Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 17 (3.5.1907)
- Date
- 1907-05-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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rette TFT- Die Wahrheit Nr. 17. von Nordbräsilien kommend, 27. April l Uhr nachm, auf der Elbe. D. S c otiß, nach Westindien, 27 April 2 Uhr nachm, von PontaDelgada. D: Sparta, 27. April von Rio Grande do Sul nach Santos. D. S t. Ja n, nach Wvstindien und Mexiko, 28. April 5 Uhr nachm, von Vigo. D. Thessalia, von der Westküste Amerikas kommend, 26. April Tenerrffe passiert. -- Ostasien: D. Belgravia, 29. April von Shanghai. D.-Borusfra, Truppentransport nach Ostasien, 28. April Ouesiant Creach passiert. D. B ri s g av i a, 27. April 6 Uhr morgens von NagasakinachKobe.D. Rchenanta,28. April von Shanghai. D. Saxonia,' auf. der Heimreise nach Ostasien. 28. April 9 Uhr 30 Min. morgens Dover passiert. D. Scandia, auf der Heimreise von Ostasien, 27. April Gibraltar passiert. D. S e g o v i a, 28. April in Penang. D. S e n eg a m b i a, 28. April in Iokohama. D. S i l e s i a, auf der Ausreise nach Ostasien, 28. April 2 Uhr nachm, in Lisiabon. D. S i t h o n i a, 28. April in Tsingtau. D. Suevia, 27. Avril nachm, von Manila. Alt Marjim. Novelle von Babette Fried-Prag. Vorliegende Erzählung dürfte dem Leserkreise unverständlich sein, wenn nicht vorhergesagt würde, daß sie sich in jener Zeit abspielte, da in Böhmen die Patrimonialherrschaft mit all ihren Schrecken herrschte. Ein Verhältnis zwischen Obrigkeit und ihren jüdischen Untertanen, wie es in diesen Blättern geschildert wird, gehörte damals, in den reißiger- und Vierziger-Jahren des eben verflossenen Jahrhunderts, zu den Seltenheiten und ist schon darum wert, ausgeschrieben und gelesen zu werden. I. So eine alte, jüdische Stube, warm, reinlich und behaglich, wenn auch ganz ohne Luxus eingerichtet, wie der Odem Gottes weht es die Besucher aus jedem Winkel derselben an- Nach Jahren noch ergreift es den Menschen mit stiller Sehn! sucht, wenn er jemals eine solche Stube bewohnt hat, und wenn er jetzt auch in einem schloßähnlichen Gebäude hauste, von raffiniertem Luxus umgeben, es kommen Tage, wo er mit Wehmut der glücklichen Zeit, die er in demselben verlebte, gedenkt. Solcher Tage gibt es viele während des Jahres. Es sind die Meilenzeiger aus dem Wege, den wir wandeln, es sind die Marksteine, auf die wir uns niederlassen, um zu rasten und einen Blick zurückzuwerfen auf den Weg, den wir zurückgelegt haben, auf die sich hoch auftürmenden,' schier unübersteigbaren Berge, die wir keuchend erklommen, auf die blumigen Täler, die wir durchwandelt, auf die wilden Gewässer, die wir durchschwommen sind. Diese Marksteine in unserem Leben sind die Festtage des Jahres, die entweder dem Ernste oder der Fröhlichkeit geweiht, uns auf dem beschwerlichen Wege, den wir wandeln, zur kurzen Rast gemahnen. An einem solchen Tage, dem Purimfeste, führen wir den Leser in eine solche von echt jüdischem Geiste durchwehte Wohnung. Gleich an der braun angestrichenen Türe prangt die Mesusa in einer hölzernen Kapsel/und das freigebliebene Wort „Schadai" sagte es jedermann, daß die Bewohner dieses Hauses sich unter den Schutz des Allerheiligsten begeben hatten. Drinnen in der Wohnstube sah es heute recht festtäglich aus. Vom niederen Plafond herab verbreitete die achtzackige Sabatthlampe ihr mattes Licht, zu dessen Vermehrung auf dem Tische zwei selbstgegossene Ünschlittkerzen angezündet waren. Der Tisch war mit allerhand Leckerbissen, lauter jüdischen Nationalgerichten, reichlich besetzt. Drei hübsche Kinder, ein Knabe und zwei Mädchen, alle drei fchwarzlockig und blauäugig, saßen bei Tische und spielten mit zwei Nußschalen das allbeliebte Schele Mele-Spiel um Nüsse. Zur Abwechslung machte der Knabe mit seiner Hamanklapper ein schier unerträgliches Gepolter. Der Vater dieser Kinder, der Hausierer Reb Chajim Lederer, faß mit einer ältlichen Frau in der Nähe des großen Kachelofens in ein so eifriges ernstes Gespräch