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Die Wahrheit · 1907-03-22 · Heft 12 (22.3.1907) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 12 (22.3.1907)
Date
1907-03-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrhe.u. Nr. 12. eine und eine halbe Million Juden waren dorthin gegangen. Herr Salaman schloß, indem er zuletzt von der Notwendigkeit einer Rückkehr der Juden zum Landbau sprach. Jeder zukünftige jüdische Staat muH als Grundlage den. Ackerbau haben. Am 7. März hielt der Londoner Ausschuß des Emigrations- Departement der Jto seine Monatssitzung unter Zängwills Vorsitz ab. Anwesend waren die Herren M. H. Kis ch, Leopold von R o t h s ch i l d, Clemens I. S a l a m a n, Carl S t e t t a.Uer und Luzien Wolf. Es wurde ein Organisationsstatüt beraten und angenommen, das den Beziehungen zum Jto-Bureau in London und den Galvestonn-Bureaus in Amerika und Rußland, sowie dem Berliner Bureau Rechnung trägt. Herr A. Marks aus Melbourne, Mitglied der königlichen geographischen'Gesellschaft für Australien, ist von Z a n g w i l l zum Mitglied des internationalen Rates der Jto ernannt worden. Bei der Jahreskonferenz der Zionisten von Texas wurde eine Unterstützung der territorialistischen Bestrebungen angeregt und lebhaft diskutiert. Es wurde empföhlen, das Programm in dem Sinne zu modifizieren, daß es einschließen solle die Zentralisation der Emigration und die Schaffung eines autonomen Zentrums, aus den zwei Erwägungen heraus, daß zunächst die Gesamtlebenslage des jüdischen Volles dadurch gehoben werden würde, und daß das Endresultat, die Heimstätte in Palästina, dadurch gefördert werden würde. Der Antrag wurde mit einer kleinen Majorität abgelehnt. Es wurde aber, eine Resolution angenommen, nach welcher die Ansiedelung jüdischer Farmer in Texas mit Freuden begrüßt wird. In Gälveston ist auch eine zionistische Vereinigung junger Leute gegründet worden, und drückte ein offizieller Redner dabei die Meinung aus, daß. die zunehmende Einwanderung in Texas die zionistische Organisation in diesem Staate stärken würde. . Das nationale Judentum. Bon Dr. M. H. Friedländer. (Fortsetzung.) Selbst aus dem entfernten Lemberg kamen zwei Abgeordnete nach Abydos, um den Messias, dessen Ruf auch dahin gedrungen war, persönlich kennen zu lernen. Der eine war Jesaia, Sohn des berühmten R. David Lewi, Verfassers des „Ture Sahab", der andere sein Stiefbruder Leb Herz. Sie mußten sich zuvörderst nach Konstantinopel verfügen, wo sie von Abraham Jochim, einem eifrigen Verehrer Dabbatais, mystisch bearbeitet, dann erst von Sabbatai empfangen wurden. Jesaia erhielt auch von ihm für seinen greisen Vater ein seidenes Unterkleid zum Geschenke mit dem Bemerken, daß es ihn verjüngen werde. Da Sabbatai bei dieser Gelegenheit erfuhr, daß in fernen Landen ein Prophet namens Nehemia Kohen aufgetreten sei, der die baldige Ankunft des sehnsuchtsvoll erwarteten Messias verkündete, ohne aber Sabbatai als den eigentlichen Messias proklamiert zu haben, übergab er dem Jesaia Lewi für dessen Vater ein Schreiben mit, das mit dem Aufträge schloß : „Nehemia möge sofort zu mir kommen/' Der Schwärmer und Gaukler von Abydos ahnte nicht im entferntesten, daß'die Ankunft Nehemias für ihn verhängnisvoll werden würde. Als Nehemia erfuhr, daß Sabbatai ihn zu sprechen dringend wünschte, reiste er sofort nach Abydos. Dort angelangt,. wurde er von Sabbatai in Audienz empfangen. — Drei Tage lang dauerte die Unterredung, die der türkische Messias mit dem polnischen.Propheten hatte. Sabbatai war aber trotz aller Beredsamkeit nicht imstande, Nehemia für sich zu gewinnen. Letzterer nannte ihn vielmehr einen Betrüger, eilte auf die Straße hinaus und rief laut — um sich von den fanatischen Anhängern Sabbatais schützen zu können — daß er bereit sei, Türke zu werden. Gr verfügte sich sodann nach (Adrianopel zum Kaimakam Mustafa und entdeckte ihm die.gefährlichen, hochverräterischen Pläne Sabbatais. Nehemias Enthüllungen wurden vom Kaimakam dem Sultan mitgeteilt und dieser gab sofort den Befehl, den falschen Messias