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Die Wahrheit · 1907-05-10 · Heft 18 (10.5.1907) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 18 (10.5.1907)
Date
1907-05-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Leite 4. Die Wahrheit Nr. 18. bedacht sind, sich nicht von den unjüdischeu Phrasen Dr. Ofners und seiner Anhänger betören lassen, sondern dem als freisinnig und jüdisch denkenden Mann bewährten Landesschulrat Dr. G u st a v K o h n zur Wahrung ihres jüdischen Standpunktes und zur Wahrnehmung ihrer allgemeinen Interessen als Staatsbürger am 14. Mai ihre Stimme geben werden. * * -i- Das deutsch-fortschrittliche Wahlkomitee veröffentlicht folgenden Aufruf: G e e h r t e M i t b ü r g e r! Nach nuferer innersten Ueberzeugung können wir Ihnen für die aus dem V. Wahlkreise am 14. d. M. durchzuführende Wahl eines Reichsraisabgeordneten den Kandidaten der deutsch-fortschrittlichen Partei, Herrn Landesschulrat Dr. Gustav Kohn IX., Hahn g a s f e 25 nur allerwärmsteus empfehlen. Das fortschrittliche Zen tral-Wahlkomitee für W i e n hat bezüglich der Kandidatur für die innere Leopoldstadt seine Entschließung zu Gunsten des vom offiziellen B e - zirkswahl-Komitee der Partei einhellig nominierten Landesschulrates Dr. G u st a v Kohn mit mehr als Z w e i - drtllel-Majorität gefaßt und der Kandidat der Sozialpolitiker ist, trotz ihrer größten Bemühung für ihn, abgelehnt worden. Es hat sonach die oberste Instanz der fortschrittlichen Partei in Wahlangelegenheiten gesprochen und die Parteitreue, sowie die politische Raison machen es jedem fortschrittlichen Wähler des Y. Wahlkreises zur Pflicht, nicht nur Herrn Landesschulrat Dr. Gustav Kohn die Stimme zu geben, sondern auch mit aller Kraft für seine Wahl zu wirken, damit die fortschrittliche Sache siege und das Reichsratsma'ndat der inneren Leopoldstadt auch ferner im Geiste und in der politischen Richtung seines einstigen berühmten Trägers, des von allen Fortschrittsmännern hochgehaltenen Professors Eduard Sueß ausgeübt werde. Das produzierende Bürgertum und voran der Handel, die Industrie und das Gewerbe haben in erster Linie für ihre Interessen zu sorgen und dürfen daher dieses Mandat weder einem Sozialdemokraten, noch einem der allernächsten politischen Verwandten und eifrig st en Förderer der Sozialdemokratie ausliefern. Für die Wahl des Landesschulrates Dr. Gustav Kohn kann sich aber auch jeder freisinnige Mann schon wegen seiner sympathischen Persönlichkeit, seines offenen, loyalen Wesens, seines edlen Charakters und seiner bisherigen rühmlichen Tätigkeit vom Herzen erwärmen. Seine unermüdliche philantropische Wirksamkeit, die er seit Jahrzehnten ohne Unterschied der Konfession oder Nationalität entfaltet und die Tatsache, daß er im Laufe der Zeit Lausende ruinierte oder wankende Existenzen wirtschaftlich wieder aufgerichtet hat, sind stadtbekannt. Er ist bei Christen und Juden wegen seiner Herzensgüte, seines strengen Rechtsinnes und seines stets takt- und maßvollen Auftretens gleich geachtet. Im n.-ö. Landesschulrate ist er für die Interessen der Schule allezeit mit mannhaftem Freisinn und mit tatkräftigem Wohlwollen eingetreten; gleichwohl hat er sich in dieser höchsten Schulbehörde des Landes auch die Wertschätzung der Vertreter der christlichen Kulte und die Achtung der politischen Gegner erworben. Landesschulrat Dr. Gustav Kohn, der auch ein Mann mit hellem Kvpf, mit beredter Zunge und mit praktischen Lebenserfahrungen ist, wird sich im Parlament nicht auf einen I s o l i e r s ch e m e l stellen und so selbst zur Ohnmacht verurteilen, sondern er wird sich als treues Mitglied der d e u t s ch-so r s ch r i t tl i ch e n Partei anschließen und mit diesem festen Rückhalt für die Interessen seiner Mitbürger eintreten! Für das deutsch-fortschrittliche Bezirks- Wahlkomitee Leopold st adt: Ferdinand K l e b i n d e r, Gemeinderat und Obmann des Ortsschulrates. Karl H e l b i g, Obmann-Stellvertreter des Ortsschulrates. Moriz B r i l l, Fabrikant und Bezirksrat. Dr. Alfred Berger, Hof- und Gerichrsadvokat. Markus B o n d y, Fabrikant. Dr. Leopold B r a d y, Hof- und Gerichtsadvokat. Dr. Josef B r e i t e n st e i n, Hof- und