vertieft, daß er das Geklapper gar nicht beachtete, sonst hätte er es wohl verwehrt. Draußen webte ein schneidiger Ostwind, welcher die mit Eiskörnern gemischten Schneeflocken gegen die Scheiben der kleinen Fenster trieb. Es war grausig anzuhören. Die Kinder wurden des Spieles müde, auch die Hamanklapper hatte den Reiz für sie verloren. Die Tigelchen der Lampe begannen zu verlöschen: Bei jedem Geräusche fuhren sie lauschend empor und erwartungsvolle: Freude rötetete ihre Wangen. ■ Sie hatten ihren Teil am den auf dem Tische aufgestellten Leckereien bereits verzehrt und wären gerne zu Bette gegangen, aber immer? erwarteten sie noch etwas, was zur Purimfreude gehörte, wie der Afikomen zum Seder. ■* Esther, das älteste der Kinder, machte sich ein Herz undwendete sich an den. Vater mit der Frage : . „Vaterleben, kommen denn heute keine Masken?" - „Nein, mein Gold, heute nicht!" ..Warum denn nicht?" Der Vater wurde verlegen. 'Er wußte nicht, wie es dem Kinde begreiflich, zu machen sei, warum für diesen Purim von jeder lauten und lärmenden Feier Abstand genommen wurde. Die Frau, welche neben ihm auf der Ofenbank saß, gab für ihn Antwort: „Hörst Du den Wind nicht, Estherleben? Wie können Masken in so einem Wetter herumgehen, sie möchten doch krank werden?" „O," sagte die Kleine, „vorigen Jahres war es noch ärger draußen, und doch sind viele Masken herumgegangen." „Heute dürfen sie aber nicht," sagte Marjim entschieden^ „Aber warum?" ..Warum? Darum! Wir alles wissen will, der lebt nicht lange," war die mehr kurze als logische Antwort. Die Kleine gab sich immer noch nicht zufrieden. ..Und werden gar keine Masken kommen, auch nicht die Armen?" „Gar keine." - „Und wovon werden die armen Leute Pessach machen, wenn sie sich das Geld dazu nicht als Masken aufbringen? Wird denn Leib Hosenschneider nicht als Chasen herumgehen und seine Kinder alle als Meschorerim?" „Nein, Heuer nicht. Aber Gott wird die armen Leute doch nicht verlassen, er wird ihnen schon auf Pessach aus irgend eine Art bescheren." Ein lautes Pochen an die Haustüre unterbrach dies Gespräch. „Masken, Masken," jubelten die Kinder, und ihre Augen funkelten voll erwartungsvoller Freude. „Wer wäre das zu so später Stunde?" sagte der Hausherr; „Masken sind es nicht, der Ruv hat es ja verboten." „Geh nachschaun, Chajimleben," sagte Marjim. . Schwerfällig erhob sich Chajim von seinem Sitze. „Wer ist's?" rief er hinaus. „Mach nur auf, Chajim, ich bin es!" tönte es zurück. „Schma Jisroel! Das ist der Graf selbst, ich kenn' ihn an der Stimme," rief Marjim aus, „mach' geschwind auf, Chajimleben, daß er in der Külte nicht lange warten muß." In wenigen Minuten kehrte Chajim zurück in die Stube. Ihm folgte eine imponierende Männergestalt, in einen kostbaren Pelz gekleidet, dessen Kragen er zum Schutze gegen den eisigen Wind hoch hinaufgezogen hatte. Diensteifrig nahm Chajim dem vornehmen Gaste die Pelzkappe ab, um den darauf liegenden Schnee herabzuschütteln. ____________ (Fortsetzung folgt). Ueue Syuagogeu-Gesaugswerlre. Ls-urirobb seüsl schabbos;. 20 Gesäuge für den Sabbatgottesdienst, Kantorrezitative mit Orgelbegleitung, komponiert und herausgegeden von Josef Weißmann, Oberkantor der isr. KnltusgemeindePoLega (Slavonien.) Besprochen von Oberkantor Josef Singer in Wien. Vorliegende Arbeiten sind das Ergebnis einer langjährigen, hingebungsvollen, trotz unsagbarer Kümmernisse dem Leben abgerungenen Tätigkeit. Von Tarnow, dem Geburtsorte Weißmann's, allwo er schon als achtjähriger Knabe bei Chajim Cchaskel und später bei A. S ch orr als Singerl wirkte und, me die Fama berichtet, bereits in diesem jugendlichen Alter, einem innern Drange folgend, ganz annehmbare Quartette komponiert haben soll, führte ihn ein gütiges Geschick in einen größeren Wirkungskreis nach Lemberg, um bei Schirmann als Chordirigent tätig zu sein. So.chaükeserfüllt er auch vielleicht noch heute dieser seiner beiden - ersten Lehrmeister gedenkt, so mußte Weißmann dennoch zunr Bewußtsein gelangen, daß seine bis-