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Die Wahrheit · 1907-03-29 · Heft 13 (29.3.1907) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 13 (29.3.1907)
Date
1907-03-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Die Wahrheit Nx. 13. der isr. Kultusgemeinde Lemberg und Reichsratsabgeordneten, einen warmen Nachruf, in dem er die stete Bereitwilligkeit des Verblichenen' hervorhob. mit Rat und Tat die Interessen des. Vereines zu fördern, . uuh die.Versicheruug erteilte, daß das Andenken dieses Mannes vom Verein in dankbarer Erinnerung werde behalten werden. Hierauf erteilte der. Vorsitzende dem Sekretär des Vereines, Herrn Dr. Wilhelm L ö w y, das Wort, um über die Tätigkeit des Vereines einen Bericht zu erstatten. , . Mit Rücksicht darauf, daß der erste Teil des gedruckten Jahresberichtes für das letztverstofsene Jahr sich bereits seit längerer Zeit in den Händen der Vereinsmitglieder befindet, beschränkt sich, der Sekretär darauf, bloß das zu erwähnen, was seit Beginn des neuen Jahres ausgeführt wurde. Was die einzelnen von dem Vereine in Galizien eingeführten Industrien betrifft, so erklärt er deren Stand als einen befriedigenden. Irische Spitzen wurden seit Neujahr um X 37.000— 38.000 geliefert. Bei dieser Bewertung wird bloß der Arbeitslohn, nicht aber das Material in Rechnung gezogen. Da im Jahre 1906 im ganzen irische Spitzen im Lohnwerte von X 98.000 emgesendet worden waren, so ist vorauszusetzen, daß das Ergebnis des Jahres 1907 das des Vorjahres wahrscheinlich übertresten wird. Der im Dezember 1906 veranstalteten Wiener Spitzenaussteüung folgte im Jänner 1907 eine ähnliche Ausstellung in Prag, bei der ein überraschend hoh<r Erlös erzielt wurde (X 19.000). In Brünn, Krakau und Lemberg dürften solche Ausstellungen in den nächsten Monaten veranstaltet werden und die Vereinsleitung hat sich auch mit reichsdeutschen Städten zu dem gleichen Zwecke bereits in Verbindung gesetzt. Die Spitzenklöppelei macht sehr erfreuliche Fortschritte. Während im Jahre 1906 der Wert der fertig gestellten Klöppelspitzen im ganze» X 1900 betragen hatte, beläuft er sich für die ersten zwei Monate des Jahres 1907 bereits auf X 1174, eine Tatsache, die umso angenehmer ist, als es sich hier nicht um einen Mode-, sondern um einen Bedarfsartikel handelt. Die Vereinsleitung bemüht sich in der letzten Zeit, Mittel und Wege zu finden, durch welche die Haarnetzerei einen neuen Aufschwung erhalten könnte. Die Besprechungen, die hierüber mir den beteiligten Personen gepflogen werden, sind noch nicht abgeschlofien. Dagegen ist der Vertrag mit einem Unternehmer in Przemvsl, durch den eine Anzahl jüdischer Mädchen mit der H er st e llun g von Krügen, M auch e t t e n rc. außerhalb seiner Fabrik beschäftigt werden soll, dem Abschlüsse nahe. Von den anderen, vom Vereine eingeführten Industrien ist nichts neues zu berichten. Nach den Feiertagen wird nach und nach au mehreren Orten Galizienseine neue Spitze n in dustrie (Filet-Guipure) eingeführt werden; es werden dies solche Orte sein, wo bereits die Spitzenhäkelei besteht. Die Ursache, warum gerade diese Orte ausgewählt werden, liegt darin, daß die Vereinsleitung die Absicht hat, einen Teil der mit der Spitzenhäkelei beschäftigten Arbeiterinnen von dieser Industrie abzuziehen und der neuen znzuweuden. Was die Frage der Zuführung der galizischcn Juden zur Landwirtschaft betrifft, so wurden die seinerzeit von einer Reihe fachkundiger Personen emgeholten Gutachten von einem Komitee von drei in Galizien seßhaften, der Landwirtschaft kundigen Herren, zur Stellung von Anträgen zugewiesen. Daneben beschäftigt sich die Vereinsleitung, infolge eines dahingehenden Ansuchens einer galizischen Kultusgemeinde, mit der Frage der Errichtung einer Gartenbauschule, die mit einer Korbflechtereischule so in Verbindung zu bringen wäre, daß die Schüler auch im Winter eine Beschäftigung finden. Der Sekretär gibt auch einige finanzielle Daten aus dem H. Teile des Jahresberichtes