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Die Wahrheit · 1907-05-17 · Heft 19 (17.5.1907) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 19 (17.5.1907)
Date
1907-05-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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um Leite 8, Die Wahrheit Nr. 19. eigener Dichtungen des Schriftstellers Rudolf H a w e l statt. Gäste herzlich willkommen. Wien. (Dritter jüdischer Turntag.) Zu Pfingsten dieses Jahres findet in Wien der HI. Turntag des Verbandes der jüdischen Turnvereine statt. Aus diesem Anlasie wird das erste Verbands-Schauturnen der jüdischen Turnerschaft Montag, den 20. Mai l. I., 1j%9 Uhr abends, im Arbeiterheim, X., Laxenburgerstraße 8—10, abgehalten. Ihre Teilnahme an demselben haben außer den Wiener Vereinen die jüdischen Turnvereine von Berlin, Bielitz, Cöln, Constantinopel, Graz, Mährisch- Ostrau, Posen, Prag, Proßnitz und Samter angemeldet. Brünn. Am Sonntag, den 26. Mai l. I., findet , um */,1 Uhr mittags, im großen Tempel zu Brünn, die Trauung des Frl. Elsa Heller, Tochter des Herrn Oberkantor Josef Heller, mit Herrn Dr. Leopold Stern, Sekretariats-Konzipisten der isr. Kultusgemeinde in Wien, statt. Budapest. Auf die leider sehr wenig erbaulichen Zustände in der ungarländischen Judenheit wirft der folgende Fall, den die „Allg. Jüd. Ztg." erzählt, ein Helles Licht: In der orthodoxen Gemeinde zu I. ist die Rabbinerstelle seit einigen Jahren vakant. Natürlich nicht aus Mangel an Kandidaten, denn bekanntlich herrscht hierzulande auf keinem einzigen Gebiete ein solch riesiger Ueberfluß an Reflektanten, als auf dem Tummelplatz des Strebens, ein Rabbinat zu ergattern. Ursache der langen Vakanz ist vielmehr die Knauserei der Gemeinde, die das Rabbinergehalt ersparen möchte. Eine in religiösen Fragen entscheidende Persönlichkeit muß sie aber doch haben, und da machte sich einer ihrer beiden Schächter, obgleich er ein ziemlich großer Amhoorez ist, erbötig, sich das Rabbinatsdiplom zu verschaffen. Gesagt, getan! Er klopfte zuerst bei einem der angesehensten und gelehrtesten Rabbiner an, der ihn zuerst zurückwies, ihm aber, als er mit Protektion erschien, eine Empfehlung an einen Kollegen gab. Nun bekam er gleich von zwei Rabbinen die Erlaubnis, zu paskeneu. Es wäre dabei geblieben, wenn nicht einige Gemeindemitglieder protestiert hätten. Das Ende vom Liede war, daß die beiden Rabbinen das Diplom zurückgezogen, da es aus Grund von „Voraussetzungen" und „Informationen" gegeben worden sei, die sich nicht als richtig erwiesen haben. München. Wie verlautet, trägt die Regierung von Oberbayern Bedenken, der durch die städtischen Kollegien beschlossenen Ausnahmebestimmung zugunsten der am Sabbath geschloffen haltenden Geschäfte zuzustimmen, weil der zuständige Referent die rechtliche Zulässigkeit der Bestimmung auf Grund des Wortlautes von § 105 b bezweifelt. .■ Berlin. Eine Entscheidung von prinzipieller Bedeutung hat der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens aus zwei Eingaben an den Minister des Innern erhalten. Dieselbe betrifft die skandalösen Zustände in Borkum, die schon oft Gegenstand der Erörterung gewesen, und hat folgenden Wortlaut. Der Minister des Innern. I. b. 4025. Dem Zentral-Verein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens teile ich aus die Eingaben vom 21. Mai v. I. und 27. Dezember v. I. ergebenst mit, daß die Behörden in Borkum etwaigen Ausschreitungen gegen jüdische Besucher des Bades entschieden entgegentreten. So sind auch in dem zur Sprache gebrachten Falle des Bilderhändlers Sander mehrere Personen, die sich an den lumultarischen Auftritten