich auf diese Weise seiner Pflicht entziehen zu können. Er ging nach Jaffa, dort fand er ein Schiff, das nach Tarschisch gehen sollte; er bezahlte den. bedungenen Lohn, stieg hinab, um nach Tarschisch zu gelangen. Seinetwegen aber erregt der Herr einen gewaltigen Sturm, um ihn, den Propheten, zu mahnen, daß er ihn auch hier zu finden wisse. Düstere Gewitterwolken verdunkelten den Horizont, der Stürm raste, Donnergetöse erdröhnte, das Meer wurde durch einen heftigen Orkan zu turmeshohen Wellen ausgejagt und das Schiff drohte jeden Augenblick zu scheitern. Alles auf dem Schiffe mar in Angst und in Bewegung, sie warfen alles, was sie bei sich hatten, über Bord, um das Schiff zu erleichtern, alles vergebens. Sie schrieen und jammerten, allein Sturm und Wellen übertönten ihr Geschrei und ließen sich nicht besänftigen. Jona verfügte sich in einen Winkel des Schiffes, legte sich dort nieder und schlief ein. Da trat des Schiffes Hanptmann an ihn heran und rief ihm mit lauter Stimme zu: „Was ist dir, Schläfer, auf, rufe deinen Gott an, vielleicht nimmt er sich unser an, daß wir nicht untergehen." Auch Israel erhielt gleich dem Propheten Jona den göttlichen Auftrag, als „Priester" den Nationen voran zu leuchten, sich durch einen religiösen, reinen Lebenswandel ausznzeichnen und dafür zu sorgen, daß die Kenntnis der Thora in der Welt verbreitet werde. „Ihr sollt mir sein ein Reich von Priestern, heiliges Volk!" Allein nicht immer hat Israel sich dieser seiner hohen Aufgabe eingedenk gezeigt. Es hat Zeiten gegeben, wo es Gott dem Herrn entflohen ist und seine Thora verleugnet hat. Da aber erregte der Herr immer einen Sturm, um es an die Erfüllung seiner Pflichten zu erinnern. Bei allen vorzüglichen und trefflichen Eigenschaften, die Israel schmücken, besitzt es doch auch seine Schwächen und Fehler. Israel ist groß, unvergleichlich groß in der Zeit der Not und des Elends. Es erträgt wie kein anderes Volk auf Erden die härtesten Bedrückungen und grausamsten Verfolgungen mit seltener Geduld und Resignation, jemehr man es bedrückte, desto glaubensstarker wurde es, eine Tugend, die selbst seine erbittertsten Feinde ihm nicht streitig machen konnten. Aber nicht alle Bekenner des Judentums besitzen immer den Mut und die Kraft, die Freiheit, den Wohlstand mit derselben Geduld zu ertragen, ohne übermütig zu werden. ..Als Jeschnrun fett ward, wurde es übermütig," klagte schon der unsterbliche Lehrer Moses. Zn Egypten seufzten die Israeliten unter dem unerträglichen Drucke der Pharaonen. Gott erhörte ihr Wehklagen und befreite sie vom Tyrannen. Sie fanden die lange angestrebte Freiheit und zogen mit Reichtümern und Schätzen — die sie sich mit Recht als Lohn für die Jahrhunderte lang den Egyprern geleisteten Dienste angeeignet — versehen, aus der Knechtschaft Egyptens. Allein infolge der errungenen Freiheit und der erworbenen Reichtümer wurden gar viele von ihnen übermütig, wollten keine Autorität anerkennen und überhaupt von Entsagungen und Entbehrungen nichts wissen. Als sie nach Refidim kamen und Mangel an Wasser hatten, überhäuiten sie Moses, ihren größten und edelsten Wohltäter, mit den bittersten Vorwürfen. „Es fehlt nicht mehr viel, und sie würden mich steinigen." klagte er bitter. Ja, noch mehr, in ihrem Uebermute waren sie so vermessen, daß sie das Dasein Gottes des Einzig- Einen in Frage zu stellen wagten. „Gibt es einen Gott, oder nicht?" Die Antwort auf diese schmähliche Frage lautete: „Und es kam Amalek." Infolge dieses gewaltigen Sturmes erinnerte sich das so sehr bedrohte Israel seiner Pflichten und hohen Aufgaben, scharte sich um Moses und Josua, besiegte glänzend den größten und gefährlichsten Feind des Judentums, und kam dann bald zum Sinai, wo es mit wahrer Begeisterung ausgerufen : „Alles, was der Herr gesprochen, wollen wir befolgen und beherzigen." In Persien lebten die Juden unter der Regierung des freisinnigen*) Achaschwerosch unangefochten. Sie durften überall wohnen, Handel und Gewerbe ungestört treiben, alle Bildungsanstalten stunden ihnen offen und sie erfreuten sich der vollständigsten Freiheit und Gleichberechtigung. Infolgedessen haben sie ihre Religion vernachlässigt, verleugnet und sich hierfür die die persische angeeignet. Außer Mordechai dürfte es in der Hauptstadt Susan kaum einen Juden gegeben haben, der nicht seinen jüdischen Namen, seine Abstammung und Herkunft verleugnet hätte. Daher heißt es: Einen wahrhaft frommen Juden hat es in der Residenzstadt Susan gegeben, der seinen Namen, *) Der Umstand, daß Achaschwerosch bei der Wahl seiner Gattin sich nicht nach deren Herkunft, Abstammung und Glaubensbekenntnis erkundigte, beweist klar und deutlich, daß er tolerant und liberal war.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.