Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1907-03-15 · Heft 11 (15.3.1907) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 11 (15.3.1907)
Date
1907-03-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3063367-3063378--04756-3071622
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 8. Die Wahrheit Nr. 11. heftige Oppositon anzukämpfeu, die immer mehr an Anhängern unter den Mitgliedern gewann und schließlich eine vollkommene Aenderung in der Leitung herbeiführte. In der Dienstag, den 12. d. M., im Saale „zum goldenen Widder" stattgehabten Generalversammlung fand die Neuwahl des Vorstandes statt, wobei bei einer Anwesenheit von nahezu 300 Mitj gliedern die Liste der Opposition mit großer Majorität dnrchdrang. Ge-; wählt wurden für den Vorstand:- Ignaz Beckmann, Johann Böhmer, > Leopold Blaß, Arnold G u t t m a n n, Arnold Hirsch, Edmund Hof-! mann, AdolfM a r m o r e k, Moriz Neumann, Theodor Ranb it sch ek,! Ignaz Sem berge r, Leopold W e i n w u r m, Emanuel Taub; als! Ersatzmänner: Moriz Kaiser, Joses Orn stein; zu Revisoren: Alfred j Mattersdorf. Oswald Tauber. Die Konstituierung des Vorstandes findet in den nächsten Tagen statt, und ist für die Stelle der Präsidenten Herr Arnold Hirsch in Aussicht genommen. I Wien Freitag, den 15. März, 3/412 Uhr mittags, findet im großen i Festsaale der Wiener Universität die Promotion des Hörers der israel.- rheolog. Lebranstalt, Phil. C. Heinrich S ch w e n g e r, zum Doktor der Philosophie statt. Wien. Am 3. d. M. veranstaltete der jüdisch-literarische Kulturverein „I e h n d a Halevy" einen Purim-Abend, der von Danien und Herren aus den besten Kreisen der hiesigen Intelligenz sehr gut besucht war. Nach kurzer Begrüßungs-Ansprache seitens des Obmannes Herrn Mark improvisierte stud. phil. Karniol einen glänzenden und geistvollen Vortrag über die Bebemung des Purim-Fcstes. Hierauf las Herr N. C h a m a i d e s einzelne Uebersetzungen aus der jungjüdischen Literatur und erntete damit ungeteilten Beifall. Ferner rezitierte Herr Josef Grob einige auf den Fest-Abend bezughabende jüdische Dichtungen von „8ch ol orn Al ecliem“ in musterhafier Weise. Den Abschluß dieser so gemütlichen Feier bildere eine Rede in hebräischer Sprache durch stud. phil. Herrn Schöner. Brünn Der Kantor der hiesigen Kultusgemeinde, Herr M. L. F e l d m a n n, begeht om 17. d. M. das vierzigjährige Jubiläum seiner berusstreuen und allseitig anerkannten Amtswirksamkeit in der hiesigen Gemeinde. Wie wir vernehmen, sind in Gemeinde- und Kollegenkreisen mannigfache Ovationen für den Jubilar geplant. Preßburg. Sonntag, den 17. März 1907, abends 1/„8 Uhr, veranstaltet der „Ahavat-Zion-Verein" im großen Saale des Etablissement „Bellevue" einen Jüdisch-literarischen Abend unter freundlicher Mitwirkung der Herren: k. k. Baurat Architekt Oskar M a r m o r e k, Mitglied des großen Aktionskomitees und des Kultusvorstandes, Wien; Professor Arpad Sebestyen, Preßburg; Josef Baffer, Kantor, Wien; Leopold Küschner. Opernsänger, Wien; Wilhelm SLfrüny, Mitglied des Preßburger Stadttheater-Ensembles; Fried mann Ernö, Preßburg, Samuel Strauß, Wien, Rezitatoren; Adolphe E r n e st, Konservatorist, Wien, sowie des Männergesangvereines „Schir Chodosch" unter der Leitung des Herrn Kantors I. Kijevszky. Trencsiu-Teplitz Herr Kantor M. Treuhaft aus Bösing ist nach beifällig aufgenommenem Probevortrage hier in gleicher Eigenschaft