Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 26 (5.7.1907)
- Date
- 1907-07-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Leite <8. . Die Wahrheit Nr. 26. Gebetbüchern haben. In den Gebetbüchern der echten Sefardim heißt aber. Wie schon bei den „Soferim" nur na ^2 (vgl. Siddur des Rabbi Amram). Die einzig richtige Version ist aber, wie gesagt, eine unabweisbare Stütze der universalistischen Anschauung des Verfassers des „Schemone Essre“.. Lemberg, am 24. Juni 1907. Rabb. Dr. K 0 b a k. Verschiedene Nachrichten. Wie». Dem wirklichen Lehrer am Sofien-Gymnasium, Herrn Dr. Jakob Weiß, der an der genannten Anstalt seit langen Jahren verdienstvoll wirkt, wurde der Titel eines k. k. Professors verliehen. Wien. (Tempelbauverein I 0 s e s st a d t.) Im Josefstädter Tempelgebäude, VIII., Neudeggergasse 12, fand am 25. Juni d. I. die Jahresprüfung der Schüler der Bibelschule des VIII. Bezirkes statt. Derselben wohnten bei: als Delegierter der Israelitischen Kultusgemeinde das Vorstandsmitglied Herr Professor Dr. Josef Pollak, ferner der Präses des Josesstädter Tempels und der Bibelschule Herr Hermann Beck, der Vizepräses des Tempels Herr Architekt Mode r n, Herr Rabbiner Dr. Moriz Bauer, das Vorstandsmitglied des Tempels Herr Hermann Pollak, welcher seit der Gründung die Oberaufsicht über die Schule führt und noch andere zahlreiche Gäste. Die Schüler zeigten große Fähigkeit im Uebersetzen des Pentateuch und beantworteten mit Verständnis die an sie gerichteten Fragen aus der hebräischen Grammatik. Diese Gründlichkeit ist der Leitung und der besonderen Fürsorge des Religionslehrer Herrn Sprinzeles zu danken, was auch Herr Professor Dr. P 0 l l a k rühmend hervorhob und mit warmen Worten dem Herrn Lehrer Sprinzeles seinen Dank aussprach. Den gleicheil Dank brachte auch Herr Präses Beck und Herr Rabbiner Dr. Bauer in beredten Worten zum Ausdrucke. Wie». In der Nacht auf den 21. Juni starb in Dornbach bei Wien der ob seiner unendlichen Herzensgüte bei allen seinen Kollegen und Freunden hochgeschätzte Adjunkt im Eisenbahnministerium, Herr Arnold L e w i t. Mit der größten Gewissenhaftigkeit und seltenem Pflichteifer versah er seine Stelle, bis vor zwei Jahren ein schweres Nierenleiden die kraftstrotzende Hünengestalt des edlen Verblichenen ergriff und nimmer rastete, bis ihr der Arme erlag. Die Trauerfeier am Zentralfriedhofe zeugte von der Beliebheit des Verewigten, indem viele Beamte und Diener des Eisenbahnministeriums, Freunde und Bekannte des Verblichenen, demselben in stattlicher Zahl das letzte Geleite gaben. In der Zeremonienhalle stimmte I. Kantor M a t t y a s das ergreifende Hazur tomim an und Rabbiner Dr. Hirsch aus Krumau, ein Schwager des Verblichenen, widmete dem- , selben einen kurzen Nachruf und nahm ani Grabe von ibm namens aller Verwandten Abschied. Arnold L e w i t stammte aus Krumau in Böhmen und zeichnete sich durch sein bescheidenes Wesen, seine Hilfsbereitschaft und seinen ungeheuren Pflichteifer aus. Er hinterläßt eine Witwe mit drei kleinen Kindern. N'2'L'"n Biseuz. (Rabbiner Jakob Grünwald.) Freitag, den 21. Juni starb in seiner Vaterstadt Bisenz in Mähren der durch seine große Gelehrsamkeit und tiefe Frömmigkeit ausgezeichnete Rabbiner Jakob G r ü n w a l d. Fünfundzwanzig Jahre wirkte er als Rabbiner und Religionslehrer segens- und erfolgreich in Ungarisch-Hradisch. Seine hohe Begabung, sein Bienenfleiß und hoher Gedankenflug zeigen sich in seinen Reden, Predigten und religionsphilosophischen Schriften, die den vollendeten Talmudisten und stillen Weltweisen zugleich uns erkennen lassen. Sein gottergebener Sinn, seine durch umfaffende Kenntnis des Schrifttums gefestigte religiöse Natur halfen ihm, die schwersten Prüfungen zu überstehen. Er sah eine herrliche Tochter, Mutter von vier Kindern, in der Blüte der Jahre ins Grab sinken und nach dem Verluste einer so wackeren Tochter wurde ihm ein