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Die Wahrheit · 1907-06-21 · Heft 24 (21.6.1907) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 24 (21.6.1907)
Date
1907-06-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 24. Möglich aber, Herr Dr. Cohn will die allgemeine zionistische Ansicht von Rasse und Religion theologisch-rabbiiiisch modifizieren, er will die Gleichung umdrehen, um eine Veränderung der Vorzeichen zu erzielen, so daß Religion in den Vorder- und Rasse in den Hintergrund käme: Demnach wäre sein Ansicht folgende : „Stammes'tum" -ist an sich' nicht unveränderlich — das stimmt D Min der Wissenschäst^nbereich .die von unveränderlichen Rasieii; ^nichts-weiI- '-^-,' Mr^daA-j üd/i's ch-e ^Stämmes'tnnr" ist unver-! Ündtzrsich/'ii/eij es vnt tzW^WiWMhMiiAsgedänW^-EltMitb'ch.'! verknüpft'' 'ist/-' weil Israel' .. auserwählt" ist und '„auserwählt'" ' bleiben soll, darum darf sich sein Stammestnm nicht verändern. „Darf"? Nein! Dr. Cohn meint: „kann". Das ist aber handgreifliche Sophistik. Wenn das Dr. Cohns Ansicht ist, die er in der Z^stnndigen Unterredung doch sicher ausführlich dargelegt hat, dann ist der Herr Direktor unbegreiflich, der es für möglich hielt, daß solche theologische Sophisterei die allgemeine Ansicht der Inden fein könne. Vor allem ist es logische Unklarheit, wenn man h i st o r i s ch Nachweisen will, daß etwas in alle Zukunft nicht fein könne. Die historischen Gesetze sind tioch zu entdecken, auf Grund deren man eine Veränderung in der Geschichte für unmöglich erklären könnte. Solche Gesetze gibt es in der Naturwissenschaft, wo durch die exp eiim e n t e l l e M e t h o d e die Grenzen der Veränderlichkeit festzustellen sind. In der Geschichte haben wir nur Analogie der Tatsachen, die mir als Schlüssel für die Rätsel des Geschehens versuchen, mit denen wir aber der Veränderung noch kein Schloß vorlegen können. Aber was beweist der „Auserwühlungsgedanke", der im äußersten dogmatischen Sinne nur die Unvernichtbarkeit des ganzen jüdischen .Stammestnm" postuliert, gegen die Möglichkeit, daß die Juden eines Landes in dem „Stammestnm" ihrer Umgebung aufgehen? Aber was har denn der „Auserwählungsgedanke" überhaupt mit dem ..Stammestnm" zu tun? Der „Auserwählungsgedanke" ist eine religiöse Idee. „Ideen" gehören aber allen, die sich ihrer bemächtigen. Da gibt es keine Grenzpfähle des „Stammestums" oder sonstiger Schranken. Wenn der „Auserwählungsgedanke" untrennbar mit dem jüdischen „Stammestnm" verbunden wäre, dann dürfte das Judentum unter keinen Umständen P r o s e l y t e n a'ufnehmen. Wie konnte da das ganze Volk der Chazaren im Judentum aufgeheu? Wie konnten da der König Jpates von Adiabene und die vielen Millionen, die zur Zeit der Entstehung des Christentums im römischen Reiche zum Judentum übertraten, ins Judentum anfgenommen werden? Das sind historische Tatfach e n, nicht bloß „Gedanken", und historische Tatsachen beweisen immerhin, wie historische „Ideen" aufzufassen sind. Nein, es ist logisch unklar, wie Herr Dr. Cohn „an der Hand des Auserwählungsgedankens" Nachweisen will, daß durch die Religion des Judentums unser „Stammestnm" unabänderlich sei. (Schluß folgt.) A«s der territoriattstischen Kewegmig. Bialostok. Am 30. Mai fand die konstituierende Versammlung der hiesigen Territorial: st en statt, die sehr zahlreich besucht und äußerst interessant gewesen ist. Nach der Berichterstattung hielt Herr Löwenberg eine Rede, in der er ausführlich die jüdische Emigration besprach, um