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Die Wahrheit · 1907-05-10 · Heft 18 (10.5.1907) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 18 (10.5.1907)
Date
1907-05-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Wir ersuchen um freundliche Einsendung des Abonnementsbetrages und bitten gleichzeitig jene geehrten Abonnenten, welche Sommerfrischen oder Kurplätze aufsnchen, uns rechtzeitig die genaue Adresse anznzeigen, damit ihnen das Blatt dorthin regelmäßig zngesendet werden kann. Die Administration. Zur Reichsratswahl in der inneren Leopold stadt. Je näher der Wahltag heranrückt, desto bedauerlicher und häßlicher werden die Erscheinungen, die im Kampfe um dieses Mandat zutage treten, und fürchterlich traurig ist es hiebei, daß es der Leitung der „Oesterr.-Jsrael. Union" Vorbehalten blieb, den Gipfelpunkt dieser Erscheinungen zu erreichen. In einer Vorstandssitzung, bei deren Einberufung, wie der Vizepräsident Dr. Alex. M i n tz selbst in der Generalversammlung eingestand, ein Formfehler unterlaufen ist, wurde ohne Zuziehung der Beiräte und des Wahlkomitee, die bei Beschlüssen in selbst minder wichtigen Wahlangelegenheiten bisher immer gehört wurden, mit einer geradezu lächerlichen Majorität der Beschluß gefaßt, gegen Landesschulrat Dr. Gustav K o h n, der Beirat und Ehrenmitglied der „Union" ist, für die Wahl Dr. Ofners einzmreten. Doch nicht genug daran, daß der Vorstand die Ansichten des Beirates und Wahlkomitees, die in ihrer großen Majorität einen derartigen Vorstandsbeschluß entschieden bekämpft hätten, nicht hören wollte, auch die Stimmen der alten Mitglieder sollten in der für Samstag, den 4. Mai einberufenen Generalversammlung übertönt werden, und so wurden am Tage vorher aus den Reihen der Ofner-Partei rasch 200 neue Mitglieder — Leute, denen bisher die Zwecke der „Union" vollkommen gleichgültig > waren und unter denen einzelne sogar schon längst vom Judentum! abgefallen sein sollen — ausgenommen, die die „Meinung" der Generalversammlung beherrschen und den Beschluß des Vorstandes ratifizieren sollten. Diese sonderbare Haltung des Vorstandes ist nicht nur in der Generalversammlung von Seiten der Herren Dr. Bloch, Ehrlich und Dr. L i f c z i s aufs schärfste getadelt worden, sondern es herrscht auch in den Reihen der Gründer und alten Mitglieder der „Union", die an der Versammlung nicht teilnahmen, allgemeine Erbitterung, die gewiß nach der Wahl, wenn die Gemüter ein wenig beruhigt sein werden, wirksamen und für die Leitung verständlichen Ausdruck finden wird. Ganz abgesehen davon, daß Dr. Gustav K o h n Jahrzehnte hindurch der jüdischen Oeffentlichkeit und auch der ..Oesterr.- Jsrael. Union", an deren Leitung er als Beirat teilnimmt, herj vorragende Dienste geleistet hat. ist es geradezu unerhört, daß I eine Organisation, die berufen ist, jüdische Interessen zu verj treten und alle politischen Verhältnisse zunächst vom jüdischen Standpunkte zu beurteilen, die Kandidatur Dr. Ofners unterstützt, der bis in die allerneueste Zeit die Aufforderung, der „Union" als Mitglied beizutreten, mit dem Hinweise auf seine politischen, den Tendenzen eines spezifisch jüdischen Vereines widersprechenden Grundsätze abgelehnt und erst in den letzten Tagen — unter der Zustimmung seiner gewiß wenig jüdisch fühlenden Anhänger und darunter auch des Sekretärs der „Union" — in einer Wählerversammlung zum xten Male neuerdings wieder erklärt hat, daß es in der Politik einen jüdischen Standpunkt nicht gebe. l Und welche Persönlichkeiten sind es, die den Vorstand der österr. israel. Union an die Seite Dr. Ofners geführt haben? In erster Reihe Herr Maximilian Paul-Schiff, der es nicht vergessen kann, daß Dr. Gustav Kohn als Landesschulrat und Vizepräsident der Kultusgemeinde das von ihm geplante Attentat gegen den jüdischen Religionsunterricht abgewehrt hat, und dem nun der für die katholische Ehereform! schwärmende Dr. Ofner als ein willkommener Bundesgenosse! in feinem Kampfe gegen den jüdischen Religionsunterricht erscheint; in zweiter Reihe jene jüdischen Intelligenzler, die noch immer für allgemeine Freiheit und Gleichberechtigung schwärmen und an denen, weil sie kein jüdisches Empfinden haben, die traurigen Erfahrungen der letzten Jahrzehnte spurlos vorübergegangen sind; und als Avantgarde die Getauften, Konfessionslosen, Abfälligen und Abtrünnige n, bei denen die Parole „Los von der Kul insgemein de!" nur selbstverständlich ist. Wer jüdisch denkt und fühlt, kann diesen Elementen und ihrem Erwählten keine Gefolgschaft leisten, und darum erwarten wir, daß die jüdischen Wähler des inneren Wahlkreises in der Leopoldstadt, denen die Zukunft i h r e r K i n d e r, ihre Anhänglichkeit an Religion und Stamm nicht gleichgiltig ist, die die Ehre der Wiener Kultusgemeinde vor gehässigen Anrvurfen zu schützen sich berufen fühlen und auf das Wohl der gesamten Wiener Jndenschaft

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