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Die Wahrheit · 1907-05-10 · Heft 18 (10.5.1907) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 18 (10.5.1907)
Date
1907-05-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Leite 8. Die Wahrheit Nr. 18. Paris. Hier wurde eine neue Ortsgruppe der Jüdisch-territorialistischen Organisation gegründer. Der Territorialismus gewinnt hier jeden Tag an Boden. In allen jüdischen Kreisen wird dieser Bewegung großes Jntereffe entgegengebracht. Ekaterinoslaw (Rußland). In der Residenz Ussischkins wurde Mitte April eine Masienversammlung abgehalten, in welcher die dortigen Vertreter der Jto Reseratc über die Ziele und Realisierung des Territorialismus gehalten haben. Trotz der Anwesenheit von vielen Gegnern aus dem Palestinensisch-zivnistischen und bundistischen Lager wurden die Referate von der überwiegenden Majorität der Versammlung niit großem Beifall ausgenommen und Resolutionen im Sinne der territorialistischen Lösung der Judenfrage angenommen. In derselben Versammlung wurde der Jto-Berein konstituiert und ein Ausschuß bestehend aus 8 bewährten Gesinnungsgenossen gewählt. Odessa. Das von der Jto-Konferenz in Kiew eingesetzte Organisations-Komitee behufs Einberufung und Vorbereitung' eines allrussischen Jro-Kongresses hot den Kongreß endgiltig für den 27., 28. und 29. Mai a. St. festgesetzt und arbeitet jetzt fieberhast an der Vorbereitung desselben. In ganz Rußland werden jetzt territorialistische Versammlungen abgehalten und neue Ortsgruppen der Jto gegründet. Neue Vereine und Ortsgruppen der Jto wurden unter anderen in folgenden Orten gegründet: Czerkasiy, Cherson, Ananjew, Bielostok, Wylkowischky, Krywoje, Osero, Simferopol, Uman. Berdiczew, Colaja, Pristan, Skadowka, Perm und vielen anderen Orten. Glasgow .England), Auf einer von den Territorialisten einberufeuen Massenversammlung hielt die bekannte Weltreisende Frau Helene Auerbach einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über den Territorialismus. Es wurde dort ein Brief von Israel Z a n g w i l l verlesen, in welchem Z a n g w i l l unter anderem schreibt: „Nach einer 18monatlichen Tätigkeit unseres Rates zweifle ich nicht mehr daran, daß, falls die heutige Generation der Inden für unsere Nachkommen keine Heimstätte sichern wird, so werden daran nur die Juden schuld sein. Was unserm Volke fehlt, das ist eine Organisation, und ich hoffe, daß Ihre große Stadt ein gutes Beispiel der guten jüdischen Organisation geben wird." Die Versammlung wurde mit einem Vertrauensvotum für Z a n g w i l l und seine Mitarbeiter geschlossen. Das «atiouale Judentum. Von Dr. M. H. Friedländer. (Fortsetzung.) Man hat sich aber nicht einmal an die Edikte gehalten, sondern überall fanden, häufige militärische Hinrichtungen, Volksaufläufe und Gemetzel statt. Indessen . durch ein Wunder der Vorsehung, welches das Erstaunen aller Christen rege machen muß, besteht diese gehaßte, an allen Orten seit einer großen Zahl von Jahrhunderten verfolgte Nation noch heute, überall. (Das., Einl., T. I, Plane de cette histoire). — Die Völker und Könige, Heiden, Christen und Mohammedaner, in so vielen Punkten entgegengesetzt, haben sich in der Absicht vereinigt, diese Nation zu vertilgen und es ist ihnen nicht gelungen. Mosis Dornbusch, von Flammen umgeben, hat immer gebrannt, ohne sich zu verzehren. Man hat die Juden aus allen Städten der Welt verjagt und das diente nur dazu, sie in alle Städte zu verbreiten. Sie leben noch trotz Schmach und Haß, die ihnen überall folgten, während die größten Monarchien so gefallen sind, daß sie uns nur dem Namen nach bekannt sind. (Das., T. HL, Einleitung, G. Gesch., ibid. 316.) Auch in späteren Zeiten hat es zahlreiche christliche Gelehrte gegeben, die, weil sie auch gründliche Kenner der Thora und der rabbinischen Literatur waren, das Judentum stets in Schutz nahmen und das jüdische Schrifttum verherrlichten. So z. B. äußerte sich der verdienstvolle Buxtorf in der Vorrede zu seinem chaldäischlalmudischen Wörterbuch über den Talmud in folgender Weise: Der Talmud enthält viele glaubwürdige Bruchstücke und Denkmäler des verfallenen jüdischen Altertums, um die Verfälschungen der späteren Juden darzutun, die Geschichte der beiden Testamente zu verherrlichen, die Gebräuche, Gesetze, Gewohnheiten des alten hebräischen Volkes richtig und am passendsten zu erläutern. Er enthält viele vortreffliche Lehren der Rechtsgelehrsamkeil, der Arzneiknnde, der Natur-, Sitten- und Staatslehre, der Sternkunde und anderen Wissenschaften, welche die Geschichte jenes Volkes und jener