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Die Wahrheit · 1907-06-28 · Heft 25 (28.6.1907) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 25 (28.6.1907)
Date
1907-06-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Die Wahrheit Seite ö. Nr. 25. für Religionslehrer der- Mittelschulen eine Anstalt besteht. Die? Theologische Lehranstalt hat sich selbst eine Schlagader durch- > schnitten. Sie wollte und will keine Lehrer ausbilden. Die sich j dem Lehrerstande widmen, müssen ihre eigenen Wege gehen. Und die sind nicht immer die besten. Das Seminar bildet nur Rabbiner aus! Mit bescheidener gestelltem Ziele könnte mehr erreicht werden. Die Universität ist auch keine Profefforen-Fabrik und nicht nur Gelehrten-Werkstätte. Männer des Lebens und der Jugenderziehung schickt sie in die darauf angewiesene Welt. Universität spielen und schließlich doch nicht sein; das ist nicht vernünftig. Die Rabbiner geraten dann in Verlegenheit. Sie sollen selbst Religionsunterricht erteilen. An Volks-, Bürger¬ und Mittelschulen. Sollen Inspektoren dieser Schulen sein. Haben aber keinerlei pädagogische Vorbereitung. Müssen erst an den Schulen lernen. Denn von Natur tüchtige Schulmänner sind selten. — Man glaube nicht, daß es bei anderen, d. h. Lehrern anderer Disziplinen anders oder besser wäre. Im Gegenteil. Im Juden steckt durch Atavismus ein Lehrer. Einst war jeder echte Jude stets und zugleich Lehrer und Schüler. Die religiöse Pflicht gebot ihm, zu lernen und zu lehren". Die auf die Schüler „losgelassenen", eben aus dem Ei gekrochenen, milchbärtigen Mittelschullehrer richten keine kleinen Verheerungen an. Wir dürfen das aber nicht dulden. Zuviel steht aus dem Spiele. Unser Publikum hat stets die Neigung, den jüdischen Religionslehrer mit anderem, meist ungerechtem Maße zu messen. Daran läßt sich nun einmal nichts ändern. Und je weniger ernst es den Leuten um die Religion sein wird, umso schärfer werden sie mit den Lehrern ins Gericht gehen. Deshalb ist's nötig, daß sie wohlgewappnet sind. — Die radikalste Knr wäre — horibile dictu — Entfernung des Religionsunterrichts aus allen Mittelschulen. Die radikalste und beste, wenn wir nicht in Oesterreich und in Wien lebten. Wo die Juden darin eine Haupthetz erblickten und nicht ein großes sittliches Problem. Sofortige Gründung großer, wohlorganisierter Schulen zu religionsgeschichtlicher und religiöser Unterweisung müßte die Folge sein; mit der Devise: Wer hungrig ist, der komme. Kein Zwang. Das müßte natürlich für alle Konfessionen gelten. Und die so geschaffene „Freie Schule" dürfte, wie in allen Ländern, wo Staat und Kirche gründlich getrenul sind, absolut nicht religionsfeindlich, sondern müßte indifferent sein. — Aber bei uns wäre das Experiment gewagt, weil hierznland die Religion noch nicht als gewaltiger Kulturfaktor empfunden wird. Noch nicht. Denn dazu gehört tiefe Durchbildung der Massen, die der atheistischen Phrase und demokratischem Gefasel leichter Gehör schenken als dem ehrlich-ernsten Worte des wahrhaft religiösen — nicht pfäffisch-klerikalen — Lehrers der Religion. Die ersten aber, die in diese Religionsschulen nicht gingen, wären — die Großstadtjuden. Deren wässeriger Kosmopolitismus ist allzumal von fadenscheinigem, schäbigem Atheismus begleitet. Ohne Mark und Muskel, weshalb. es noch ein Glück ist, daß die Schule zwingt. Der Zwang aber kann verderbliches Geleite haben. Muckertum, Heuchelei, Betrug. Nur ja nicht die Ratsbefolgung : „Ist die Kirche Dir verhaßt, Tor, Desto öfter geh' hinein!" (Heine). Es bleibt aber endgiltig dabei: Religion ist, wenn sie nicht, wie anderswo, eingepaukt, eingebüffelt wird, Gegenstand der liebevollen Belehrung und sanftesten Erziehung. Sie ist kein Unterrichtsgegenstand, ob dessen man „durchfallen" kann. „Denn die schöne Jordansperle Hat des Römers Geiz verfälscht". Deutschtum und Judentum. von Dr. I. Goldschmidt, Offenbach a./M. (Schluß.) Herr Dr. Cohn fährt aber fort: „Ich kam aber im Anschlüsse daran auf meinen Zionismus zu sprechen, der für mich eine Folge meiner Wertschätzung des jüdischen Stammestums ist, dem ich noch eine große Zukunft zuschreibe." Hier ist also wieder das „Stammestum" in den Vordergrund gestellt und die „Religion" ganz beseitigt. Wäre das „Stammestum" nur der Mond, der von der