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Die Wahrheit · 1907-03-29 · Heft 13 (29.3.1907) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 13 (29.3.1907)
Date
1907-03-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Lette 9. Nr. 12. Die Wahrheit „.Emigrations-Kommission" der „Jto" in einer Flugschrift im spanischjüdischen Dialekt veröffentlicht. Am 2. März hielt Dr. S a m u e l y aus Wien in der B'nai B'rith- Loge in Prag und am 3. März in der „böhmischen philantropischen Loge" in Reichenberg eine Rede über die Ziele der „Jto" und fand an beiden Orten begeisterte Aufnahme. Dr. S amue ly sucht auch die Wiener und andere österreichische Logen für die „Jto" zu gewinnen. In der letzten Versammlung des „Wiener Palästina-Kolonisationsvereines" wurde durch mehrere Redner die Aufmerksamkeit auf die durch Z a n g w i l l hervorgerufene Bewegung gelenkt und beschlossen, die Erörterung über die „Jto"-Bewegung als einen Punkt der nächsten Agenden testzusetzen. In der Generalversammlung des Wiener „Zionistischen Zentraloereines" vom 13. Februar wurde eine Resolution gefaßt, nach der man gleichzeitig der itoistischen und zionistischen Organisation angehören kann. Wien. (Eröffnungsanzeige.s Herr Emanuel Lustig hat das bekannte Cafe R e i t h o f e r, XX., Mathildenplatz 9, käuflich erworben. Die Lokalitäten wurden auf das komfortabelste renoviert und findet die Wiedereröffnung am 29. März d. I. statt. Boskowitz. Donnerstag, den 21. d. M.. fand hier unter Teilnahme von Delegierten der Brünner Kultusgemeinde, mehrerer Rabbiner und der Nachkommen des berühmten Gelehrten und zahlreichen Publikums aus der Umgebung eine „Machazit - Haschekel - Feier" statt. Um 2 Uhr nachniittags begaben sich der Vorstand der Kultusgemcinde und der Chewra Kadischa mit dem Kultuspräsidenten Dr. Weiß an der Spitze, sowie die Gäste auf den Friedhof, wo Oberkanter R a b i n o w i t s ch, assistiert vom Chore, in besonders ergreifender Weise „Joschew besesser" rezitierte und Rabbiner Dr. Funk eine formvollendete Rede hielt, in der er einige der geistreichen Erklärungen des gefeierten Geistesheroen wiedergab. Vom Grabe aus, wo die Nachkommen das Kaddischgebet verrichteten, verfügten sich sämtliche Teilnehmer in das Gotteshaus, wo um 4 Uhr nachmittags ein solenner Tranergottesdienst abgehalten wurde. Die Herren Rabbiner Dr. Freimann - Holleschau und Dr. Oppenheim - Olmütz interessierten sich sehr für die alten Grabsteine, die von hohem historischem Werte sind, und wurden ihnen die ältesten Bücher der Chewra zur Einsicht vorgelegt. Berlin. Zur Richtigstellung einer im letzten Jto-Kommnniquä von voriger Woche enthaltenen Mitteilung wollen die Leser dieses Blattes gefälligst zur Kenntnis nehmen, daß die Adresse für Neuanmeldungen: Arthur Brün n, Berlin, NW. 23, Cuxhavenerstraße 17, ist. Oesterreichischer Lloyd Das Ministerium des Innern hat im Einvernehmen mit dem Handelsministerium und dem Finanzmininisterium die in den Generalversammlungen der Aktionäre der „Dampfschiffahrt- Gesellschaft des Oesterreichischen Lloyd" in Triest vom 16. Mai 1906 und vom 29. Dezember 1906 durchgeführten Statutenänderungen genehmigt. Bekanntlich hat die Generalversammlung des Lloyd vom 29. Dezember vorigen Jahres die Reduktion und gleichzeitige Erhöhung des Aktienkapitals beschlossen und diese Beschlüsse haben die staatliche Genehmigung erhalten. Die seinerzeit im Umlauf befindlichen 24.000 aus je 600 K Nominale reduzierten Aktien werden gegen 36.000 neue Aktien im Nominale von 400 X in der Weise umgetauscht, daß gegen je zwei alte Aktien drei iceue ausgegeben werden. Zugleich wird das Aktienkapital durch Ausgabe weiterer 36.000 Aktien ä 400 K um 14.400.000 Kronen erhöht und den Aktionären das Bezngsrecht auf die neue Emission zum Parikurse eingeräumt. Je eine Aktie n 400 K gibt das Anrecht zum Bezüge je einer neuen Aktie. Der Umtausch der alten Stücke, sowie die Anmeldung des Bezugsrechtes erfolgen in Wien bei der Unionbank, in Triest bei der Liquidatur der Dampfschiffahrt-Gesellschaft des Oesterreichischen Lloyd und bei der Filiale der Unionbank. Das Bezngsrecht ist bei sonstigem Verluste desselben bis inklusive 15. April d. I. auszuüben. Bei der Anmeldung iit eine Anzahlung von 100 Kronen zu leisten, der Restbetrag samt den Stückzinsen ist bis 30. Juni d. I. zu berichtigen. Vorerst gelangen Bezugscheine zur Ausgabe, welche vom 1. Juli d. I. ab gegen definitive Stücke umgetauscht werden. Die Wose von Saron. Novelle von Babette Fried-Prag. (Schluß.) Diese stand auf und enlgegnete: „Noch immer bist Du