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Die Wahrheit · 1907-07-26 · Heft 29 (26.7.1907) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 29 (26.7.1907)
Date
1907-07-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr,- ‘29. Die Watuveit Seile 7. weinen Beschwernisse.des Lebens, sondern auch gegen diejenigen eines betrüblichen Regimes, das auf den Juden eines Landes wie Rumänien, trotzdem es vor mehr als 50 Jahren ihnen vollständige Emanzipation verheißen hat, oder wie Rußland lastet, das vor 40 Jahren daraus hoffen ließ. Werden, falls dieses -Regime sich nicht ändert, die Kinder von heute in ihren Heimatländern, verbleiben können? Wenn siebleiben, muß ihnen eine ganz besondere Widerstandskraft gegeben werden; wenn sie sortgehen, dann müssen sie mit unerschrockenem Mute gewappnet werden, um die Gefahren zu bestehen, die das Leben in ihrer rieuen Heimat bietet. Das wird uns gelingen. Indem wir die Gesamtheit unserer Institutionen überblicken. dürfen wir behaupten, daß wir aus dem richtigen Wege sind. Wir danken die erzielten Erfolge der bedachtsamen Planmäßigkeit unserer Arbeit, unseren bewährten, durch eine lange Erfahrung erprobten Methoden, dem Eifer und der Hingebung unserer großen und kleinen Mitarbeiter hier und auswärts. Ihnen allen sei unsere Dankbarkeit zum Ausdruck gebracht." Lebhafter Beifall folgte diesen Ausführungen des Vorsitzenden, der darauf die Versammlung schloß. Ans der territorralistischen Kemegnng. Unter dem Titel „.Tom tov in Galveston“ telegraphiert der Korrespondent der Newyorker „Jewish Gazette" aus Galveston eine Schilderung der Ankunft des Dampfers „Cassel", der den ersten Trupp der „Jto"-Emigranteu an Bord führte. „Die Landung der jüdischen Emigranten," sagt er, „wurde zum Feiertag nicht nur für die jüdische Bevölkerung der Stadt, sondern auch offiziell im Namen des Staates. Die Landung dieser Emigranten wird sicherlich einen Markstein in der Geschichte bilden, gleich den anderen geschichtlichen Landungen in Amerika. Es ist dies das erste Mal, daß Juden in so großer Zahl in diesem Hafen landen, welcher der Schlüffe! zum großen. amerikanischen Westen ist. Und es ist also von großer Bedeutung für den Beginn einer mächtigen Bewegung. Der Anfang einer organisierten jüdischen Emigration unter der Führung einer Organisation, welche ihre Fürsorge den Emigranten nicht nur ans der Reise bis zum Schiff und auf dem Schiff angedeihen läßt, sondern sie auch nach ihrer Landung unter ihre Fittige behält, verdient das Interesse der ganzen jüdischen Welt. Der erste Transport, der durch das Emigrationsdepartement der „Jto" ging, bestand aus 66 Männern, 6 Frauen und 15 Kindern, vornehmlich aus Kiew, Warschau und Poltawa. Der größte Teil hat ein Handwerk in Händen. Nenn Berufe waren vertreten. Sofort nach der Ausschiffung wurden die Emigranten ui die Hauptquartiere des jüdischen Jmmigrationsbureau geleitet, wo sie von Mr. W a l d m a n n und anderen Offiziellen empfangen wurden. Biele hervorragende Juden der Stadt kamen, die Wanderer willkommen zu heißen. Ihre Landung stand in krassem Gegensätze zu jener in Ellis Island, wo die Einwanderer so vielen Leiden und Drangsalierungen ausgesetzt sind. Ohne Verzug und ohne Schikane konnten sie ans Land gehen. Die erste Begrüßungsansprache hielt der Bürgermeister, der dann weitere von anderen hohen Funktionären folgten und in welchen sie in herzlichster Weise ermuntert und ihnen die glänzende Zukunft geschildert wurde, die vor ihnen liegt. Mr. Cohen übersetzte die Reden ins Iiddifh. Die Wanderer schwelgten in Entzücken. Entsprechend ihrem Berufe werden die