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Die Wahrheit · 1907-03-22 · Heft 12 (22.3.1907) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 12 (22.3.1907)
Date
1907-03-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Ulr. 12. Die Wahrheit. L>eite 5. Vereheliche Redaktion! Ich finde im Morgenblatte der „Neuen Freien Presse" vom 15. d. M. eine von Herrn Doktor Schalit gezeichnete Berichtigung, in der unter anderem der Satz vorkommt: „Vor allem sei konstatiert, daß die Jüdisch-Nationalen zur Beteiligung an der Feier geladen wurden und dieser Einladung gerne Folge geleistet haben" rc. Als langjähriger Vertreter der jüdisch-nationalen Gruppe lege ich im Einverständnisse mit meinen Parteifreunden Wert darauf, festzustellen, daß die jüdisch-nationale Gruppe sich an dieser Feier nicht beteiligt hat. Unter „jüdisch-nationaler Richtung" wurde immer jene verstanden, welche ihren Konzentrationspunkt im „Jüdischen Volksverein" gefunden hat, und deren politische Tätigkeit auf dem am 10. Jänner 1902 publizierten Programm der jüdischen Volkspartei fußt. An dieser Tatsache ändert nicht der Umstand, daß sich andere dieses Namens, den wir durch unsere Arbeit zu einem Ehrennamen gemacht, und dieses Programmes, das heute Gemeingut aller jüdisch-volksbewußten Kreise ist, ohne Ouellenaugabe bedienen. Wir aber legen Wert darauf, Verwechslungen und hiermit Verantwortlichkeiten für andere zu vermeiden. Hochachtungsvoll Richard Rappaport. Anteil der Inden am Hochschulstudium. lieber den Anteil der Juden am Hochschulstudium in Oesterreich seit dem Jahre 1851 gibt Dr. Jakob Thon in der „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" folgende überaus interessante Aufklärungen: „Die Zahl der jüdischen Hörer ist, absolut betrachtet (der Rückgang in den Jahren 1896 — 1905 auf den Universitäten wird durch die Zunahme an den technischen Hochschulen wettgemacht), gestiegen, relativ jedoch sinkt sie, nachdem sie 1891 bis 1896 mit 21-5o/o das Maximum erreicht hat. Neben dem Umstand, daß die Juden in Oesterreich sich infolge-starker Auswanderung in den letzten Dezennien schwächer vermehrten als die übrige Bevölkerung, kann als Erklärungsgrund für die angeführte Tatsache herangezogen werden, daß die Juden mit ihrem Anteil am Hochschulstudium gewissermaßen den Sättigungspunkt erreicht haben, sodaß er sich bei den Juden nicht mehr in demselben Maße steigern kann wie bei den Nichtjuden. Was die Verteilung auf die einzelnen Fakultäten anbetrifft, so ist zunächst der hohe Prozentsatz jüdischer Mediziner bemerkenswert. Im Durchschnitt sind ungefähr ein Viertel aller Mediziner Juden. Mit dem Sinken der allgemeinen Zahl der Mediziner vom Jahre 1892 ab vermindert sich auch die Zahl der jüdischen Mediziner, und zwar in stärkerem Maße als die der Christen. Ein großer Teil dürfte sich an Stelle der Medizin hauptsächlich den technischen Studien zugewandt haben, denn parallel mit dem Rückgang der Hörer der medizinischen Fakultäten nimmt die Frequenz der technischen Hochschulen, insbesondere bei den Juden, sehr erheblich zu. Verhältnismäßig am wenigsten vertreten sind die Juden in der philosophischen Fakultät, da sie hier die geringsten Aussichten auf Erlangung eines praktischen Berufes, d. h. einer Anstellung als Gymnasiallehrer u. s. w., haben. Jedoch ist ebenso wie an der juristischen Fakultät auch hier neben der absoluten ihre relative Zunahme bemerkbar. Allerdings wird die höhere Zahl jüdischer Philosophiestudierender auf die hohe Zahl jüdischer Studentinnen, die zum überwiegenden Teile der philosophischen Fakultät angehören, zurückzuführen sein. Die Verteilung auf die einzelnen Universitäten und technischen Hochschulen soll nur in Durchschnittszahlen. für die Jahre 1881—1904 und im einzelnen für die drei Semester der letzten zwei Studienjahre angegeben werden. Die Universität in Innsbruck, ferner die Grazer und die böhmische Universität in Prag werden von Juden nur sehr spärlich besucht. An der letzteren nimmt zwar die