Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 15 (19.4.1907)
- Date
- 1907-04-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 15. Judentum übergetreten ist, und wurden von den Franziskanern, die sie sehr haßten, dieses Renegaten wegen verhöhnt und verspottet (vergl. Schebet Jehuda 20). Zu Anfang des LVH. Jahrhunderts hingegen war es ein Franziskanermönch in Lissabon, der sich durch das sieißige Bibellesen für die herrlichen Lehren und ewigen Wahrheiten der Thora im höchsten Maße begeisterte. Es war dies Fray Diego de la Ascension, der so sehr von der Wahrheit des Judentums durchdrungen war, daß er nicht umhinkonnte, diese seine Ueberzengung öffentlich auszusprechen. Es gehörte dazu viel Mut, ja ein wahrer Heldenmut, in einem Lande wie Portugal, wo damals die Inquisition ihr goldenes Zeitalter feierte, als geborener Christ — denn Fray Diego de la Ascension war von altchristlichem Blute — das Judentum zu verherrlichen und als die eigentliche wahre göttliche Religion" zu preisen. Die Inquisition ließ ihn in den Kerker werfen, und die bedeutendsten Theologen gaben sich Mühe, ihn von seiner „Ketzerei" abzubringeu. Alles vergebens! Er widerlegte vielmehr alle ihre Einwendungen mit biblischen Stellen. Bei dieser Gelegenheit aber unterließ er es nicht, ihnen zu eröffnen, daß sehr zahlreiche Franziskanermönche gleich ihm von der „Wahrheit des Judentums" aufs innigste überzeugt sind, allein ihnen fehlt der Mut, sich mit den Kronen des Märtyrertums zu schmücken. Nach zweijähriger Haft wurde De la Ascension am 3. August 1603 in Lissabon bei einem feierlichen Autodafe nebst noch einigen Personen (Marranen) lebendig verbrannt. Diese Aufsehen erregende Tatsache, daß ein geborener Christ, ein Mönch, sich bereitwilligst für den jüdischen Glauben geopfert, wirkte zündend und anregend auf die Marranen (Schein-Christen), so daß sie alles aufboten, um zur angestammten Religion öffentlich übertreten zu können. Vielen von ihnen gelang es, sich heimlich nach Holland zu flüchten, wo sie in Amsterdani eine Zufluchtsstätte gefunden und zum Judentum zurückkehren durften. Der hugenottische Prediger Pierre Jürieu in Rotterdam schrieb 1685 ein Buch über die „Erfüllung der Propheten", worin er behauptet, „daß Gott sich die jüdische Nation aufbewahrt habe, um noch große Wunder an ihr zu'tun. Der wahre Antichrist sei die grausige Verfolgung der Juden." (Richard Simon, Dstlrss 6^01868, I, Nr. 37).' Der von katholischen Eltern in Wien geborene Johannes Petrus Speeth trat in Amsterdam zum Judentum über und nahm den Namen Mose Germanus an. Die lügenhaften Verleumdungen und Beschuldigungen haben ihn, wie er sich ausdrückte, veranlaßt, aus der katholischen Kirche auszutreten, um Jude zu werden. „Noch heutzutage," erzählt er, ..geschieht viel dergleichen in Polen und Deutschland, da man alle Umstände hervorzählt, auch Lieder auf den Gassen davon singt, wie die Juden abermals ein Kind gemordet und das Blut in Federkielen einander zugesendet, um es für ihre gebärenden Frauen zu gebrauchen. Diesen mordteuflischen Betrug habe ich bei Zeiten erkannt und das so geartete Christentum verlassen, um keinen Teil daran zu haben, noch befunden zu werden bei denen, die das Blut Israels, des ersten und eingeborenen Sohnes Gottes, mit Füßen treten und wie Wasser vergießen." (Gr. Gesch. 