nach Ädrian'opel zu bringen. Sabbatai merkte bald das. Damoklesschwert, das über seinem Haupte' schwebte,und entschloß sich, nachdem der Sultan ihm zurief: „Ich werde drei vergiftete Pfeile auf dich abschießen lassen, wenn sie dich nicht töten, so will auch ich dich als den wahren Messias anerkennen und verehren", — dem Rate des Leibarztes des Sultans,, namens Moses b. Raphael, der zwischen ihm und dem Sultan als Dolmetscher fungierte, Folge zu leisten und den.Islam anzunehmen. Er nahm nämlich einem neben ihm stehenden Feldbediensteten den Turban vom Haupte und setzte ihn sich auf. Der Sultan war hiedurch besänftigt, ernannte ihn zum Käpidge Baschi und beehrte ihn mit dem Titel Efendi. Seine Verwandten und sehr viele seiner Anhänger folgten seinem Beispiele und wurden Moslemen. . Trotz seines Abfalles vom Judentum hat ein großer Teil der Betörten noch immer nicht die Hoffnung, daß Sabbatai, der auch dann mit Juden viel verkehrte, das Volk vom Drucke befreien und in das gelobte Land bringen werde, aufgegeben. So entstand die Sekte der Sabbatianer, die man auch gewöhnlich. „Schöbsen" nannte. Die Rabbiner jedoch, denen das wüste Treiben dieser Sektierer in der tiefsten Seele verhaßt war, setzten es durch, daß der Gaukler Sabbatai, der seihst als Renegat nicht aufhörte, sich als Messias zu geberden, von der Hauptstadt entfernt und in einer kleiner Festung in der Nähe von Belgrad interniert wurde, wo er am 10. September 1676 starb. Die Sabbatianer aber ließen sich selbst nach dem Tode ihres Häuptlings in ihrem Glauben an ihn nicht erschüttern, daher kam es/ (daß.diese Sekte sich bis zu Anfang des XIX. Jahrhunderts zur Schmach des Judentums erhalten und viel Unheil gestiftet hat. Für die Verbreitung und Förderung der Lehren und Grundsätze dieser fluchwürdigen Sekte haben erbärmliche Betrüger, wie Nathan aus Gaza, Mordechai aus Eiseuftadt, Nehemia Löbele aus Proßnitz u. a. m. Sorge getragen. Eine Abart der „Sabbatianer" waren die „Frankisten", die gleich jenen den Talmud schmähten und verlästerten, während sie den „Schor" als eine heilige Bibel verehrten und .der Kabbala huldigten. Während die Sabbatianer die Lehre des Islam, als identisch mit der des Judentums auf kabbalistische Weise zu erklären suchten, waren hie Frankisten, die zumeist die Taufe annahmen, bemüht, die Wahrheit des/Christentums aus dem „Sohar" und der Kabbala zu beweisen. / Der Gründer dieser Sekte war Jakob Frank aus Polen (geb. 1720, gest. 1794). In seiner Jugend beschäftigte er sich mit der Branntweinbrennerei, später aber offenbarte, er sich den Sabbatianern in Polen und Galizien als Nachfolger Sabbataiswobei - es ihm gelang, sich einen großen Anhang zu verschaffen, der ihm huldigte und riesige Summen zur Verfügung stellte. Er ließ sich von seinen Verehrern „der heilige Herr" nennen. Diese Schwärmer erzählten einander von den Wundertaten, die dieser neue Messias ausgeübt. Als er jedoch von den Rabbinern verfolgt wurde, ging er zum Schein zum Christentum über, während er heimlich die sabbatianischen Grundsätze und Lehren zu verbreiten bemüht war. Im Besitze großer Geldmittel, lebte er auf fürstlichem Fuße und unternahm in Begleitung eines glänzenden Gefolges große Reisen, um für seine Partei Propaganda zu machen, während seine Anhänger in Polen die strenggläubigen Juden verunglimpften, den Talmud als' ein gefährliches gemeinschädliches Lästerwerk bezeichneten und überhaupt alte törichte Märchen auffrischten. , . - . / / Frank hielt sich in Wien und Brünn auf, wo er, umgeben von einer uniformierten Leibwache, als; Baron lebte, wurde aber,(nachdem man ihn bald als . einen gemeinen Betrüger und Schwindler erkannte, : aus den österreichischen Staaten ausge- . wiesen... Von hier ging er nach; Offenbach a. M., wo er mit den berüchtigten Eva Frank ein fürstliches Schloß bewohnte und zurückgezogen von aller Welt lebte, Mit seinem 1794 erfolgten Tode schwand auch seine Partei, „die Frankisten", aus der Geschichte. (/( ,/ (. , ,( ( , J ( (Fortsetzung folgt.)

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