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Die Wahrheit · 1907-06-21 · Heft 24 (21.6.1907) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 24 (21.6.1907)
Date
1907-06-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Die Wahrheit Zelte 9. 4Lr. 24 Dr. Deutsch in voller Uneigeilnützigkeit ihre freundliche Mitwirkung als Lehrer zugesichert. Der Studieuplan ist analog dem vorjährigen gehalten. Die kantorale Fortbildung liegt ui den bewährten Händen des Herrn Chordirigenten E l s n e r. D i e K u r s e finden i n d e r Z e i t v o m o.~19. Juli statt. Zur Teilnahme sind Lehrer.und Lehrerinnen, auch solche außerhalb des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen, berechtigt. Die Kurse sind kostenlos. Auswärtigen können nach Maßgabe der vorhandenen Mittel Subventionen zur Bestreitung von Ausenthaltskosten, die sich bei nicht zu hohen Ansprüchen für eine Zeitdauer von 15 Tagen auf etwa 75—80 Mark belaufen dürsten, in Aussicht gestellt werden. Meldungen sind an den Schriftführer der Kommission, Lehrer M o o p s, Breslau VH, Sadowastraße 69, zu richten, der sich auch zu weiteren Auskünften gerne bereit erklärt. Berlin. Von den Unterzeichneten Berliner Gemeinderabbinern wird nachstehende „E r k l ä r u n g" veröffentlicht: „Gegenüber den in den letzten Wochen von verschiedenen Seiten aufgestellten unwahren Behauptungen über die Stellung der Rabbiner in der hiesigen jüdischen Gemeinde sehen wir uns zur Wahrung unserer Ehre zu folgender Erklärung veranlaßt: Es wird behauptet, daß der Vorstand der jüdischen Gemeinde Berlin im Jahre 1905 „die durch eine tausendjährige Entwicklung geheiligte Institution des Rabbinats" aufgehoben habe. Diese Behauptung beruht auf einer unbegreiflichen Verwechslung des in einzelnen Fällen religionsgesetzlich vorgeschriebenen Zusammenwirkens von drei Rabbinern (Lss-Oin) mit der Verfassung des Berliner Rabbinats, wie sie eine Zeit lang hier bestanden hat. Seit einigen Jahrzehnten hatten die Rabbiner der hiesigen Gemeinde ihre gemeinsamen Aufgaben, wie die Erstattung von Gutachten, die Beantwortung religiöser Anfragen, die Prüfung neu anzustellender Kantoren u. A., in kollegialer Beratung erledigt, und demzufolge hieß die Vereinigung der Rabbiner der hiesigen Gemeinde Rabbinat oder Rabbinats- Kollegium. Eine Aenderung dieser Einrichtung erfolgte aus Anlaß einer Frage rein taktischer Natur und führte dazu, daß der Vorstand, gestützt auf das Statut der hiesigen jüdischen Gemeinde vom 11. November 1895, § 54, gegenwärtig nur noch die Gutachten der einzelnen Rabbinate eintjolt. Damit tritt in Berlin lediglich der Zustand ein, der auch in Breslau, Frankfurt a. M.. Köln, Prag, Wien und anderen Orten besteht, in denen mehrere Rabbiner nebeneinander tätig sind. Im übrigen beraten und beschließen die Rabbiner der hiesigen jüdischen Gemeinde nach wie vor über die verschiedensten gemeinsamen Angelegenheiten und haben hierzu ein besonderes Sitzungszimmer und einen vom Vorstand angestellten Boten zur Verfügung. Völlig unberührt von der getroffenen Aenderung ist das oben erwähnte Zusammenwirken von drei Rabbinern (Bes-Din) für einzelne ' religiöse Akte, wie rituelle Ehescheidungen u. dgl.; diese finden in der hiesigen jüdischen Gemeinde nach wie vor nach den religionsgesetzlichen Bestimmungen statt. 