dann den Zweck des Jto-Emigrations-Departements, sowie die Ziele der Territorial-Bewegung im allgemeinen zu erläutern. Die Versammlung sandte an Z a n g w i l l folgendes Telegramm: „Die konstituierende Versammlung der Bialostoker Territorialisten spricht ihrem Führer ihr Vertrauen aus und wünscht seinen Unternehmungen besten Erfolg." Chwoles, Vorsitz. — Perth (Westaustralien). Der hiesige Zweigverein der Jto, um welchen sich Mr. O. S. B e r n a r d, Bürgermeister von Northam, besondere Verdienste erwarb, erstattet nun seinen Jahresbericht. Zufolge der gehässigen Stellungnahme der Zionisten zur Jto sagte sich dieser Verein, der ursprünglich ein zionistischer gewesen, von letzterer Organisation los und wurde unabhängig. Anläßlich der konstituierenden Versammlung meldeten sich 53 Mitglieder an, welche Zahl bis heute aus 141 gestiegen ist. Im Berichtsjahre wurden zehn Maffen- Meetings und zwölf interne Versammlungen nt Princeß Hall abgehalten. In seinem Jahresberichte sagt der Präsident, Rev. D. I. Freedmann, u. a.: Wir beklagen uns nicht über die Verschwiegenheit, die seitens der Zentral-Leitung beobachtet wird. Wir sehen die Notwendigkeit der peinlichsten Vorsicht ein, denn ein einziger Fehltritt im Anfang würde verderbliche Folgen haben." . .. ) Eine im Dezember abgehalteng Volksversammlung beschloß einmütig die Bestätigung, des Jto-Eiiiigratiöns-Departements. ' Ko'wno. Am 1. Juni sprach hier im Harmonie-Saal in einer Territorialisten-Versammlüng Herr Dr. Joche l m.a n n, der über eine besondere Entladung der hiesigen Jchisten. eigens zu diesem Zwecke, nach Kowno kam. Der Redner .besprach zunächst eingehend die zwei scharf getrennten Perioden jir.'der/jüdischen. Geschichte,' u/zch. die. der. Passivität, in der, die Juden auch 'njcht einmab ben' Versuch ' unternahmen, ihre Lage zu ver- Wsseru,' -dagegM sich ' liur tim kosmopolitischen. Träumen^ von? Glauben mi' internationale'Gleichheit und Brüderlichkeit einlullen ließen, wie z B, in Frankreich und Deutschland im 18. und 19. Jahrhundert. Dann kam Redner aus die Zeit der Selbstemanzipation zu iprechen, die ihren markantesten Ausdruck im Zionismus fand, indem letzterer, die Ursache an der Wurzel fassend, klar und deutlich die Lösung der Judenfrage erschaute. Doch diese noch vor kurzem so mächtige Bewegung der. erwachten jüdischen Massen, führte der Referent aus, verlor mir dem Momente völlig ihre Bedeutung, als der Zionismus seine Tätigkeit nur auf Palästina beschränkte, einem Lande, das für die Juden niemals erreichbar sein wird. Er verstel in diesem Augenblicke in ein totes Dogma, das aus dieser populären jüdischen Massenbewegung eine engherzige, verknöcherte Partei im jüdischen Volke machte. Denn der Sultan wird sich nie dazu entschließen, eines seiner besten Gebiete an die Juden abzutreten. Auch V a m b e r y, der den sel. Herzl beim Sultan einführte, bestätigt, daß während der Audienzen, die der Sultan unserem verewigten Führer gewährte, von einer Abtretung nicht die Rede war. Diese düsteren Perspektiven werden sich auch dann nicht erhellen, wenn der gegenwärtige Absolutismus in der Türkei der demokratischen Ordnung das Feld wird räumen müssen. Hiebei zitiert Redner einen Artikel aus einem in der Schweiz erscheinenden jungtürkischen Blatte, in dem es u. a. heißt:' „An dem Tage, an welchem Abdul Hamid den Zionisten Palästina gibt, wird sein Körper zerfetzt in den Straßen Konstantinopels liegen." Nach einer eingehenden Kritik der jüngsten Strönlnng im Zionismus, der