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Die Wahrheit · 1907-08-02 · Heft 30 (2.8.1907) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 30 (2.8.1907)
Date
1907-08-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Nr. 30. Die Wahrheit einzig und allein die ungeheure Uebersetzungstätigkeit der Juden, von deren Großartigkeit die beiden von der französischen Akademie preisgekrönten Bände Moritz Steinschneiders Zeugnis oblegen." Diese Ausführungen, welche — wir wiederholen es — durch ruhigen, wissenschaftlichen Ton sich auszeichnen, haben merkwürdigerweise gerade die „Arbeiterzeitung" zu einem leidenschaftlichen Wutausbruch gereizt. In einem Artikel „Rabbinergeschwätz" wird Dr. Güdemann von einem ..Orientalisten" in der heftigsten Weise angerempelt und bei dieser Gelegenheit Judentum und seine Lehre in der häßlichsten Weise verunglimpft. Der anonyme „Orientalist" sagt: Güdemann habe den Professor Oberhummer „Lügen" gestraft und die „höflich zwar, aber gründlich." Von dem Anonymus kann man sagen, daß er zwar grob aber — ungründlich schreibt. Die „Arbeiterzeitung" hat durch ihren Schmähartikel offenbar zeigen wollen, daß man ihr unrecht tut, wenn man ihr Feindseligkeit gegen die Kirche und die Geistlichen zum Vorwurf macht. Sie will ebensowenig von der Synagoge und den Rabbinern etwas wissen, oder etwas Gutes gelten lassen. Auch eine Objektivität! Ignaz v. Ruber ist zum Ersten Präsidenten des Obersten Gerichtshofes ernannt worden. Dieser Name erinnert an eine der schmachvollsten Fälschungen, die im österreichischen Parlamente von den christlich-sozialen Interpellanten in der Hilsner-Affaire verübt wurden. In dieser Interpellation wurde u. a. gesagt, daß die Juden angeblich Herrn v. Ruber — der Justizminister zur Zeit des Prozesses war — der Bestechlichkeit geziehen hätten. In Wirklichkeit aber hatte niemand anderer als E r n st Schneider diese freche Anklage gegen einen ö sterrei ch is ch en Iu sti zmin ister zu erheben gewagt! * Die Entlassungen bei den Wiener Straßenbahnen haben einzelnen Rednern bei der Protestversammlung zu scharfen Charakteristiken der christlichsozialen Gewaltherrschaft Anlaß gegeben. Einer der Redner, und zwar ein zweifellos arisch-christlicher Redner, wendete sich gegen die Haltung des Stadtrates, der im Namen der christlichen Nächstenliebe nicht nur 26 Straßenbahner ins Elend gestoßen, sondern auch noch andere dreihundert Straßenbahner, darunter viele Familienväter, auf die Proskriptionsliste der Entlassungen gesetzt hat. Die Massenentlassungen, sagte er, sind nicht allein das Werk des Stadtrates, sondern das Ergebnis eines systematisch aufgebanten Spitzel- und Denunziantentums. Der Kamps gegen die Kutten und Klerikalen sei ein Kamps aus Leben und Tod um die Befreiung des Gedankens und der Gesinnung. Der Antisemitismus verfange heute nicht mehr, weil eben schon alle darauf gekommen sind, daß der Jude, und zwar nur der arme Jude, der Blitzableiter für die Entrüstung des Volkes sein soll, die die Schandtaten der C h r i st l i ch s o z i a l e n heraufbeschworen habe n." Man sieht, der Terrorismus der Christlichsozialen, der sich nicht mehr gegen die Juden allein wendet, zeigt vielen die Wahrheit, die sich vor ihr verschlossen, so lange die Juden allein die Opfer waren. Guodlilret. (Der japanische Friedensdelegierte im Haag. — Der Syllabus Pius X. — Protestantische Theologen. — Resume.) Der Spezialkorrespondent der „Neuen Freien Presse" unterhielt sich am 17. Juli im Haag mit dem japanischen Delegierten. Wir wollen aus dieser Unterhaltung nur die markanteste Stelle reproduzieren. Keiroku Tsudzuki sagte unter anderem: „Dem Vertrage gemäß ging die äußere Vertretung Koreas an Japan über. Wenn der Kaiser jetzt die Giltigkeit des Vertrages leugnet, so ist dies eine jener Falschheiten, die seine ganze Regierung charakterisieren. Seine Doppelspiele sind die eigentliche, ursprünglichste Schuld au den Kriegen Japans mit China und Rußland. Zuerst verhetzte er China, dann. Rußland mit uns. Korea ist der Sitz und Inbegriff der b e r ü chtigten asiatischen Doppelzüngigkeit und Falschheit." Difficüe est ’ satiram non scribere; da diese Sätze geradezu darnach schreien, daß man sie ironisiere, kann ich es nicht unterlassen, es zu tun. Wahrlich um