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Die Wahrheit · 1907-06-21 · Heft 24 (21.6.1907) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 24 (21.6.1907)
Date
1907-06-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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die um die jüdische Wissenschaft hochverdienten Gelehrten j Salomon B u b e r und Professor Dr. Moriz Steinschneider. Von Verlesung des Berichtes wurde über Wunsch der Versammlung Abstand genommen und sofort die Debatte eröffnet. Herr M. Baum konstatiert, daß die Versammlung mit besonderer Befriedigung den Inhalt des Berichtes zur Kenntnis nehmen kann, ans welchem sich ergibt, daß die Vereinsleitung auch im verflossenen Jahre den vielfachen an sie gestellten schwierigen Aufgaben sich gewachsen erwies und das Werk der brüderlichen Hilfe für die verfolgten Glaubensgenossen in Rußland und Rumänien mit großer Umsicht und bedeutenden Mitteln in wirksamer Weise geleitet hat. Jedoch sei zu bedauern, daß die Generalversammlung zu einer so vorgeschrittenen Jahreszeit stattfindet, wodurch der Besuch derselben ein verhältnismäßig schwacher ist. Das Interesse weiter Kreise der Judenheit für die Allianz könnte unter anderem dadurch gehoben werden, daß die Zahl der Mitglieder des Beirates wesentlich vergrößert und ein Agitations- sowie ein Preßkomitee eingesetzt würde. Er richtet schließlich an den Vorsitzenden die Anfrage, wie es komme, daß trotz der hervorragenden Leistungen der Wiener Israelitischen ' Allianz und des Umstandes, daß sie speziell das jüngste rumänische Hilfswerk vom ersten Tage an mit fester Hand ergriff und die Führung in dieser Aktion erhalten habe, in einem dieser Tage in jüdischen Blättern publizierten Dankschreiben der rumänischen Glaubensgenossen, das an einen Berliner Verein gerichtet war. alle europäischen Organisationen angeführt, Wien aber nicht einmal genannt wird. Der Präsident erklärt hierauf, daß die Verspätung der Generalversammlung eine Folge des Umstandes sei, daß die Allianz seit Ende März mit der neuen rumänischen Hilfsaktion beschäftigt war und auch schon hierüber der Generalversammlung einige Mitteilung machen wollte. Bezüglich des Dankschreibens bemerkt er, daß dieses gerade an die ..Israelitische Allianz zu Wien" adressiert war, welcher die vereinigten Komitees in Rumänien ihre besondere Erkenntlichkeit für geleistete Hilfe ausdrückten, indem sie, wie aus dem Texte hervorgeht, die Allianz ersuchten, auch den anderen Organisationen den Dank zu übermitteln. Er verliest das Original des Briefes, das folgenden Wortlaut hat: „Jassy, den 14./27. Mai 1907. An den löblichen Vorstand der Israelitischen Allianz zu Wien. Hochgeehrte Herren! Die hier zu einer Beratung versammelten Delegierten der Hilfskomitees in Rumänien bringen Ihnen hiemit ihren tiefgefühltesten Dank für alle Beweise brüderlicher Teilnahme zum Ausdrucke, die Sie nach der. Heimsuchung der hierländischen Glaubensgenossen durch die jüngsten Ereignisse gegeben haben, und bitten Sie höflichst, auch den am Hilfswerk beteiligten Organisationen in Berlin, Frankfurt a. M., Paris und London, sowie den Glanbensbrüdern in Amerika, die unverzüglich so bedeutende Geldsummen zu Hilfszwecken sandten, gütigst ihren lebhaftesten Dank zu übermitteln . .. Die genannten Delegierten appellieren ferner an Sie, den unglücklichen Glaubensgenossen, die nicht in die Dörfer zurückkehren dürfen, oder aus ihnen ausgewiesen wurden und die nun in den verschiedenen Städten obdach- und erwerbslos umherirren, Ihr Augenmerk zuzuwenden und für sie alles zu tun, was möglich ist. Hochachtungsvoll und ergebenst Dr. M. Beck m. p., M. Schnürer m. p." Nachdem Dr. Bloch ausgesührt halte, daß es — gleichwie es die Berliner Organisation getan — Sache der Leitung der Wiener Allianz gewesen wäre, dm eben verlesenen Brief der Wiener jüdischen Presse rechtzeitig zur Verfügung zu stellen, wodurch allen Mißdeutungen und Mißverständnissen vorgebeugt worden wäre, wurden hierauf der Jahresbericht und die Rechnungsabschlüsse einstimmig genehmigt. Die turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder des Vorstandes, die Herren David Ritter von G u t m a u n, Oberrabbiner Dr. M. G ü d e m a n n, Wilhelm Pappen heim, Donat Zi ff er er, Michel Benies werden per acclamationem wiedergewählt. Aus dem Berichte der Allianz seien im nachfolgenden einige die Hilfsaktionen in Rußland und Rumänien betreffenden