Kleinkolonisation, führt der Referent den Nachweis, daß eine Kleinkolonisativn m Palästina jeder gesunden Basis entbehrt. Die wahre, vollständige Lösung der Judensrage erblickt Dr. I o ch e lm a n n im T e r r i t o r i a l i s m n s, in der Erwerbung eines freien Territoriums mit autonomer Grundlage. Daß das Bestreben nach Erlangung eines Territoriums realisierbar sei, beweist die Tatsache, daß der Geographischen Kommission der „Jto" sechs Landanbote zur Ueberprüfung vorliegen. P r o t e st gegen die Statutenänderung der Jüdischen K o l o n i a l - B a n k. Die in Rußland wohnenden Aktionäre der Jüdischen K o l o n l a l - B a n k sind empört über das Bestreben der paar Führer des Zionismus, die Statuten der Bank so zu ändern, daß dieses glänzende Unternehmen unseres verewigten Dr. Herzl dem jüdischen Volke nicht den geringsten Nutzen bringen kann. Die Odessaer Territorialisten leiten einen gemeinsamen Protest ein und sammelten bereits viel Material, um diesen Protest dem englischen Gerichte zu unterbreiten. Verschiedene Nachrichten. Wien. Der Herausgeber der „Correspondenz Wilhelm", Herr kaiserl. Rat Ignaz Wilhelm, ist von Sr. Majestät dem Kaiser mit dem Eisernen Krouen-Orden III. Klasse ausgezeichnet worden. Wien. Die Konstituierung des jüdischen Reichsrats-Klubs, dem die Abgeordneten Dr. Heinrich Gabel, Dozent Dr. A. Mahle r, Adolf Stand und Dr. Benno Strauch er. angehören, hat bereits stattgesunden. Zum Obmann des Klubs wurde Dr. Strauch er gewählt. Wien. Herr Friedrich S e l i g m a n n, Sohn des Herrn Karl Selig mann, Obmann des israel. Tempelvereines in Wien X., hat sich mit Fräulein Helene Schick, Tochter des Herrn Kommerzialrates Berthold Schick, Direktor der Union-Bank, verlobt. Wien. Herr Rabbiner Dr. Armin A b e l e s wird sich am 24. d. M. mit Fräulein Renata Kahn in Frankfurt a. M. vermähleii. Wien. Mittwoch, den 19. Juni, 6 Uhr abends, fand unter Teilnahme des Präsidenten und mehrerer Vertreter der^Kultusgemeinde in den Räumen des Humanitätsvereines „E i n t r a ch t", IX., Universitätsstraße 4, die k o n st i t u i e r e n d e Versammlung des Vereines zur Gründung und Erhaltung des Kaiserin Elisabeth-Institutes für israelitische Krankenpsiegerinnen statt. Der Verein bezweckt bekanntlich, jüdische junge Mädchen und Frauen aus besseren Familien für den Krankenpflegerinnenberns ausbilden zu lassen und ihnen dadurch nicht nur die Möglichkeit einer humanitären Tätigkeit, sondern auch eine dauernde Versorgung zu verschaffen. Die Ausbildung dieser Pflegerinnen wird mit Unterstützung der israelitischen Kultusgemeinde in Wien im Spitale derselben erfolgen. Nach Erstattung des Berichtes des vorbereitenden Ausschusses durch Dr. Julius Zappert fand die Wahl des Vorstandes statt. Zum Präsidenten wurde Primarius Dr. F l e i s ch m a n n, zu Vizepräsidenten Professor Dr. E h r m a n n und Dr. Julius Zappert gewählt. * Breslan Das lebhafte Interesse, welches die in den letzten Jahren Hierselbst abgehaltenen Ferien k n r s e in Religionswissenschaften in der gesamten jüdischen Lehrerschaft sowohl wie in vielen unserer Glaubensgemeinden gefunden, hat die dazu eingesetzte Kommission unter Vorsitz des Prof. Dr. Badt bestimmt, auch in diesem Jahre die Einrichtung wieder ins Leben treten zu lassen. In dankenswerter Weise haben die Herren Seminarrabbiner Prof. .Dr. Le w y» Dr. Braun und Dr. H o r o w i tz, ferner die Herren Rabbiner Dr. Z u ck e r m a n d e l und

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