beteiligt hatten, der Amtsanwaltschast in Emden zur Bestrafung angezeigt worden. Das gegen sie eingeleitete Strafverfahren schwebt zurzeit noch in der Berufungsinstanz. gez. v. Bethmann-Hollweg. Hamburg. Die Hamburg-Amerika Linie meldet: Nordamerika: D. Alexandria, nach Neworleans, 12. Mai 9 Uhr 10 Min. morgens Cuxhaven passiert. D. Andalusia, 11. Mai 9 Uhr morgens in Philadelphia. D. Arcadia, 11 Mai 6 Uhr nachm, von Newyork nach Philadelphia. D. A r t e m i s i a, 12 Uhr 5 Uhr morgens von Boston nach Baltimore. D. Batavia, nach Newyork, 12. Mai 5 Uhr 10 Min. nachm, von Boulogne sur Mer. D. Kaiserin Auguste Victoria, 11. Mai 3 Uhr nachm, in Newyork. D. M o l t k e, von Genua nach Newyork, 12. Mai 6 Uhr 30 Min. nachm, von Neapel. D. O t a v i, nach Newyork und Boston, 12. Mai 9 Uhr morgens Cuxhaven passiert. D. Pisa, 10. Mai 9 Uhr abends in Baltimore. D. Pretoria, von Newyork kommend, 11. Mai 12 Uhr 25 Min. mittags auf der Elbe. D. Silvia, 11. Mai 8 Uhr abends von Newyork direkt nach Hamburg. D. St. Croix, von Neworleans kommend, 11. Mai 1 Uhr 30 Min. nachm, aus der Elbe. D. St. Thomas, 11. Mai in Galveston. Westindien, Mexiko, Südamerika: D. Albingia, 11. Mai von Bera Cruz nach Progreso. D. A l l e m a n i a, von Mexiko kommend, 11. Mai von Havana. D. Altenburg, von Westindien kommend, 11. Mai 12 Uhr mittags auf der Elbe. D. A s c a n i a, 11. Mai in St. Thomas. D. Calabria, von Westindien kommend, 12. Mai von London nach Hamburg. D. C o n st a n t i a, nach Westindien, 12. Mai 4 Uhr morgens nach Grimsby. D. D a c i a, von Mittelbrasilien kommend, 11. Mai in Antwerpen. D. König Friedrich August, von Buenos Aires nach Hamburg, 13. Mai 6 Uhr morgens von Southampton. D. P a r t h i a, 11. Mai von Buenos Aires nach Rosario. D. P a t ag o n i a, von Westindien kommend, 12 Mai 8 Uhr morgens Lizard passiert. D. P o n t o s, nach dem La Plata, 11. Mai St. Catherines Point passiert. D. Scotia, 11. Mai in Barranquilla. D. S e v i l l a, 11. Mai von Santos über Teneriffe nach Hamburg. D. St. Jan, 12. Mai in St. Thomas. D. Troja, nach Südbrasilien, 12. Mai 4 Uhr 35 Min. nachm. Cuxhaven passiert. Petersburg. Die Zahl der jüdischen Dumadeputierten ist durch die kürzlich erfolgte Wabl des Sozialdemokraten Mandel bürg in Irkutsk von drei auf vier gestiegen. Mandelburg lebte bisher in Sibirien, wohin er vor Jahren wegen politischer Vergehungen — er war sozialistischer Agitator — deportiert worden war. In Sibirien übte er den Beruf eines Arztes aus. London. Hier soll demnächst die erste Schiffsladung koscheren australischen Fleisches eintreffen, aus welchem Anlasse, wie die „Tribüne" meldet, die Firma E. Bar nett & Comp., die sich mit der Lieferung koscherer Nahrungsmittel befaßt, ein Festmahl zu veranstalten gedenkt, zu dem sie schon jetzt den in London weilenden Ministern der britischen Kolonien Einladungen zugestellt hat. — Der Vertreter der Jüdischen Territorialgesellschast in London hat im südlichsten Teile W e st a u st r a l i e n s eine Million Acres zur Gründung einer jüdischen Kolonie ausgesucht und die Staatsregierung gebeten, dieses Landgebiet 18 Monate zur Verfügung der Gesellschaft zu halten. London. Bon einer vertrauenswürdigen russischen Persönlichkeit ging vor einigen Tagen in London folgendes Telegramm ein: „Das Versprechen Stolypins, keine Pogrome dulden zu wollen, hat keine beruhigende Wirkung gehabt; denn der „Verband der russischen Leute" setzt seine Propaganda ungehindert fort. Die Gruppen des Verbandes brüsten sich offen damit, daß sie machen können, was sie wollen. Sie habere Proskciptionslisten ausgearbeitet und an das Zentralkomitee in Petersburg gesendet. Dieses