Zeit so außerordentlich empfehlen. Er enthält herrliche Sprüchwörter aus dem Altertum, ausgezeichnete Urteilssprüche, scharfsinnige Gedanken, unzählige weife Aussprüche, welche den Leser entweder besser oder weiser oder gelehrter machen können, und gleich den glänzendsten Edelsteinen nicht weniger die hebräische Sprache zieren, wie alle Blüten Latiums und Griechenlands ihre Sprachen verschönern. Er enthält viele Myriaden von Wörtern, welche entweder selten gebrauchte Wörter der heiligen Schrift erhellen, und ihren Ursprung erläutern, oder den Gebrauch der gesamten hebräischen und chaldäischen Sprache, der sonst durch die größte Unvollkommenheit lückenhaft und verstümmelt sein würde, auf ausgezeichnete Weise vervollkommnen und vollenden." In ähnlicher Weise haben sich auch noch viele andere christliche Gelehrte, wie Reuchlin, Braun, v. d. Hordt, Schudt, Soranhns, Lightfoot, Schettgen, Herder, Schlözer n. v. A. über das jüdische Schrifttum geäußert. Herder hat die großen Verdienste, die die Juden sich durch ihre erhabene Religionslehre um die Menschheit erworben, in folgender Weise gewürdigt: „Die Lehre des einen Gotteshat dies Volk gegründet auf der Erde und sie ist der Grund aller gesunden Theologie und Weltweisheit. Abgötterei und Götzendienst hat die klügsten Völker betört und Jahrtausende hindurch in Lüsten, Sinnlichkeit und Abscheulichkeiten festgehalten. Dies Volk hat die einfachsten und weisesten Nachrichten vom Ursprünge des Menschengeschlechtes erhalten und gleichsam aus der Nacht der Zeiten und den Trümmern der Völkerwanderungen gerettet; es gibt uns die älteste Karte der Menschenwohnungen und Erdengeschlechter. Sein Moses wagte es zuerst, eine metaphysische Lehre zur.Grundsäule des. Staates zu machen, die Unsichtbarkeit, Einheit und höchste Güte des Schöpfers der Welt für ein Volk zu nationalisieren und diesem großen Gedanken alles unterzuordnen. Als Griechenland noch tu der größten Barbarei lag, wagte ers, einen Freistaat zu gründen, dessen Oberherr, ein unsichtbares Wesen, nur Opfer der Liebe, des Dankes und der Reinigkeit verlangte und seine Befehle durch Licht und Recht spräche, dessen Glieder brüderliche, von einander unabhängige Stämme und ihr genaues heiliges Band ein Gott und ein Tempel wäre. Die Diener dieses Gottes und j Königs machte er von allem Eigentum los, verteilte sie überall I umher, daß sie mit Gottesfurcht, Gesetzen und Wissenschaften j alles Volk beraten, allen Stämmen zu Hilfe kommen sollten. Einen irdischen König schloß er zwar aus, er sah ihn aber vorher und gab auch ihm seine Schranken, sein Königs- und Kriegsrecht. Den Verfall in Sitten durch Priester sah er vorher; er gab ihnen aber die Propheten als außerordentliche Stimmen, als dictatores und censores morum zu Hilfe, und welch ein! Volk in der Welt hat in so frühen Zeiten eine Reihe so l mächtiger, so reiner Stimmen gehabt, a ls Isra e l an seinen i Propheten? Welchen Dichter Griechenlands oder Roms j wagen wir in Ansehung der erhabenen reinen Moral j und des umfassenden Nationalgeistes neben einen Jesaias zu! stellen und welch ein König der Egypter, Seytheu und Indier > hat wie David gesungen und gelehrt? Der Entwurf Gottes j durch Moses ist nie zur Vollkommenheit gekommen, was aber i in Uebung kam, ist vortrefflich und für die ganze Welt! ersprießlich gewesen — gerade der Segen, zu welchem Israel in Abraham gesetzt ward." Ferner erklärt Herder (Geist der hebräischen Poesie): „Es ist unsäglich, was für Schätze der Erkenntnis und Moralität des Menschengeschlechtes am Begriff der Einheit Gottes zu hangen bestimmt waren. Er wandte i vom Aberglauben, mithin auch von Abgötterei, Lastern und j Scheusalen privilegierter göttlicher Unordnung weg, er gewöhnte! daran, überall Einheit des Zweckes der Dinge, mithin allmählig j Naturgesetze der Weisheit, Liebe und Güte zu bemerken, also! auch in jedes Mannigfaltige Einheit, in die Unordnung Ordj uung, ins Dunkle Licht zu bringen. Indem die Welt durch den z Begriff eines Schöpfers zu einer Welt (Kosmos) ward, j machte sich auch der Abglanz derselben, das Gemüt der Menschen j dazu und lernte Weisheit, Ordnung und Schönheit. Welche! Lehre und Poesie der Erde hierzu beigetragen hat, hat die nützj lichsten Dinge, bewirkt. Die hebräische hat es vorzüglich. Sie ist j der älteste Damm gegen die Abgötterei gewesen, den wir | kennen; sie goß den ersten schönen Lichtstrahl der Einheit und j Ordnung ins Chaos der Weltschöpfung — und wurde durch! ihre Erhabenheit und Wahrheit, durch ihre Einfalt und Weisheit

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