2. Die Aufsicht über die rituellen Jnstiturionen der 5 hiesigen jüdischen Gemeinde wird heute ebenso wie früher im Namen des 1 Rabbinats der jüdischen Gemeinde von einem hiermit beauftragten Rabbiner und weiteren hierzu angestellten Beamten ausgeübt. An diesen, wie an jeden Rabbiner der hiesigen jüdischen Gemeinde kommen die ver- 1 schiedensten Anfragen religionsgesetzlicher Art zur Erledigung. Niemals hat , der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde es versucht, uns in unserer religiösen Ueberzeugung zu beeinträchtigen, oder gar etwas von uns zu verlangen, was ihr widerspricht. Die Unterstellung, daß wir solches uns hätten gefallen lassen, weisen wir mit Entrüstung zurück. Behauptungen wie die, daß die heutigen Rabbiner ihre Direktive vom Vorstande empfangen, und Phrasen noch niedrigerer Art, Männern gegenüber gebraucht, denen tatsächlich die wichtigsten religiösen Interessen der Gemeinde anvertraut . sind und die in einer langjährigen Tätigkeit die Achtung ehrenwerter und l wahrhaft religiöser Männer sich erworben haben, richten sich selbst. Rabbiner Dr. Stier. Rabbiner Dr. W e i s s e. , Rabbiner Dr. E s ch e l b a ch e r. Rabbiner Dr. Blumenthal. , Rabbiner Dr. Warschauer. Alt Warjim. Novelle von Babette Fried-Prag. (Fortsetzung.) - Der Amtmann vertraute ihr, daß die Sache einen Haken ll habe, und daß der Graf gewiß von seinem Heiratsprojekte ab- '' stehen werde, wenn man sthm nicht die notwendige Summe ein- - schicken könne, was ihm rein unmöglich ist. Marjim wurde nachn denklich. In ihrem alten Kopfe war ein Projekt entstanden, wie - dem Grafen zu helfen wäre. ' Nun ruhte und rastete sie nicht, s bis sie es erreichte. Er hatte es sich wahrlich um die Kille ver- ,j dient gemacht, daß man ihn aus der momentanen Geldverlegeug heit helfe, und es ihm ermögliche, fein unstetes Wanderleben t anfzugeben, und wieder auf dem väterlichen Grund und Boden £ wie ein rechter Edelmann an der Seite einer würdigen Gemahlin zu leben. Die Judengemeinde brachte auch auf Anregung der u neuen Alten in kürzester Frist die vom Grafen geforderte Summe ms, welche sie ihrem gnädigen Grundherrn in zartester Weise [[ rls Darlehen anbot. Kurz darauf langte die Anzeige von der :e tattgehabten Vermählung an, mit dem Versprechen, daß er nach >e einer Rückkunft von der Hochzeitsreise, die er in das Land der d Farben und Töne, Italien, unternahm, mit seiner über alles jeliebten Mathilde noch Sokolov kommen werde, um sich daselbst dauernd niederzulassen, und sich an der Seite seiner geliebten Frau und der Kinder, nach denen er heftige Sehnsucht empfinde, eines lang entbehrten Familienglückes zu erfreuen. Kurze Zeit hernach kamen die kostbarsten Geschenke an, welche Gräfin Mathilde ihren lieben Kindern sandte, Kleider von solcher Pracht, wie sie in der dortigen Gegend noch mcht gesehen waren, welche nur den einen Fehler hatten, daß sie sich für die hochaufgeschossenen, dabei aber kräftigen Kinder viel zu klein erwiesen; ferner war in der Kiste wunderbares Spielzeug und manche, den Transport vertragende Näschereien. Wer war glücklicher als Alt-Marjim, als sie das neue Eheglück ihres verehrten Herrn so fest begründet sah? Von da an schrieb Graf Berthold immer nur dann, wenn er Geld brauchte, und zwar geschah dies öfter, als