akzeptiert worden. Berlin. Am 3. d. M. fand eine Sitzung des Zentralkomitees des Hilfsvereins der Deutschen Juden hier statt. In dieser wurde der Geschäftsbericht, der den sämtlichen Mitgliedern bereits Vorgelegen hatte, genehmigt. An die Sitzung schloß sich die Generalversammlung der Mitglieder des Hilfsvereins der Deutschen Juden. Herr James Simon gedachte zunächst der Verstorbenen, und zu Ehren jener verstorbenen Mitglieder, die sich dem Hilfsverein der Deutschen Juden in aufopferndster Weise gewidmet haben, erhoben sich die Versammelten von ihren Plätzen. Der Vorsitzende dankte darauf der großen Anzahl ehrenamtlicher Mitglieder, die im ganzen Deutschen Reich dem Hilfsverein ihre Dienste zur Verfügung stellen, und erstattete sodann den Geschäftsbericht. Ueber die Lage in Rußland sprach Herr Dr. Nathan, den Kassenbericht trug Herr Dr. Ellstätter vor. Der Geschäftsbericht wurde darauf seitens der Versammlung genehmigt und Entlastung für die Verwaltung erteilt. Herr Schwarz-Berlin bat die Anwesenden, sich zum Zeichen der Dankbarkeit für die Geschäftsführung von den Sitzen zu erheben. Das geschah. Die Generalversammlung wurde darauf geschlossen. Nunmehr leitete Privatdozent Dr. Mittwoch mit einigen einführenden Worten über die Falaschas einen Vortrag von Dr. I. Faitlowitsch aus Paris über dasselbe Thema ein. Dr. Faitlowitsch ist 18 Monate in Abessinien gewesen und war daher in der Lage, auf Grund persönlicher Anschauungen über die Falaschas, diesen versprengten Stamm des Judentums, Bericht zu erstatten. Er schloß seinen interessanten Vortrag mit der Bitte, daß die Juden der zivilisierten Welt sich der Falaschas annehmen mögen. Herr James Simon konnte feststellen, daß seitens des Hilfsvereins der Deutschen Juden bereits ein Betrag bewilligt worden ist, zu dem Zwecke, junge Falaschas in Jerusalem der Segnungen moderner Erziehung teilhaftig werden zu lasten. Der Schluß der Sitzung fand um 1 Uhr statt. Berlin. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund errichtet auch in diesem Jahre in Berlin, und zwar sogleich nach Beendigung des Peßachfestes, einen Fortbildungskursus für Kantoren unter Leitung derselben beiden Herren, welche in den früheren Kursen den Unterricht erteilt haben: des Musikdirektors Hauptkantor F r i e d m a n n für das speziell liturgische und des Professors William Wolf für das allgemein musikalische Fach: Theorie, Gesangsvortragslehre und alles damit Zusammenhängende. Sowohl die erzielten Erfolge, als auch das immer von neuem hervortretende Bedürfnis nach Erweiterung und Vertiefung der Kenntnisse junger Kantoren und Kantoratskandidaten haben die Fortführung dieser Kurse als höchst wünschenswert und wichtig erwiesen. Das heutige Kantorat erfordert in gleichem Maße eine gründliche und umfassende Bekanntschaft mit den alten traditionellen Singweisen, wie anderseits eine musiktheoretische Schulung zur Beherrschung und zum kunstgerechten Vortrag der modernen liturgischen Gesänge, und an beiden mangelt es den jungen Vertretern des Kantorenfaches oft in erheblichem Grade. Was in den drei Monaten, die für den Kursus bestimmt sind (in diesem Jahre von Montag, den. 8. April bis zum Beginn der Sommer-Schulferien, bis Freitag, den 5. Juli), bei hingebendem Fleiße der Teilnehmer erlernt, werden kann, macht zwar nicht den ganzen Umfang des zu Erlernenden aus, begreift aber einen sehr bedeutenden Teil desselben