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Die Wahrheit · 1907-05-31 · Heft 21 (31.5.1907) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 21 (31.5.1907)
Date
1907-05-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 21. Presse über den Stand der Bewegung auf dem Laufenden erhalten, endlich soll der nächste Zionistenkongreß mit der Turnfrage sich eingehend beschäftigen: Referat und Anträge fanden ungeteilte Anerkennung: Dr. Blum (Berlin) referierte über „Turnen ohne Turnhallen", wobei er alle modernen Systeme körperlicher Uebung besprach, wozu der Jüdische Turnverein Graz die Veranstaltung volkstümlicher Wettturnen beantragte, was auch angenommen wurde. Dr. Werner (Wien) erstattete in Vertretung Bergers (Köln) dessen ausführliches und inhaltsreiches Referat über „Propagierung der nationaljüdischen Idee in den jüdischen Turnvereinen", welches u. a. den vom Turntage beschlossenen Antrag enthielt, ein Komitee zum Zwecke dieser Propaganda einzusetzen und wie das Referat Blums vollen Beifall erntete. Endlich referierte P o l l a k (Wien) über „Herausgabe eines Leitfaderts der Turnkunst für jüdische Turnvereine", wobei der Referent bereits die Disposition eines solchen vorlegte. An alle Referate knüpften sich eingehende, sachliche Erörterungen, die zur Annahme der Leitsätze des Referenten führte. Von den sonstigen Beschlüssen ist die alljährliche Abhaltung einer Verbandsvorturnerstunde u. zw. im Jahre 1908 in Köln, die nächste Tagung der Turnerschaft 1909 in Berlin, die Unistzierung aller jüdischen Turnvereine in einer Stadt besonders zu erwähnen. An Stelle des abtretenden Verbands-Ausschusses wurde ein neuer Verbands-Ausschuß gewählt, da die bisherigen Mitglieder eine Wiederwahl, aus beruflicher Verhinderung ablehnen mußten. Gewählt wurden: zum Vorsitzenden Dr. Arndt, Schriftführer Dr. Z i r k e r. Turnwart Dr. Blum, Kassier H e r r m a n n und Beisitzer Dr. Franz Oppenheimer, sämtliche in Berlin, das neuerlich als Verbandsvorort bestimmt wurde. Der HI. Jüdische Turn tag ist in jeder Hinsicht glänzend verlausen und wird dazu beitragen, dem Gedanken der Verbreitung des Turnens unter den Juden neue Freunde und Förderer zu gewinnen, und der Bewegung eine alle Länder umfassende Organisation zu schaffen. Verschiedene Unchrichte». stärkte Chor mit Harmonium- und Harfenbegleitung brachte unter der strammen Leitung des Chormeisters Professor Sulz er einevollendete Kunstleistung, die allgemeine Anerkennung fand. Nach, der Trauung kam ein fast endloser Zug von Gratulanten ins ,-Hotel Euröpe". um dem Brautpaare ihre Aufwartung zu machen. An der Spitze der Kantoren erschien OberkantouS i n g e r mit dem Borstande des österr.-ungar. Kantoren- Vereines,. um in herzlicher Ansprache die Glückwünsche der Kollegenschaft zu übermitteln. Als äußeres Erinnerungszeichen an den Hochzeitstag wurde dem'Bräutigam ein Gebetbuch in prachtvollem Silberbaud mit Widmung des Vereinsvorstandes überreicht. Die große Zahl der sinnigen und wertvollen Hochzeitsgeschenke, wie die vielen, vielen brieflichen und telegraphischen Glückwünsche manifestierten die Beliebtheit und Wertschätzung, deren sich Oberkantor Guttmann in weitesten Kreisen erfreut. Wien. Ueber Einladung des Vorstandes des Bethaus- und- Krankenunterstützungs-Bereines „Bene Berith" hielt Herr Kantor Joses Grob am vergangenen Samstag im Vereinsbethause, XX., Traunfelsgasse, einen Pcobevortrag ab, der allgemeinen Beifall fand. Der gedachte Verein eröffnet demnächst ein neues Bethaus in den Räumen der früheren Toynbee-Halle, XX., Karajangaffe, welche