Stellen wiedergegeben: „Wie seit einer Reihe von Jahren müssen wir leider auch diesmal bei unserer Berichterstattung über die Vereinstätigkeit, in erster Reihe auf allgemein bekannte, empörende Ereignisse Bezug nehmen, welche über viele tausende unserer osteuropäischen Glaubensgenossen Jammer und Elend gebracht haben. Die beiden Länder, welche seit Jahrzehnten der gesitteten Welt mit einem traurigen Rhythmus abwechselnd das Schauspiel barbarischer Judenverfolgungen gaben und die jüdischen Hilfsorganisationen in Europa und Amerika ununterbrochen in Atem halten, Rußland und Rumänien, haben auch un verflossenen Jahre die hauptsächlichen Gebiete dargestellt, wo wir unseren gehetzten, entrechteten und geplünderten Glaubensbrüdern hilfreichen Beistand zu leisten hatten. Seit einigen Wochetl erst mußte wieder einmal für die Juden in Rumänien eine umfassende Hilfeaktion eingeleitet werden, deren gesamte Führung von den westeuropäischen und amerikanischen Organisationen unserer Allianz in Wien übertragen wurde. Gegenüber dem düsteren Bilde der Unduldsamkeit, des Menschenhasses und der Brutalität, welches wir in unserer Generalversammlung immer wieder zu entrollen gezwungen sind, liegt das Ersreuliche in dem erneuten Mute, mir welchem die Bedrückten selbst für ihre politischen Rechte und ihre wirtschaftliche Aufrichtung kämpfen, in der nie versagenden Opferwilligkeit, mit der unsere Mitglieder und Freunde uns in den Stand setzen, helfend einzugreifen, und in dem einmütigen Zusammenschluß der gleichstrebeuden humanitären Korporationen rn Europa und Amerika, durch welchen Aktionen großen Stiles erfolgreich durchgesührt werden." In Ergänzung der zu Beginn dieses Jahres veröffentlichten russischen Pogrom-Statistik und der durch die vereinigten Organisationen geleisteten Hilfe wird im Berichte mitgeteilt, daß denselben bis zum 30. Dezember 1906 für die Unterstützungen in Rußland 474.391 Pfund Sterling zur Verfügung gestellt wurden. Einschließlich der in Rußland selbst gesammelten Beträge konnten (gegenüber einem Schaden, der auf 54,000.000 Rubel geschätzt wurde) Unterstützungen in der Höhe von 6,185.75k Rubel, also durchschnittlich um etwas mehr als 100/0, gewährt werden. Die Gesamtausgaben der Israel. Allianz zu Wien für das russische Hilfswerk betrugen im Jahre 1906, einschließlich der Emigrationskosten, L 1,199.830-81. „Angesichts der noch dazu fortdauernden, von offiziösen Organen geförderten Hetze gegen die Juden und der beständiget! Furcht vor neuen Pogromen, ist es selbstverständlich, daß der Strom der Emigration nach überseeischen Ländern sich in fast ungeminderter Stärke ergießt. Dabei besteht allerdings das Hauptkontingent der Emigranten aus Personen, welche nach der Veräußerung ihrer letzten Habe die Mittel anfbringen, um selbstständig nach den Vereinigten Staaten und anderen Ländern zu gelangen, wo sie Anhaltspunkte für eine neue Existenz haben. Die Zahl derer, die mit unvollständigen Mitteln nach Wien kommen und unseren Verein zur Fortsetzung der Reise in Anspruch nehmen müssen, ist eine im Verhältnis zur gesamten Auswanderung nur geringe. Es hat jedoch der Ankauf von Schiffskarten für die durch unsere Mitwirkung beförderten Personen im Jahre 1906 K 220.864 erfordert. Außerdem wurden Bahnbeförderungskoften und sonstige Unterstützungen an Emigranten in der Höhe von K 214.637 bewilligt. In diesen Zahlen sind aber nicht die Ausgaben für die Schiffs karten enthalten, welche über Basel nach Kanada und Argentinien gelöst wurden und für welche die „Jewish Colonization Association" in Paris die Kosten ab Basel direkt bezahlt hat. Auch für die übrigen überseeischen Emigranten hat die genannte Gesellschaft mit gewohnter Hochherzigkeit die von uns aus den russischen Fonds bewilligten Zuschüsse zurückerstattet; sie hat uns dadurch in den Stand gesetzt, aus diesen Fonds außer den für Unterstützungen an Opfer der Exzesse direkt und durch das ..Russo Jewish Committee" überwiesenen K 641.476*87, in größerem Maße diejenigen zahlreichen und besonders bedauernswerten Auswanderer zu unterstützen, welche in Ermangelung der Erwerbsfähigkeit odervollkommener Gesundheit von der überseeischen Beförderung ausgeschlossen wurden und in europäischen Ländern untergebracht, oder über ihr Ansuchen in die Heimat zurückgeschickt werden mußten. Die statistischen Zahlen über sämtliche im Jahre 1906

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