Gerichtsadvokat. Isidor Vierer, Kaufmann. Karl D. Boskowitz. Kaufmann. Philipp D u b, Kaufmann. Fr. Engel, Oberinspektor und Ortsschulrat. Karl Ehre nzweig, Prokurist. Julius Ehrlich, Kaufmann. Heinrich E i ch b e r g, Kaufmann. Ludwig Fein, Kaufmann. Hugo F r i e d m a n n. Holzhändler. Sigmund Feldbauer, Eisenbahnbeamter. Siegmund Fried m a n n, Redakteur. Dr. Arnold Goldniann, Arzt. Ludwig G roh s licht, Kaufmann. Karl G e i r i n g e r, Armenrat. Severin Grünspan n, Magister der Pharmazie. Heinrich H u s s e r l, Kaufmann. Dr. Ad. Herzfeld. Adolf Hupka, Schnhwarenfabrikant. und Armenrat. Edmund H o f m a n n, Tapezierer. Josef H u t t r e r, OrtsschulraN Benno Max Hess, Bezirksrat. Ignaz Zolles, Fabrikant. Johann Jahn, Tapezierer. Josef Jahn, Inspektor der Nordbahn niid Orrsschulrat. Albert Kohn, Herrenkleider-Erablissement-Besitzer. Dav.d K o l i e b, Hausbesitzer. Sigmund Keßler, Fnhrwerksbesitzer. K. Th. K a l a n, Privatbeamter. Sigmund K o d i ö e k, Magistratssekretär i. R. Daniel Löfs, Hausbesitzer. Dr. Hermann L ö w i, Ortsschulrat. Jakob März, Kaufmann. Gustav M a tz a k, Inspektor und Ortsschulrat. Heinrich Neurath, Kaufmann. Franz O b e r k o g l e r, Casstier und Armenrat. Ignaz Pöchhacker, Cafstier und Bezirksrat. Adolf Pollitzer, Spiritushändler. Julius P o l l a k, Ortsschulrat. I. Z. Pollaczek. k. k. Komnierzialrat. Sigmund Plauer, Kaufmann. August Prucker, Cafstier. Leopold Quiex, Bürgerschuldirektor. Jakob R i p p e r, Fabrikant. Moriz R o f c n b l a t t, Bankbeamter. Josef R o t tm a n n, Cafätier. Dr. Siegfried Spitzer jun., Hof- und Gerichtsadvokat. Wilhelm S t i a ß n y. k. k. Baurat und Gemeinderat. Dr. Marcus Spitzer, Hof- und Gerichtsadvokat und Bezirksschulrat. Albert S a b o r s k y, kaiserl. Rat. H. I. Samstag, Lagerhaus-Verwalter. Leopold Seiler, Gemeinderat. Moriz Stern, Hausbesitzer. Adolf S ch r a m e k, Großhändler, k. u. k. Hoflieferant. Emannel T a n b. Konfektionär. Karl T o ch, Prokurist. Heinrich Taub, Weinhändler. Dr. Eduard Uhl, Gemeinderat. Solomon W a s s e r v o g e l, Privatier. Leopold W e i n w u r m, Fleischhauer. Josef W ü n s ch, Realitätenbesitzer und Arinenrat. Moriz W a l d m a n n, Kaufmann. Josef Weiß, Kaufmann. Max Boiler, Anstreicher. Dr. Josef W i n t e r n i tz, Hof- und Gerichtsadvokat. Wilhelm Zissarsky. Kaufmann. An diesen Wahlaufruf schließt sich ein kurzes Programm des Landesschulrates Dr. Gustav Kohn mit folgendem Wortlaut: „Vom deutsch-forifchrittlichen Zentral-Wahlkomilee für das Reichsratsmandat des Y. Wahlkreises (Innere Leopoldstadt) als Kandidat berufen, habe ich mich den geehrten Wählern in der Wählerverfammlung vom 25. v. M. vorgeftellt. Meine Ausführungen wurden von der großen Majorität der Versammlung mit den lebhaftesten Kundgebungen der Zustimmung und des Beifalles begleitet. Nachdem die Anzahl der Wähler eine so gewaltige, die für Wählerversammlungen in der Leopoldstadt zur Verfügung stehenden Räume unverhältnismäßig klein sind, so erscheint es ausgeschlossen, daß ich in Wählerversammlungen zu allen Wählern zu sprechen in die Lage komme und ich gestatte mir deshalb. Ihnen in Kürze mein Programm, entsprechend den Ausführungen in der Wählerverfammlung vom 25. April 1907, mitzuteilen. Ich will mich dafür sehr warm, mit aller Kraft, bei jeder Gelegenheit einfetzen, daß die S taa ts g run d g e setze nach allen Richtungen und insbesondere in Bezug auf die Gleichberechtigung ohne Unterschied der Konfession, nicht bloß auf dem Papier stehen, sondern auch wirklich gehandhabt werden, daß das Reich s-Volksfchul-Gesetz in seiner Gänze erhalten, nicht durch administrative Verfügung durchlöchert oder nullifiziert werde, daß die Schule ihren alleinigen Beruf für Unterricht, Charakterbildung und Erziehung zu nützlichen, friedlichen, fleißigen Staatsbürgern und Staatsbürgerinnen erfüllt, daß der Jugend die ewig unvergänglichen Prinzipien der Menschlichkeit, der Ethik und Moral eingeflößt werden, ZwietrachtundHaß ferne gehalten, daß die L e h r e r von der Willkür und dem Wohlwollen der jeweilig herrschenden Strömungen ganz unabhängig gemacht, ihre Bezüge besser gestellt werden, daß nicht

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