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Die Wahrheit · 1907-04-12 · Heft 14 (12.4.1907) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 14 (12.4.1907)
Date
1907-04-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Leite 4. Die Wahrheit Nr. 14. Ueberzeugung fest, daß es zur Einigung kommen muß und daß diese Erkenntnis nicht nur die Wähler und die Führer der einzelnen Parteien, sondern auch die Kandidaten selbst erfassen und zur Einkehr bewegen muß, dann wird man auch über die letzten Schwierigkeiten hinwegkommen. Für das Mandat im Kaiviertel ist als solcher Einigungskandidat der Ministerialrat im Eisenbahnministerium, Kamillo Kuranda, aufgestellt worden, ein Mann, der nicht nur als eine Koryphäe auf dem Gebiete feiner beruflichen Tätigkeit gilt, sondern auch in jeder anderen Beziehung den strengsten Anforderungen, die an einen Abgeordneten gestellt werden sollen, vollaus entspricht und dessen Namen auch von unseren Gegnern mit Achtung genannt wird. Auch für die Leopoldstadt wurde in den letzten Tagen eine Kandidatur genannt, die in den weitesten Kreisen sympathisch ausgenommen werden dürfte, und zwar ist das der I. Vizepräsident der Wiener Kultusgemeinde, Landesschulrat Lr. Gustav Kohn, der vermöge seiner großen Beliebtheit wie selten einer geeignet wäre, die Stimmen sämtlicher jüdischer Wähler auf sich zu vereinigen und so das Leopoldstädter Mandat zu sichern. Freilich sind beide Männer nicht gewillt, im Wahlkampf gegen andere jüdische Kandidaten aufzutreten, und darum wäre es eine ernste Pflicht aller Jener, denen das Wohl der Wiener Judenschast und auch der Erfolg der freisinnigen Ideen am Herzen liegt, die Wege zu ebnen und mit den vielen, zum Teile ganz unglaublichen Kandidaturen, ohne Rücksicht auf persönliche Empfindlichkeiten, endgiltig aufzuräumen. Die Zeit drängt wohl, aber immer ist es noch nicht zu spät zur Einigung. Anfang und Cnde de« Petzachfeste«. Am letzten Tage unseres Freiheitsfestes wird ein Prophetenkapitel als Haftorah vorgetragen, in dem ein anschauliches Bild von dem Messias und der messianischen Zeit gezeichnet wird. Vom Messias wird gesagt: Gerechtigkeit wird der Gürtel seiner Lenden und Wahrheit der Gürtel seiner Hüften sein, und von der messianischen Zeit: die Erde wird voll seiu der Erkenntnis Gottes, wie die Gewässer den Meeresgrund bedecken. Während also der Anfang unseres schönen Festes uns einen Rückblick in die entfernteste Vergangenheit, in die Zeit von Israels Auszug aus Aegypten und seiner Volkwerdung tun läßt, fordert uns dessen Ende auf, einen Ausblick in die eutfernteste Zukunft, in die messianische Zeit, zu tun. Der Aufforderung des letzten Tages vermögen wir eben uur dann nachzukommen und die Befolgung dieser Aufforderung kann uns nur dann zum Heil und Segen gereichen und mit freudiger Hoffnung erfüllen, wenn wir am ersten Tage das getan, wozu dieser uns aufgefordert hat: -pbrm-n Verkünde Deinem Sohne! Denn soll die Erde wirklich einmal von Gotteserkenntnis erfüllt sein, so muß jeder Israelit vor allen demjenigen diese Erkenntnis lehren, der ihm am nächsten steht — seinem Sohne. Verkünde Deinem Sohne, bedeutet aber in unserer Zeit, die von der Zeit von Israels Auszug aus dem Lande der Knechffchaft bereits an 3000 Jahre entfernt ist, nicht bloß von den"Ereignisfen jener wunderreichen Zeit erzählen, sondern auch von den Ereignissen, die seitdem sich zugetragen und die Geschichte Israels ausmachen. Verkünde daher vor allem Deinem Sohne, was Judentum ist, was es lehrt, was es hofft und was es anstrebt; erzähle ihm die Geschichte seines Trägers, denn aus dieser ergibt sich am deutlichsten, was das Judentum selbst ist, worin sein wahres Wesen besteht. Zunächst fange mit der Geschichte vom Auszuge aus Aegypten an, weil dieses feststehende historische Ereiguis der unverrückbare Grundstein ist, auf dem das Jahrtausende alte Gebäude des Judentums unerschütterlich fest ruht. Hat doch Gott selbst, als er auf dem flammenden Sinai dem ganzen Volke sich offenbarte, auf dieses Ereignis sich berufen. Erzählet aber das Eueren Kindern in solcher Weise, daß Euere Worte, aus dem Herzen kommend, auch in das Herz der Kinder eindringen, und dort im Kinderherzen wieder zum Grundstein