in sich, legt aber vor allem die sicheren Fundamente und gibt die rechte Anweisung zum weiteren Selbststudium, das alsdann in verhältnismäßig kurzer Zeit zu vollbefriedigenden Resultaten führen kann. Wer an dem Kursus teilzunehmen wünscht (derselbe ist unentgeltlich), möge sich an den Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebuudes (Berlin, W 35, Steglitzerstraße 85) wenden, und zwar baldmöglich, damit die nötigen Vereinbarungen und Vorbereitungen zeitig getroffen werden können. Die Aase von Saron. Novelle von Babelte Fried-Prag. (Fortsetzung.) Von der Wucht dieses schweren und nur zu begründeten Vorwurfes gebeugt, saß Adolf Brauer wie gebrochen da. Sommer empfand Mitleid mit dem Freunde. .Sinnend süßer eine Weile da, dann begann er wieder: „Wie kommt es. daß Sie bei Ihrer ersten Begegnung hier in diesem Zinimer, und auch später als Sie in ihren: Hause verkehrten, von dieser scharfsinnigen Dame nicht erkannt wurden?" „Dies ist leicht erklärlich. Ich habe mich sehr verändert. Aus dem überschlanken, zierlichen Manne mit dem blassen Teint und dem blonden Schnurrbärtchen über den schmalen Lippen ist ein wetterharter Kraftmensch geworden, mit langem,' krausem, graumeliertem Vollbarte. Meine zierlichen, über die Stirn herabfallenden Löckchen sind verschwunden, und die kahle Stirne mit der beginnenden Glatze sowie das blaue Augenglas, das id). trage, macht mich ebenfalls unkenntlich. Schließlich ist es auch nicht das Auge der Liebe, mit dem sie mich betrachtet; dieses hätte vielleicht in dem Fremdling den Gatten erkannt. Auch meine Stimme hat sich sehr verändert. Sle hat durch die Unbilden des Wetters, dem ich unablässig ausgesetzt war, viel von ihrem früheren Wohlklange eingebüßt, sie ist von dem steten Einatmen der vom Salzgehalt geschwängerten Seeluft rauh geworden." „Und noch ein Moment vergaßen sie aufzuzählen, Herr Bräuer! Sie haben die größte Wandlung in geistiger Beziehung, durchgemacht: Aus dem leichtsinnigen, anscheinend bornierten Lebemanne ist ein ernster, in der harten Lebensschule gereifter Mann geworden, ein talentierter Schriftsteller. Dieser letzte Umstand ist es nämlich, der Sie für Ihre Frau unkenntlich macht. Also was jetzt? Ist es wirklich Ihr Wunsch, trotz allem Vorhergegangenen, mit Ihrer Familie vereinigt zu werden?" „Mein höchster," antwortete Bräuer. „Die wenigen Begegnungen, die ich mit meiner Frau hatte, zeigten mir,, daß auch s i e eine andere geworden ist. Die Büchergelehrsamkeit, die. sie besessen hatte, als. ich sie nahm, das Blaustrumpsfarbige, das ihr anhaftete und mir und anderen in so hohem Grade auffiel, ist einer verständigen Lebensanschauung gewichen, und ich bin nahe daran, mich in meine Frau ernstlich zu verlieben. Und meine Kinder! Ja, es war meiner Frau leicht, eine Rose von Saron zu schreiben, wenn sie das Modell dazu, die holde Klara, stets vor Augen hatte. Und der Jnnge, der Karl, ich sage Ihnen, das ist ein Prachtkerl!" „Wie aber stellen Sie sich es vor, sich den Ihren zu entdecken? So ohne Weiteres vor sie hinzutreten und zu sagen r Ich bin Euer Gatte und Vater, ich habe gefehlt im Himmel und vor Euch, nehmt mich wieder in Gnaden auf! das geht, doch nicht an. Ein Charakter wie Frau Hannas will subtilen behandelt sein." „Deswegen bin ich eben hier, um mir Ihren Rat zu erbitten. Als mir nach dem Lesen der ,Rose von Saron^

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.