zweiter großer Schmerz bereitet durch den jähen Heimgang seines Sohnes, eines weltberühmten talmid chochom, des im Jahre 1895 verewigten Großrabbiners von Bulgarien. Unter glänzenden Bedingungen war Dr. G r ü n w a l d von Sofia nach London berufen worden, ein ganz neu eingerichtetes Hans war dem hochgeschätzten Manne zur Verfügung gestellt worden, als ihn vor der Antrittspredigt eine Darmverschlingung unter großen Qualen hinwegraffte. Solch ein schwerer Schlag traf den frommen Gottesmann, der ihn mit gottergebenem Herzen trug. Der Vater weihte seit dieser Stunde sein ganzes Leben nur der Thora. Tag und Nacht forschte, las und grübelte er in Gottes Worten, in ihnen suchte er Tag und Nacht Trost. Die Hochschätzung, die der verklärte Rabbi allseits genoß, zeigte sich auch bei seinem Leichenbegängniffe, das unter großer Beteiligung der ganzen Bevölkerung stattfand. Rabbiner Dr. Hoff in Bisenz hielt eine das edle Wesen und treue Wirken des Verewigten schildernde, ergreifende Leichenrede, die alle zu Tränen rührte. Der gräflich Reichenbach'sche Verwalter, der unter den Honorationen am Leichenbegängniffe teilnahm, sagte: „Unseren größten Ehrenmann haben wir verloren." Die Kinder des Verblichenen waren aus Wien, Szabadka, Paris und London herbeigeeilt, um dem teuren Vater im Verein mit den zwei zuhause weilenden jüngsten Schwestern, die den Armen mit seltener Hingebung pflegten, wie sie auch mit einer erhebenden Liebe und Aufmerksamkeit die vor einem Jahre verstorbene Mutter betreut hatten, in der schwersten Stunde beizustehen. Der Vater konnte sich auch seiner Kinder freuen: Zwei sind Journaldirektoren in Paris und London, einer praktischer Arzt in Wien, Dr. Josef Grünwald (Radetzkystraße 17), der durch seine Herzensgüte und Frömmigkeit im III. Bezirke allgemein geschätzt ist. Vier Tage und Nächte wachte er am Sterbelager und löste die beiden jüngsten Schwestern, deren einzige Hingebung an den Vater allgemein bewundert ward, ab. Leicht sei dem Verklärten die Erde, die seine irdische Hülle deckt: Sein Geist, seine Frömmigkeit lebt in seinen Söhnen und Töchtern fort. n'a'X'j'n Dr. L. Hirsch - Krumau. Budapest. (Ungarischer Landes-Rabbinerverein.) Der schon einige Jahre bestehende und unter seinem Präsidenten Dr. Arniin Schnitzer, Oberrabbiner von Komorn, erfolgreich wirkende transdanubische Rabbinerverein hat sich erweitert und sich zu einem Landesverein umgewandelt. Im Prachtsaale der Pester Chewra Kadischa fand jüngsten Mittwoch, den 26. Juni, die erste ordentliche Generalversammlung des neukonstituierten Rabbinervereines statt. Es waren blos 40 Rabbiner anwesend; die Versammlung nahm einen sehr würdevollen und Erfolg verheißenden Verlauf. Den Vorsitz führte Oberrabbiner Dr. Schnitzer, welcher mit einer gedankenreichen Rede die Sitzung eröffnete. Er begrüßte die ehrwürdige Versammlung, konstatierte deren Beschlußfähigkeit und meldete, daß der Minister die Statuten des neuen Landesvereines genehmigt habe. Dann entledigte sich Dr. Schnitzer einer Pflicht der Pietät, indem er dreier Verklärten gedachte, welche im ungarischen Israel sich ein unauslöschliches Gedenken bewahrten. Es sind dies der weltberühmte Historiker Dr. Mayer K a y s e r l i n g, der glaubenstreue Eleazar Pollak, beide Mitglieder des Pester Rabbinats, und S. B. S ch r e l b e r, Oberrabbiner von Pozsony, der Führer der orthodoxen Judenheit Ungarns und oberster Leiter der weltberühmten Talmudschule in Preßburg. Mit aufrichtiger Freude erwähnte der gelehrte Redner, daß die Gnade unseres erhabenen Herrn und Königs zwei hochverdiente Männer des ungarischen Rabbinerstandes ausgezeichnet hat. Es sind dies Tr. Moriz K l e i it, Oberrabbiner von Nagy-Becskerek. und Dr. Samuel Ko h n, Oberrabbiner von Pest. Beide haben ihre vierzigjährige Rabbinerlaufbahn hinter sich und aus diesem Anlasse erhielt Dr. Klein den Franz Josephs-Orden, . und Dr. K 0 h 11 den Titel eines königlichen