Sonne des „Auserwählungsgedankens" seine Glorie empfängt, so wäre die „Wertschätzung des Slammestums" doch immer nur von sekundärer Bedeutung und die Religion das Primäre. — Oder meint Herr Dr. Cohn: Weil Gott durch die Auserwählung eine Wertschätzung des jüdischen Slammestums dokumentiert hat, darum macht auch e r sich diese Wertschätzung zu eigen? Dann stehen wir wieder anf dem Boden religiöser Ideen und nicht auf dem fester Tatsachen, auf dem allein feste Gesetze möglich sind — abgesehen davon, daß es eine willkürliche Interpretation nt, wenn man die „Auserwählung" auf Vorzüge des Stammes basiert, uicht auf die Gesinnung. Man kann den Cohnschen Zionismus drehen und wenden, wie man will; es kommt kein klarer, logisch folgerichtiger Gedanke dabei heraus. Aber schon die ganze Vorstellung von dem unveränderlichen „jüdischen Stammestum" ist eine wahrhaft kindlich naive. Dieses zionistische Dogma geht nämlich, wenn man ihm auf ben Grund sieht, viel weiter als der Antisemitismus. Der Antisemitismus dekretiert einen unversöhnlichen Gegensatz zwischen „Ariern" und „Semiten", der Zionismus muß einen solchen Gegensatz auch zwischen dem j ü d i s ch e n S t a m m und den übrigen Semiten aufstellen. Die Inden sind auch unter den semitischen Völkern zerstreut, und der Zionismus muß, will er konsequent sein, auch ein Aufgehen des jüdischen Stammes unter den semitischen Völkern für unmöglich erklären. Im „Zionismus" wird das ..Stammestum" betont, nicht bloß Raffe gegen Rasse, sondern auch Stamm gegen Stamm sind ewig unvereinbar; die Rassentheorie des Antisemitismus, die die ganze Wissenschaft gegen sich hat, wird im Zionismus noch übertrumpft, und der Gegensatz zur Wissenschaft wird dadurch noch krasser. Freilich, der religiöse Zionismus des Herrn Dr. Cohn läßt hier noch einen Schlupfwinkel zu: nur der jüdische Stamm sei ausnahmsweise durch den „Auserwählungsgedanken" gegen Aufgehen in anderen, auch verwandtesten Stämmen geschützt. Aber das ist erst recht Sophistlk und nicht Wissenschaft. Und dieses, wie wir sahen, so problematische, widerspruchsvolle, zwischen religiöser Idee und morphologisch-biologischem Phantom in der Lust schwebende „Stammestum", behauptet Dr. Cohn, ist „auch in den Inden, die ihm keinen Wert beilegen, tatsächlich lebendig". Er will also die gesamte beutfcfje Judenheit besser kennen, wie sie sich selbst kennt, und was er in sich selbst nur so logisch notdürftig markieren konnte, das will er in den Nichtzionisten als „tatsächlich lebendig" Nachweisen. Wie beweist er das? Man höre und staune! „Es gäbe keinen Antisemitismus, wenn es anders wäre. Man haßt uns nicht, weil wir schlechter, sondern weil anders, d. h. stammlich erkennbar sind." Ja, sind wir denn nur „stammlich" anders? Biel mehr als „stammlich" sind wir doch religiös anders, und wenn die Existenz des Antisemitismus durch das Anderssein begründet wäre, warum es ausschließlich auf das minimale Anderssein des Slammestums schieben und nicht auf das viel mehr hervortreteude religiöse Anderssein? — Aber das ist gar nicht der größte Mangel dieser Beweisführung. Bewiesen soll werden, daß „das Stammestum auch bei den Juden tatsächlich sieb endigt sei, die ihm keinen Wert beimessen". Das will doch wohl etwas anderes sagen, als daß auch Nichtzionisten „lange Nasen" haben. „Das Stammestum ist in jemand lebendig", darunter versteht jeder, daß der Stammescharakter, die innere Verschiedenheit vorhanden sei. Und diese die große, nichtzionistische Mehrheit der deutschen Juden empörende, die ganze nationale Tätigkeit und Gesinnung derselben diskreditierende Behauptung mit einem so seichten Beweise begründen zu wollen, heißt wirklich: mit den heiligsten Ueberzeugungen seiner Nebenmenschen und Glaubensgenossen frivoles Spiel treiben. Man verzeihe den harten Ausdruck. Aber diele zionistische Methode, im Herzen der Nichtzionisten die „Philosophie des Unbewußten", zionistische Unterströmungen, mit den oberflächlichsten Beweissührungen entdecken zu wollen, verdient wirklich die strengste Abfertigung. Die Verwerfung der Mischehe führt Dr. Cohn auf dieses unbewußte Stammestum zurück. Das sagt ein Rabbiner! Weiß er denn nicht, — nein, er weiß es sehr gut, daß nur die religiösen -■szsr- .«wi iriH

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