pro 1906, der noch nicht ausgesendet wurde, bekannt. Es zeigt sich daraus, daß es dringend notwendig ist, die Zahl der Vereinsmuglieder und damit auch die Höhe der Jahresbeiträge zu steigern, damit das so ersprießlich begonnene Werk fortgesetzt und die Tätigkeit der Vereinsleitung eine immer ausgedehntere werden kann. Der Obmann des Aufsichtsrates, Herr Dr. Wilhelm Knöpfmacher. erstattet hierauf den Bericht über ^die Gebarung der Vereinsleitmig und beantragt, ihr das Absolutorium zu erteilen, em Antrag, der einstimmig angenommen wurde. Zu dem Punkte der Tagesordnung: „Anträge der Ortsgruppen", entwickelt sich eine kurze Diskussion. Herr Bruck, Obmann der Ortsgruppe Teplitz-Schönau, gab die Anregung, m Teplitz ein Spitzenlager zu errichten, oder eine Ausstellung zu veranstalten. Herr Bacher. Obmann der Ortsgruppe Prag, gibt bekannt, daß möglicherweise in kurzer Zeit von dem Künstlerinnenklub eine zweite Ausstellung unserer Spitzen veranstaltet werden wird. Herr Wilhelm Pappen heim gibt als Vertreter der Isr. Allianz in Wien die Erklärung ab. daß dieser Verein gerne bereit sei, den galizischen Hilfsverein in seinen Bestrebungen auch materiell zu unterstützen. Der Vorsitzende dankt den Obmännern der Ortsgruppen Teplitz und Prag für ihre Mitteilungen und letzterem insbesondere für die außerordentliche Tätigkeit, die von ihm und der Prager Ortsgruppe, dann von den Mitgliedern der dortigen B'nai B'rith-Bereinigungen und deren Damen anläßlich der Spitzenausstellung entwickelt wurde, mit herzlichen Worten und nimmt die Erklärung des Herrn Pappenheim zur befriedigenden Kenntnis. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen wurden mit Stimmeneinhelligkeit gewählt, und zwar in die Vereinsleitung die Herren: zur. Dr. Edmund Kornfeld, Gottlieb Lederer, kaiserl. Rat Dr. Theodor Lieben, zur. Dr. Wilhelm Pappenheim, David Rotier, Otto Janovski (neu), Hugo Tugendhat. sämtlich aus Wien, zur. Dr. M. Hammer schlag, Prag, Direktor Alois Schwarz, Mähr.-Ostran (neu), S. v. H o r o w i tz, Lewberg, Dr. Nathan Löwen st ein, Landtags-Abgeordneter, Lemberg (neu); in den Aufsichtsrat die Herren: Julius G r a n i ch st ä d t e n, zur. Dr. Wilhelm Knöpfmacher, zur. Dr. Leopold- Ko hn, Ferdinand Lö w y, Wilhelm P ap p en h e i m,- uasä. Dr. Isidor Samuely, Theodor W a n t o ch, sämtlich au^ Wien; endlich -in-"dgs' Schiedsgericht .die Herren:- Wilhelm Aüninger, kais. Rat/ Wichel Benies^ zur. Dr. Julius B erm ann, k. k. Notar, phil, Dr. Moriz G ü d e m a n n, Oberrabbiner, zur.. Dr. Alois K l e m-p e re r, '- Isidor Popper, kais. Rat Leopold Sachs, zur. Dr. Alfred Stern,.Julius Wolf, Josef Zucker. : -; . . .' Unter den Anwesenden bemerkten,wir außer den bereits früher als Teilnehmer genannten Herren: Dr: Arnold Ascher,' Notar Dr. Julius B e r m a n n; Gottlieb Bettelh et nß Pros. Feuer sie in (Bielitz)/' Franz Frankl, Josef F r e ud en b e rg, Julius Gr an i ch stä d tek, Dr. Adolf Kapra 1 ik, Jacques Kärpeles, Karl Klemperer, Dr. Edmund K o h n, Dr. Edmund Kornfeld, Dr. Albert Kuh, Redakteur Dr. S. R. L a n d a u. Siegfried L e m b e r g e r, Redakteur Dr. M. L ö w y, Dr. Wilhelm P a p p e u h e i m, Adolf Pick, Heinrich Pollak, Prof. Dr. Josef Pollak, in Vertretung der Wiener Kultusgemeinde, Hugo Popper, Baurat Wilhelm Stiaßny, Richard T e w e l e s rc. Die Redaktion kann nicht umhin, die Aufmerksamkeit der Leser auf das eminent wohltätige Wirken des Galizischen Hilfsvereines zu lenken. Nur dadurch, daß den 600.000 armen galizischen Juden Arbeit und Verdienst zugesichert wird, werden diese unsere Glaubensgenossen nicht nur auf ein besseres materielles, sondern zugleich auch aus ein höheres kulturelles und moralisches Niveau gebracht. Dieser großartige Gedanke, den der Galiziscüe Hilfsverein in die Tat umzusetzen sicki bestrebt, bedarf zu seiner Verwirklichung sowohl einer forrgesetzten, unermüdlichen Tätigkeit der Vereinsleitung, als auch der reichlichen Unterstützung der Juden in ganz Oesterreich. Wir bitten daher unsere Leser ohne Unterschied des Geschlechtes, diesem Vereine als Mitglieder beizntreren und auf diese Weise dieses segensreiche Werk zu fördern. Der mindeste Mitgliedsbeitrag beträgt jährlich X 4.