werden für den Gottestempel, den Ihr im Herzen Euerer Kinder aufbauen sollet. Sind die Kinder schon älter und ihr Denkvermögen und ihre Fassungskraft schon entwickelt, so erklärt ihnen craapai apn rvnp die erhabenen Lehren, die tieffinnigen Gesetze und Gebote und die humanen Rechtsvorschriften unserer Religion; machet sie darauf aufmerksam, wie weise und vernünftig, wie gerecht und liebevoll sie alle insgesamt sind, damit sie beizeiten erkennen, daß alles Gute und Gerechte, Sittliche und Menschenfreundliche, das gegenwärtig in der Kulturwelt zu finden ist, ein Ausfluß des Judentums sei, da auch die anderen Religionen, das, was sie davon besitzen, bei ihrer Trennung von ihrer Mutter, dem Judentums diese Kostbarkeiten mitbekommen und mitgenommen haben. Vergesset ferner nicht, Eueren Kindern zu sagen, welch große Männer aus dem Schoße des jüdischen Volkes hervorgegangen : Propheten, deren Namen von der ganzen Menschheit mit Ehrfurcht genannt und die von den Bekennern aller Religionen als Heilige verehrt werden; Könige und Fürsten, deren Größe und Weisheit noch heute von allen bewundert wird; heilige Sänger und Dichter, deren Lieder und Psalmen noch heute, nach Jahrtausenden, aller Herzen erheben und an allen Stätten der Gottesverehrung mit Vorliebe gesungen werden; Helden und Krieger, die sich mit unsterblichem Ruhm bedeckt, und deren Mut, Tapferkeit und Vaterlandsliebe unübertroffen dasteht; Denker und Forscher, deren Namen am Himmel der Wissenschaft ewig als Sterne erster Größe glänzen werden. Und kommet Ihr zur Leidensgeschichte unseres Volkes — und diese nimmt leider den größten Raum ein, umfaßt eine Periode von mehr als 2000 Jahren — so unterlasset nicht, zu bemerken: Israel wäre in Not und Elend untergegangen, wenn es nicht aus seiner Gotteslehre Mut und Kraft, Trost und Hoffnung geschöpft hätte. Sie, die Thora, hat seinen Geist stark und fest erhalten, als sein Körper unter der Wucht des äußeren Druckes sich krümmte und zusammenbrach. Das alles saget Eueren Kindern, und auf dem Altäre ihres reinen Herzens wird die Flamme der Begeisterung für die väterliche Religion, für den Stamm, dem sie ihrer Geburt nach angehören, mächtig auflodern und nie erlöschen. Ihre Abstammung und ihre Religion, das Judentum, wird ihr Stolz, ihr Ruhm sein, an ihm werden sie dann in allen Lagen des Lebens festhalten und nie davon lassen, -p» am groß wird dann der Friede, das Heil und der Segen unserer Kinder sein. Jedes von ihnen wird dann dem künftigen Messias gleichen; Frömmigkeit und Gerechtigkeit wird sein Juwel, Treue und Wahrheit, Glaubenstreue und die Wahrheit des Judentums werden es so fest umschlingen, daß die heftigsten Wogen des Lebensmeeres es nicht von seinem Ursprünge werden fortreißen können. Werden aber erst Gerechtigkeit und Glaube in Israels eigener Mitte zur vollen Herrschaft gelangen, wird jeder Familienvater das Bestreben haben, der Messias seines Hauses, seiner Familie zu werden, wird er seine Kinder zur Gotteserkenntnis, zur Ausübung des Guten und Rechten, des Wahren und Frommen anleiten und ihnen in allen schönen jüdischen Tugenden ein leuchtendes Beispiel geben, dann wird die messianische Zeit, die Zeit allgemeiner Gerechtigkeit und Menschenliebe, des allgemeinen Segens und Friedens nicht lange auf sich warten lassen und wird das, was Israels Religion vor Jahrtausenden durch ihre Propheten in bilderreicher, schwungvoller Sprache hat verkünden lassen, in Erfüllung gehen, und Israel und mit ihm die ganze Menschheit wird dann nicht mehr das anxe nas das att Aegypten erinnernde Peßach, sondern tw1? nos das messianische Peßach feiern. -_ Prag—St. . . Moses Chain» KnMtto. Ein Dichter und Mystiker des achtzehnten Jahrhunderts. Zu seinem zweihundertstel! Geburtsjahre (1707—1747). - Bon Bezirksrabbiner Dr. M. Rosenmann-Wien. In Moses Ehaim Luzzatto tritt uns eine Persönlichlichkeit von solch schwer definierbarer, genialer Eigenart entgegen, daß, wiewohl bereits mehr als anderthalb Jahrhunderte seit seinem Tode verflossen sind,, noch immer jeder zu seiner Bewertung herangezogene Maßstab versagt und als unzureichend, als unzulänglich sich erweist. Manche stellen ihn in Parallele

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