geringeren Anlasses willen leitanikelt man iu unserer schreibseligen, nach Stoff haschenden, sensationslüsternen Zeit. Aus den Worten der japanischen Exzellenz ergibt sich in ungezwungener, folgerichtiger Ableitung: Wir glorreichen Sieger voit Mulden, Tsuschima u. s. w. sind ein europäisches Kulturvolk geworden, mit allen zur okzidentalen Zivilisation gehörenden Ingredienzien, als da sind: Zündnadelgewehre, rauchloses Pulver, Kanonen, nicht zu vergessen, preußische Strategie und Taktik. Wir sind die gelehrigen Schüler der Staatsknnst Europas geworden; es ist uns bekannt, daß das Buch Macchiavellis, t>e§. berühmten Florentiners aus der Renaissance, „Del principo“, noch heute die Bibel der Diplomatie ist und hier werden Täuschung und Tücke im iuteruationalen Verkehr geradezu empfohlen. Wir haben gelernt, daß die Gesetze im Verein mit der Ethik zu verhindern bestrebt sind, daß zwei Individuen desselben Landes einander betrügen, totschlagen, oder prügeln, daß aber inter arma silent leges, daß zwei Staaten sich nach Herzenslust befehden und hintergehen können, daß der stärkere den schwächeren, sobald er sich nicht rechtzeitig nach einem Schutzherrn umgesehen, ungestraft die eisengepanzerte Faust in den Nacken setzen kann, ja daß es eine Unterlassung bedeutete, täte er es nicht. Wir wissen, daß Bismarck, ehe er Oesterreich und dann Frankreich zum Krieg herausgefordert, sie durch geheime Allianzverträge mit Italien und Süddeutschland über seine wirkliche Macht getäuscht hatte. Das nennt die Welt nicht Betrug, das wird als Genialität gepriesen. In richtiger Würdigung dieser Tatsachen haben wir uns nicht einmal an die Gebote des Völkerrechtes gehalten und ohne Kriegserklärung die feindliche Flotte vor Port Arthur angegriffen und lahmgelegt. Wohl haben die Russen uns damals asiatischer Barbarei geziehen, der Erfolg hat uns aber Recht gegeben. Wer wollte uns heute daryb Asiaten heißen? Japan ist gegenwärtig eine politische Enklave Europas und gehört nur geographisch zu Asien. Ganz anders Korea. Zwar können wir den gemeinsamen tartarischen Ursprung mit den Koreanern nicht leugnen, unsere geschlitzten Augen nicht ersetzen durch nicht schiesstehende Sehorgane, und doch welch großer in die Augen stechender Unterschied, seien diese Augen nun gerade oder schief! Wir sind in der Lage, unsere List und Verschlagenheit mit dem Schild kriegerischer Macht zu decken und so wirksamer zu gestalten; die Koreaner, die armen Teufel, jedoch möchten sich unklugerweise den Luxus gestatten, uns in hinterlistiger Weise zu hindern, daß wir sie in ökonomische Abhängigkeit von uns bringen und haben nicht das notwendige Physikum dazu. Solch asiatisches Doppelspiel brauchen wir edle Europäer-Japaner uns nicht gefallen zu lassen. Man glaube ja nicht, ich wolle Japan mit dieser Persiflage in seiner Gesamtheit herabsetzen. Hat es doch unstreitig die Bewunderung der Welt sich errungen; aber dieser Tsndzuki verdient keineswegs das Lob der „Neuen Freien Presse", die sich folgendermaßen über ihn vernehmen läßt; „Der japanische Botschafter macht den Eindruck eines auf der Höhe der Situation stehenden, tiefdenkenden Diplomaten, dessen.ruhige, klare Sprache überzeugend wirkt. Seine Ausführungen gewinnen durch Beispiele-und Argumente an Plastik." Ich kann es mir nicht versagen, eine Stelle der jüngsten Nummer der „Fackel" zu entnehmen, die zur Charakterisierung des Falles wie geschaffen und deren Verfasser Karl Ha uer ist: ..Die öffentliche Meinung, die durch die Presse gemacht wird, ist die schlimmste Beeinträchtigung der persönlichen Freiheit und die illiberalste aller Institutionen. Die Presse wird immer den Erfolg anbeten und, um selbst daran teilzunehmen, dem huldigen, der die Macht hat, oder dem, welchem die Macht winkt. Nein, die Presse hat nichts mit der Freiheit zu tun, die freiheitliche am wenigsten! Und mögen Präsidenten, Minister, Zelebritäten und Streber sie noch so oft als segensreiche Macht verhimmeln. Sie wissen, warum sie's tun." Diese., NeueFreie Presse" biedert sich der japanischen Exzellenz in eben derselben byzantinisch-ekelerregenden Weise an, in welcher eben derselbe Japaner sich Europa anzubiedern bestrebt ist. *ge***3SwSä&e&m&aKKBtwm rsnowa®?

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