Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 18 (10.5.1907)
- Date
- 1907-05-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18. Die Wahrlieit » SBES Lette 9. allmählich die Leiterin der Welt." — Ferner sagt Herder: „D i e I n d e n waren und sind d a s a li s g e z e i ch n e t st e Volk der Erde; in seinem Ursprünge und Fortleben bis auf den heutigen Tag, in seinem Glücke und Unglücke, in Vorzügen und Fehlern, in seiner Niedrigkeit und Hoheit so einzig, so sonderbar, daß ich die Geschichte, die Art der Existenz des Volkes für den ausgemachtesten Beweis der. Wunder und Schriften halte, die wir von ihm wissen und haben. So etwas läßt sich nicht dichten, solche Geschichte, mit allem, was daran hängt und davon abhängt, kurz, solch ein Volk läßt sich nicht erlügen. Seine noch unvollendete Führung ist das größte Poem der Zeiten und geht wahrscheinlich bis zur letzten Entwicklung des großen, noch unberührten Knotens aller Erdnatnren hinaus." Nachdem Herder nun näher nachgewiesen, daß diese Geschichte, deren Wahrheit im allgemeinen noch niemand angezweifelt hat, zugleich einen vollgiltigen Beweis für die Wahrheit der jüdischen heiligen Schriften sei, setzte er hinzu: „Das sonderbarste Volk hat die sonderbarsten Bücher, ein Volk, dessen Religion und Geschichte ganz von Gott abhängt und dahin weist, hat auch Bücher der Art des Geistes; jene Dinge sind aus diesen, diese ans jenen entstanden und alles ist im Grunde nur eins. Ein Gepräge, ein Charakter, eine Beurkundung der Zeiten: ihr Name ist das Volk Adonais, wie dort der Name von Ezechiels Stadt und Tempel Adonai Schomoh." (Zur Philosophie u. Geschichte a. Th.) In ähnlicher Weise drückt sich Schlözer aus: „Die Juden sind ein Hauptvolk der Welt, nicht bloß der christlichen Weltgeschichte, als das Volk Gottes, sondern ein mächtiges Volk, das im Zeitpunkte seiner Größe aus mehr als fünf Millionen Seelen bestand; ein kultiviertes Volk, der Depositor aller Kenntnisse, die wir auch ans der ältesten Welt, lange vor den jungen Griechen, übrig haben; das einzige Volk, dessen Gesetzgebung und Sitten noch nach Jahrtausenden kenntlich sind und, im Wesen unverändert, feinen Staat überlebt haben." In gleichem Sinne äußerte sich Corovö: Noch ist die jüdische Religion durch ihr Alter ihre ursprüngliche Erhabenheit und ihre welthistorische Wirksamkeit diejenige, welcher unbedenklich die e r st e R o l l e gebührt. Ihr Pentateuch ist gleichsam der Urpatriarch der monotheistischen Glaubensgenossenschaften, denen von der Providenz die - großartigste Bestimmung zugeteilt worden. Ihr Gedächtnis reicht hinaus bis in die Wiege des Menschengeschlechtes, ihre Urkunden sind bis jetzt noch die erweislich ältesten, ihre Ueberlieferungen liegen den zwei Religionen zugrunde, die sich am weitesten über den ganzen Erdball verbreitet, die am meisten zur Humanisierung der alten und neuen Welt beigetragen haben. Mögen auch die Juden späterhin, wie die unglücklichen Chamiten in die Dienstbarkeit der Abkömmlinge des Erzvaters Noah, so in die Abhängigkeit von den Christen und Jslamiten geraten sein, doch haben sie — einzig in der Geschichte — bis auf den heutigen Tag ihre Eigentümlichkeit, ihre Religion sich erhalten, und hierdie wunderbare Lebenskraft derselben bewährt. So ist das Judentum unstreitig die altehrwürdigste Erscheinung in der Geschichte der Menschheit (Ersch u. Gruber Enzykl. 