10. S. 288.) Ein anderer christlicher Gelehrter, Wilhelm Surenhuys aus Amsterdam, war ein solch eifriger Verehrer der jüdischen Literatur, daß er die Mischnah mit zwei Kommentaren ins Lateinische übersetzte, und den Wunsch äußerte, daß die jungen Theologen, die sich für den geistlichen Stand vorbereiten, sich mit dem Studium der Mischnah beschäftigen mögen. „Wer ein guter und würdiger Jünger Christi sein will, muß vorher Jude werden, oder er muß vorher Sprache und Kultur der Juden aufs innigste kennen lernen und zuerst Moses Jünger werden, ehe er sich den Aposteln anschließt, damit er durch ihn und die Propheten zu überzeugen vermöge, daß Jesus der Messias sei." (Einl. zu T. I. Gr. Gesch. ibid). Auch der christliche Gelehrte Jakob Basnage, Verfasser der ..Geschichte der Religion der Juden", hat das Treiben der Judenfeinde schonungslosgegeißelt. Er, der strenggläubige Christ, der betreffs der Juden nicht von jedem Vorurteil ftei war, schreibt über Israel: „Der Christ darf es nicht sonderbar finden, daß wir sehr oft die Juden von verschiedenen Verbrechen entlasten, deren sie nicht schuldig sind, da die Gerechtigkeit es so verlangt. Es heißt nicht Partei nehmen, wenn man diejenigen der Ungerechtigkeit und der Gewalt anklagt, die sie geübt haben. Wir haben nicht die Absicht, die Juden zu verletzen, aber auch nicfit ihnen zu Gefallen zu sprechen. Im Laufe der Jahrhunderte hat man sich mit einem Geiste der Grausamkeit und der Barbarei gegen die Juden bekleidet. Man hat sie angeklagt, die Ursache aller Unglücksfälle zu sein, welche sich ereignet haben und belastete sie mit einer Unzahl von Verbrechen, an die s i e niemals gedacht haben. Man hat unzählige Wunder ausgedacht, um sie davon zu überzeugen, oder vielmehr um desto lauter im Schatten der Religion den Haß zu befriedigen. Wir haben eine Sammlung von Gesetzen angelegt, welche die Konzilien und die Fürsten gegen sie veröffentlicht haben, durch welche man von der Bosheit der einen und der Unterdrückung der andern urteilen kann. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. (I s r a e l i t i s ch e K u l t u s g e in e i n d e.) Sonntag, den 21. April, 10 Uhr vormittags, findet eine öffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der Israel. Kultusgemeinde (I., Seitenstettengasfe ü)2r.L.4, II. Stock) statt. Wien. (H ietzin ge r Franc n-Wohltätigkei ts verein.) Am 14. April fand die erste G e n e r a l v e r s a m m l u n g unter schöner Beteiligung und in Anwesenheit des Herrn Rabbiner Dr. M. G r u n w a l d und Frau wie der Vorstände des Hietzinger Tempelvereines statt. Frau Präsidentin Eugenie H o f f m a n n begrüßte die Erschienenen und Frau Jda Berliner erstattete den Rechenschaftsbericht. In dem einen Jahre hat der Verein schon Großes geleistet. Sein Mitgliederstand ist ein erheblicher, seine Tätigkeit für den Anschluß der jüdischen Frauen des XIII. Bezirkes ein rühmenswerter gewesen, und was er niateriell geleistet, verdient viel Lob. Dies wurde auch von den Herren Dr. G r u n w a l d und Dr. Krenberger gebührend anerkannt. Diese zwei Redner beglückwünschten den Verein zu seiner Arbeit und sprachen den Wunsch aus, daß er unter dauernder Teilnahme seiner Mitglieder eine Stütze des Judentums im XIII. Bezirke bleibe. Nach Genehmigung