absolute Zahl der jüdischen Hörer zu, aber bei der außerordentlich rasch wachsenden christlichen Hörerzahl bleiben sie doch hier in einer unerheblichen Minderzahl. Während an der böhmischen Universität in Prag die Juden nur 2^ aller Studierenden ausmachen, hat die deutsche Universität in Prag, welche bis zum Jahre 1900—01 neben der Wiener Universität die meisten jüdischen Hörer zählte, trotz des inzwischen eingetretenen Rückganges noch 26*9°/0 jüdischer Studierende. Auf Wien allein entfällt zwar noch immer mehr als die Hälfte aller jüdischen Universitätshörer in Oesterreich, doch ist hier ein steter Rückgang ihrer Zahl zu verzeichnen. Dies erklärt sich daraus, daß mit dem Aufschwung der anderen österreichischen Universitäten die Wiener an Glanz und Anziehungskraft verloren hat, ferner aus der abnehmenden Zahl der jüdischen Mediziner, die zum überwiegenden Teile Wien aufzusuchen pflegten, und schließlich ist es nicht zum geringsten Teile eine Folge der bekannten antisemitischen Unruhen, die vielen jüdischen Studenten den Aufenthalt in Wien verleidet haben. Den höchsten Prozentsatz jüdischer Hörer weist die Universität Czernowitz auf. Bemerkenswert ist die Zunahme der jüdischen Studentenzahl in Lemberg, die, wie bereits erwähnt, zum Teile auf das Konto der letztens sehr stark angewachsenen Frequenz von Frauen zu schreiben ist, unter denen sehr viele außerordentliche Hörerinnen sich befinden. Auch in Krakau wächst der prozentuale Anteil der Juden unter sämtlichen Hörern. Ihre verminderte Prozentziffer in den Jahren 1902—04 infolge der plötzlich stark angeschwollenen Zahl der christlichen Hörer ist vielfach darauf zurückzuführen, daß infolge der russischen Revolution sehr viele christliche Studenten aus Russisch-Polen sich nach Galizien gewandt haben. Ebenso wie die Universität, beherbergt auch die technische Hochschule in Wien mehr als die Hälfte aller jüdischen Techniker. Auch relativ sind die Juden dort und an der Prager deutschen technischen Hochschule stark vertreten; sie bilden in beiden mehr als den vierten Teil sämtlicher Hörer. Ihnen am nächsten steht inbezug auf Prozentzahl der Juden die deutsche technische Hochschule in Brünn, sodann die Lemberger, während die böhmische in Prag und die Grazer nur sehr wenige Juden haben. In Brünn besteht seit einigen Jahren noch eine böhmische technische Hochschule, die jedoch von Juden fast gar nicht besucht wird. Ans der „Ito" Das nachfolgende Communiqus der „Ito" (Jewish Territorial Organisation) geht uns vom Zangwill-Klub in Berlin zu (Adresse des Vorsitzenden und für Neuanmeldungen Herr Dr. Emil S i m 0 n s 0 h n, Berlin-Schöneberg, Maxstraße 29): Bei einer Versammlung des Zweigvereins in Bristol, die am Sonntag den 10. er. abgehalten wurde, teilte der Ehrensekretär der Organisation Herr Clement I. S a l a m a n im Laufe seiner Bemerkungen von den Beziehungen zwischen Jtoismus und Zionismus mit, daß, obwohl er selbst ein warmer Zionist sei, er es für seine Pflicht halte, die falschen Darstellungen gewisser hervorragender Zionisten klarzulegen. Er bemerkte: Herr Wolffsohn, der zionistische Führer, hätte als ehrlicher Zionist offen die sehr großen Schwierigkeiten der sogenannten praktischen Arbeiten in Palästina im gegenwärtigen Augenblick besprochen. Die Ito sei deswegen zu dem Entschluß gekommen, andere territoriale Möglichkeiten zu erforschen. Er erklärte deutlich, daß die neue Organisation nicht gebildet sei, um die Juden aufzufordern, in Amerika einzuwandern, und Zangwill hatte es ja selbst gesagt, daß der Rat der Ito an diejenigen, die im Begriffe sind, nach Amerika auszuwandern, lautet: Tut es nicht! Was die Ito indessen vorgeschlagen hat, ist die Regelung der Auswanderung derjenigen, welche doch gehen, so daß selbst diese eine bessere Aussicht für ihr Forckommen haben und dadurch eine große neue Aera für zukünftige Auswanderer eröffnet ist. Es war sehr einfach, die Vereinigten Staaten anzuklagen, aber

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