zu dem Zwecke adaptiert und entsprechend ausgestaltet werden. Falls die Vereinsleitung ernstlich die Absicht hegt, einen gottesdienstlichen Funktionär zu engagieren, so könnte sie kaum eine bessere Wahl treffen, als in der Person des Herrn Joses Grob. Mödling. Am 28. Mai fand im Gemeindesaale der hiesigen Israel. Kultusgemeinde eine schöne Jubiläumsfeier statt. Dem Kantor und Sekretär Herrn Josef Benedikt wurde anläßlich seines 40 jährigen Dienstjnbiläums m dieser Gemeinde die ihm von Sr. Majestät unserem Kaiser verliehene Ehrenmedaille für 40 jährige treue Dienste in Anwesenheit des Kultusvorstandes, des Herrn Rabbiner Dr. Bardo wicz und des Beamtenkörpers durch den Herrn Vorsteher Ignaz Bel ai mit einer warmempfundenen und gehaltvollen Ansprache feierlichst überreicht. Nach Ueberreichung derselben gratulierte Herr Rabbiner Dr. Bardo wicz in einer geistvollen Rede. Daran schlossen sich die herzlichsten Gratulationen sämtlicher Anwesenden. Zum Schluffe überraschte der Herr Vorsteher B ö l a i den Jubilar mir einem ihm von der Gemeinde gewidmeten Ehrengeschenke, bestehend aus einer sehr wertvollen, goldenen Uhr, die die Jnitialien des Jubilars und der Gemeiude trägt, sowie einer goldenen Kette. Der Jubilar dankte tief bewegt in einer längeren Rede für die ihm zuteil gewordene Ehre, in der er. speziell der großen Verdienste unseres allseitig verehrten und beliebten Vorstehers, Herrn B e I a i, um die Gemeinde und seiner väterlichen Fürsorge für die Beamten gedachte. Möge dem Jubilar, der sich noch vollster Rüstigkeit erfreut, bis an die Grenzen hohen Alters viel Glück und Freude beschieden sein. Budapest. Im Jahre 1905 gab es in Ungarn 2371 jüdische Kultus gemeinden (581 Haupt- und 1790 Filial-Gemeinden), von denen 1597 orthodoxe, 539 sogenannte Kongreß- und 225 sogenannte Status guo-Gemeinden waren. Von den insgesamt 412 Rabbinern waren 238, von allen 1309 Rabbinatsverwesern und Religionslehrern 889 in orthodoxen Gemeinden angestellt. Auf Kroatien-Slavonien entfallen 26 Kultusgemeinden mit 21 Rabbinern und 35 Rabbinatsverwesern. Wie«. Samstag, den 1. Juni, Predigt im Stadttempel.! Wien. Dienstag den 28. Mai fand im Tempel IX. Müllnergaffe > in Anwesenheit der Familienmitglieder und intimsten Freunde die! Trauung des Frl. Alice Pappenheim, Tochter des Vorstandsmitgliedes i der „Israel. Allianz", Herrn Wilhelm Pappenheim, mit Herrn! Dr. Arthur Zacharias Schwarz, Sohn des Rektors der Wiener j theologischen Lehranstalt, Herrn Professor Dr. Adolf Schwarz, statt j Wien. Die Trauung des Oberkantors Bela Guttmann mit! Fräulein Melanie F a u 11, welche Dienstag, den 26. d. M., 1I24 Uhr j nachmittags, im Leopoldstädter Tempel stattfand, gestaltete sich zu einem j wahren Familienfeste der Leopoldstädter Gemeindemitglieder, die den j Freudentag ihres Lieblings zum Anlaß nahmen, um ihm ihre Sympathie! zu schönem Ausdruck zu bringen. Ein solch gefülltes Gotteshaus sah man! nur bei wenigen Anläffen vorher. Aber nicht nur die Leopoldstadt, sondern auch die Repräsentanz der Gemeinde, die Kollegenschaft des Bräutigams und die große Schaar seiner zahlreichen Freunde waren stark vertreten. Unter den Anwesenden bemerkte man Se. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n, den Präsidenten der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, die Vizepräsidenten Landesschulrat Dr. Gustav K o h n und Ritter von G o l d s ch m i d t, die Kultusvorsteher David Ritter von Gutmann, Baurat Stiaßny, Dr. Spitzer, Emil Horner, kais. Rat Weil, Dr. Hermann L ö w i, Adolf S ch r a m e k und Max Frank, die Bethausvorsteher Beck, Lemberger, Winterberg und W a s s Ljrvogel, I. Sekretär kais. Rat Dr. Lieben und Sekretär Dr. Adler, den Vorstand des österr.