eines Antrages auf Statutenänderung erfolgte die Neuwahl des Vorstandes, wobei Frau Laurcr Krenberger zur Präsidentin gewählt wurde, da die verdienstvolle Frau Hoffman n aus privaten Gründen zurücktrat. Bigepräsidentinnen sind die Damen Hermine B e r n f e l d und Gisela Z i r n e r, Schriftführerin Jda Berliner, Kassierin Zäzilie S m e t a n a, Revisorinnen Franziska B i r m a u n und Sofie Wolf, Vorstandsdamen Minna Baad, Helene H e r tz k a, Eugenie H o f f m a n n, Helene Jacob, Sara K a n n a n) Regine K u n e r, Helene Schwarz, Therese Fleischer. Wien. (T r a u u n g.) Am 14. d. M. fand im Leopoldstädter Tempel die Trauung des Herrn Heinrich R i e s e n f e l d mit Frl. Stephanie Plane r. Direktrice der Lehranstalt für Schnittzeichnen und Kleidermachew statt. Aus diesem Anlasse war das Gotteshaus bis auf das letzte Plätzchen im Parterre und auf der I. Galerie gefüllt. Anwesend waren zahlreiche Ehrengäste aus den besten Kreisen, u. a.: der Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, der Vizepräsident Dr. Gust. K o h n, die Vorsteher Horner, kais. Rat Wilhelm, Jul. Wolf, W a s s e r v o g e l, Professor Dr. P o l l a k, Sekretär kais. Rat Lieben, die Inspektoren K a n i tz und Langfelder, Sekretär Julius Braun, die Ortsschulräte kais. Rat Saborsky, Fuchs, Pollak, Berwaltungsrat Jos. Mittler. Den Trauungsakt vollzogen Rabbiner Dr. Adolf Schmiedl und Oberkantor Bela G u t t m a n n. Stockerau. Der hier geachtete Kaufmann Herr Josef S o f e r und Frau Ba bette, Kassierin des Frauenvereines, feiern am 20. d. M. das- Fest der silbernen Hochzeit. Linz. (R i ch t i g st e l l u n g.) In dem in voriger Nummer dieses Blattes veröffentlichten Berichte über die Dekorierung unseres Herrn Rabbiners soll es an betreffender Stelle statt „patriotischen Di enstt r e u e" richtig heißen : „patriotisch-dynastischen G e s i nnungstreue der Gemeinde". Hamburg. Die Hamburg-Amerika-Linie meldet: Nordamerika: D. Armenia, nach Halifax und Philadelphia, 14. April 5 Uhr 10 Min. morgens Cuxhaven passiert. D. Batavia, 13. April 3 Uhr nachm, in Newyork. D. Bethania, von Baltimore kommend, 15. April 2 Uhr 10 Min. morgens Lizard passiert. D. B o s n i a, von Philadelphia kommend, 13. April 1 Uhr nachm, auf der Elbe. D. Hamburg, 13. April 5 Uhr nachm, in Genua. D. Patricia, nach Newyork, 14. April 11 Uhr 50 Min. morgens Cuxhaven passiert. W e st i n d i e n, Mexiko, Südamerika: D. A l e x a n d r i a, von dem La Plata kommend, 13. April von Teneriffe. ' D. Fürst Bismarck, nach Havana und Mexiko, 14. April 6 Uhr 10 Min. morgens Cuxhaven passiert. D. Kronprinzessin C e c i l i e, 14. April von Vera Cruz nach Havana. D. Norden, 13. April 8 Uhr morgens in Talnpico. D. Rhaetia, nach Mittelbrasilien, 13. April in Rio de Janeiro. D. R u g i a, von Mittelbrasilien kommend, 14. April 3 Uhr 30 Min. nachm, aus der Elbe. D. Sausenberg, nach dem La Plata, 13. April 3 Uhr in Antwerpen. D. Spart a,' 13. April von Paranagua, O st a s i e n : D. Brasilia, 13. April morgens in Cochin. D. H a b s b u r g, 13. April 7 Uhr abends von Penang. D. Liberia, 13. April in Singapore. D. Rhenania, 15. April morgens in Aokohama. D. Saxonia, 14. April Malta passiert. D. S i t h o n i a, 15. April! morgens von Sabaug. D. S l a v o n i a, 13. April nachm, von Singapore.