Rares. Da es sich um einen Wahlakt handelte, wurde ein Skrutinkomitee entsendet, dessen Mitglieder waren : Markus Handle r-Tata-T6varos (Präsident). Dr. Jsak W e i s z- Esztergom und Dr. Tobias R 0 s e n t h a l-Bonyhad. Mittelst Akklamation und mit großer Begeisterung wurden der derzeitige Direktor des Budapester Rabbinerseminars. der greise 94jährige Rabbiner Mozes Bloch und der Pester Oberrabbiner kön. Rat Dr. Samuel K 0 h n zu Ehrenpräsidenten des Vereines gewählt. Nun begann der Wahlakt, derselbe ergab das folgende Resultat: Präsident: Dr. Armin S ch n i tz e r-Komärom; Vizepräsidenten: Dr. Eduard N eu m a n n-Nagy-Kanizsa und Dr. Julius Fischer-Pest; Schriftführer: Dr. Ludwig V e n e t i a n e r-Ujpest und Dr. Franz L ö w y-Maros-Vasarhely; Schatzmeister: Dr. Berthold Edelstei n-Buda; Kontrollor: Dr. Simon H e v e s i-Pest; Ausicbußmitglieder : Professor Dr. Wilhelm Bacher-Budapest, Dr. Josef Saran y-Kecskemst, Professor Dr. Ludwig B l a u-Budapest, Dr. Bala B e r n st e i n-Szombathely, Dr. Josef F e l d m a n n-Czeglod, Dr. Michael G ut tm a n n- Csongrad, Markus Handle r-Tata, Dr. Emanuel H e r z 0 g-Kaposvar, Dr. L. Kecskemsti - Nagy-Varad, Dr. Michael K 0 h n - Monor, Dr. Arnold K i s s-Buda, Dr. Josef Klei n-Kassa, Dr. Samuel K 0 hn- Pest, Dr. Immanuel Low-Szeged, Dr. Armin Perls-Pecs, Dr. Tobias Rosenthal - Bonyhä-d, Dr. Moriz R 0 s e n st e i n - Nagy-Kikinda. Dr. Moriz Schwarz-Györ, Dr. S z i d 0 n - Versecz und Dr. Isaak W e i s z - Esztergom. — Im Laufe der hierauf folgenden sachgemäßen Beratungen wurden wichtige rituelle Fragen, sowie die Angelegenheit des einheitlichen Religionsunterrichtes und des zu errichtenden Pensionsinstitutes besprochen. Um den Lehrplan der Religionsschulen haben sich bei dessen Redigierung ganz besonders verdient gemacht: in erster Reihe der Schulinspektor der Pester israel. Religionsgemeinde Dr. Bernhard Munkacsi, dann der Neupester Oberrabbiner Dr. Ludwig Venetianer und der Altofner Oberrabbiner Dr. Elias Adler (jetzt Pester Rabbiner). Ferner haben an der Ausarbeitung des neuen Lehrplanes hervorragend teilgenommen : die Oberrabbiner Dr. Bela Bernstein von Szombathely und Dr. Eduard N e u m a n n von Nagy-Kanizsa. Präsident Oberrabbiner Dr. Schnitzer sprach diesen wackeren Männern den wohlverdienten Dank aus. Die Generalversammlung, welche des Morgens begonnen, währte bis zum Abend, der Vorsitzende schloß dieselbe mit einem tiefempfunden Segen. — Von den anwesenden Rabbinern seien noch die folgenden genannt: Dr. Naftali Blumgrund-Abony, Samuel Breuer-Nagy- Kata, Adolf Hirtenstein-Zala-Szent-Groth. Dr. Desider Klein-Siklös, Moriz Krausz-Komä.rom, Dr. Emanuel Lenke-Lugos, Emanuel Liebermann- Kispest, Dr. Armin Mandl-Szigetvär, Dr. Markus Reickhard-Körmüczbauya, Dr. Karl Schönwald-Tapolcza, Dr. Jakob Steinherz-Szskesfehsrvar, Dr. Lazar Schweiger-Eger, Dr. Arthur Weiszkopf-Rozonyö, Isaak Weisz- K.-S.-Pster. Entschiildigt haben sich die Rabbiner: Pinkasz Büchler- Moor, Dr. Alex. Büchler-Keszthely, Moriz Ehrlich-Körmend, Dr. Mathias Eisler-Kolozsvar, Mozes Feldmann-Pest, Dr. Adolf Kelemen-Fogaras, Dr. Adolf Löwinger-Szeged. v. H. 8. London. In der City wurde Sir Samuel M 0 n t a g u e mit zahllosen Glückwünschen anläßlich seiner Standeserhöhung zum Peer überschüttet. Er genießt wie kaum ein zweiter Citymagnat die Hochachtung und Verehrung aller Kreise. Montague war von 1885 bis 1900 als Vertreter Whitechapels Mitglied des englischen Unterhauses und beschäftigte sich namentlich mit Währungsfragen, wobei er die bimetallistischen Grundsätze vertrat. Heute ist sein Sohn Unterhausmitglied. Der neue Peer ist streng orthodoxer Jude und genießt das größte Vertrauen der englischen Judenschast, für die er sich, im Gegensatz zu anderen Magnaten, immer mit Feuer eingesetzt hat. Seine Teilnahme an der Wohlfahrt der russischen Juden verschaffte ihm seinerzeit einen Ausweisungsbefehl aus Moskau.