—; Beitrittserklärungen sind an die Adresse des Hilfsvereines, Wien, IX., Berggasse 4, zu richten. Verschiedene Nachrichten. Wien. Vom Vorstande der israel. Kultusgemeinde Wien wird hiermit bekauntgegeben, daß am achten Tage des diesjährigen Paffafestes (Samstag, den 6. April) im Saale des „Hotel Post", I., Fleischmarkt 16 und im Saale des „Hotel Zentral", II., Taborstraße 8, I. Stock (Festsaal), um tl29 Uhr vormittags, anläßlich der Maskir- Andachten feierliche Gottesdienste abgehalten werden. Die Veranstaltung dieser Gottesdienste erfolgt zur Abhaltung des großen Andranges zur „Haskara" in den Gemeindetempeln. Der Eintritt ist frei. Karten werden nicht ausgegeben. Wien. (Vierzigjähriges Doktorjubiläum.) Wie wir vernehmen, feierte der Universitätsdozent Dr. Josef G r ü n f e l d in den letzten Tagen das vierzigjährige Doktorjubiläum im Kreise seiner Familie in stiller und bescheidener Zurückgezogenheit. Bekanntlich steht Dr. Grünf e l d an der Spitze mehrerer Korporationen, welche sich der Wohlfahrt unserer studierenden jüdischen Jugend widmen, so des „Vereines zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studierender", des „Vereines zur Arbeitsvermittlung an jüdische Hochscküler", und er begründete in letzter Zeit durch die Munifizenz einer anonymen Wohltäterin' ein neues „Studentenheim" für 25— 30 Hochschüler, das hoffentlich bereits im nächsten Wintersemester eröffnet werden wird. Wir wünschen dem verdienten Jubilar, daß er seine langjährigen Erfahrungen im Dienste dieses gewiß wichtigen Zweiges der Wohltätigkeit noch lange Zeit zum Heile unseres akademischen Nachwuchses verwerten möge. Wien. (Konzert zu Gunsten der T o y n b e e - H a l l e.) Eine hochinteressante Veranstaltung fand Samstag, den 23. d. M., im Festsaale des „Hotel Continental" statt. Es war dies ein durchwegs von jüdischen Künstlern bestrittenes reichhaltiges und abwechslungsreiches Konzert, welchem ein zahlreiches und vornehmes Publikum lauschte. Mit lebhaftem Beifall begrüßt, leitete der Pianist Roderich Baß den Abend ein und fand insbesondere für seine eigenen Kompositionen dankbare Anerkennung. Mit ihrer schönen Altstimme brachte die Opernsängerin Frau Raja Barber-Waldberg Lieder von Rubinstein, Goldmark und Brüll zum Vortrage. Besonders wirkungsvoll erwies sich das Harfenspiel des Fräuleins Viki Baum, die als Meisterin des Instrumentes bezeichnet werden 'kann Moses M i r s k y trug nach deutschen und englischen Liedern einen Umipne chatoenu vor und erregte mit seinen Darbietungen berechtigtes . Aufsehen. Großen und wohlverdienten Beifall erntete Professor Josef S u l z e r, dessen Cellovorträge tief ins Herz griffen- In formvollendeter Weise brachte Oberkantor Bela G u t t m a n n Lieder und Arien von Ignaz Brüll zu schönster Geltung, wobei sein herrlicher Bariton und die wohldurchdachte Vortragsweise angenehm auffielen. Der Komponist hatte persönlich die Klavierbegleitung übernommen. Es folgten hieraus vom Professor Josef S u l z e r fast zu temperamentvoll dirigierte Chöre, die vom Vereine der Synagogensänger exakt vorgetragen wurden. Ganz, bedeutende Wirkung übte auf das Auditorium Salomou Sulzers Kompofftion „Psalm 111" aus, und es konnte sich hiebei Herr Kantor S m o t r i z k y, der das Solo übernommen hatte, als tüchtiger Sänger mit schönen Stimmitteln zeigen. Den Abschluß des Abends bildete Herr Max Palle nberg vom Josefstädter-Theater mir heiteren Vorträgen, in welchen der Künstler einen köstlichen Humor entwickelte. Dem Vorstände der Toynbee-Halle ist zu dem Erfolge des Abends in jeder Beziehung zu gratulieren. Wien. (Iüdis ch e T erri t o r i a l - Or g ani s a ti o n „It o"). Die bulgarischen Territorialisten haben die Rede Zangwill's in der

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