Immigranten nach verschiedenen Städten in Missouri, Iowa und Dakota weiterbefördert und in jeder einzelnen derselben von bereits gebildeten Komitees hervorragender Juden empfangen und betreut werden. Im allgemeinen kann die Lage als sehr günstig bezeichnet werden, denn bedeutende jüdische Persönlichkeiten strengen alle ihre Kräfte an, um die Immigranten zu versorgen. Infolge eines Mißverständnisses sieht sich die „Jto" veranlaßt, festzustellen, daß sie an dem Prozeß der Kolonialbank, die Statutenänderung betreffend, keinen wie immer gearteten Anteil hat. Die Herren Z a n g w i l l und Salaman, welche gegen die in Rede stehende Petition Einspruch erhoben, ergriffen ihre Maßnahmen einzig und allein als private Besitzer der zionistischen Shares. Der Bericht eines amerikanischen Korrespondenten einer jüdischen Zeitung über ein Gespräch zwischen Z a n g w i l l und D e a k i n, in welchem letzterer Herrn Z a n g w i l l über die Unmöglichkeit einer australischen Kolonisation informiert haben soll, entspricht nicht den Tatsachen. New-Aork. Das Zentralkomitee der Sozialisten-Territorialisten Amerikas hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, sämtliche sozialistisch Territorialisten-Ausgaben Amerikas in einem gemeinsamen Verlag zu konzentrieren, und zwar ustter dem Namen „Das Volk". Zu diesem Zwecke wurden zunächst 200 Aktien ä 5 Dollar herausgegeben, wovon 50 Stück bereits gezeichnet nstd voll eingezahlt wurden. Die erste Nummer erscheint am 15. August. Bremen. Der „Norddeutsche Lloyd" erließ eine Mitteilung über die erste Gruppe jüdischer Emigranten, welche durch die „Jüdische Territorialistische Organisation" nach Galveston expediert wurden. Aus^ diesem Bericht entnehmen wir folgende Stelle: „Die Mehrzahl der Emigranten steht im blühenden Alter und machen einen vorzüglichen Eindruck. Die Verwaltung des Lloyd hat die Wünsche der Emigranten in entgegenkomiilendster Weise erfüllt und dem Schiffskapitän Jansen den Auftrag erteilt, diese Emigranten mit besonderer Sorgfalt zu behandeln. Die ganze Gruppe wurde von einem Vertreter des Lloyd photographiert. Die liebevolle Behandlung der Emigranten und die Begleitung eines Vertreters der ,Jüdischen Territorialistischen Organisation', des Herrn Dr. Jochelm a n n, haben aus die übrigen Paffagiere des Dampfers einen unauslöschlichen Eindruck gemacht." B e n d e r y (Rußland). Die hiesigen Territorialisten haben im großen Tempel eine Massenversammlung veranstaltet. Der Tempel war überfüllt. Der Referent Dr. K o t l a r gab einen ausführlichen Ueberblick über die politische, soziale und ökonomische Lage der Inden in Rußland und wies nach, daß die einzig richtige Lösung der Judensrage nur im Territorialismus gegeben ist. Die Ausführungen des Referenten wurden von der ganzen Versammlung mit einmütigem Beifall ausgenommen. Der dortige „Jto"-Berein hat durch diesen Bortrag eine bedeutende Stärkung erfahren. Verschiedene Nachrichten. Wien Samstag, den 27. Juli früh, Predigt beim Hauptgottesdienst im Stadttempel. Wien. Dem Wunsche der jüdischen Mitglieder des Polenklnbs im Reichsrare, Dr. G o l d, G a l l, Dr. L ö w e n st e i n und Dr. K o l r s ch e r, entsprechend, begab sich der Obmann des Klubs, v. A b r a h a m o w i c z, zum Kriegsminister Schönaich und ersuchte ihn, die jüdischen Soldaten ui Galizien von den Manövern und Hebungen im September, die Heuer mit den hohen jüdischen Feiertagen zusammenfallen, zu befreien. Der Kriegsminister hat die tunlichste Berücksichtigung dieser Bitte zugesagt. Wien. Fräulein Clara Singer, Tochter des Herrn Oberkantor Josef Sing er, hat sich mit Herrn