-ungar. Kantoren-Vereines unter Führung des I. Vizepräsidenten Oberkantor Bauer und fast sämtliche Kantoren Wiens, Regierungsrat Dr. Schlag, Kammervirtuos Alfred G r ü n f e l d, Dr. Josef Bloch, Deputationen zahlreicher humanitärer und geselliger Vereine, viele Beamte der Kultus gemein de, fast sämtliche ständigen Besucher des Leopoldstädter Tempels und auf den Galerien einen reichen Kranz von Damen. Den Trauungsakt vollzog Rabbiner Dr. S ch m i e d l, der in einer geistvollen Rede die Macht des Gesanges schilderte, und in die kantorale Funktion teilten sich I. Kantor Jurberger und Oberkantor Singer. Ersterer brillierte mit seinem hohen wirkungsvollen Tenor im Einleitungsgesange „Matomi“ und letzterer bot mit den „Schewa Berachoth“ ein Meisterstück stylvollen kantoralen Rezitativs. Der ver¬ Budapest. Die Affaire des Seminardirektors Josef B a n o c z i, dessen Tochter einen Getauften geheiratet, wurde friedlich beigelegt. Die Schriftgelehrten haben festgestellt, daß es eine Verirrung und Ungerechtigkeit wäre, Banoczi dieserhalb zu verurteilen. Denn wer würde es z. B. wagen, auf Don Isaak Abarbanel einen Stein zu werfen, weil sein Sohn Juda dem Väterglauben untreu wurde? Wer wird auch nur ein Wort erheben gegen Rabenu Gersom, dessen Sohn gewaltsamer Weise getauft wurde, der aber nachher trotz der erhaltenen Lizenz nicht wieder zum Väterglauben zurückkehrte. Im Falle Banoczi handelt es sich aber nicht einmal um eine Taufe. Margaretha Banoczi, nunmehr verehelichte Somlo, wurde als Jüdin die Gattin des aus seinem Glauben ausgetretenen jüdischen Professors und sie wird auch dem jüdischen Glauben treu bleiben. Ich bitte nicht zu lachen. Es ist blutiger Ernst, was ich da schreibe. So raisonniert nämlich der patentierte Schriftgelehrte, Mordechai Hajehudi, in seinem Blatte „Eggenlöseg" und es unterliegt keinem Zweifel, daß diese jüdische Zeitung bloß als Sprachrohr der maßgebenden Faktoren deren fertige Entscheidung verkündet. In derselben Offenbarung wird auch berichtet, daß Herr Banoczi die Demission von seinen jüdischen Vertrauensstellen eingereicht habe, die aber nicht angenommen werde. Professor Banoczi bleibt Direktor des jüdischen Lehrerseminars, Kurator des Rabbinerseminars und leitender Sekretär der jüdisch-literarischen Gesellschaft. Seine Tochter Margaretha bleibt trotz der eingegangenen Ehe mit dem Meschumed treu dem Väterglauben und ihr Gatte wird der aus seinem früheren Glauben geschiedene Professor B. Somlo sein. Punktum. Detmold. Eine seltene Ehrung ist unserer Gemeinde zuteil geworden, indem die Einweihung unserer neuen Synagoge in Anwesenheit Sr. Durchlaucht des Fürsten zur Lippe und Gemahlin, der Staatsminister, der Spitzen der staatlichen und kommunalen Behörden, des Herrn Reichstagsabgeordneten Dr. N e u m a n n - H o f e r u. v. a. stattgesunden hat. Nach dem Festgottesdienste überreichte der Fürst den Herren Prediger Plaut^und Gemeindevorsteher Meyer Ordensauszeichnungen. Bei dem Bankett, das die Feierlichkeiten beschloß, überbrachte Hofmarschall Graf Rittberg der jüdischen Gemeinde die Grüße des Fürsten, der die Verdienste der jüdischen Bewohner um das Aufblühen der Residenz mit Dankbarkeit anerkenne und als Zeichen dessen die Ordensverleihungen gewertet wissen wolle. Dem Wunsche, daß die harmonische Eintracht zwischen Evani1■■gajynaBBWsag»;

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