veranlaßte die Behörden auf Grund der Listen eine Anzahl von Privatleuten, die dem Verband lästig sind, zu verhaften oder auszuweisen und viele Beamte in der Provinz, die mit seinen Plänen nicht sympathisieren, zu entlassen. Die Mitglieder des Verbandes mißbrauchen den Namen des Kaisers in Verbindung mit der jüngst erfolgten Begnadigung von Hooligans und führen diese Gnadenakte als ein Beweis dafür an, daß man ihnen vollkommen freie Hand läßt. Der Ministerpräsident wird von der Schwarzen Presse als Verräter denunziert. Vor kurzem veröffentlichte die „Rußkoje Snamya", das Organ des Verbandes, einen Appell an den Kaiser, der mit den Worten beginnt: Kaiser, Du trägst eine große Verantwortung vor dem Volk, das Dich liebt und auf Dich vertraut. Kaiser, zögere keinen Tag mehr! Löse die Duma auf, ehe es zu spät ist! Nimm nicht auf Dein Gewissen das Blut, das sicher fließen wird, wenn Du noch länger zögerst!" Im Besitz dieser beunruhigenden Nachrichten erbaten die Präsidenten des Board of Deputies und der Anglo- Jewish Associaton eine Audienz bei Sir Charles Hardinge im Ministerium des Aeußeren und legten eine Abschrift des Telegrammes nebst ihren Bemerkungen dazu vor. Wie man hört, versprach Sir Charles Hardinge, in der Sache alles zu tun, was in seiner Macht stehe. Man braucht aber nicht im geringsten an dem guten Willen dieses Staatsmannes zu zweifeln, um von der Erfüllung seines Versprechens nicht allzuviel zu erwarten. Es gewinnt immer mehr den Anschein, als ob die „russischen Leute" die Zügel des Zarenreiches in Händen haben und die legitime Regierung mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt wird. Es wäre allerdings nicht das erstemal, daß die Geister, die man rief, schließlich nicht mehr zu bannen sind. Kairo. In der Jewish Quarterly Review beschreibt Richard Gottheil eine Urkunde aus dem 11. Jahrhundert, betreffend eine Synagoge in Kairo. Das Dokument ist das Protokoll eines Prozesses vor dem Ober- Kadi. Solche Protokolle wurden nämlich ausgenommen, wenn die obsiegende Partei es verlangte. Es war damals in mohammedanischen Ländern den Nicht-Muselmanen verboten, Gotteshäuser zu erbauen. Im vorliegenden Falle handelte es sich um eine Synagoge, die restauriert worden war. Dies muß den Zorn einiger Muselmanen erregt haben, und so brachte ein gewisser Ibrahim die Sache vor den Richter, indem er behauptete, die Synagoge sei ein ganz neuer, nicht ein wiederhergestellter alter Bau, und müsse zerstört werden. Der Vorsteher der jüdischen Gemeinde, ein gewisser Musa, wurde als Besitzer der Synagoge vorgeladen und seinem Ankläger gegenübergestellt. Er bestritt die Klage und gab an, er besitze die Synagoge bereits über 40 Jahre. Der Kläger wurde nun aufgefordert, seine Beschuldigung zu beweisen, erklärte aber, er habe keine Beweise. Musa dagegen brachte viele Zeugen, die seine Angaben bestätigten. Der Richter sprach darauf den Angeklagten frei. — Das Dokument ist datiert ans dem Jahre 1038. Frnilleton. Akt Warjim. Novelle von Babette Fried-Prag. (Fortsetzung.) Besseren Händen hätte sie das junge Gräflein nicht anvertrauen können.Der verwitwete^ Graf befand sich, um der Langeweile auf Sokolav zu entgehen, meist auf Reisen, ohne sich um sein Kind zu kümmern, während /er die Verwaltung des Gutes dem Amtmanne überließ und die Erziehung Jung Bertholds einem alten adeligen Fräulein, welches mehr/auf ihre religiösen. Uebungen achtete, als auf das Wohl und Behagen des^ ihrer Pflege anvertrauten Erben. Dieser war/, därjauf angewiesen.. daß Marjim hie und da aufs Schloß kam,'^en'Aräflichen>(Spröß^ing badete,

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