27). ^Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. (Israelitische K u l t u s g e m e i n d e.) Donnerstag, den 16. Mai, 6 Uhr abends, findet eine öffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde. I., Seitenstettengaffe 4, 2. Stock, statt. Tagesordnung: Rechnungsabschluß über die Einnahmen und Ausgaben der Kultusgemeinde und sämtlicher unter Gemeindeverwaltung stehender Fonds und Anstalten für das Jahr 1906. Wien. Der Vorstand des Synagogen-Vereines „B e t H-J s r a e l" nach polnisch-jüdischem Ritus, veranstaltet für seinen verstorbenen verdienstvollen Obmannn, Herrn Salo Landau. Sonntag, den 12. März 1907, präzise 6 Uhr abends, in der Vereinssynagoge, II., Leopoldsgaffe 29, eine Trauer-Andacht. Wien. (Hilfsaktion für Rumänien.) Bei der „Israel. Allianz zu Wien" sind bis 8. Mai zusammen £ 130.489 72 zugunsten der Opfer der Judenexzeffe ist Rumänien eingelaufen, darunter folgende größere Spenden: S. M. v. Rothschild E 7000, Baron Max Springer K 3000, Brüder Böhm E 400, Brüder Reumann E 100; von auswärtigen Gemeinden sind folgende größere Sammlungsergebnisse eingelanfen: K. G., Prag, II. Sammlung E 4000, Graz II. Sammlung E 638, Krakau durch Herrn Dr. Tilles III. Sammlung E 579 82 (darunter: Dr. Leo Ader, Dr. H. Judkiewicz. Jakob Bober je K 50, Eduard Sternbach, P. Kahane je E 25, S. R. Landau, Dr. L. Merz. Dr. S. Ehrenpreis, S. S. Katzengold je E 20), Pilsen II. Sammlung E 571 (Moriz Roth Iv 100, Karl Ann. Jakob Bleier. Josef Hofmann. Brüder Weil je E 50, Simon Smler K 30, Jakob Hermann und Sigmund Kotlarzik je E 25), orth.-israel. Kultusgemeinde Ungvar durch Bilmos Mermelstein E 413-10, Oaslau durch Rabbiner Simon Hoch und Vorsteher Goldberger E 203 (Lustig & Pick, Rudolf und Franz Meise! je E 20 u. a.), Prag Bnai Brith „Praga" E 200, Nasica E 172 (Max Fächer E 50, Julius Mannheim E 40 u. et.), Marienbad X 100. Zu der in imtYrem letzten Spendeiiausweis verzeichneten Sammlung von Olmütz durch Herrn A. Baumgarten (Verein Zion) im Betrage von E 1340 (nach Abzug von 5" 0 für den Nat'.onalsond durch die Spender) haben beigetragen: R. Promavesi E 50, Ang. Munk E 30. Josef Markus E 25, Th. Baderle. I. & W. Brieß, Jui. Deutsch, A. Fried, Max Hickel, Leop. Hufferl, Rud. Srem je E 20 tu a. — Weitere Soenden werden erbeten und im Bureau der „Israelitischen Allianz zu Wien". I., Weihburggasse 10, gegen Bestätigung, oder per Poftsparkassenkonto Nr. 8152 dankend entgegengenommeu. Wien. Dem Chef der seit nahezu vierzig Jahren bestehenden Kohlen-Eugros-Firma Adolf Schramek, Herrn Adolf S ch r a m e k. wurde der Titel eines k. u. k. Hoflieferanten verliehen. Diese Auszeichnung gilt nicht nur der renommierten Firma, sondern auch dem Eigentümer, Herrn Kultusvorsteher Adolf Schramek, der durch feine zahlreichen Wohltätigkeitsakte bekannt ist. Wien. Mittwoch, den 15. d. M. um 2 Uhr nachmittags sinder im Tempel, H., Tempelgaffe, die Trauung des Fräulein Stefanie H e i m a n n, Tochter des Herrn Julius H e i m a n n, Chordirigenlen der israelitischen Kultnsgemeinde, mit Herrn Karl S ch n i tz er, Sohn des Herrn Alois Schnitzer (tu Firma Löwy & Schnitzer), statt. Wien Der soeben ausgegebene, auf eine dreijährige Vereiustätigkeit zurückblickende Jahresbericht des Vereines „Machsike hadath“ konstatiert mir besonderer Befriedigung die erfolgte behördliche Genehmigung zur Aenderung der Statuten, wodurch eine weitere erfolgreiche Ausgestaltung