geneigt, Dein Ledensglück diesem Moloch zum Opfer zu bringen, der schon zu viel davon verschlungen har? Glaube mir, der jüngeren Unerfahrenen: Die Welt geht achtlos an dem Schicksale des Einzelnen vorüber. Das, was Du fürchtest, ist nur das erbärmliche Gerede und Gewäsche erbärmlicher Kreaturen. Aber auch dem können wir ausweichen. Wir leben ja nicht auf dem Lande, wo jeder die Verhältnisse des andern genau kennt und das Recht zu haben glaubt, dessen Handlungsweise einer Kritik zu unterziehen. Wir leben ja in Wien, der Großstadt, wir brauchen bloß in einen andern Stadtteil, ja in eine andere Gasse zu übersiedeln, und niemand weiß dann etwas Näheres über uns. Unsere Bekannten aber und Freunde werden Deinen Entschluß billigen, und wenn dennoch nicht, so bist Du ja unabhängig und niemandem Rechenschaft über Deine Handlungsweise schuldig." Die Auseinandersetzungen ihrer Tochter leuchteten Hanna ein, und deren nachgiebige Stimmung benützend, reichte ihr Klara den Ring mit den Worten: ..Nimm aus meiner Hand diesen Ring als Unterpfand der Treue und des künftigen Glückes." Fast mechanisch nahm Hanna den Goldreifen in die Hand, besah ihn von allen Seiten, dann schrie sie entsetzt aus: ..Fort mit ihm! Diesen Ring sendet mir der Mörder Deines Vaters!" Erschrocken blickte Klara die Mutter an. sie glaubte nicht anders, als daß sie urplötzlich den Verstand verloren habe. „Mama, fasse Dich!" ries sie tränenden Auges; „dieser Ring war an dem Strauße befestigt, welchen Dir unser bester Freund zu Deinem Geburtstage sendet." „Dein bester Freund, ha, ha!' lachte die Unglückliche schrill aus. „Dieser Dein bester Freund hat Deinen Vater ermordet und dessen Leiche ins Meer geworfen." Klara wurde leichenblaß. „Dieser entsetzliche Verdacht! Wie kannst Du nur so was denken?" „Wie anders? Sieh Dir diesen Ring an, Klara! Erträgt an der Innenseite die Initialen meines Namens eingraviert, nebst dem Datum meiner Vermählung. Es ist der Ehering Deines armen Vaters. Da die Leiche nicht aufgesunden wurde, so mußte derjenige, der diesen Ring besitzt, ihn abgezogen haben, bevor die Leiche ins Wasser siel, und das kann nur der Mörder selbst getan haben. Darum also ist das Geheimnis, welches seinen Tod umgibt, trotz aller meiner Bemühungen und trotzdem unser alter Doktor tagelang in Triest nmherschweiste, nicht gelüftet worden. Bei mir ist jetzt zur Gewißheit geworden: Mein Mann ist nicht verunglückt, sondern er ist von ruchloser Hand ermordet worden, und sein Mörder ist Binder! Er danke es dem Umstande, daß er das Gastrecht in meinem Hause genossen, wenn ich die Sache auf sich beruhen lasse und mich daraus beschränke, ihn nie mehr zu sehen und Euch jeden Verkehr mit ihm zu untersagen." „Mama!" flehte Klara, „laß diesen unglückseligen und völlig grundlosen Verdacht fahren; ich verbürge mich für seine Schuldlosigkeit!" „Du?" höhnte Hanna. „Du warst ja die Erste, die sich von seinen glattzimperlichen Reden betören ließ." Im Eifer des Gespräches hatten es die Beiden überhört, daß sich die Türe geöffnet hatte und derjenige eingetreten war, von dem eben so angelegentlich verhandelt wurde. Er war der Bedeutung des Tages gemäß, in feierlichem, schwarzem Anzüge erschienen, mit weißer Kravatte und lichten Handschuhen, und ging geradeaus auf die Hausfrau zu, der er seinen Glückwunsch wiederholen wollte, welchen er ihr vorhin aus seiner Karte in kurzen Worten gesendet hatte. Binder, oder eigentlich Bräuer, konnte es nicht erwarten, zu erfahren, welche Wirkung die Uebersendung des Eheringes aus Hanna gemacht habe. Er hatte aus den heutigen Tag gerechnet, daß dieser eine Klärung .der unhaltbaren Verhältnisse herbeisühren werde. Wie groß war seine Enttäuschung, als ihm das geliebte Weib, als sie seiner ansichtig wurde, das Wort „Mörder!" entgegenschleuderte. „Wenn ich ein Mörder bin, so bin ich nur der Mörder Deines Lebensglückes gewesen, mein teures Weib!" entgegnete er, ohne sich eigentlich über die Bedeutung dieser gegen ihn erhobenen Anschuldigung klar geworden zu sein. Schnell wie ein Blitzstrahl durchfuhr Hanna ein Gedanke. Diese zärtlichen Worte hatten die Binde von ihren Augen gerissen, sie hatte den erkannt, der ihr in der kurzen Zeit so teuer geworden war, teurer als damals, wo er als Gatte an ihrer Seite lebte. „Adolf, Du lebst, Du bist es!" schrie sie jubelnd aus. „Ja, ich bin es, meine teuere Hanna! Jetzt will ich alles gut machen, was ich an Dir verbrochen habe." Infolge der Peßachseiertage erscheint die nächste Nummer Freitag, den L2. April.

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