es dem Amtmann lieb und den Finanzen gut war. Vom Nachhausekommen war aber vorläufig keine Rede mehr, und die zierlichen französischen Brieflein, welche der Abbee seinen Zöglingen in die Feder diktierte, wurden nur ganz flüchtig beantwortet. Kein Wort mehr von Sehnsucht nach den trotz ihrer hohen Abkunft doch verlassenen Waisenkindern war in den Briefen an dieselben zu lesen. „DerEinfluß der Stiefmutter macht sich bald geltend," sagte sich des Amtmanns Ehepaar. . ‘ Y- Eine längere Zeit hindurch war auf Sokolov nichts von dessen Besitzer gehört worden, als einmal ein reitender Bore ankam mit einem Briese an den Amtmann. In jener Zeit, in welcher sich die in diesen Blättern beschriebenen Vorgänge abspielten, durcheilte der elektrische Funke j noch nicht mit Blitzesschnelle weite Strecken bis an das Ufer des Meeres, von wo er sich unter dessen Wogen dnrchwühlt bis an ferne Gestade. Damals brauchte ein Brief viele Tage, um von Wien nach Sokolov zu gelangen. Wo eine rasche Benachrichtigung notwendig war, mußte ein Courier, der ein schnellfüßiges Pferd ritt, die Besorgung übernehmen. Zu diesem Mittel hatte auch Graf Berthold Zuflucht genommen, als er seine bevorstehende Ankunft anzeigen wollte. Er befahl seine Gemächer in Ordnung zu setzen, den Doktor davon zu benachrichtigen, daß! er recht leidend, nach Hanse komme, nachdem er sich bei einem i Jagdunfalle eine schwere Verletzung zugezogen habe, von der er! kaum geheilt würde, doch sich freue, nach Hanse zu kommen, um l nach langer Irrfahrt den längst ersehnten Frieden zu finden.! Auch möge man die alte Marjim benachrichtigen, da er in seiner j Rekonvaleszenz von niemand anderem gepflegt sein wolle, als! von dieser treuen Seele. Von Gräfin Mathilde war in diesem! Briefe keine Erwähnung gemacht. > Jung-Berthold ließ es sich nicht nehmen, seiner treuen i Marjim die Botschaft von der bevorstehenden Heimkunft Papas > selber zu überbringen, und ging sogleich in Begleitung seiner Bonne in die Kille herunter. ..Marjim. liebe Marjim, hast Du Putschalky für mich? Ich bringe Dir eine frohe Nachricht. Papa kommt nach Hanse. Ein reitender Bote hat dem Amtmann einen Brief gebracht." ..Gort sei gelobt und gedankt, daß ihn. meine alten Augen noch sehen werden, und daß ich die schwere Verantwortung endlich los werde! Wann kommt er, Bubi?" „Ich weiß es nicht," sagte der Knabe, „der Amtmann hat es mir nicht gesagt." „Und kommt Mama auch mit?" forschte Marjim weiter. „Mama?" sagte das Kind ganz verlegen, „davon weiß ich nichts. Aber nicht wahr, Marjim,' sagte es, indem es sich innig an die Alte schmiegte, „es ist besser, sie kommt nicht, sie ist ohnehin nur eine böse Stiefmutter, die mich und die Blanka in den finstern Wald jagen wird, zu den Bären und Wölfen, oder uns in wilde Tiere verzaubern wird." „Red' keinen solchen Unsinn, Bubi, bist ja sonst ein so kluges Bubi, wer hat Dir denn solche Dummheiten erzählt?" ..Was erzählt? Gelesen Hab' ich es selbst, schwarz auf weiß, in meinem neuen Bilderbnche, was mir das Christkindl zu Weihnachten gebracht hat, steht es gedruckt da, so muß es doch wahr sein, wenn es gedruckt ist, und wenn es nicht wahr ist, so hätte mir es das heilige Christkind ja nicht mitgebracht." (Fortsetzung folgt.)

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