der vom Vereine bereits gegründeten Institutionen und eine Inangriffnahme neuer Einrichtungen zum Wohle des gesetzestreuen Judentumes ermöglicht wird. In diesem Sinne wird baldigst an die Errichtung eines Jnformationsbureaus für durchwandernde Glaubensgenossen und eines Asyles für durchwandernde, hilfsbedürftige Glaubensbrüder geschritten werden und zur Förderung der jüdischen Lehre ist die Gründung einer „Talmud-Thora" geplant. Mit der Bespeiiung armer Glaubensgenossen an Sabbaten und Festtagen, sowie mit den täglichen Verabreichungen von Brod und Thee zur Winterszeit hat der Verein auch im abgelaufenen Jahre eine segensreiche Tätigkeit entfaltet, die die weiteste Unterstützung verdient. Dem bisherigen Vorstände gebührt für sein umsichtiges, menschenfreundliches Wirken vollste Annerkennung. Wien. (Kranken- und Unter st ützungs-Berein „M o n t e f i o r e". — Witwen- und W a i s e n f o n d - B e r e i n „M o n t e f i o r e".) In einer Borstandssitzung des Krankenvereines „Montefiore" wurde seinerzeit der Beschluß gefaßt, den seither verstorbenen, iangjährigen Obmann dieses Vereines, Herrn Josef P o l l a k, in Würdigung und Anerkennung seiner besonderen Berdtenste um den Verein, zum Ehrenmitglieds zu ernennen. Durch den jähen Tod dieses geschätzten Mannes war es nicht möglich, ihm das Ehrendiplom zu überreichen, weshalb eine Abordnung der Vereine „Montefiore", bestehend aus den Obmännern Herrn Leopold W e i n w u r m und Herrn Ignaz Semberger und dem Kassier Herrn Ignatz Beckmann, der Familie des Verstorbenen in feierlicher Weise das Ehrendiplom überreichte. Um Herrn Josef P o l l a k ein bleibendes, ehrendes Andenken zu sichern, hat der Vorstand weiters beschlossen, das Bild des Verewigten im Sitzungssaals des Vereines attzubringen. Die Enthüllung desselben fand am 2. d. M. in feierlicher Weise m Anwesenheit der Familie des Verstorbenen, des Gesamtvorstandes, des Herrn Gemeinderates Ferdinand K l e b i n d e r und vieler Freunde des Verstorbenen statt. Nach Verrichtung der üblichen Gebete hielt der Obmann des Krankenvereines, Herr Leopold W e i n w u r m. eine ergreifende Ansprache an die Anwesenden, in welcher er die Friedensliebe und das uneigennützige Wirken des verstorbenen Obmannes besonders betonte. Mit dem vom Kantor vorgetragenen „EI mole rachamim.“ schloß diese erhebende Feier. Wien. Zum Schluffe der Saison wurde der Wiener Jndenschaft noch eine sehr hübsche Ueberraschung zuteil. Der „Jüdische Bildungs- und Geselligkeitsverein für den XVI. und XVII. Bezirk" schloß am 7. Mai sein erstes, so erfolgreiches Vereinsjahr mit einem Jüdischen Autoren- Abend im Musikvereinssaale ab, bei welchem nur Werke jüoischer Dichter und Komponisten teils von dem Autor selbst, teils von würdigen Interpreten zum Vortrage gebracht wurden. Den Abend eröffnete Herr Schrifststeller Heinrich Jork-Steiner, der seine Erzählung „Moischele", die rührende Geschichte eines armen jüdischen Lehrjungen, voll Innigkeit und feiner Nuancierung las. Hierauf rezitierte Herr Direktor W e i s s e Rosenseldsche Gedichte. Man merkte es. daß R o s e n s e l d ein Liebling W e i s s e s ist, denn wohl selten wurde dieser große Lyriker mit so tiefem Empfinden, solcher Liebe und so zartem Verständnis und Eingehen aus jede Stimmung wiedergegeben. Das Straßberg -Trio (Frau Dr. Moldauer, die Herren Dr. Heinrich Straßberg und Hofmusiker Nilius) erfreuten