Jacques W eiß, Ingenieur der k. k. Nordwestbahn, verlobt. Wien. Oberst Alexander Ritter von Eiss wurde zum Generalmajor ernannt. Budapest. Der Eigentümerin der Ersten Ungarischen Goldstickerei, Emma Herz, wurde vom König von Rumänien die königliche Jubiläumsmedaille verliehen. Die Spezialität dieses bestrenommierten Goldstickerei- Ateliers ist die kunstvolle, stilgerechte Ausführung von Tempeldekorationen, als Tabernakelvorhänge, Thoramäntelchen, Kanzeldecken u. a., wovon das Etablissement schon viele für die hiesigen Gotteshäuser, aber auch viele! für die Tempel und Synagogen geliefert hat. j Miskolcz. Erzherzog Josef kam mittels Automobils in Miskolcz an, um nach einstündiger Ruhepause seine Fahrt fortzusetzen. Interessant ist, daß der Erzherzog bei seiner Ankunft in Miskolcz einen Konstabler nach dem nächsten Gasthause frug, worauf dieser dem ihm gänzlich fremden Offizier ein rituelles Gasthaus namhaft machte. Der Erzherzog fuhr nach dem genannten Gasthaufe — Karl Süß 'scheu „Hotel Lloyd" —, woselbst er speiste und mehrere Ansichtspostkarten schrieb. Inzwischen erfuhr das Publikum, daß Erzherzog Josef im Restaurant ist, und brach bei seiner Abfahrt in begeisterte Eljenrufe aus. j Sasvar. Die hiesige Kultusgemeiude beging jüngst in den neuerbauten Schullokalitäten das vierzigjährige Jubiläum ihres Lehrers S. B ü ch l e r, der kurze Zeit vorher in Pension gegangen war. Um 4 Uhr nachmittags versammelten sich die Festgüste, darunter die gesamte Intelligenz des Ortes, ohne Unterschied der Konfession, im Schnllokal, wo Schulpräses Dr. Johann Donath, Gemeinde-Bizepräses Sigmund Schild, Lehrer Ignaz R o s i n a k. Frl. Mariska Schild, zwei größere Schulmädchen und der greise Rabbiner M. L. E n g e l Ansprachen an den Jubilar hielten. Der Gefeierte dankte jedem Redner in herzlichen Worten. Es folgte ein feierlicher Gottesdienst und schließlich ein Bankett. Berlin. Der bekannte Breslauer Dermatologe, der bisherige außerordentliche Professor Albert N e i ß n e r, der gegenwärtig auf einer Forschungsreise in Batavia weilr. ist zum ordentlichen Professor ernannt worden. Es ist dies seit langer Zeit wieder der erste Fall, daß in Preußen - ein Jude zum ordentlichen Üniversilätsprofessor ernannt worden ist. Berlin. In der Hauptversammlung der Deutschen Orient- Gesellschaft, die unter dem Vorsitze des Herrn James Simon im Bleichröderschen Bankgebäude stattfand, wurden interessante Mitteilungen über die von der Gesellschaft oder mit deren Unterstützung in Mesopotamien, Kleinasien, Egypten und Palästina vorgenommenen Ausgrabungen und Untersuchungen gemacht. Aus dem durch mündliche Mitteilungen ergänzten Jahresbericht geht hervor: In Asur in Mesopotamien war das Hauptergebnis der von Herrn A n d r a e geleiteten Ausgrabungen, die Freilegung des Nenjahrsfesthauses des Gottes Asur, das wohl auf König Sanherib, den Zerstörer Babylons, zurückzusühren ist. In Babylon selbst machen die Ausgrabungen gute Fortschritte. In Boghazkoi in Kleinasien Hab nach mündlichem Bericht Professor P ach st eins Dr. Winkler, der dort mit einer Expedition der Archäologischen Gesellschaft zusammen arbeitet, zwei Tontafeln-Archive entdeckt und in einem von ihnen einen Vertrag des Königs Ramses II. von Egypten mit dem Könige Chattusil. Die Archive geben wichtige Aufschlüsse für die Geschichte der zweiten Hälfte des zweiten Jahrtausends vor Christus. Es ist dringend zu wünschen, daß die Ausgrabungen im nächsten Sommer fortgesetzt werden. Untersuchungen in Telhan in Palästina förderten, wie Dr. Güterbock berichtete, den

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